21.4.2026 - Janet Binder

Im Rausch des Brotes

Pressedienst

Wie ein Bremer Start-up versucht, Menschen für gutes Brot zu begeistern

Der Geschäftsführer von Brotrausch, Philipp Herrnberger, sitzt hinter einem Tisch, vor ihm stehen einige seiner bunt bedruckten Brotmischungen.
Philipp Herrnberger ist Geschäftsführer des Bremer Start-ups Brotrausch. © WFB/Jens Lehmkühler

In der Coronazeit haben etliche Menschen mit dem Brotbacken angefangen. Bei vielen ist das Hobby wieder in Vergessenheit geraten, nicht so bei Philipp Herrnberger. Er gründete das Start-up Brotrausch, das Backmischungen für besondere Brote vertreibt. Nachdem das Unternehmen 2025 vor dem Aus stand, startet es nun wieder durch.

An diesem Tag verteilt sich im Verkaufsraum mit Küche und angeschlossenem Büro in der Bremer Überseestadt ein Duft nach frisch gebackenem Brot. Im Backofen nehmen drei Laibe mit den Namen „Siebzehn Elemente“, „Seltene Sorten“ und „Feines Urkorn“ langsam Form und Farbe an. Später will Philipp Herrnberger, Geschäftsführer des Bremer Start-ups Brotrausch, zusammen mit einer Kollegin in die Bremer Innenstadt ziehen: Dort wollen sie Passanten das frisch gebackene Brot im Vergleich zu Graubrot aus dem Supermarkt probieren und bewerten lassen. Festhalten wollen sie die Reaktionen in kleinen Filmchen für Social Media. Die beiden müssen die Antworten nicht fürchten. „Wir sind überzeugt von der Qualität unserer Backmischungen“, sagt Philipp Herrnberger. Er weiß aus Erfahrung, dass das Brot den Menschen schmeckt.

Alles begann während der Corona-Pandemie

Angefangen hat die Geschichte von Brotrausch während der Corona-Pandemie. So wie viele andere Menschen, fing auch Philipp Herrnberger an, zuhause Brot zu backen. „Ich liebe gutes Brot“, betont er. Er habe es aber, je älter er wurde, aber immer weniger vertragen. Ein Grund dafür sei, dass „industriell hergestelltes Brot zu wenig Zeit zum Gehen hat und auch minderwertige Zutaten enthält“. Gute Produkte aus Sauerteig böten jedoch nur noch wenige Bäckereien an. Und von den Backmischungen, die er in den Supermarktregalen fand, war er enttäuscht.

Daher setzte der 41-Jährige einen eigenen Sauerteig an. Schnell merkte er, dass es gar nicht so einfach ist, sein eigenes Brot zu backen. „Das ist eine komplexe Angelegenheit“, betont er. Mancher Versuch scheiterte. „Mal habe ich das Salz vergessen, mal stimmte das Mischverhältnis nicht oder die Backform war nicht die Richtige.“ Er wusste, dass er nicht der einzige Hobbybäcker mit Misserfolgen war. In ihm setzte sich daher die fixe Idee fest, Backmischungen für besonderes und bekömmliches Brot mit „Geling-Garantie“ auf den Markt zu bringen.

Eine Hand mit einem Ofenhandschuh nimmt ein fertig gebackenes Brot aus einem Backofen.
In den Backmischungen sind Zutaten wie Flohsamenschalen und gepuffter Reis. © WFB/Jens Lehmkühler

5. Mai ist Tag des Deutschen Brotes  

„Ich dachte, die Leute rennen uns die Bude ein“, sagt Phillipp Herrnberger. Schließlich ist Brot in Deutschland nicht nur ein Nahrungsmittel: 2014 wurde die deutsche Brotkultur Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks gibt es hierzulande mehr als 3.000 eingetragene Brotspezialitäten. Und am 5. Mai wird sogar der Tag des Deutschen Brotes gefeiert. Ganz so einfach war die Umsetzung der Geschäftsidee hin zum Start-up jedoch nicht – aber dazu später.  

Herrnberger hatte bis dahin beruflich weder mit Brot noch mit Lebensmitteln zu tun. Sein Gebiet war der Sport: Er war zu der Zeit Sponsoring-Leiter beim SV Werder Bremen, davor war er Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten VfB Oldenburg.  Aber er kannte sich mit Vertrieb aus und hatte Lust, beruflich neue Wege zu gehen. „Ich habe mich an den Küchentisch gesetzt, Backanleitungen geschrieben und Verpackungen entwickelt.“ Es ging nicht nur darum, Dinkelmehl mit Salz zu mischen. „Bei uns sind Zutaten drin, die man nicht so leicht in der Vorratskammer findet: Emmer-Vollkornmehl, gepufftes Reismehl oder Erbsenschrot und Flohsamenschalen als Ballaststoff-Lieferanten.“

Investor sprang kurzfristig ab – Neustart

Ende 2023 war es so weit: Im Rahmen der Bremer Genussmesse Fisch & Feines präsentierte das junge Unternehmen seine ersten Backmischungen im modernen Design und erzielte von Anfang an viel Aufmerksamkeit. „Wir haben sehr viel positive Resonanz erlebt.“ Der Onlineshop war gut besucht. Dennoch konnte sich das junge Start-up finanziell so schnell nicht allein tragen. Es brauchte weitere Investoren, um die nächsten notwendigen Schritte finanzieren zu können. Tatsächlich wurde einer gefunden, der Notartermin stand fest – doch dann sprang der potenzielle Kapitalgeber ab. „Wir hatten plötzlich keinen finanziellen Handlungsspielraum mehr“, so Herrnberger rückblickend. Das Start-up mit zu der Zeit sechs festen Mitarbeitenden stand vor der Schließung. „Wir hatten schon den Ausverkauf gestartet.“ 

Ein Mann mit Mundschutz und Haarnetz arbeitet in der Brotproduktion.
Nach dem Neustart wurden die Produktionsprozesse verschlankt. © WFB/Jens Lehmkühler

Produktionsprozess wurde verschlankt  

Durch die mediale Berichterstattung aber wurde ein neuer Investor auf das junge Unternehmen aufmerksam. Sein Name ist bis heute in der Öffentlichkeit unbekannt, der Geldgeber möchte laut Herrnberger lieber im Hintergrund bleiben. „Er hat sehr viel unternehmerische Erfahrung, die uns bisher gefehlt hatte.“ Der Investor gab den entscheidenden Impuls, die Produktionsprozesse zu verschlanken, wodurch die laufenden Kosten gesenkt werden konnten. „Rückblickend war es gut, dass es gekracht hat. Wir haben vorher zu viele Fehler gemacht.“ Das Weihnachtsgeschäft 2025 sei sehr gut gelaufen, auch saisonale Produkte wie eine Backmischung für Christstollen seien ins Sortiment aufgenommen worden.  

Jeder soll gutes Brot backen können

Zehn unterschiedliche Brotbackmischungen hat Brotrausch inzwischen im Angebot. Zusätzlich werden Toppings wie „Weltmeistermix“, Brotzugaben wie „Cranberry/Walnuss“ sowie Brotsalze und süße Aufstriche angeboten. Wie zu den Anfängen geht es Herrnberger auch heute noch darum, dass jeder – „auch mit linken Händen“ – gutes Brot ohne unnötige Zusatzstoffe herstellen kann. „Dieser Stolz, sein Brot selbst gebacken zu haben, das kann einen keiner nehmen“, unterstreicht Philipp Herrnberger. Daheim backt er inzwischen zusammen mit seinem einjährigen Sohn.

„Bremen ist eine gründerfreundliche Stadt“

Am Standort fühlt sich das Start-up wohl. „Bremen ist eine gründerfreundliche Stadt“, sagt der Geschäftsführer. Der Vorteil als Stadtstaat sei, dass die Drähte hin zu den wichtigen Akteuren kurz seien. Und auch die neue Netzwerkorganisation Food Land Bremen, die Startups und etablierte Unternehmen bei der Entwicklung von Innovationen in der Lebensmittelbranche unterstützt, ziele in die richtige Richtung.  

Geschäftsführer Philipp Herrnberger lächelt in die Kamera und hält eine Scheibe Brot, in die er gleich hineinbeißen wird.
Einmal in der Woche ist der Verkaufsraum in der Überseestadt für Kundinnen und Kunden geöffnet. © WFB/Jens Lehmkühler

Mit dem neuen Investor ist einerseits finanzielle Ruhe im Unternehmen eingetreten, andererseits arbeitet es mit viel Energie weiter an seinem Erfolg. Immer noch wird mehr Geld ausgegeben als reinkommt. Um das zu ändern, versucht Brotrausch, neue Zielgruppen zu erreichen. So gibt es inzwischen zum Beispiel diverse Geschenkboxen wie „Brot und Salz“. Die könnten nicht nur privat zum Einzug in eine neue Wohnung verschenkt werden. Herrnberger will damit auch an Immobilienmakler herantreten. Auch am Konzept eines Brot-Abos wird gearbeitet. „Das könnten Eltern ihren Kindern schenken, wenn sie zum Studieren in eine andere Stadt gehen.“

Bestellungen kommen aus ganz Deutschland

Die Marketing- und Vertriebsstrategien werden zudem permanent neu angepasst. „Wir haben unsere Verkaufsstände in den Supermärkten aufgeben“, berichtet Herrnberger, „das war ein Riesenaufwand, der sich nicht gelohnt hat.“ Stattdessen konzentriert sich Brotrausch auf die Internetbestellungen. Die kommen aus ganz Deutschland, vereinzelt auch aus Spanien, Österreich und Italien. „Wir haben Kunden, die eine Kiste mit Backmischungen mit nach Griechenland mitnehmen, wenn sie dort für länger hinfahren. Sie vermissen dort deutsches Brot“, erzählt der Geschäftsführer.

Jeden Donnerstagnachmittag öffnet zudem der Verkaufsraum im HAG-Quartier in der Bremer Überseestadt. Dort werden die Besucherinnen und Besucher dann auch gerne mal mit dem Duft von frisch gebackenem Brot überrascht.

Pressekontakt: Philipp Herrnberger, Geschäftsführer Bremer Brot GmbH, E-Mail: hallo@brotrausch.com   
  
Bildmaterial:

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Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen.

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