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6.1.2022 - Jann Raveling

Beim Umbauen umdenken – wo Öko längst Standard ist

Handwerk

Nachhaltig renovieren und bauen mit dem Bremer Bauhof Wohnimpuls

Küche
Raumgestaltung mit Unterstützung durch den Bauhof Wohnimpuls © Bauhof Wohnimpuls

Wer sich mit dem Bremer Bauhof Wohnimpuls beschäftigt, könnte zunächst zweimal auf irrige Pfade geführt werden. Beim Namen „Bauhof“ denkt wohl eine jede und ein jeder zunächst an einen großen Lagerplatz für Baumaschinen und Materialien oder einen Betriebshof für Baufirmen.

Damit hat das Bremer Unternehmen aber nichts gemein. Das Ladengeschäft im Bremer Viertel empfängt Besucherinnen und Besucher mit edlen Naturmaterialien, Eichendielen und Fischgrätmustern, warmem Sisal oder natürlichem Lehm- und Kalkputz. Ein Einrichtungshaus also? Nein – auch das ist weit gefehlt.

Räume gestalten und nachhaltig denken

Der mittlerweile 30 Jahre alte Betrieb will das Umbauen umdenken – und setzt bei seinen Renovierungs- und Neubauprojekten auf natürliche Materialien, die nachhaltig wirken. Ein 15-köpfiges Team berät Bauherrinnen und Bauherren bei der Inneneinrichtung, plant Räume und setzt am Ende alles in die Realität um. Vom Fußbodenbelag, über Farbanstrich, Möbel, Einrichtung bis hin zum Lichtkonzept ist alles möglich – „ganzheitlich“, wie sie es selbst nennen.

Geschäftsführerin Katharina von der Heyde vertraut dabei auf Handwerkerinnen und Handwerker, Architektinnen, Tischlerinnen und Tischler, Autodidakten – eine bunte, diverse Mischung. Sie selbst steuert ihr Wissen und ihre Erfahrung als Farbpsychologin bei. „Uns ist die Auseinandersetzung mit den Materialien wichtig. Bei einem ideal abgestimmten Raum – Farbe, Licht, Möbel – spürt man sofort einen positiven Effekt. So ist etwa erwiesen, dass eine angenehme Atmosphäre in Krankenhäusern den Gesundungsprozess beschleunigt. Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen“, erläutert sie.

Natürlich liegt im Trend

Neben den Auswirkungen von Farbe auf den Menschen hat sich die 35-jährige von der Heyde mit Baubiologie und -physik befasst sowie Betriebswirtschaftslehre studiert – ist also bestens gewappnet für den Anspruch, den der Bauhof Wohnimpuls an sich stellt.

„Wir nennen es ‚wohngesund‘. Wir verarbeiten Materialien, die dem Menschen guttun. Zum Beispiel, in dem wir auf Echtholz-Parkett statt Vinyl und PVC setzen. Oder Lehm als natürliches Baumaterial verwenden. Öko ist längst sexy geworden – und bei uns zum Standard“, sagt sie. Damit liegt das Team voll im Trend, natürliche Werkstoffe werden schon seit Jahren immer beliebter, seien es Kalkfarben, natürliche Pigmente, Recyclingmöbel, Natursteine, Sisal oder Kork.

Frau am Tisch
Geschäftsführerin Katharina von der Heyde © Bauhof Wohnimpuls

Steckt auch immer drin, was draufsteht?

Das Unternehmen achtet dabei streng auf ökologisch-nachhaltige Produkte. Sie arbeiten mit kleinen deutschen und skandinavischen Möbelmanufakturen zusammen, verwenden viel natürliche Materialien, zum Beispiel Dielenhölzer aus deutscher und österreichischer Produktion. „Wir fahren in den Wald und schauen uns die Produktion vor Ort an. Der Kontakt zu den Produzierenden ist wichtig, um Vertrauen aufzubauen“, ist sie überzeugt.

Denn wirklich nachhaltig zu handeln sei alles andere als einfach. Ein FSC-Siegel für nachhaltige Holzwirtschaft reiche da längst nicht mehr aus. Es gelte, jedes Produkt genau zu überprüfen, Produktionen, Lieferketten und Arbeitsbedingungen nachzuvollziehen. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigte, so von der Heyde, umso komplexer und zeitintensiver werde die Recherche: „Wir haben Spaß daran, uns tief durch die Lieferketten zu wühlen. Unsere Kundinnen und Kunden vertrauen da auf unsere Expertise und wir machen das gern für sie.“

Öko geht auch einfach und sexy? Na logo!

Viele Bauherrinnen und Bauherren haben Respekt vor möglichen Mehrkosten. Von der Heyde tritt solchen Bedenken klar entgegen: „Ökologisches Bauen ist nicht teurer, wenn man die richtigen Materialien auswählt.“ Hinzu komme, dass nachhaltige Materialien auf Dauer Kosten sparen würden. Ein Dielenboden sei in der Anschaffung teurer als etwa Vinyl, dafür halte er bei guter Pflege auch 100 Jahre – anstatt nur zehn.

Sie plädiert zudem dafür, das Thema Nachhaltigkeit ganz pragmatisch anzugehen. „Wir sprechen mit unseren Kundinnen und Kunden über Nachhaltigkeit und versuchen sie von unseren Ideen zu überzeugen. Oft reicht schon eine 80-prozentige Lösung aus, um viel zu bewirken.“ Man könne es immer besser machen. Aus vielen kleinen Schritten werde so ein großer Sprung.

Ladenfront
Ladenfront im Bremen © Bauhof Wohnimpuls

Nächste Mission: Digitaler werden

Der Bauhof Wohnimpuls arbeitet hauptsächlich in Bremen und dem Umland, sowohl mit Privatpersonen als auch Unternehmen, Kitas oder Schulen. Hin und wieder führt ein Projekt auch an andere Orte in Norddeutschland – zum Beispiel bei der Einrichtung eines Ferienhauses an der Küste. „Unsere Arbeit spricht sich herum. Es gibt Kundinnen und Kunden, die bringen uns Blumensträuße vorbei, so wohl fühlen sie sich in ihren neuen Räumlichkeiten“, erzählt von der Heyde stolz.

Damit sich die Leistungen der Raumprofis weiter verbreiten, will das Unternehmen in Zukunft stärker auf Digitalisierung setzen. Zu diesem Zweck nahmen sie am Projekt „Digital Retail Consulting for Bremen“ im Winter 2020 teil.

In Zusammenarbeit mit den Digital-Lotsen der Wirtschaftsförderung Bremen arbeiteten Studierendenteams des markstones Institute of Marketing, Branding & Technology der Universität Bremen ein Semester lang daran, Unternehmen aus Einzelhandel, Gastronomie und Tourismus auf die Digitalisierung vorzubereiten. Die Studierenden lernten die Unternehmen über mehrere Wochen kennen, analysierten Digitalisierungspotenziale und erstellten am Ende ein Konzept.

„Die Auseinandersetzung war sehr fruchtbar und hat gut funktioniert. Wir sind im Einzelhandel und wollen im Moment keinen Onlineshop einrichten, trotzdem gibt es Potenzial, vor allem in der Kommunikation“, so von der Heyde. So stellten die Studierenden eine Social-Media-Strategie zusammen, das interne Marketing Team entwickelte neue Ideen für den Internetauftritt, um z.B. die vielen erfolgreichen Projekte zu zeigen und arbeitet an der Umsetzung.

Und noch einen Wunsch hat die Geschäftsführerin für die Zukunft: „Ich würde gern einmal ein Mehrgenerationenhaus einrichten. Wir leben wir in Zukunft nachhaltig zusammen? Ich glaube, da gibt es viel Potenzial für neue Ansätze, bei denen wir gerne Teil der Lösung wären.“

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