22.1.2026 - Jann Raveling

Was die Statistik von 1975 bis 2025 über die Geschichte der Bremer Wirtschaft verrät

Erfolgsgeschichten

Wie sich Bremens Wirtschaft in den vergangenen 50 Jahre entwickelt hat

Historische Aufnahme eines Containerschiffs, aus den 70ern
© (ehemals) Senator für Häfen, Schiffahrt und Verkehr, 1977

Wirtschaftlicher Boom, Innovationen und Krisen – in den vergangenen 50 Jahren hat die Bremer Wirtschaft vieles erlebt. Was prägte das Bundesland in dieser Zeit? Ein Blick in die Statistik.

Die nachfolgenden Daten hat das Statistische Landesamt Bremen in der historischen Festschrift „50 Jahre Bremen in Zahlen“ 2025 zusammengetragen.

Bevölkerungsentwicklung & Beschäftigung von 1975 - 2025 in Bremen

Statistik über Bevölkerungsentwicklung und Beschäftigung von Frauen
Seit vergangenem Jahr leben wieder mehr als 700.000 Personen im Bundesland Bremen. © WFB

Mitte der 1970er lebten mehr als 720.000 Menschen in Bremen und Bremerhaven, bevor in den darauf folgenden Jahren ein deutlicher Rückgang einsetzte. Ab den 1980er Jahren führten Strukturwandel, Arbeitslosigkeit, Abwanderung und sinkende Geburtenzahlen zu einem historischen Tiefstand. Erst gegen Ende des Jahrzehnts stabilisierte sich die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner wieder, unter anderem durch Zuzüge aus anderen Bundesländern und von Aussiedlerinnen und Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion.

Nach einer weitgehend stabilen Phase in den 2000er Jahren wuchs die Bevölkerung ab den 2010er Jahren erneut. Besonders stark fiel der Anstieg im Jahr 2022 aus, vor allem infolge des Zuzugs von Schutzsuchenden aus der Ukraine. Ende 2024 lebten 705.000 Menschen im Land Bremen – deutlich mehr als in den beiden Jahrzehnten zuvor.

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen hat sich in Bremen seit den 1970er Jahren deutlich erhöht. Im Jahr 2024 erreicht sie ein historisch hohes Niveau und unterstreicht den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel sowie die wachsende Bedeutung von Frauen für den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung Bremens.

Bruttoinlandsprodukt von 1975 - 2025 in Bremen

Statistik über das BIP in Bremen
Preisbereinigt stieg das BIP in Bremen über die vergangenen Jahre stetig an. © WFB

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Bremen seit den 1970er Jahren ist von Wachstum, aber auch von tiefgreifendem Strukturwandel und wiederkehrenden konjunkturellen Einschnitten geprägt. Nach den Ölkrisen der 1970er und frühen 1980er Jahre gerieten vor allem die traditionellen Industrien unter Druck. Besonders einschneidend war die Werftenkrise, die Bremen und Bremerhaven in den 1980er und 1990er Jahren nachhaltig veränderte. Internationaler Wettbewerbsdruck, Überkapazitäten im Schiffbau und strukturelle Defizite führten zum Niedergang einst prägender Betriebe. Mit der Insolvenz des Bremer Vulkan Mitte der 1990er Jahre endete die Ära des großindustriellen Schiffbaus an der Unterweser weitgehend.

Nach wie vor ist die Industrie aber ein wichtiges Bremer Standbein. Heute zählt Bremen zu den Top-10-Industriestandorten in Deutschland. Branchen wie die Luft- und Raumfahrt verzeichnen seit Jahrzehnten stetiges Wachstum – in den 1970er Jahren war Airbus noch ein junges Unternehmen, welches seine ersten Serienmaschinen auslieferte, während der Konzern heute größter Flugzeugbauer der Welt ist, mit dem Bremer Werk als wichtigem Entwicklungs- und Fertigungsstandort.

Auch die Automobilindustrie wuchs mit der Eröffnung des Bremer Mercedes-Werks 1978 stetig an, heute ist es das zweitgrößte weltweit und kann auf eine breite Zulieferindustrie vor Ort zurückgreifen.

Daneben etablierte sich eine wirtschaftliche Basis basierend auf Dienstleistungen, Logistik und wissensintensiven Branchen. 1971 eröffnete die Universität Bremen, heute zählt der Wissenschaftsstandort mehr als 50 Institute und zwei Exzellenzcluster von internationalem Renomée – die auch der Wirtschaft zugute kommen.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs seit den 1990ern langfristig deutlich, allerdings nicht ohne Rückschläge. Die globale Finanzkrise 2008/09 führte zu einem spürbaren Einbruch der Wirtschaftsleistung, ebenso die Corona-Pandemie ab 2020. Dennoch zeigt sich insgesamt ein robuster Entwicklungspfad: Während das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt seit 1974 um rund 70 Prozent gestiegen ist. Der Strukturwandel hat Bremen widerstandsfähiger gegenüber konjunkturellen Schwankungen gemacht und die wirtschaftliche Basis langfristig verbreitert.

Warenverkehr von 1975 - 2025 in Bremen

Statistik über Warenverkehr per Schiff
In den vergangenen Jahrzehnten stieg das globale Frachtaufkommen stark an - auch dank Erfindungen wie des Seeconainers. © WFB

Am 5. Mai 1966 lief mit der MS „Fairland“ erstmals ein Vollcontainerschiff einen deutschen Hafen an – den Bremer Überseehafen. Damit wurden die ersten Container in Deutschland gelöscht und ein neues Kapitel der Seelogistik eröffnet. Was damals noch wie ein Experiment wirkte, setzte in den bremischen Häfen einen Strukturwandel in Gang – der Startpunkt für Bremerhavens Aufstieg zu einem führenden Containerstandort an der Nordsee.

Zehn Jahre nach dem „Fairland“-Moment ist der Containerumschlag deutlich gestiegen – 1975 liegen die Containerwerte bei rund vier Millionen Tonnen. In den folgenden Jahrzehnten wächst der containerisierte Verkehr dann massiv: Ab den 1990ern beschleunigt sich die Dynamik, in den 2000ern und frühen 2010ern erreichen die Containeranteile historische Höchststände, bevor sich das Niveau in den vergangenen Jahren etwas abflachte, bedingt durch Wirtschaftskrisen aber auch Konkurrenz wie die neue Seidenstraße von China nach Europa mit ihren Mittelmeerhäfen als Zieldestinationen.

Parallel verändert sich die Art des Schiffsverkehrs: Während die Gesamtmengen zeitweise stark steigen, sinken die Schiffsankünfte im Trend: größere Schiffe, mehr Ladung pro Anlauf, stärker gebündelte Fahrpläne. Die Häfen in Bremen/Bremerhaven werden damit zunehmend Teil hochgetakteter globaler Linienverkehre – mit weniger, aber deutlich leistungsfähigeren Anläufen. So erzählt die Grafik nicht nur eine Mengen-, sondern auch eine Strukturgeschichte: vom Stückgut- und Massenguthafen hin zum containergetriebenen Logistikstandort, der die Modernisierung der Bremer Wirtschaft entscheidend mitprägt.

Tourismus im Land Bremen von 1975 - 2025 in Bremen

Statistik über Bremer Tourismus
Touristinnen und Touristen aus aller Welt haben Bremen immer stärker auf dem Schirm © WFB/Studio B

Tourismusdestination Bremen – in den vergangenen 50 Jahren hat sich das Bundesland zu einer angesagten Destination entwickelt. Hotels, Bettenanzahl und Übernachtungen entwickelten sich positiv. Mit Ausnahme des Corona-Knicks werden so gut wie jedes Jahr neue Rekordzahlen von der Wirtschaftsförderung Bremen verkündet. Anteil daran hat der anhaltende Boom im Städtetourismus, aber auch die unentwegte Arbeit Bremens, die Stadt als Destination national und international zu präsentieren. Die Bedeutung von Städtetrips – die meist kürzer als richtige Jahresurlaube sind – zeigt sich auch in der durchschnittlichen Übernachtungsdauer, die von 2,1 Nächten im Jahr 1970 hin zu 1,9 Nächten in 2024 gesunken ist. Kürzer, dafür aber häufiger – ein Freizeittrend, der auch Bremen zugutekommt.

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