6 praktische Tipps für nachhaltige Mobilität im Tourismus
TourismusVon Fahrradangeboten bis Ladeinfrastruktur: Wie Betriebe nachhaltige Mobilität konkret umsetzen können
Nachhaltige Mobilität ist im Tourismus längst mehr als ein Randthema. Sie betrifft nicht nur die An- und Abreise von Gästen, sondern auch den Arbeitsweg von Mitarbeitenden, die Mobilität vor Ort und die notwendige Infrastruktur. Ein großer Teil der Emissionen entsteht durch Verkehr – von der Anreise bis zur Fortbewegung am Reiseziel. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach klimafreundlichen Alternativen.
Welche Chancen sich daraus für touristische Betriebe ergeben, zeigte im Februar 2026 das Treffen des touristischen Nachhaltigkeitsnetzwerks der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH in der Bremer Baumwollbörse. Unter dem Titel „Tourismus in Bewegung: Zukunftsfähige Mobilität für den Tourismus in Bremen“ diskutierten Expert:innen aus Hotellerie, Verbänden und Kultur- und Freizeiteinrichtungen konkrete Lösungen für nachhaltige Mobilität im Tourismus.
Bremen bietet dafür besonders gute Voraussetzungen: Laut ADFC verfügt die Stadt über 1.008 Kilometer Radverkehrsnetz, rund 25 Prozent aller Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt und beim ADFC-Fahrradklima-Test 2024 belegte Bremen Platz drei unter den fahrradfreundlichsten deutschen Großstädten. Auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen laut Radverkehrsbericht Bremen etwa 1.050 Fahrräder und 76 E-Bikes.
Sechs praktische Tipps aus dem Austausch beim Netzwerktreffen geben konkrete Orientierung für mehr nachhaltige Mobilität im Tourismus.
Tipp 1: Das Fahrrad als Chance verstehen
Bremen gehört zu den fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands. Für touristische Betriebe eröffnet dies eine große Chance: Wer sich gezielt auf Radreisende einstellt, kann eine wachsende Zielgruppe ansprechen.
Dabei reiche es nicht, einfach nur ein paar Leihräder bereitzustellen, sagt Detlef Pauls vom Wellnesshotel Munte Am Stadtwald. Entscheidend seien sichere Abstellmöglichkeiten, Informationen zu Radrouten oder kleine Serviceangebote rund ums Fahrrad, wie zum Beispiel Reparatursets oder Luftpumpen.
Jürgen Möller vom ADFC Bremen betont zudem, dass Radreisende besondere Anforderungen an Unterkünfte stellen. Orientierung bieten hier Zertifizierungen wie „Bett+Bike“, die fahrradfreundliche Unterkünfte kennzeichnen. Ein zentraler Punkt sei dabei Flexibilität bei der Übernachtung. „Bei Bett+Bike ist es zum Beispiel ein wichtiges Kriterium, dass man auch für nur eine einzelne Nacht aufgenommen wird“, so Möller.
Tipp 2: Die nachhaltige Anreise der Gäste aktiv fördern
Nachhaltige Mobilität muss sichtbar gemacht werden. Touristische Betriebe können ihre Gäste schon vor der Anreise über Mobilitätsmöglichkeiten informieren: auf der Website, in Buchungsbestätigungen, über Social Media und schließlich direkt vor Ort.
Wer erklärt, wie Bremen mit Bahn, ÖPNV oder Fahrrad komfortabel erlebbar ist, senkt die Hürde für klimafreundliche Entscheidungen. Gerade für Besucherinnen und Besucher, die die Stadt ohne Auto erkunden möchten, sind leicht zugängliche Informationen entscheidend. Wenn Unterkünfte diese Vorteile aktiv kommunizieren – etwa mit Hinweisen zur Bahn-Anreise, zu Fahrradverleihen oder zu nachhaltigen Mobilitätsangeboten vor Ort – können sie Gäste gezielt zu klimafreundlichen Entscheidungen motivieren.
Auch Incentive-Projekte können Anreize für nachhaltige Mobilität schaffen. Ein Beispiel: Mit BremenPay möchte die Hansestadt klimafreundliches Verhalten belohnen. Gäste, die mit dem Fahrrad oder der Bahn anreisen oder nachhaltige Angebote nutzen, können dafür kleine Gegenleistungen erhalten – etwa ein Getränk oder einen Rabatt bei teilnehmenden Partner:innen. Ziel ist es, nachhaltige Entscheidungen sichtbar zu machen und positiv zu verstärken.
Tipp 3: Ladeinfrastruktur anbieten – bevor die Gäste danach fragen
Mit der steigenden Zahl von E-Autos und E-Bikes wächst auch die Erwartung an entsprechende Ladeangebote. Für touristische Betriebe kann es deshalb sinnvoll sein, frühzeitig in Ladeinfrastruktur zu investieren.
Im Hotel Munte hat man sich dafür entschieden, eigene Ladepunkte einzurichten. „Wir haben uns bewusst nicht fördern lassen, sondern selbst finanziert. Die Ladepunkte sollen nämlich nur für unsere Hotelgäste sein“, berichtet Detlef Pauls.
Auch beim Laden von E-Bike-Akkus können sich für Tourismusbetriebe Herausforderungen ergeben. Viele Gäste nehmen ihre Akkus mit auf das Zimmer – aus Sicherheits- und Brandschutzgründen jedoch keine gute Idee. Sichere Ladebereiche und Schließfächer für die Akkus im Fahrradkeller können hier eine praktikable Lösung darstellen.
Tipp 4: Mobilität als Teil des Gästeerlebnisses begreifen
Nachhaltige Mobilität ist nicht nur eine ökologische Maßnahme – sie kann auch das touristische Erlebnis bereichern. Wer eine Stadt mit dem Fahrrad, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß entdeckt, erlebt sie oft intensiver und authentischer.
Gerade in einer Stadt wie Bremen lassen sich viele Ziele bequem ohne Auto erreichen. Dies eröffnet touristischen Betrieben die Möglichkeit, entsprechende Touren in ihr Angebot zu integrieren. Das betont auch Jürgen Möller vom ADFC: „Bei schönem Wetter genießen die Gäste es sehr, eine Radtour zu machen und auf dem Weg irgendwo einzukehren.“
Wenn touristische Betriebe passende Angebote schaffen und mitdenken, wie Besucherinnen und Besucher sich vor Ort unkompliziert und attraktiv bewegen können, kann nachhaltige Mobilität zu mehr Aufenthaltsqualität beitragen.
Tipp 5: Nachhaltige Mobilität beginnt beim Arbeitsweg
Nicht nur die Mobilität der Gäste sollte im Fokus liegen, sondern auch die der Mitarbeitenden. Gerade Arbeitswege verursachen einen erheblichen Anteil der verkehrsbedingten Emissionen.
„Der Teufel steckt häufig im Detail“, erklärt Katrin Matthes vom Mobilitätsnetzwerk beks. „Gerade bei der Umsetzung nachhaltiger Mobilitätsangebote kommt es darauf an, Lösungen für den betrieblichen Alltag zu finden.“ Dabei gehe es vor allem darum, konkrete Maßnahmen umzusetzen. Bereits kleine Schritte können Wirkung zeigen – etwa durch Zuschüsse zum Deutschlandticket, Fahrradleasing-Angebote oder eine Analyse der Arbeitswege der Mitarbeitenden.
Tipp 6: Netzwerke nutzen und voneinander lernen
Nachhaltige Mobilität im Tourismus lässt sich oft leichter gemeinsam entwickeln als allein. Katrin Matthes betont die Bedeutung von Netzwerkformaten: „Die Ziele von Netzwerken sind vor allem der Austausch, die Möglichkeit, voneinander zu lernen und im besten Fall Synergien zu finden.“ Netzwerke bieten Betrieben die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, konkrete Herausforderungen zu diskutieren und voneinander zu lernen. Gerade bei Fragen zur Umsetzung – etwa bei Ladeinfrastruktur, Mobilitätskonzepten oder Angeboten für Mitarbeitende – profitieren Unternehmen von den Erfahrungen anderer Betriebe.
Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen kann der Austausch im Netzwerk ein wichtiger Impulsgeber sein. Wer sieht, wie andere touristische Unterkünfte Mobilitätslösungen im Alltag umsetzen, kann schneller passende Ansätze für den eigenen Betrieb entwickeln. So schaffen Netzwerke einen Raum, in dem Wissen geteilt, Kooperationen angestoßen und nachhaltige Lösungen gemeinsam vorangebracht werden.
Nachhaltigkeitsnetzwerk Tourismus
Das Nachhaltigkeitsnetzwerk Tourismus wird von Bremen Tourismus (einer Abteilung der WFB) organisiert und ist im Rahmen der Aktivitäten der Tourismusstrategie entstanden. In regelmäßigen Austauschrunden bietet Bremen Tourismus Beratungs- und Schulungsangebote zu unterschiedlichen touristischen Nachhaltigkeitsthemen sowie eine Plattform für den Austausch unter den Teilnehmenden.
Sie möchten an den Nachhaltigkeitsnetzwerktreffen teilnehmen? Dann melden Sie sich gerne bei Dr. Elena Fischer (fischer@bremen-tourism.de).
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