19.1.2026 - Anne-Katrin Wehrmann

Echtes Handwerk für den schönen Klang

Handwerk

34-Jähriger führt den Bremer Traditionsbetrieb Lätzsch Custom Brass weiter

Benjamin Preuß hat Lätzsch Custom Brass übernommen, wo Blechblasinstrumente für den weltweiten Markt entstehen.
Benjamin Preuß hat Lätzsch Custom Brass übernommen, wo Blechblasinstrumente für den weltweiten Markt entstehen. © WFB/Hake

Eigentlich war Benjamin Preuß 2024 nur für seinen Urlaub in Bremen. Nach einem Besuch bei Lätzsch Custom Brass ging dann alles ganz schnell: Inzwischen ist der 34-Jährige Inhaber des international renommierten Blechblasinstrumentenmachers. Warum Preuß an eine Zukunft des Handwerks glaubt.

Manchmal beantwortet sich die Frage nach der Unternehmensnachfolge von selbst. Wie bei Hermann Nienaber. Schon eine Weile hatte der 74-Jährige nach einem Nachfolger für seinen weit über die Toren Bremens bekannten Fachbetrieb Lätzsch Custom Brass gesucht, der seit 1949 Blechblasinstrumente herstellt, repariert und wartet. An einem Sommertag im Jahr 2024 stand Benjamin Preuß in der Werkstatt. „Ich wollte nur ein bisschen quatschen“, erzählt der 40 Jahre jüngere Meister im Metallblasinstrumentenmacher-Handwerk. „Das mache ich immer so, wenn ich in einer fremden Stadt bin, in der es ein Unternehmen aus meiner Branche gibt.“ Nach einem offensichtlich sehr angenehmen Gespräch verließ Preuß den weltweit renommierten Betrieb mit dem Angebot, ihn zu übernehmen. „Das hat sofort gepasst“, erinnert sich Hermann Nienaber. „Ich hatte gleich ein gutes Gefühl, als Benni mir gegenüberstand.“

Renommierte Orchester gehören zur Kundschaft

Es ist ein glücklicher Zufall, der die beiden zusammenführte. Ursprünglich hatte der gebürtige Sauerländer seinen Sommerurlaub an einem anderen Ort verbringen wollen, doch dann musste er wegen unvorhersehbarer Umstände seine Pläne ändern und besuchte einen Freund an der Weser. Anschließend tingelte er noch weiter durchs Land. „Das Verrückte ist, dass mir in demselben Urlaub noch zwei weitere Jobs angeboten wurden“, berichtet Preuß. Lange überlegen musste er allerdings nicht, welche der Offerten er annehmen wollte – zu verlockend war das Angebot aus Bremen. „Ich hatte ohnehin schon überlegt, mich selbstständig zu machen“, sagt er. „Und Lätzsch hat einfach weltweit einen Top-Namen, das konnte ich nicht ausschlagen.“

Wenn es um ihre Blechblasinstrumente geht, setzen bekannte Orchester wie das Gärtnerplatztheater in München, die Berliner Staatsoper Unter den Linden oder das Gürzenich-Orchester Köln ebenso auf die Dienstleistungen von Lätzsch Custom Brass wie renommierte Musikerinnen und Musiker. Unter ihnen sind nationale und internationale Größen wie die Tubistin Ruth Obry, der US-amerikanische Posaunist Kenneth Thompkins oder der türkische Jazz-Posaunist Efe Erdem. „Es ist schon ein tolles Gefühl, jemanden bei einem Konzert im Fernsehen zu hören, dessen Instrument vorher hier bei uns in der Werkstatt war“, sagt Benjamin Preuß.

Neben dem Neubau zählt auch die Reparatur von Blechblasinstrumenten zu den Schwerpunkten.
Neben dem Neubau zählt auch die Reparatur von Blechblasinstrumenten zu den Schwerpunkten. © WFB/Hake

Vom Tuba-Spieler zum Metallblasinstrumentenmacher

Die Begeisterung ist Preuß anzumerken, wenn er über seinen Beruf spricht. Er benötigte allerdings einen Umweg, um ihn für sich zu entdecken. Nach der Schule hatte er sich im Sauerland zunächst zum Industriekaufmann ausbilden lassen, stellte dann aber fest, dass ihn die Büroarbeit nicht wirklich ausfüllte. „Ich habe dort aufgehört und eine Weile hier und da gejobbt, unter anderem im Fensterbau“, berichtet Preuß. „Da habe ich gemerkt, dass ich unbedingt etwas Handwerkliches machen möchte.“ Wenige Jahre zuvor hatte er angefangen, Tuba zu spielen – auch das, wie so oft im Leben, eher durch Zufall. Damals hatte ihn das örtliche Blasorchester gefragt, ob er während eines Konzerts beim Ausschank helfen könne. In Bierlaune kündigte er dann am späteren Abend an, im Jahr darauf selbst mitspielen zu wollen. „Eigentlich hatte ich die Oboe im Sinn“, erzählt der 34-Jährige und lacht. „Aber dann haben die anderen gesagt, ich hätte eine Tuba-Schnauze.“

Als er 2017 vor der Frage stand, welche handwerkliche Ausbildung er beginnen könnte, dachte er an seine Tuba und überlegte sich: „Irgendjemand muss die Instrumente ja bauen“. So bewarb er sich in einem Musikgeschäft mit Reparaturbetrieb und startete eine Ausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher. „Ich wusste sofort, dass das mein Traumberuf ist und dass ich meinen Meister dranhängen will“, sagt er. „Ich wollte die Instrumente nicht nur reparieren, sondern auch selbst machen.“ Weil die Branche klein und überschaubar ist, war klar, dass er umziehen musste. Preuß entschied sich für einen Betrieb in Oberbayern, bei dem er seine Meisterfortbildung erfolgreich abschloss.

Werkstatt liegt mitten in einer Wohnstraße

Und nun also Bremen. Es gefalle ihm hier ausgesprochen gut, erzählt er. „Ich habe mich schon gut eingelebt und fühle mich mittlerweile sehr wohl in der Stadt. Wenn ich auf die Straße gehe, treffe ich ständig Leute, die ich schon kenne, das finde ich schön.“ Was ihm darüber hinaus gefalle: dass die Bremerinnen und Bremer lockerer und entspannter seien als die Menschen in Bayern.

Die Werkstatt seines Betriebs ist im Keller eines Altbremer Hauses mitten in einer Wohnstraße im „Viertel“ untergebracht. Im Erdgeschoss befinden sich Ausstellungsraum und Büro. Obendrüber leben unverändert der frühere Inhaber Hermann Nienaber und seine Frau Heike. „Das Miteinander ist super, bei den meisten Fragen sind wir uns sehr einig“, betont Benjamin Preuß. Am Arbeitsplatz des neuen Chefs in der Werkstatt hängt neben diversen Werkzeugen und Arbeitsutensilien auch ein großer Bremer Schlüssel mit roter Schleife – ein Geschenk seines Vorgängers zum „Einzug“. Als Symbol für die Schlüsselübergabe, wie Nienaber sagt: „Wenn Benni nicht damals hier vor der Tür gestanden hätte, hätte es passieren können, dass ich irgendwann für immer hätte abschließen müssen.“

Der 74-Jährige ist nicht nur froh, dass es den Firmennamen und die Werkstatt auch in Zukunft geben wird, sondern auch, dass sein Nachfolger die beiden langjährigen Gesellen übernommen und sogar einen neuen Auszubildenden eingestellt hat. Er selbst will für einen Übergang von drei Jahren an Bord bleiben und seine Arbeitszeit sukzessive herunterfahren. Wehmütig sei er nicht: „Aber von hundert auf null, damit hätte ich ein Problem gehabt“, meint er. „Meine Arbeit war ja mein Hobby, sonst hätte ich das gar nicht so lange machen können.“ Nun genieße er es, sich nicht mehr mit Bürokram befassen zu müssen, sondern sich voll und ganz auf die Instrumente konzentrieren zu können.

Hermann Nienaber bleibt noch eine Zeitlang im Betrieb.
Hermann Nienaber bleibt noch eine Zeitlang im Betrieb. © WFB/Hake

„Das Schöne ist, Handwerk und Musik miteinander zu verbinden“

Auch Benjamin Preuß freut sich darauf, nach der bürokratischen Zeit der Betriebsübernahme bald wieder häufiger in der Werkstatt zu stehen und das zu tun, was er an seinem Beruf so liebt. „Egal ob drehen, schmieden oder biegen: Dieses ganz ursprüngliche Handwerk macht mir einfach am meisten Spaß“, stellt er fest. „Das Schöne daran ist, Handwerk und Musik miteinander zu verbinden und dann am Ende etwas in der Hand zu halten, was so schön klingt.“

Am häufigsten sind es Posaunen, die in seinem Betrieb entstehen. Zuletzt waren vermehrt auch Cimbassi dabei – tiefe Blechblasinstrumente, die laut Preuß „sehr böse Musik machen können“ und sich daher hervorragend für Filmmusik eignen. In Zukunft möchte er verstärkt auch kleinere Blechblasinstrumente wie Trompeten und Flügelhörner ins Programm nehmen.

„Die Menschen legen wieder mehr Wert auf Handarbeit“

Vom ersten Schritt des Entwickelns eines neuen Instruments zusammen mit dem Auftraggeber bis zur Auslieferung dauert es etwa vier bis sechs Monate. Je nach Art und Größe des Produkts findet sich auf der Abschlussrechnung in der Regel eine Summe zwischen 4.500 und 20.000 Euro. „Wer so viel Geld investiert, soll dafür auch ein perfektes Instrument bekommen“, betont der 34-jährige Preuß. „Das ist mein Anspruch.“ Die Aussichten für die Zukunft schätzt er durchaus positiv ein: „Wir merken, dass die Menschen wieder mehr Wert auf Handarbeit legen. Nicht nur Profis, auch gute Laien investieren und wollen kein Instrument von der Stange.“

Auch wenn er nach eigener Aussage schon frischen Wind in den Betrieb gebracht hat: Verändern will Preuß nur punktuell. „Wenn ich das Gefühl habe, dass wir etwas besser machen können, reden wir darüber und packen es an. Aber das meiste hat sich ja über lange Zeit bewährt, darum wird es auch so bleiben.“ Als geplante Neuerung hat er zum Beispiel die Anschaffung eines 3D-Druckers im Sinn, mit dem sich unter anderem Biegeformen und Lötvorrichtungen herstellen ließen. „Wenn ich Formen habe, die optimal passen, kann ich viel Zeit sparen“, erläutert er.

Unabhängig von jeglichem Technikfortschritt werde die Handarbeit aber immer Bestand haben. „Wenn ich mir beim Bau eines Instruments Zeit nehme und zum Beispiel durch Hämmern das Material verdichte, hat das Auswirkungen auf den Klang“, betont Preuß. „Auch individuelle Anpassungen sind nur manuell möglich. Das merken die Kunden, und das zeichnet uns als kleinen Handwerksbetrieb aus.“

Pressekontakt: Benjamin Preuß, Lätzsch Custom Brass, Telefon: +49 421 71 96 6, E-Mail: info@laetzsch.com 

Bildmaterial: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Benjamin Preuß hat Lätzsch Custom Brass übernommen, wo Blechblasinstrumente für den weltweiten Markt entstehen. ©WFB/Björn Hake

Foto 2: Neben dem Neubau zählt auch die Reparatur von Blechblasinstrumenten zu den Schwerpunkten. ©WFB/Björn Hake

Foto 3: Hermann Nienaber bleibt noch eine Zeitlang im Betrieb. ©WFB/Björn Hake

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen. Bei Fragen schreiben Sie einfach eine E-Mail an: pressedienst@bremen.de

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