23.4.2026 - Jann Raveling

Internet überall auf die Welt – dank diesem Bremer Unternehmen

Erfolgsgeschichten

MediaMobil Communication GmbH schafft globale Kommunikationsnetze

Schnelle Satellitenkommunikation auf allen Weltmeeren, stabile Netze im Katastrophenfall, sichere Verbindungen für kritische Infrastrukturen: Die MediaMobil Communication GmbH aus Bremen vernetzt Menschen, Organisationen und Systeme rund um den Globus.

Das Firmengebäude von MediaMobil im Bremer Gewerbegebiet Horn-Lehe-West lässt sich kaum verfehlen: Acht riesige Satellitenschüsseln nehmen die gesamte Dachfläche ein, das Haus mit der Glasfassade wirkt fast wie ein NASA-Kontrollzentrum.

Ein Vergleich, der durchaus passt: Zwar steuert MediaMobil keine Satelliten, doch zentrale Datenströme aus dem All laufen hier zusammen.

Geschäftsführer Andreas Nil steht vor dem Universum Bremen.
Geschäftsführer der MediaMobil Communication GmbH Andreas Nil © MediaMobil Communication GmbH

Satellitenkommunikation für spezialisierte Anwendungen

MediaMobil bietet Breitbandkommunikation über Satelliten in Regionen, in denen klassische, bodengebundene Netzinfrastruktur – wie Mobilfunkmasten – an Grenzen stößt. Auf Ozeanen, in Wüsten oder in entlegenen Gebieten weltweit.

Internet per Satellit? Nichts Neues, könnte man meinen. Denn spätestens seit dem Starlink-Satellitensystem von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX gibt es Satellitenverbindungen für jeden aus dem Onlineshop, kaum teurer als der Internetvertrag aus der Telefondose.

„Die Branche hat sich stark gewandelt, das stimmt. 1994 waren unsere Services noch neu und es gab wenige Mitbewerber. Heute drängen große Konzerne auf den Markt, die tausende Satelliten ins All schießen. Aber der Preis ist nicht immer ausschlaggebend für unsere Kunden“, weiß Geschäftsführer Andreas Nil.

Entscheidend sind vielmehr Stabilität, Sicherheit und garantierte Verfügbarkeit. Genau hier liegt die Stärke des Bremer Unternehmens.

„Wir haben bei den Satellitenbetreibern feste Bandbreitenverträge, auf deren Basis wir eigene Netze aufbauen. Und die stellen wir unseren Kundinnen und Kunden zur Verfügung, individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten“, so Nil.

Dabei geht es um mehr als nur die Frage, wie viele Megabit an Bandbreite gemietet werden sollen: Die Bremer betreiben weltweit mehrere Bodenstationen („Teleports“) mit denen sie Daten jederzeit übertragen können, egal, wo sich der Satellit gerade im Weltall oder die Nutzenden auf der Erde befinden. Diese Infrastruktur schafft hohe Ausfallsicherheit durch Redundanz, denn so sind immer mehrere Bodenstationen im Blickfeld eines Satelliten.

Darüber hinaus ergänzt das Unternehmen seine Satellitenlösungen um umfassende IT-Services: E-Mail-Dienste, Server, Videokonferenz-Tools sowie Sicherheitssoftware wie Firewalls. Dazu kommen Hardwareprodukte – also Übertragungsgeräte, welche die Satellitensignale verarbeiten und weitergeben. So entstehen integrierte Kommunikationslösungen aus einer Hand.

Eine MMO Antenne von MediaMobil
Multimodale Kommunikationsantenne (MMO) von MediaMobil: Mobile Einheit zur parallelen Nutzung von Satellit, Mobilfunk und WLAN für stabile Datenverbindungen in anspruchsvollen Einsatzumgebungen. © MediaMobil Communication GmbH

Schnelles Netz im Katastrophenfall

Sicherheit steht hoch im Kurs bei den Kundinnen und Kunden. Zu ihnen zählen unter anderem Forschungsstationen in extremen Regionen wie die Neumayer-Station in der Antarktis oder das Forschungsschiff Polarstern. Auch international tätige Industrieunternehmen setzen auf die zuverlässige Vernetzung ihrer globalen Produktionsstandorte. „Gerade bei kritischen Infrastrukturen sind unsere Dienste gefragt“, weiß Nil.

Eines der wichtigsten Standbeine des Unternehmens ist der Sicherheitsbereich: Behörden wie Polizei und  Feuerwehr sind im Krisenfall angewiesen, schnell Kommunikationsverbindungen zu etablieren. Ein Beispiel dafür ist die Ahrtal-Flutkatastrophe von 2021, bei der die Wassermassen auch Mobilfunkmasten und Datenleitungen in der Region fortrissen.

„Behörden nutzen hierfür das sogenannte TETRA-Funknetz. Wir bauen und entwickeln mobile Bodenstationen (sogenannte DriveAway Systeme) für den Betrieb von transportablen TETRA Basisstationen über Satellitenverbindungen und  betreiben für die Behörden dafür den kompletten Service einschließlich Bereitstellung von Satellitenkapazität und Betrieb der gesamten Netzinfrastruktur“, so Nil.

Eine Mobile Antenne im Katastrophengebiet Haiti
Gerade bei kritischen Infrastrukturen sind schnelle Lösungen für Kommunikationsverbindungen gefragt. (Hier: Haiti) © MediaMobil Communication GmbH

Forschung schafft Innovationen

Seit der Gründung 1994 ist das Unternehmen eng mit der Bremer Wissenschaft verbunden – damals wechselte Nil von der Forschung in die Selbstständigkeit. Diese Nähe ist bis heute erhalten geblieben. MediaMobil beteiligt sich immer wieder an Forschungsprojekten, auch um eigene Innovationen voranzutreiben.

Aktuell ist MediaMobil Teil des Forschungsprojekts „6G-Coverage“. Das im März 2026 gestartete Vorhaben hat ein Volumen von 9,5 Millionen Euro und vereint namhafte Partner wie Bosch, Nokia, NXP Semiconductors und Telefónica, kleine Unternehmen wie MediaMobil und wissenschaftliche Institute. Ziel ist es, Grundlagen für die nächste Mobilfunkgeneration 6G zu schaffen.

„6G wird terrestrische Elemente – also zum Beispiel Mobilfunkmasten – und nicht-erdgebundene Komponenten wie Drohnen oder Satelliten in einem System verbinden, um weltweit jederzeit eine vollständige Netzabdeckung zu gewährleisten. Im Projekt wollen wir prüfen, simulieren und über reale Satellitenverbindungen erproben, wie wir Hardware und Software dafür zusammenbringen können“, erklärt Nil.

6G-Forschung: Hotspot in Bremen

Mit seinem Engagement ist MediaMobil Teil eines starken Innovationsökosystems in Bremen – denn das Team ist nicht das Einzige, das hier an der nächsten Generation des Mobilfunks forscht. Auch die Arbeitsgruppe Nachrichtentechnik an der Universität Bremen entwickelt die 6G-Infrastruktur in überregionalen Forschungsgruppen weiter.

Die Technologie wird künftig ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Alltags werden, nicht nur, weil damit schnelleres und flächendeckendes Internet auf dem Smartphone möglich wird: Autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr, Drohnen für Transport- oder Überwachungsaufgaben oder Agrarroboter – sie alle müssen jederzeit mit dem Internet verbunden sein, um Daten auszutauschen und benötigen dafür sichere und unterbrechungsfreie Verbindungen.

Ein Portrait von  Andreas Nil, Geschäftsführer der MediaMobil Communication GmbH
Andreas Nil: Aktuell ist MediaMobil Teil des Forschungsprojekts „6G-Coverage" © MediaMobil Communication GmbH

Bremen als größter Raumfahrtstandort Deutschlands wichtig für das Unternehmen

Auch in die Bremer Wirtschaft hat MediaMobil enge Kontakte geknüpft – etwa zu Bremens Satellitenbauer OHB über gemeinsame Forschungsprojekte und in Zusammenarbeit mit der European Spaceport Alliance, die einen Weltraumbahnhof in Europa etablieren will. Nil: „Wir fühlen uns hier in Bremen wohl, wir haben hier ein gutes Netzwerk aus Industrie und Wissenschaft“. Nicht zuletzt, auch um Fachkräfte zu rekrutieren – falls das rund 30-köpfige Team in Zukunft mit einer Branche, die gerade neue Schritte in eine vernetzte Zukunft unternimmt, wachsen wird.

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