50 Jahre Märchenstraße: Bremens Märchen und Legenden
StandortmarketingVon Stadtmusikanten, Gluckhenne und Weingeistern
Seit fünf Jahrzehnten verbindet die Deutsche Märchenstraße mehr als fünfzig Städte von Hanau bis Hamburg – zwischen Main und Meer, entlang der Spuren deutscher Märchen, Sagen und Legenden. Sie führt durch Landschaften voller Geschichten, in denen Fantasie und Historie aufeinandertreffen.
Natürlich ist auch Bremen eine feste Station dieser Route. Hier ist natürlich die Heimat der weltbekannten Erzählung der „Die Bremer Stadtmusikanten“, doch auch weniger bekannte Sagen prägen das Bild der Stadt – etwa von den sieben Faulen oder von wundersamen Begebenheiten im Ratskeller.
Am 20. März 2026 endet das Jubiläumsjahr der Märchenstraße mit einer feierlichen Veranstaltung im Bremer Rathaus. Welcher Anlass könnte sich besser eignen, um einmal einen Blick auf die bekanntesten Bremer Märchen und Sagen zu werfen:
Die Bremer Stadtmusikanten – Brüder Grimm
Es war einmal ein alter Esel, der seinem Herrn lange treu gedient hatte. Als seine Kräfte schwanden, sollte er fort – doch er lief davon und machte sich auf den Weg nach Bremen, um dort Stadtmusikant zu werden.
Unterwegs traf er Gefährten mit ähnlichem Schicksal: einen ausgedienten Jagdhund, eine alte Katze und einen Hahn, dem der Kochtopf drohte. Alle waren sie zu alt geworden für den Nutzen ihrer Herren – doch nicht zu alt für neue Träume. Gemeinsam beschlossen sie, nach Bremen zu ziehen und ihr Glück als Musikanten zu versuchen.
Bevor sie die Stadt erreichten, fanden sie im Wald ein Räuberhaus. Durch ein Fenster erspähten sie einen reich gedeckten Tisch. Kurzerhand stellten sie sich übereinander – Esel, Hund, Katze und Hahn – und erhoben ein so schaurig-schönes Geschrei, dass die Räuber glaubten, ein Gespenst stürze herein, und voller Angst flohen.
Als später einer der Räuber zurückkehrte, bekam er von jedem Tier seinen Denkzettel: Krallen, Zähne, Hufschlag und ein durchdringendes Krähen jagten ihn endgültig davon. Fortan wagte sich keiner der Räuber mehr zurück.
So fanden die vier Freunde ein neues Zuhause – nicht in Bremen, sondern im Räuberhaus im Wald. Und sie lebten dort vergnügt zusammen, weil sie gelernt hatten: Gemeinsam ist man stärker als allein – selbst wenn man glaubt, ausgedient zu haben. Und an den Wochenenden machen sie natürlich immer gerne einen Ausflug in die naheliegende Hansestadt Bremen.
Die Bremer Gluckhenne – Friedrich Wagenfeld
Vor langer Zeit, als die Weser noch wilder strömte und dunkle Wolken oft über ihr hingen, flohen heimatlose Menschen in kleinen Kähnen vor Hunger, Not und Unfreiheit. Sie suchten nichts als einen Ort, an dem sie in Frieden leben durften.
Eines Abends, als die Sonne müde durch die Wolken brach, entdeckten sie im letzten goldenen Licht eine Henne mit ihren Küken am Ufer. Das Tier suchte sich auf einer Düne, verborgen im Heidekraut, einen sicheren Platz für die Nacht.
Die Flüchtlinge gingen an Land, folgten der Henne und fanden dort Schutz. Sie erkannten: Wo selbst eine kleine Henne ihre Jungen sicher aufzieht, muss ein guter Ort sein. So beschlossen sie, auf der Düne zu bleiben und sich dort niederzulassen.
Aus diesem Zufluchtsort entstand die Stadt Bremen – ein Ort, der Freiheit und Schutz versprach. Und noch heute erinnert eine Henne mit ihren Küken über dem Rathausbogen an jene wundersame Führung.
Gräfin Emma von Lesum und die Sage der Bürgerweide
Vor über tausend Jahren lebte in Lesum eine fromme und gütige Frau: Gräfin Emma. Sie war reich an Gütern – und noch reicher an Herz. Niemand ging hungrig von ihr fort, und selbst die Bremer hofften auf ihre Milde.
Eines Tages klagten sie der Gräfin ihr Leid: Ihr Vieh finde kein Weideland mehr vor den Toren der Stadt. Emma, arglos und hilfsbereit, versprach ihnen so viel Land, wie ein Mann an einem Tag umschreiten könne.
Doch ihr Schwager Benno, listig und geizig, wollte die Schenkung schmälern. Er bestimmte einen armen, kaum gehfähigen Mann, der das Maß des Landes festlegen sollte – in der Hoffnung, dass dieser nur wenige Schritte zustande brächte.
Da stieg die Gräfin vom Pferd, legte dem fremden Mann die Hand auf den Kopf und sprach ein stilles Gebet.
Und siehe da: Der Fremde erhob sich, als sei neue Kraft in ihn gefahren. Mit erstaunlicher Ausdauer umschritt er ein weites Gebiet, größer, als es sich jemand erträumt hatte. So gewannen die Bremer ihre Bürgerweide.
Aus Dankbarkeit ehrten sie die Gräfin – und auch den einstig gehbehinderten Mann, der durch Glauben und Mut über sich hinauswuchs. Sein Denkmal steht noch heute zu Füßen des Rolands – als Zeichen dafür, dass selbst die Schwächsten Großes vollbringen können.
Die sieben Faulen - Friedrich Wagenfeld
Vor vielen hundert Jahren lebten in Bremen sieben Brüder, die man für faul hielt. Statt eifrig zu schuften wie ihr Vater, saßen sie oft an der Weser, schauten den Schiffen nach und dachten darüber nach, wie man das Leben klüger und leichter machen könne.
Als sie größer wurden, wollten sie hinaus in die Welt ziehen und lernen, wie andere Menschen Felder bestellten und Höfe führten. Man spottete über sie und nannte sie die „sieben Faulen“. Doch sie gingen dennoch – und blieben lange fort.
Jahre später kehrten sie zurück, stark und erfahren. Statt sich abzumühen wie ihre Eltern, gruben sie einen Brunnen, damit niemand mehr mühsam Wasser schleppen musste. Sie bauten helle, bequeme Häuser, legten Gärten an und pflasterten die Straße, damit kein Wagen im Sand stecken blieb.
Die Leute schüttelten den Kopf: „Aus lauter Faulheit!“ sagten sie. Doch heimlich schauten sie sich alles ab und machten es genauso.
So zeigte sich, dass die sieben Brüder nicht faul waren – sondern klug genug, sich die Arbeit leichter zu machen. Und noch heute erinnern in Bremen die Faulenstraße und Bildnisse in der Böttcherstraße an jene Männer, die lieber nachdachten, bevor sie schufteten.
Die Weingeister im Ratskeller – Wilhelm Hauff
Im Bremer Ratskeller herrscht am 1. September eine alte Regel: Punkt 23 Uhr ist Zapfenstreich. Wer dann noch Wein vor sich stehen hat, darf ihn austrinken – doch neue Gäste werden nicht mehr eingelassen. Und das hat auch seinen Grund.
Denn wenn die Turmuhr Mitternacht schlägt, beginnt die Stunde der Weingeister.
So erzählt man es seit Generationen. Schon Dichter wie Wilhelm Hauff berichteten von seltsamen Erscheinungen im Ratskeller, und auch ein gelehrter Professor soll in einer Septembernacht dort ausgeharrt haben – nur um festzustellen, dass er keineswegs allein war.
Wenn die Welt über der Erde schläft, erwachen unten im Gewölbe die Geister vergangener Zeiten. Sie steigen aus den Fässern empor, flüstern zwischen den Säulen, kosten vom Duft alter Jahrgänge und halten geheimnisvolle Zusammenkünfte ab.
Darum schließt man rechtzeitig die Türen. Nicht aus Furcht – sondern aus Respekt vor jenen, die zwischen Staub, Stein und Wein noch immer ihr nächtliches Dasein führen.
Das Schwarze Loch im Bacchuskeller
Tief unten im Bremer Ratskeller, im Bacchuskeller nahe der Treppe, liegt ein Ort, den man das „Schwarze Loch“ nennt. Dort soll sich in einer Silvesternacht des Jahres 1561 Schreckliches zugetragen haben.
Mehrere Handwerksmeister saßen beim Wein und Würfelspiel beisammen. Die meisten wussten Maß zu halten – nur einer nicht: der Zimmermeister Hein Barthold. Vom Spiel besessen und vom Wein berauscht, setzte er alles – erst sein Geld, dann sein Glück und schließlich sein Leben.
Als um Mitternacht das neue Jahr begann und die anderen gegangen waren, blieb er allein zurück. Da geschah es: Aus dem Steinboden stiegen Totengerippe empor, nahmen die Würfel und forderten ihn auf: „Beginn das Spiel!“
Hein würfelte – bleich vor Angst. Hohnendes Gelächter erfüllte den Keller. Und mit dem letzten Wurf war sein Schicksal besiegelt.
Am nächsten Morgen fand man ihn tot am Spieltisch, den Kopf auf der Platte. Man mauerte ihn im Schwarzen Loch ein – doch noch heute, so sagt man, hört man in der Neujahrsnacht ein unheimliches Klopfen und Rumoren aus dem Bacchuskeller.
Weitere Infos über Bremer Traditionen: www.bremen.de/traditionen-originale-geschichten
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