14.11.2025 - Janet Binder

Jammen mit UJAM

Kreativwirtschaft

Warum Filmkomponist Hans Zimmer an dem Bremer Unternehmen beteiligt ist

Menschen im Studio
Özge Keskin, Sebastian Bretschneider, Jan Hörnle, und Wolfram Knelangen im UJAM-Studio. © WFB/Hake

Es ist ein Paradox: In Bremen kennt das Unternehmen UJAM kaum jemand – dabei ist es aus der Musikszene nicht wegzudenken. Denn in vielen Hits stecken Klänge von UJAM. Die Bremer bieten Programme an, mit denen Musikschaffende Drums, Piano oder ein ganzes Orchester in ihre Komposition erstellen können. Was das mit dem Filmkomponisten Hans Zimmer und dem Sänger Pharrell Williams zu tun hat.

Wer sich nicht mit Hip-Hop auskennt, dem mag Nicki Minaj kein Begriff sein. Die US-Sängerin ist derzeit allerdings eine der erfolgreichsten Rapperinnen, in den Charts bricht sie regelmäßig Rekorde. Was kaum jemand weiß: In ihren Hits wie „Super Bass“ und „Anaconda“ steckt – überspitzt gesagt – auch ein Stück Bremen. Denn Nicki Minaj‘ Produzent J. Reid ist Fan des Bremer Unternehmens UJAM mit Sitz in der Überseestadt, das sich auf Software für Musikschaffende spezialisiert hat.

Ob Hip-Hop, Elektro, Rock oder Pop: Wer einen Song gestaltet, kann zur eigenen Musik auch elektronische Bässe, Beats und Klänge von unterschiedlichsten Instrumenten aus dem UJAM-Portfolio erstellen. „Die meisten Produzentinnen und Produzenten benutzen für einen Song beides: handgemachte Musik und Software-Angebote“, sagt Wolfram Knelangen (44) von UJAM. Und so kam es, dass J.Reid für Nicki Minaj‘ Hits elektronische Bässe aus der UJAM-Software „Subcraft“ nutzte.

Software erlaubt eigene Kompositionen ohne Tonstudio und echte Instrumente

Die Programme, die UJAM anbietet, sind nicht nur bei Profis beliebt, sondern auch bei Hobby-Musikschaffenden. „Unsere Kundinnen und Kunden sind Menschen, die Musik am Computer produzieren“, sagt Wolfram Knelangen. Und das sei inzwischen die Regel: „Finneas, der Bruder und Produzent von Billie Eilish, hat ihr erstes Album komplett nur auf einem MacBook auf dem Boden im Wohnzimmer produziert.“ Echte Musikinstrumente oder Tonstudios sind zwingend nicht mehr notwendig.

Im Portfolio: Gitarren-, Klavier- oder Posaunensounds in allen Varianten

UJAM bietet Programme im Baukastensystem an, die Gitarren-, Klavier- oder zum Beispiel Bläsersounds in allen Klangfarben beinhalten oder auch ganze Orchestereinheiten. Alle Töne wurden auf echten Instrumenten gespielt und digitalisiert. Die Tools seien leicht bedienbar, alles sei mit ein paar Klicks am Laptop ganz ohne Tonstudio mischbar, erklärt Sounddesigner Sebastian Bretschneider, der gerade daran arbeitet, ein Piano exakt so klingen zu lassen, wie ein Kunde es sich gewünscht hat.

Mensch arbeitet am Computer
Sounddesigner Sebastian Bretschneider arbeitet an einem neuen Soundprogramm. © WFB/Hake

Auf Wunsch werden auch spezielle Musikinstrumente aufgenommen: „Es kam schon vor, dass ein altes, verstimmtes Klavier benötigt wurde“, sagt Knelangen. „Wir arbeiten immer mit Fachleuten zusammen. Teilweise wird in wochenlangen Sessions Ton für Ton aufgenommen, um das Instrument mit all seinen Nuancen abzubilden.“ Oder jemand möchte den typischen Klang des Pianos der britischen Popband Coldplay nutzen. Dann wird recherchiert, was die Charakteristik ausmacht. „Auf das Interesse der Nutzerinnen und Nutzer einzugehen, ist unsere Spezialität“, sagt Axel Hensen (48), Mitgründer von UJAM. Der Vorteil für die Musikschaffenden ist, dass sie keine Profimusikerin und kein Tonstudio bezahlen müssen. „Wir können eine ganze Band arrangieren – mit Ausnahme von Gesang.“

Eine andere Software zerlegt einen Song in seine Einzelteile, setzt ihn gekürzt wieder zusammen – und das Stück klingt trotzdem noch harmonisch. Aber auch Sounddesigner aus der Industrie gehören zum Kundenstamm. Ein Beispiel: In E-Autos simulieren Elektrosounds die bekannten Geräusche beim Beschleunigen oder beim Blinken.

Kundschaft kann auf Kompositionen von Hans Zimmer zugreifen

Das Bremer Unternehmen hat in seinem Portfolio auch einen ganz besonderen Schatz: Der bekannte Musikproduzent und Oscar-Preisträger Hans Zimmer, der auch die Musik zu „Der König der Löwen“ und „Fluch der Karibik“ komponiert hat, hat UJAM seinen berühmten Hollywood-Sound in einer persönlichen Sammlung zur Verfügung gestellt. „Hans Zimmer produziert alle seine Kompositionen am Computer vor – auch mithilfe von UJAM-Programmen – und lässt sie dann von berühmten Philharmonien spielen“, erzählt Knelangen. Wer Streicher-, Blechbläser-, Trommel- oder Percussion-Ensembles sucht, wird in Zimmers „Symphonic Elements“ fündig.

Warum er diese anbietet, erklärt Zimmer im Interview auf der UJAM-Homepage: „Wenn wir die Samples ein paar Jahre lang verwendet haben, werden sie für mich vorhersehbar. Dann ist es Zeit für ein neues Set. Das alte Set ist immer noch großartig, warum also nicht auch anderen die Möglichkeit geben, es zu nutzen? Schließlich sind es nur Instrumente, nur Werkzeuge.“ Außerdem sei es spannend zu hören, was andere Leute mit denselben Werkzeugen erschaffen.

Zwei Männer vor einer Wand mit Post-its
Wolfram Knelangen und Axel Hensen in der Bremer UJAM-Zentrale in der Überseestadt. © WFB/Björn Hake

Filmkomponist Hans Zimmer ist seit 2004 mit dabei

Doch wie kam es bis zu diesem Punkt? Begonnen hat alles mit einer Idee des Bremer Keyboard- und Sounddesign-Koryphäe Peter Gorges. 1997 gegründete er das Startup Wizoo, das virtuelle Instrumente auf den Musikmarkt brachte. 2004 stieg Hans Zimmer als Gesellschafter ein – er war ein Bekannter eines Geschäftspartners von Peter Gorges. Ein Jahr später verkaufte der Gründer die Firma an eine Aktiengesellschaft in Kalifornien. Da waren auch schon die Musikfachleute Axel Hensen und Wolfram Knelangen mit an Bord. Alle drei Bremer blieben zunächst in dem kalifornischen Unternehmen, fühlten sich aber angesichts der Größe des Konzerns zunehmend unwohl.

Der Name kommt von „You Jam“

Von Hans Zimmer kam die Idee, erneut ein eigenes Unternehmen zu gründen. „Wir haben uns überlegt, wie man es für Menschen noch simpler machen kann, Musik zu erschaffen“, sagt Axel Hensen. Daher auch der Name UJAM – also einfach drauflos musizieren („You Jam“). 2009 wurde die UJAM Music Technology GmbH gegründet, zunächst noch mithilfe einer Risikokapitalgesellschaft, was sich für die Bremer aber mit der Zeit falsch anfühlte. „Wir haben uns dann entschlossen, dass wir keinen Investmentbänkern gehören wollen“, betont Axel Hensen. „Nach wie vor ist Unabhängigkeit unser größtes Anliegen.“

Mit Hilfe der BAB - Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven gelang die Loslösung, inzwischen gehört UJAM mehrheitlich Gorges und Hensen, Hans Zimmer hält ebenfalls einen Teil. Die ersten Jahre war auch US-Musiker Pharrell Williams am Unternehmen beteiligt, der mit seinem Hit „Happy“ bekannt wurde. „Hans Zimmer hat Pharrell Williams für UJAM begeistert“, erzählt Hensen. Inzwischen ist Williams als Teilhaber wieder ausgestiegen. „Aber seine DNA ist immer noch zu spüren“, betont Axel Hensen.

Weltweit hat UJAM inzwischen 40 Beschäftigte, rund die Hälfte arbeitet in Bremen. „Wir sind in der Pandemie stark gewachsen“, sagt Knelangen. Das Unternehmen legt Wert auf flache Hierarchien, Entscheidungen von den Mitarbeitenden müssen nicht von oben absegnet werden. „Jeder hat seinen eigenen Kompetenzbereich, in die auch ich nicht reinreden kann“, sagt Hensen. „Das macht uns agil und wendig.“ Es gibt keine festen Arbeitszeiten, jeder hat die Möglichkeit, von überall zu arbeiten. „Wir wollen unser Team so befähigen, kreativ zu sein.“

Obwohl weltweit aktiv, soll Bremen der Ankerplatz bleiben

An Bremen als Unternehmenssitz wird trotzdem nicht gerüttelt. „Wir fühlen uns hier wohl. Außerdem haben wir hier die Möglichkeit, junge Talente zu gewinnen. Im Umkreis von 150 Kilometer liegen zahlreiche Hochschulen“, unterstreicht Knelangen. In Bremen konkurriert das Unternehmen bei der Suche nach guten Leuten auch nicht mit Technologie-Riesen.

Auch wenn die derzeit wirtschaftlich angespannten Zeiten auch bei UJAM bemerkt werden: Musik wird immer produziert und die Software weiterhin weltweit genutzt. In welchen Hits Elemente aus den UJAM-Programmen genutzt werden, bekommen die Bremer nicht immer und eher durch Zufall mit. „Die Kundinnen und Kunden sagen uns nicht Bescheid. Unsere Software könnte überall drin sein. Wenn wir einen guten Job machen, dann können wir unsere Instrumente in einem Song selbst nicht erkennen“, betont Axel Hensen.

Pressekontakt: Wolfram Knelangen, Chief Operating Officer UJAM Music Technology GmbH, Tel.: +49 160 96 407 303, E-Mail: wknelangen@ujam.com

Bildmaterial: Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Özge Keskin, Sebastian Bretschneider, Jan Hörnle, und Wolfram Knelangen im UJAM-Studio. ©WFB/Hake

Foto 2: Sounddesigner Sebastian Bretschneider arbeitet an einem neuen Soundprogramm. ©WFB/Björn Hake

Foto 3: Wolfram Knelangen und Axel Hensen in der Bremer UJAM-Zentrale in der Überseestadt. ©WFB/Björn Hake

Der Pressedienst aus dem Bundesland Bremen berichtet monatlich über Menschen und Geschichten aus dem Bundesland Bremen mit überregionaler Relevanz, herausgegeben von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Bei den Artikeln handelt es sich nicht um Werbe- oder PR-Texte, sondern um Autorenstücke, die von Journalistinnen und Journalisten geschrieben werden. Es ist erwünscht, dass Redaktionen den Text komplett, in Auszügen oder Zitate daraus übernehmen. Bei Fragen schreiben Sie einfach eine E-Mail an: pressedienst@bremen.de

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