Stündlich hochauflösende Bilder aus dem All
Luft- und RaumfahrtStart-up Marble Imaging entwickelt 20 neuartige Satelliten - Mission beginnt Ende 2028
Naturkatastrophen, Klima, Sicherheit: Satelliten können wichtige Informationen für das Leben auf der Erde geben. Bis Ende 2028 will das Bremer Raumfahrtunternehmen Marble Imaging 20 Satelliten im All installieren, die Europa flächendeckend, mit höherer Bildauflösung und fast in Echtzeit überwachen sollen. Sogar 50 Zentimeter große Gegenstände können dargestellt werden.
Mit dem Copernicus-Programm der Europäischen Raumfahrtagentur ESA verfügt der Kontinent über eines der besten Erdbeobachtungssysteme der Welt: Es liefert Daten von der aktuellen Wetterlage bis zu den zunehmend spürbaren Klimaveränderungen, von der Lage der Landwirtschaft bis zum Zustand der Wälder, von aktuellen Naturkatastrophen bis zu sicherheitsrelevanten Informationen für die Verteidigung. Doch die rund zehn Sentinel-Satelliten der ESA können aus 600 bis 800 Kilometern Höhe immer noch nicht alles in der Klarheit sehen, wie es für Wirtschaft und Wissenschaft, für Politik und Gesellschaft und auch für die Sicherheit Europas wichtig wäre.
„Auf ihren Umlaufbahnen tasten sie die Erde zwar wöchentlich vollständig ab, in vielen Fällen wie beispielsweise Naturkatastrophen wären aber kontinuierliche Daten in Nahezu-Echtzeit wünschenswert“, erläutert Alexander Epp. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer des Bremer Raumfahrtunternehmens Marble Imaging. Das Start-up will genau diese umfangreicheren Daten liefern.
Seit knapp drei Jahren arbeiten Epp und seine Co-Gründer Dr. Gopika Suresh und Robert Hook daran. „Wir entwickeln und realisieren eine Konstellation aus mindestens 20 Satelliten mitsamt den notwendigen Instrumenten und Analyse-Programmen, die zumindest Europa nahezu ununterbrochen im Blick behalten werden“, erläutert Epp. Bis Ende 2028 will Marble Imaging die Konstellation im All aufgebaut haben. Der erste Erderkundungssatellit soll Ende 2026 starten.
Alle Gründungsmitglieder bringen Erdbeobachtungsexpertise mit
Die Gründerin Suresh und die beiden Gründer Epp und Hook haben alle drei ihre beruflichen Wurzeln im Bereich Erdbeobachtung – aber jeweils auf andere Art. Robert Hook hat unter anderem führend an Beiträgen des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB System AG zu einer großen CO2-Beobachtungsmission mitgewirkt. Die Geowissenschaftlerin und Satellitentechnikerin Gopika Suresh hat an der Universität Bremen über die Entwicklung eines Algorithmus zur weltraumgestützten Erkennung von Öl-Austritten auf Meeresoberflächen promoviert. Heute leitet sie das Team, das für die Verarbeitung und Nutzung von Satellitendaten und für deren Bereitstellung zuständig ist.
Zum Trio hinzu kommt noch Dr. Raul Scarlat. Der Umweltphysiker ist Leitender Instrumentenwissenschaftler bei Marble Imaging und verantwortlich für die Entwicklung der Datenprozessierung, um Rohdaten aus den Satelliten in verwertbare Bilder umzuwandeln. Zuvor hatte er sich an der Universität Bremen mit der weltraumgestützten Beobachtung der Eisdecken auf den Polarmeeren befasst. Und Alexander Epp gehörte als Fachjournalist eines deutschen Nachrichtenmagazins zu denen, die die Daten aus dem All auf der Suche nach konkreten Informationen auswerten.
Start-up will Datenlücke in der Erdbeobachtung schließen
Robert Hook und Alexander Epp kannten sich aus Jugendzeiten. Sie hatten immer mal wieder Kontakt miteinander, sprachen auch über Berufliches. „Irgendwann stellten wir fest, dass wir den Frust über mangelnde Datengrundlagen zu vielen Themen teilten“, erinnert sich Epp. Es war der erste Schritt zur Firmengründung. Das Bremer Start-up will nichts weniger als die Datenlücke in der Erdbeobachtung schließen.
Es scheint, als stecke in Marble Imaging jener Gründungsgeist, durch dessen Kraft sich die Hansestadt Bremen seit den 1960er-Jahren zu einem der weltweit bedeutendsten Standorte der Raumfahrtindustrie und -forschung entwickelt hat. „Wir gehören sicherlich zu dem, was man heute ‚newspace’ nennt“, sagt Alexander Epp. In erster Linie bezieht sich dieser Begriff auf die Raumfahrtszene in den USA. Dort gibt es risikobereite Investoren, mit deren Hilfe Start-ups ihre scheinbar verrückten Ideen realisieren und so die Raumfahrtindustrie revolutionieren.
Unabhängigkeit von anderen Raumfahrtnationen
Das Bremer Start-up möchte das Bestehende in der Weltraumforschung zwar nicht auf den Kopf stellen, aber durch neue Systeme optimieren. „Europa braucht eine souveräne Datenversorgung“, ist Alexander Epp überzeugt, „vor allem brauchen wir nahezu lückenlose und jederzeit aktuelle Informationen, ohne von anderen Raumfahrtnationen abhängig zu sein.“ Konkrete Beispiele für den Bedarf gibt es nach seiner Überzeugung genügend. „Die Bandbreite reicht von Echtzeit-Informationen bei Naturkatastrophen wie dem Ahrtal-Hochwasser bis zu jederzeit aktuellen Daten über die Sicherheitslage in Europa“, sagt Epp.
Systementwicklung in bislang undenkbar kurzer Zeit
Der newspace-Charakter von Marble Imaging spiegelt sich in den hochgesteckten Zielen und der Bandbreite des Unternehmens wider. Innerhalb von drei Jahren ein System aus 20 Erdbeobachtungssatelliten aufzubauen, galt in der Branche bislang als undenkbar. Das Start-up-Team aus inzwischen mehr als 20 Ingenieuren und Wissenschaftlerinnen sowie Branchenexperten verkürzte die Entwicklungszeit unter anderem durch eine klare Aufgabenteilung. „Wir haben das Satelliten-Design entwickelt und uns Partnerunternehmen gesucht, die diese Satelliten produzieren“, erläutert Epp.
Datenanalyse mithilfe von KI
Parallel dazu konzentrierte sich das Unternehmen auf neue Sensor-Technologien, insbesondere um die Auflösung der aus dem All gelieferten Bilddaten zu verbessern. Bislang können die Sentinel-Satelliten Objekte erkennen, die mindestens zehn mal zehn Meter groß sind. Die Sensoren von Marble Imaging sollen schon 50 Zentimeter große Gegenstände darstellen können. Und schließlich sollen auch neue Programme und Algorithmen geliefert werden, die die von den Satelliten gesammelten Daten analysieren. „Wir setzen dabei sehr stark auf Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen“, betont Gopika Suresh.
In der kurzen Zeit seit der Firmengründung gelang dem Team aber nicht nur die notwendige technologische Entwicklung. In Gesprächen mit der Europäischen Weltraumagentur ESA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR sicherte sich das Start-up auch deren Unterstützung, ohne die das Unterfangen nicht möglich wäre. Zudem überzeugte das Team Investorinnen und Investoren, die das Start-up mit hohen Millionenbeträgen finanziell absicherten.
Bewusst Bremen als Standort gewählt
Dass das Unternehmen in Bremen gegründet wurde, ist zudem kein Zufall: „Die Politik im Land Bremen hat die große Bedeutung der Raumfahrt für Deutschland und Europa erkannt und unterstützt uns entsprechend“, attestiert Epp. Im Land Bremen treiben mehr als 140 Unternehmen und 20 wissenschaftliche Institute die Luft- und Raumfahrtindustrie an. Zu den führenden Unternehmen gehören Airbus, die ArianeGroup, Rheinmetall Electronics sowie OHB. Der Standort sei somit ideal.
Die Anerkennung, die Marble Imaging in Bremen, in der Fachwelt als auch bei Investorinnen und Investoren findet, resultiert vor allem aus der gut überlegten Unternehmensstrategie. Das Start-up will nach eigenen Angaben einerseits in den Wettbewerb mit den bestehenden Institutionen und Unternehmen treten, aber andererseits auch Vorhandenes stärken und erweitern. „Wir werden Daten anbieten können, die sich nahtlos in die bestehenden europäischen Erdbeobachtungssysteme mit deutlich höherer Auflösung und häufigeren Überflügen integrieren lassen“, verspricht Gründerin Gopika Suresh. Das Copernicus-Programm der ESA bekommt also keine Konkurrenz, sondern soll noch besser werden als es ohnehin schon ist.
Pressekontakt: Alexander Epp, Chief Business Development Officer Marble Imaging GmbH, E-Mail: alex@marble-imaging.de
Autor: Wolfgang Heumer
Bildmaterial: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.
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