Blühendes Paradies
PressedienstHartwig Schepker leitet den größten Rhododendronpark der Welt
Der Bremer Rhododendronpark verwandelt sich in jedem Frühjahr in eine blühende Oase. Auf 46 Hektar erstreckt sich die weltweit größte Sammlung dieser Pflanzenart. Für Parkleiter Dr. Hartwig Schepker sind die Sträucher ein Lebensthema. Alles begann im Garten seiner Eltern.
Wenn er gefragt wird, was ihn an Rhododendren so fasziniert, muss Hartwig Schepker nicht lange überlegen. „Die Vielfalt“, sagt der Leiter des Rhododendronparks Bremen. Und die lässt sich auf dem weitläufigen Gelände im Stadtteil Horn eindrucksvoll erleben: Zarte, geradezu filigrane Stauden in rosa, flamboyante Gewächse mit leuchtend gelber Pracht, haushohe Büsche mit großen Blüten in sattem Pink oder Pflanzen mit kunstvollen Mustern in den Blüten. Manche verströmen einen leicht süßlichen Duft, andere riechen ein wenig wie Zitronenmelisse. Mit 650 Arten und 3.750 Sorten gilt die Rhododendron-Sammlung im Bremer Park als größte der Welt.
Zur Hauptblüte im Frühjahr kommen jährlich viele tausend einheimische und auswärtige Besucherinnen und Besucher. Auf Online-Portalen erhält der Park regelmäßig Spitzenbewertungen. „Wunderschön“ oder auch „ein Highlight“ schreiben viele Gäste. Von einem Märchenwald ist da die Rede, von tanzenden Glückshormonen beim Betreten der Anlage, von einem Muss für Pflanzenliebhaber, einem Ort, an dem man die Seele baumeln lassen könne, und einer der besten Sehenswürdigkeiten Bremens.
„Wenn man losrennt mit der Schaufel, dann sollte man die Karre nach Möglichkeit mitnehmen. Aber das kriegst du hin.“
Rhododendron im Garten der Eltern gezüchtet
Hinter den vielen Top-Bewertungen im Internet steckt harte Arbeit. Ein 22-köpfiges Gartenteam sorgt dafür, dass die Anlage das ganze Jahr über in Schuss bleibt. Finanziert wird die Pflege größtenteils durch Stiftungserträge und Spenden, denn der Eintritt in den Park ist frei. Hartwig Schepker leitet ihn seit mehr als 20 Jahren. Wer mit ihm auf dem Gelände unterwegs ist, merkt schnell, dass ihm immer noch Dinge einfallen, die in seinen Augen noch schöner werden können und sollen – seien es neue Sorten oder eine neue Beet-Einfassung.
Rhododendren sind für ihn schon früh zu einem Lebensthema geworden. Dabei hatte alles eher unspektakulär mit einer Frage seines Schwagers angefangen: „Sag mal, was willst du eigentlich nach dem Abi machen?“ Hartwig Schepker hatte darauf keine Antwort. Der Schwager hatte eine Idee: „Du buddelst doch mit deinen Eltern immer im Garten rum. Hast du nicht mal überlegt, ob Gartenbau etwas für dich wäre?“ Schepkers Interesse war geweckt, doch für ein Gartenbau-Studium reichte sein Abitur-Notenschnitt nicht. Der Schwager vermittelte ihm einen Ausbildungsplatz in einer Baumschule seines Nachbarn im Ammerland. „Als Lehrling muss man ein bisschen mitdenken“, gab ihm der Chef mit auf den Weg. „Wenn man losrennt mit der Schaufel, dann sollte man die Karre nach Möglichkeit mitnehmen. Aber das kriegst du hin.“
Aus dem Mitdenken wurde bei Hartwig Schepker schnell ein Weiterdenken: Welche Bedingungen brauchen Pflanzen, um gut zu gedeihen? Wie lassen sie sich züchten und weiterentwickeln? Bereits im ersten Ausbildungsjahr lernte er, Rhododendren zu veredeln. Er begann, in einem selbstgebauten Gewächshaus im Garten seiner Eltern diese Pflanzen zu züchten. Als er nach der Lehre und einigen Wanderjahren doch noch das Gartenbau-Studium in Hannover anschloss, war einer seiner Professoren Vorstandsmitglied der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft. Er lud die Studierenden ein, an einer internationalen Rhododendron-Tagung teilzunehmen. „Da habe ich gemerkt, was für ein interessantes Forschungsthema diese Pflanzen sind.“
Ausbildungs- und Berufsweg war „wie ein Geschenk“
Neben der Pflanzenproduktion interessierten ihn aber auch die ökologischen Zusammenhänge. Diesen widmete er sich in seiner Doktorarbeit. Er schrieb darin über invasive Pflanzenarten aus anderen Erdteilen und darüber, wie sie die heimische Flora verändern können. Rückblickend empfindet der 62-Jährige seinen Ausbildungs- und Berufsweg von der Baumschule bis zur Promotion „wie ein Geschenk, um so einen Job wie hier in Bremen machen zu können“, so Schepker.
Denn der ist anspruchsvoll: „Wir kultivieren hier auf 46 Hektar Pflanzen, Bäume, Sträucher, Stauden und Gräser. Und um die hier richtig verwenden zu können, muss man nicht nur wissen, wie die Pflanze heißt, wie sie funktioniert und wo sie wachsen muss, sondern man muss auch die ökologischen Rahmenbedingungen beachten.“
Park ist auch ein Botanischer Garten
Wer möchte, kann sich im Rhododendronpark nicht nur erholen, sondern auch eine Menge über Pflanzen lernen, denn der Park ist auch ein Botanischer Garten, in dem insgesamt etwa 5.000 Arten aus aller Welt wachsen. Besucher können zum Beispiel erfahren, wie sich die heimische Flora durch den Klimawandel verändert, oder auch praktische Tipps bekommen: „Wir informieren über jene Pflanzen, die auch im Privatgarten oder an der Straße Probleme machen: Wie erkenne ich die? Was ist der Unterschied zwischen dem heimischen Bärenklau und dem Riesen-Bärenklau?“, erklärt Schepker.
Auf Reisen viele Arten in ihrer ursprünglichen Umgebung erlebt
Die große Pflanzenvielfalt sorgt dafür, dass es im Park beinahe das ganze Jahr über blüht. Im Frühjahr jedoch sind zweifellos die Rhododendren die Hauptattraktion: Die hat Schepker bereits als junger Rucksackreisender an Orten entdeckt, wo er sie damals gar nicht vermutet hätte, etwa in tropischen Gefilden Borneos oder Thailands. Inzwischen kann er auf rund ein Dutzend Reisen zurückblicken, bei denen er Rhododendren in ihrer ursprünglichen Umgebung erlebt hat, im Himalaya etwa, in den Appalachen oder in China.
Rhododendron können bis zu 30 Meter emporwachsen
Wenn er davon erzählt, hört man die Begeisterung in seiner Stimme: „Das packt Sie, wenn Sie drei Wochen in den Bergen unterwegs sind und auf 3.000 oder 4.000 Höhenmetern in einer Quadratkilometergroßen blühenden Rhododendron-Landschaft stehen. Einfach grandios.“ Auch die schiere Höhe mancher Rhododendronarten ist imposant: Sie können bis zu 30 Meter emporwachsen. Zum Vergleich: Der berühmte riesige Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York maß 2025 rund 23 Meter.
Bei seiner Arbeit im Park profitiert Hartwig Schepker davon, dass er viele Arten schon einmal in ihrer natürlichen Umgebung gesehen hat: „Wenn man die Pflanzen richtig verstehen will, hilft es sehr, wenn man sie sich an ihrem Naturstandort anschaut und guckt, unter welchen Bedingungen sie dort leben. Wie gedeihen sie im Zusammenspiel mit anderen Pflanzen, mit anderen Bäumen, mit Begleitflora? In welchen Höhenlagen wachsen sie? Wie feucht ist der Boden? Wann bekommen sie Sonne – und wie viel?“
Züchtungen wurden mit der Zeit individueller
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts werden Rhododendren in Europa gezüchtet. Viele der Pflanzen stammen ursprünglich aus Ostasien und Nordamerika und entwickelten sich in Europa zu beliebten Gartengewächsen. Hartwig Schepker vergleicht die Geschichte der Rhododendronzüchtungen gern liebevoll mit der Kunstgeschichte. Als „Alte Meister“ bezeichnet er meist üppige Sträucher mit großen Blüten, die in England gezüchtet wurden und oft in den Gärten von Earls und Lords zu finden waren. „Die wollten die schönen Blüten natürlich auch aus der Distanz erkennen, wenn sie ihren Blick über ihr weitläufiges Anwesen schweifen ließen.“ Doch ähnlich wie es in der Kunstgeschichte mit dem Aufkommen des Impressionismus und Expressionismus der Fall war, wurden auch die Rhododendron-Züchtungen mit der Zeit individueller.
So kamen etwa nach und nach kompaktere Züchtungen auf den Markt, die sich auch für kleinere Gärten eigneten. Und in der Moderne oder Postmoderne der Rhododendren-Züchtungen wird noch einmal anders mit Farben und Formen gespielt. Außergewöhnliche Farbverläufe oder lange, schmale Blütenblätter verleihen den Pflanzen ein markantes Aussehen.
Park wurde 1937 eröffnet und zweimal erweitert
Diese Vielfalt sichtbar zu machen, ist Hartwig Schepker und seinem Team wichtig. Zweimal wurde der 1937 eröffnete Bremer Rhododendronpark schon erweitert. Unter wechselnden Parkdirektoren kamen neue Züchtungen hinzu – und Hartwig Schepker bleibt dem Vergleich mit der Kunstgeschichte auch hier treu. „In München gibt es ja auch die Alte Pinakothek, die Neue Pinakothek und die Pinakothek der Moderne“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Seine persönliche Pinakothek der Rhododendron-Moderne ist das „Yakushimanum-Tal“ im Park. Benannt ist es nach einer neueren Art, die durch eine besonders schöne Laubfärbung auffällt und in diesem Teil des Parks mit hohen Gräsern und anderen buntlaubigen Gehölzen kombiniert wurde. Für Hartwig Schepker steht fest: „Wer Rhododendren altbacken findet, der weiß einfach nicht, wie unterschiedlich diese Pflanzen aussehen können.“
Pressekontakt:
Dr. Hartwig Schepker, Leiter Rhododendronpark Bremen, Telefon +49 421 427 066 15
E-Mail: schepker(at)rhododendronpark-bremen.de
Bildmaterial:
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
Foto 1: Hartwig Schepker leitet den Rhododendronpark seit mehr als 20 Jahren. ©WFB/Björn Hake
Foto 2: Parkleiter Hartwig Schepker freut sich über die Blütenpracht. ©WFB/Björn Hake
Foto 3: Manchmal kommt das Elektromobil zum Einsatz, um im 46 Hektar großen Park von A nach B zu kommen. ©WFB/Björn Hake
Foto 4: Sowohl bei Bremerinnen und Bremern als auch bei Auswärtigen ist der Park sehr beliebt. ©WFB/Björn Hake
Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH.
Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.
Bei Fragen schreiben Sie einfach eine E-Mail an: pressedienst@bremen.de
Erfolgsgeschichten
Alles andere als Gleichmacherrei - Wie ein Pädagoge Eltern und Lehrkräfte zu einer neuen Ära des Lernens ermutigen will
Als ehemaliger Schulleiter lässt die Zukunft der Schule Dr. Joachim Wolff auch im Ruhestand nicht los. Der Pädagoge will Eltern, Lehrkräfte und für Bildungspolitik Verantwortliche Mut machen, an einer neuen Form des Lernens fernab von „Gleichmacherei“ mitzuarbeiten. Gerade ist sein Buch „Aufbruch ins unentdeckte Land: inklusive Schule“ erschienen.
zur BIS BremerhavenIm Rausch des Brotes
In der Coronazeit haben etliche Menschen mit dem Brotbacken angefangen. Bei vielen ist das Hobby wieder in Vergessenheit geraten, nicht so bei Philipp Herrnberger. Er gründete das Start-up Brotrausch, das Backmischungen für besondere Brote vertreibt. Nachdem das Unternehmen 2025 vor dem Aus stand, startet es nun wieder durch.
Backofen vorheizenSie wollen doch nur spielen
Vom Zwei-Mann-Team zum Unternehmen mit mehr als hundert Mitarbeitenden: Der Bremer Videospiele-Entwickler King Art Games blickt 26 Jahre nach seiner Gründung auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Und die ist noch lange nicht zu Ende geschrieben. Mit der Veröffentlichung seines bisher ambitioniertesten Projekts steht der nächste Meilenstein bevor.
Mehr erfahren