Sie wollen doch nur spielen
PressedienstWarum ein Bremer Videospiele-Entwickler gerade im Fokus der internationalen Gaming-Branche steht
Vom Zwei-Mann-Team zum Unternehmen mit mehr als hundert Mitarbeitenden: Der Bremer Videospiele-Entwickler King Art Games blickt 26 Jahre nach seiner Gründung auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Und die ist noch lange nicht zu Ende geschrieben. Mit der Veröffentlichung seines bisher ambitioniertesten Projekts steht der nächste Meilenstein bevor.
Es geht um Macht, Ressourcen und schieres Überleben. Die Zukunft sieht düster aus im 41. Jahrtausend. Klassische Helden gibt es in dieser kompromisslosen Welt nicht – nur rivalisierende Mächte, die rücksichtslos ihre eigenen Ziele verfolgen. So war es in den Teilen eins bis drei des Echtzeit-Strategiespiels „Dawn of War“, und so wird es auch im vierten Teil sein. „Während Star Trek eine Art Utopie ist, ist ,Dawn of Warʻ eine Dystopie“, erläutert Jan Theysen. „Das Spiel zeigt was passiert, wenn die bösen Kräfte gewinnen. Witzig ist das deswegen, weil alle Figuren völlig irre und komplett drüber sind.“
Der 47-jährige Bremer weiß am besten, worum es geht: Sein Unternehmen King Art Games entwickelt „Dawn of War IV“, das kurz vor der Veröffentlichung steht und von der internationalen Gaming-Community mit Spannung erwartet wird. Wie seine Vorgänger-Versionen ist das Spiel im fiktiven Warhammer-Universum angesiedelt, das ursprünglich als strategisches Brettspiel mit Miniaturfiguren auf den Markt gekommen war. Die „Dawn of War“-Teile eins bis drei wurden zwischen 2004 und 2017 von einem anderen Videospiele-Entwickler veröffentlicht und weltweit millionenfach verkauft. Angesichts dieses Erfolgs in der Vergangenheit sind die Erwartungen an den vierten Teil groß.
Mit 800 Mark Startkapital zum Arbeitgeber für 110 Beschäftigte
Das weiß auch Jan Theysen. „Da ist schon ein Druck zu spüren“, räumt er ein. „Zum einen durch die Erwartungen der Fans. Aber wir haben ja auch unsere eigenen Ansprüche. Wir haben viel Zeit und Herzblut investiert, da wollen wir es nicht verdaddeln.“ Während er das sagt, führt er durch die weitläufigen Räumlichkeiten seines Unternehmens, das er im Jahr 2000 zusammen mit seinem besten Schulfreund Marc König gegründet hat. Damals waren die beiden Anfang 20, hatten gerade ihren Zivildienst hinter sich – und die Idee, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Als Startkapital brachte jeder 400 D-Mark mit ein.
Heute beschäftigt King Art Games 110 Mitarbeitende aus 20 unterschiedlichen Ländern, fast alle am Standort Bremen. Während Marc König für die Zahlen zuständig ist, kümmert sich Jan Theysen als Creative Director um den kreativen Part. Vor ein paar Jahren mussten die beiden mit ihrem wachsenden Team umziehen, weil die alten Räume zu klein geworden waren. Jetzt sitzen sie in einem Bürogebäude mitten in der Bremer Altstadt, wo sie eine 1.500 Quadratmeter große Etage komplett für sich haben. „Für 20 Leute mehr hätten wir noch Platz“, meint Theysen. „Aber wir wissen noch nicht, ob wir überhaupt weiterwachsen wollen. Irgendwann besteht dann auch die Gefahr, dass es Effizienz- und Reibungsverluste geben könnte.“
Rund 50 Spiele hat King Art Games seit Gründung schon entwickelt
Links vom großzügigen Empfangsbereich befindet sich ein großer heller Raum mit Gemeinschaftsküche, Tischen und Sitzgelegenheiten, in dem die Mitarbeitenden ihre Pausen verbringen können. Von dort aus führt der Flur einmal im Kreis, bis er nach einer ganzen Weile wieder vorne am Eingang ankommt. An den Wänden und auf den Gängen: bunte Figuren und Poster aus den unterschiedlichen fiktiven Universen, die hier schon entstanden sind.
Unterwegs reiht sich ein Büro ans nächste, aufgeteilt nach Arbeitsbereichen. Da sitzen Programmiererinnen und Grafiker ebenso wie Game- und Level-Designerinnen und Animatoren. Letztere sind dafür zuständig, die Figuren und Objekte in den Spielen zum Leben zu erwecken, indem sie Bewegungen, Mimik und Interaktionen gestalten. Manche von ihnen sind jünger als das Unternehmen, für das sie arbeiten. „Das Spannende ist, dass wir hier vom Computer-Freak bis zur Künstlerin die unterschiedlichsten Typen haben“, erzählt Theysen, „und die müssen alle miteinander kommunizieren. Das ist manchmal gar nicht so leicht.“
Rund 50 Spiele hat King Art Games seit seiner Gründung schon entwickelt. In den vergangenen zehn Jahren allerdings weniger als fünf, wie der 47-Jährige sagt. „Die Spiele werden immer größer, darum dauert es immer länger.“ Da ist es nur logisch, dass es auch immer teurer wird. Für seinen bislang größten kommerziellen Erfolg, das 2018 veröffentlichte Echtzeit-Strategiespiel „Iron Harvest“, sammelte das Unternehmen im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne 1,3 Millionen US-Dollar ein. Für „Dawn of War IV“ gab es aus dem aktuellen Gaming-Förderprogramm des Bundes einen Zuschuss in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Und auch das zweite derzeit laufende Großprojekt, von dem bisher nur der Deckname „Schießeisen“ bekannt ist, wird mit 2,2 Millionen Euro aus diesem Programm gefördert.
Frauen spielen genauso gerne wie Männer
Die Games-Branche sei „eine der wichtigsten und wirtschaftlich stärksten Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft“, sagte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär im Januar bei der Vorstellung der Studie „Die Games-Branche in Deutschland 2025“. Ziel der Bundesförderung sei es, Deutschland in diesem Bereich zu einem führenden Standort zu entwickeln. Die Branche sei ein zentraler Innovationstreiber und wichtiger Qualifizierungssektor. Darüber hinaus erzeuge jeder investierte Förder-Euro ein Vielfaches an Wertschöpfung.
Wenige Monate zuvor hatte der „Jahresreport der deutschen Games-Branche 2025“ gezeigt, dass das Klischee vom Ego-Shooter spielenden Jugendlichen nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit zeigt. Demnach greifen inzwischen 37,5 Millionen Deutsche regelmäßig zu Controller, Maus oder Smartphone, um Computer- und Videospiele zu spielen. 79 Prozent der Spielenden sind mindestens 18 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei 39,5 Jahren. Fast die Hälfte der Spielenden sind Frauen.
Spiele-Entwicklung ist komplexer als ein Filmdreh
Jan Theysen selbst spielt in seiner Freizeit nur noch selten. Dafür hat er bei der Arbeit den ganzen Tag damit zu tun. Was ihn immer wieder aufs Neue fasziniert: „Man fängt mit nichts an, mit einem weißen Blatt Papier. Und ein paar Jahre später hat man etwas geschaffen, was im Idealfall Millionen von Menschen spielen – und denen bedeutet das etwas.“ Um ein gutes Videospiel zu entwickeln, sei praktisch alles notwendig, was auch für eine Filmproduktion erforderlich sei – von den Frisuren-Stylings über die Maske bis hin zu Bühnenbild, Licht und Musik. „Und dann kommt noch die Programmierung dazu, das macht das Ganze umso komplexer.“ Bei der Entwicklung eines Videospiels gebe es nichts, was man zunächst mit der Kamera festhalten und dann verändern könne. „Jedes kleinste Detail muss zuerst designt werden, da braucht man viel Geduld. An manchen Szenen arbeiten wir drei oder vier Jahre.“
Für all das ist Bremen aus Sicht des Unternehmenschefs ein guter Standort. „Die Stadt hat eine gute Größe“, meint er. „Alles, was man braucht, ist in der Nähe.“ Die Mitarbeitenden, die aus anderen Städten oder Ländern herzögen, würden sich schnell einleben und wohlfühlen. „Vor allem mögen sie es, mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen zu können.“ Für zukünftige Projekte strebt Jan Theysen lokale Kooperationen an. „Momentan sitzen die externen Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, in aller Welt. Wenn sie in Bremen wären, hätte das den Vorteil, dass wir uns auch mal direkt treffen und austauschen könnten.“
Das nächste Level ist in Sicht
Welches die nächsten Projekte sein werden, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie die Gaming-Community „Dawn of War IV“ aufnimmt. Die ersten Häppchen, die King Art Games im Sommer 2025 bei der weltgrößten Videospielmesse „Gamescom“ in Köln präsentiert hat, sind schon einmal auf durchweg positive Resonanz gestoßen. „Das haben sich mehr als 110 Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt angesehen“, berichtet der Creative Director, „und es war Konsens, dass das Spiel gut funktioniert. Da fällt einem natürlich ein Stein vom Herzen.“ Momentan stünden die Zeichen gut – eine Garantie sei das aber nicht: „Am Ende muss es sich gut verkaufen.“
Wenn alles nach Plan läuft, kann das Folgeprojekt schnell unterschriftsreif sein, kündigt Theysen an. Details will er noch nicht verraten – nur so viel, dass es schon konkrete Aussichten gebe. „Und das ist auch wichtig. Mit mehr als hundert Leuten können wir nicht mal eben ein halbes Jahr Pause machen, das ist schon eine große Verantwortung.“ Ebenso groß ist aber auch sein Optimismus. „Dawn of War IV“ sei das bisher größte Projekt für sein Unternehmen, das auch international die größte Aufmerksamkeit bekomme. „Wenn das funktioniert, bringt uns das auf das nächste Level. Auch, was künftige Möglichkeiten betrifft.“
Pressekontakt: Jan Theysen, King Art Games, Telefon +49 421 322 76 0, E-Mail: pr@kingart-games.com
Bildmaterial:
Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
Foto 1: Jan Theysen mit „Vieh“ aus dem Adventure-Spiel „The Book of Unwritten Tales“. ©WFB/Björn Hake
Foto 2: Auf der Wand ist das Bild eines Supersoldaten aus dem Warhammer-Universum. ©WFB/Björn Hake
Foto 3: Bei King Art Games arbeiten vom „Computer-Freak bis zur Künstlerin die unterschiedlichsten Typen“. ©WFB/Björn Hake
Foto 4: Das Echtzeit-Strategiespiel „Iron Harvest“ war der bislang größte kommerzielle Erfolg. ©WFB/Björn Hake
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