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25.6.2021 - Jann Raveling

Was ist ein Sozialunternehmen?

Social Entrepreneurship

Sozialunternehmen einfach erklärt

Gemeinsam an nachhaltigen Ideen arbeiten - Motivation für viele Sozialunternehmen
Gemeinsam an nachhaltigen Ideen arbeiten - Motivation für viele Sozialunternehmen © pixabay

Was ist ein Sozialunternehmen? Sozialunternehmen lösen soziale oder ökologische Probleme mit unternehmerischen Mitteln. Der Definition nach ist ihr Ziel, Nutzen für die Gesellschaft zu schaffen und ihr den Profit wieder zukommen zu lassen.

Es geht also nicht darum, möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften, sondern der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Das kann auf sehr unterschiedliche Art und Weisen geschehen und auf vielen verschiedenen Gebieten. Etwa, indem Sozialunternehmen Kinderarmut bekämpfen, Bildungsprogramme für Benachteiligte schaffen oder die Natur schützen. Sie wollen eine bestimmte Wirkung erzielen – Sozialunternehmen ist es wichtig, wirkungsorientiert zu arbeiten, abseits von hohen finanziellen Profiten.

Begriff Sozialunternehmen definiert

Neben dem Wort „Sozialunternehmen“ selbst fallen häufig noch andere Begriffe in der Diskussion. Manche von ihnen lassen sich synonym verwenden, sie meinen also dasselbe, andere wiederum klingen ähnlich, meinen aber etwas komplett anderes. Um ein wenig Licht in die Begriffsdefinition zu bringen, haben wir hier einmal die wichtigsten Ausdrücke aufgelistet und erklärt.

Was ist ein Sozialunternehmen?

Die EU-Kommission hat bereits 2011 Sozialunternehmen folgendermaßen definiert:

Unter „Sozialunternehmen“ versteht die Kommission Unternehmen,

  • für die das soziale oder gesellschaftliche gemeinnützige Ziel Sinn und Zweck ihrer Geschäftstätigkeit darstellt, was sich oft in einem hohen Maße an sozialer Innovation äußert,
  • deren Gewinne größtenteils wieder investiert werden, um dieses soziale Ziel zu erreichen
  • und deren Organisationsstruktur oder Eigentumsverhältnisse dieses Ziel widerspiegeln, da sie auf Prinzipien der Mitbestimmung oder Mitarbeiterbeteiligung basieren oder auf soziale Gerechtigkeit ausgerichtet sind.

Wichtig: Es geht immer um unternehmerisches Handeln. Stiftungen, Vereine, Bewegungen oder Initiativen organisieren sich nicht nach betriebswirtschaftlichen Regeln und sind hier explizit nicht gemeint. Warum unternehmerisches Handeln im sozialen und ökologischen Bereich Vorteile haben kann, dazu später mehr.

Sozialunternehmen sind in vielen Branchen aktiv. Laut dem Deutschen Social Entrepreneurship Monitor sind die wichtigsten Bereiche Erziehung und Unterricht, das Gesundheits- und Sozialwesen und der Informations- und Kommunikationssektor. Aber auch in Bereichen wie der Energieversorgung, Landwirtschaft, Baugewerbe oder im Immobiliensektor finden sich zahlreiche Beispiele.

Einige in Bremen ansässige Sozialunternehmen sammelt unser Artikel: Wie diese 6 Unternehmen sich für Kinder in Bremen engagieren

Viel Zeit und Arbeit steckt im Aufbau eines Sozialunternehmens
Viel Zeit und Arbeit steckt im Aufbau eines Sozialunternehmens © Social Impact

Soziale/sozialwirtschaftliche Unternehmen

Soziale Unternehmen oder Unternehmen der Sozialwirtschaft sind Teil der Gesamtmenge der Sozialunternehmen. Unter ihnen werden für gewöhnlich Beschäftigungs- und Bildungsträger, Wohlfahrtorganisationen und andere unternehmerische Initiativen verstanden, die mit beeinträchtigten, arbeitssuchenden oder sozial benachteiligten Zielgruppen arbeiten. Das können zum Beispiel Werkstätten für Behinderte sein, Wohlfahrtsträger wie die AWO, Pflegedienste oder Schulträger. Ihnen geht es vor allem darum, Menschen zu betreuen und eine Chance auf Arbeit und Beschäftigung zu geben, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance haben.

Im Gegensatz zu Sozialunternehmen nach europäischer Definition sind ihre Geschäftsmodelle meist nicht innovativ, sondern bereits seit Jahren erprobt. Sie verändern sich kaum und wollen keine neuartigen Probleme lösen.

Was ist Social Entrepreneurship?

Aus dem englischen Sprachraum kommend, verbreitet sich dieser Begriff auch in Deutschland zusehends. Im Deutschen nimmt er häufig Bezug auf Start-ups, also Jungunternehmen, deren Gründung weniger als fünf Jahre zurückliegt. Das Starthaus Bremen, erster Anlaufpunkt für alle Gründerinnen und Gründer in Bremen, schreibt etwa:

„Social Entrepreneure sind die Unternehmer:innen, die Innovationen entwickeln, den Markt verändern und oft ein hohes persönliches Risiko eingehen.(…) Sie adressieren zum Beispiel ungelöste soziale und/oder ökologische Probleme, garantieren finanzielle und ökonomische Nachhaltigkeit, handeln umweltverantwortlich und zahlen angemessene und marktgerechte Gehälter.“

Auch der deutsche Verband SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland) definiert Social Entrepreneurship ganz ähnlich. Als Lobbyorganisation bündelt SEND vielen Kräfte und Ideen zum Thema Social Entrepreneurship in Deutschland und möchte den Sozialunternehmer:innen ein größeres Gehör verschaffen. Auch die WFB ist Mitglied:

Das primäre Ziel von Social Entrepreneurship ist die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Dies wird durch kontinuierliche Nutzung unternehmerischer Mittel erreicht und resultiert in neuen und innovativen Lösungen. Durch steuernde und kontrollierende Mechanismen wird sichergestellt, dass die gesellschaftlichen Ziele intern und extern gelebt werden.

Neben dem unternehmerischen Aspekt betont auch SEND den innovativen Charakter des Geschäftsmodells. Als dritte Ebene kommt auch hier die Verwendung von Mitteln und der Umgang mit Angestellten sowie Kundinnen und Kunden hinzu: Beides erfolgt transparent, demokratisch und sozial verträglich. Gewinne sollen wieder in den Unternehmenszweck reinvestiert werden, um die eigene Wirkung zu vergrößern.

Soziales Unternehmertum

Dieser Begriff wird synonym mit „Social Entrepreneurship“ oder „Sozialunternehmen“ verwendet. Er bezeichnet ebenso Firmen mit innovativen Ansätzen im sozialen und ökologischen Bereich.

Brüssell Maass GWÖ - LKW
Haben sich dem Gemeinwohl verschrieben - Bremerhavener Spedition Brüssel & Maass © SWAE/Rathke

Gemeinwohlökonomie

Hinter diesem Begriff steht ein Konzept des österreichischen Politologen Christian Felber, der sich 2010 ein alternatives Wirtschaftssystem erdachte. Das dient nicht mehr der Profitmaximierung wie der Kapitalismus, sondern soll einen Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt schaffen. Unternehmen versuchen ihr Geschäftsmodell bestmöglich darauf auszurichten, Umwelt und Gesellschaft zu schonen, Ressourcen zu sparen und Solidarität zu leben und Angestellte, Kundinnen und Kunden wie Lieferanten wertschätzend zu behandeln.

Ein Baustein der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) ist die Gemeinwohl-Bilanz, eine Art Zertifizierung, die Unternehmen ähnlich einer Jahresbilanz aufstellen. Sie gibt nicht Auskunft über Gewinn und Verlust, sondern darüber, wie gut sich das Unternehmen im vergangenen Jahr dem Thema sozial verantwortliches und umweltbewusstes Handeln genähert hat. Zahlreiche Unternehmen in Deutschland erstellen mittlerweile Gemeinwohl-Bilanzen und organisieren sich in Vereinen.

Im Gegensatz zu Sozialunternehmen hat ein Unternehmen, das der Gemeinwohlökonomie folgt, aber nicht den Zweck, soziale oder ökologische Probleme zu lösen. Das Unternehmen kann jedem möglichem Zweck nachgehen. Ein Beispiel ist etwa Brüssel & Maass, eine Spedition aus Bremerhaven, die in ihrer Gemeinwohlbilanz etwa auf Themen wie CO2-Emissionen, Ausbildung und Umgang mit den eigenen Angestellten wert legt. Im Kern erbringt sie aber nach wie vor Transportdienstleistungen.

Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility bezeichnet die unternehmerische Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Auch CSR abgekürzt, richtet sich dieses Konzept an die klassische Wirtschaft – also nicht nur an Unternehmen, die sich explizit gesellschaftlichen Themen annehmen. Es geht vielmehr darum, dass ein Betrieb sich darüber Gedanken macht, inwiefern sich das eigene Handeln auf Umwelt und Mitmenschen auswirkt. Und dann Maßnahmen ergreift, um Missstände zu beheben oder sich gesellschaftlich zu engagieren.

Seit 2017 sind deutsche Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten gesetzlich dazu verpflichtet, jährlich CSR-Berichte anzufertigen. In ihnen müssen sie ihre Anstrengungen im Bereich sozialer und ökologischer Belange, der Behandlung von Arbeitnehmenden, Achtung von Menschenrechten oder Bekämpfung von Korruption festhalten.

Das CSR-Konzept ähnelt der Gemeinwohlökonomie, ist aber bei weitem nicht so streng formuliert. Während die Gemeinwohlökonomie ein eigenes Weltbild ist und den Unternehmen sehr genaue Auflagen macht, wenn sie eine GWÖ-Bilanz aufstellen wollen, gibt es dieses enge Regelkorsett bei CSR nicht. Hier können Unternehmen freier interpretieren, wie sie CSR umsetzen (abgesehen von gesetzlichen Vorgaben für große Unternehmen).

Vorteile und Nachteile von Sozialunternehmen

Bei der Frage danach, was ein Sozialunternehmen ist, sollte auch der Aspekt des Warum zur Sprache kommen: Warum überhaupt ein Unternehmen? Und warum kein Verein, keine Stiftung oder Sozialträger? Denn auch in diesen Formen des gemeinsamen Arbeitens organisieren sich heute hunderttausende Menschen in Deutschland, um sich ehrenamtlich oder hauptberuflich für die Gesellschaft zu engagieren.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. So muss ein Verein zum Beispiel von mehreren Personen (mindestens sieben) gegründet werden, er muss bestimmte Organe besetzen (den Vorstand), die alle Einfluss bei Entscheidungen nehmen können. Der Vorstand haftet persönlich. Bei einer unternehmerischen Rechtsform gibt es diese Einschränkungen nicht, die Haftung ist beschränkt (je nach Rechtsform). Zudem können Unternehmen besser Finanzierungen wahrnehmen – eine Bank gibt einem Verein in vielen Fällen nicht so schnell Geld wie einem Unternehmen.

Auch externe Investierende können einfacher in ein Unternehmen einsteigen und Anteile erwerben. Bei einem Verein geht das nicht. Ein wichtiger Punkt, denn viele Sozialunternehmen möchten mit ihren innovativen Geschäftsmodellen wachsen: sich neue Standorte erschließen, ihr Programm skalieren, neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln - und hierfür benötigen sie Geld.

Zudem fällt es Unternehmen leichter, am Markt zu agieren – etwa Lieferanten zu beauftragen oder Kundinnen und Kunden Rechnungen zu stellen. Da ein Großteil unserer Gesellschaft marktwirtschaftlich aufgebaut ist, fällt es einem Unternehmen einfacher, auch selbst innerhalb dieses Systems zu agieren.

Das heißt aber nicht, dass sich Sozialunternehmen nur über den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen finanzieren. In der Realität vermischen sich viele Arten der Finanzierung, so das Starthaus Bremen, die von Spenden über Investitionen, Zuwendungen, öffentliche Gelder bis hin zum Verkauf reichen.

Sozialunternehmen gründen

Das Interesse an Sozialunternehmen wächst seit vielen Jahren kontinuierlich. Wie man ein Sozialunternehmen gründet und was es dabei zu beachten gibt, hat das Starthaus Bremen einmal zusammengetragen: Wie gründe ich ein Sozialunternehmen?

Zahlen zu Sozialunternehmen in Deutschland

Über die genauen Zahlen zu Sozialunternehmen in Deutschland gibt es sehr unterschiedliche Quellen. Das liegt an der großen Vielfalt an Definitionen des Begriffs Sozialunternehmen. Die Zahlen reichen dabei von 1.700 Unternehmen bei einer engen Definition solcher mit innovativen Geschäftsmodellen bis hin zu 77.000 bei einer weiten Definition, die auch nicht-innovative Geschäftsmodelle miteinbezieht. (Quelle: Europäische Kommission, 2020).

Klar ist hingegen: Die Zahl der Unternehmen mit sozialer Ausrichtung nimmt zu. Der Social Entrepreneurship Monitor 2020/21 fand heraus, dass sechs von zehn Unternehmen, die sich der Branche zuordnen, in den letzten drei Jahren gegründet wurden.

Das Potenzial der Sozialunternehmen ist riesig. Allgemeine Zahlen finden sich hierzu nicht – Ahsoka, die weltweit erste Organisation zur Förderung von Sozialunternehmen hat in einer Studie allein für die vom Verband in Deutschland geförderten Unternehmen ein Marktpotenzial von 18 Milliarden Euro im Jahr errechnet.

Sozialunternehmen in Bremen

In Bremen nimmt die Zahl der Sozialunternehmen zu, auch wenn es hier ebenfalls keine Erhebungen gibt. Im vergangenen Jahr bildete sich ein kleines Ökosystem in der Hansestadt mit dem Ziel, die Neugründung oder Ansiedlung von Unternehmen zu fördern. Dabei konzentriert sich Bremen auf innovative Sozialunternehmern (EU-Definition), da in ihnen großes Wachstumspotenzial steckt.

Das Bremer Ökosystem wird unterstützt durch das Projekt „Förderung der Solidarischen Wirtschaft, Genossenschaften und Social Entrepreneurship“ der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Unter dem gemeinsamen Projekt vereinen sich Maßnahmen des Starthauses Bremen und Bremerhaven, der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS) sowie der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB).

Weitere wichtige Player in Bremen und Bremerhaven sind das Social Impact Lab Bremen sowie die Hilfswerft, die bei der Vernetzung junger und innovativer Unternehmen in Bremen unterstützen, Events organisieren und zu vielfältigen Themen informieren.

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