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19.6.2019 - Jann Raveling

Was ist Wirtschaftsförderung?

Standortmarketing
Wie eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft funktioniert
Das Kontorhaus am Markt, Sitz der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH
Das Kontorhaus am Markt, Sitz der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH © WFB/Pusch

Was ist Wirtschaftsförderung? Das Ziel von Wirtschaftsförderung ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, sich an einem Standort (Kommune) anzusiedeln, zu expandieren und ihren Geschäften nachzugehen.

Jede Stadt, jeder Landkreis, jeder Ort in Deutschland profitiert, wenn Unternehmen dort ihren Sitz haben oder sich neue Firmen ansiedeln. Denn Firmen schaffen und sichern einerseits Arbeitsplätze für die dort lebenden Bewohnerinnen und Bewohner, andererseits generieren sie Steuereinnahmen für die jeweilige Kommune und tragen so zur wirtschaftlichen Entwicklung des Standortes bei. Die Wirtschaftspolitik der einzelnen Städte und Landkreise zielt also in Verbindung mit der Bundes- und der jeweiligen Landespolitik darauf ab, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Unternehmen von dem jeweiligen Standort überzeugen und sie dort halten. Den Auftrag, diese Ziele aus der Politik in die Praxis umzusetzen, führt eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft aus.

Wirtschaftsförderungen und ihre Organisationsformen

Dabei kann eine Wirtschaftsförderung in verschiedener Weise strukturiert sein: Entweder ist sie als ein Amt oder eine Stabsstelle innerhalb der öffentlichen Verwaltung organisiert. Oder sie ist eine eigenständige Gesellschaft – wie etwa die WFB Wirtschaftsförderung Bremen, die als GmbH im Besitz Bremens organisiert ist.

Was macht eine Wirtschaftsförderung?

Die Aufgaben von Wirtschaftsförderungen sind vielfältig. Sie unterscheiden sich, je nachdem, welche Schwerpunkte die Wirtschaftspolitik des jeweiligen Standortes setzt. Das oberste Ziel aller Wirtschaftsförderungsgesellschaften ist aber gleich, nämlich dabei zu unterstützen, dass die Wirtschaftskraft am Standort gestärkt wird, vorhandene Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden.

Mit Beispielen aus Bremen zeigen wir hier exemplarisch die Aufgaben einer Wirtschaftsförderung auf:

Aufgaben innerhalb eines Standorts:

Erschließung von Gewerbeflächen

Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen benötigen große Flächen für ihre Büros, Werkshallen, Lager und Fabriken. Die Wirtschaftsförderung kümmert sich darum, diese Flächen für die Unternehmen bereitzustellen, als Gewerbe- oder Industriegebiete. Die Flächen können dabei entweder von der Kommune als Grundstückseigentümerin bereitgestellt werden oder die Wirtschaftsförderung kauft diese von privaten Eigentümern. Im Auftrag der Wirtschaftsförderung werden diese Flächen dann für die Ansiedlung von Unternehmen vorbereitet. Dazu gehört etwa der Straßenbau, die Vorbereitung des Baugrunds und der Anschluss an öffentliche Verkehrswege.

Im Auftrag von Wirtschaftsförderungen werden neue Gewerbegebiete erschlossen - wir hier der Gewerbepark Hansalinie im Osten Bremens
Im Auftrag von Wirtschaftsförderungen werden neue Gewerbegebiete erschlossen - wir hier der Gewerbepark Hansalinie im Osten Bremens © WFB/Pusch

Vermarktung von Gewerbeflächen

Die so erstellten Flächen werden dann den wachsenden Unternehmen für die Expansion ihrer Geschäftstätigkeiten am Standort verkauft. So werden bestehende Arbeitsplätze gesichert und es entstehen neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sowie weitere direkte und indirekte Einnahmen für die Stadt oder Gemeinde.

Immobilienbau

Nicht immer kann der Markt die Nachfrage nach passenden Immobilien bedienen. So könnte es zum Beispiel in einer Stadt einen Bedarf an Büroräumen für junge Unternehmensgründerinnen und -gründer geben, aber für private Immobilieninvestoren ist die Vermietung einzelner Büros aufgrund ihrer geringen Größe unattraktiv. In solchen Fällen baut oder kauft die Wirtschaftsförderung auch selbst Immobilien und vermietet diese - oder verkauft sie weiter, falls sich doch Investoren finden sollten. Zumeist ist es auch Aufgabe der Wirtschaftsförderung, einen Überblick über den Immobilienmarkt eines Standorts zu geben, in Gespräche mit interessierten Investoren zu treten und Verkäufer mit potenziellen Interessenten zusammenzubringen. (siehe Punkt „Standortmarketing“)

Unternehmensbetreuung – Unternehmensservice

Das Kümmern um die heimische Wirtschaft ist ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaftsförderung. Ortsansässige oder neu angesiedelte Firmen haben Anliegen, die über den Kauf oder die Anmietung von Büro- oder Gewerbeflächen hinausgehen. Ob es um die Suche nach Ansprech- oder Kooperationspartnern oder um Baugenehmigungen geht, andere behördliche Formalitäten, die Suche nach Fachkräften, Im- und Exportanliegen oder ähnliches. Die WFB steht hier Unternehmen als Ratgeber und Verbindungsglied zur Seite, hilft entweder direkt oder stellt den Kontakt zu den richtigen Personen in Institutionen wie der Baubehörde, dem Finanzamt, den Handelskammern oder auch anderen Unternehmen und Netzwerken her.

Existenzgründung

Menschen, die sich selbstständig machen wollen, haben viele Fragen: Wie melde ich ein Gewerbe an? Wo finde ich Büroräume? Welche Unternehmensform wähle ich? Wo finde ich eine gute Finanzierung? Wer hilft mir weiter? Wirtschaftsförderungen ist es ein großes Anliegen, Existenzgründerinnen und Existenzgründer zu unterstützen, denn sie sind die Unternehmer von morgen. In Bremen gibt es zum Beispiel Einrichtungen, die Wissen vermitteln, bei Anträgen helfen oder Fördermittel vergeben oder sie schaffen Gründerzentren, die Know-how und günstige Räume bereitstellen. Das Bundesland geht dabei einen besonderen Weg: Es hat das bundesweit einmalige Starthaus gegründet. Hier erhalten Gründerinnen und Gründer gebündelt Zugang zu allen Informationen, zu Finanzierungen und Förderungen und Kontakte zu Partnern, werden in Seminaren weitergebildet und haben eine persönliche Ansprechperson, die sie während der gesamten Gründungsphase begleitet. Das Starthaus ist eine Initiative der Förderbank BAB (Bremer Aufbau-Bank), einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Wirtschaftsförderung Bremen. Die WFB ist zudem Betreiber von Gründer- und Technologiezentren.

Förderprogramme

Wenn Unternehmen wachsen oder neue Technologien erforschen wollen, müssen sie investieren – in Gebäude, Maschinen und Prozesse sowie in Arbeitskräfte. Um sich Geldmittel zu beschaffen, können sie zu ihrer Bank gehen, alternativ Förderprogramme nutzen - oder von beiden profitieren. Unternehmens-Förderprogramme gibt es auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Ihr Ziel ist es Unternehmen in ihrem Wachstum und in ihrer Entwicklung zu unterstützen und so den Standort zu stärken. In Bremen gibt es eine eigene Förderbank, die diese Aufgabe übernimmt, die BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven. Ein Beispiel für so ein Programm ist das Forschungs- und Entwicklungsprogramm (FEI) der BAB: Mittelständische Unternehmen, die an neuen Technologien arbeiten wollen, können hier günstige Kredite und Zuschüsse auf Antrag erhalten. So werden Risiken neuer Entwicklungen für Firmen kalkulierbarer.

Das Technologie- und Gründerzentrum BITZ in Bremen ist eine Geburtsstätte erfolgreicher Start-ups
Das Technologie- und Gründerzentrum BITZ in Bremen ist eine Geburtsstätte erfolgreicher Start-ups © WFB/Lehmkühler

Aufgaben außerhalb des Standorts

Ansiedlung

Eine weitere wesentliche Aufgabe ist auch die Ansiedlung neuer Unternehmen. Gründe für eine Ansiedlung kann es dabei viele geben: Ein Unternehmen möchte eine neue Filiale oder eine Niederlassung in der Stadt gründen, da sie ihren geschäftlichen Einzugsbereich vergrößern will. Oder der jetzige Firmenstandort ist gegenüber dem neuen unattraktiv, weil keine qualifizierten Arbeitskräfte zu finden sind, die Verkehrsanbindungen zu schlecht oder schlicht der Platz zu klein geworden ist. Hier begleiten Wirtschaftsförderungen wie die WFB Unternehmen bei ihrer Ansiedlung, helfen, die richtige Gewerbefläche oder Räume zu finden, unterstützen bei der Finanzierung, bei der Personalgewinnung oder ähnlichen Anliegen. Besonders wichtig ist das bei internationalen Ansiedlungen, denn hier sind Experten mit Sprach- und Kulturkenntnis gefragt. Bremen ist in besonderem Maße auf die Länder USA, China, Türkei und Vietnam spezialisiert und unterstützt Unternehmen, die Fuß fassen wollen.

Standortmarketing

Bei der Frage danach, was Wirtschaftsförderung ist, darf das Standortmarketing nicht vergessen werden. Damit ein Standort für nationale und internationale Unternehmen in Betracht gezogen wird, müssen diese ihn natürlich erst einmal kennen. Wirtschaftsförderungen sind mit der Aufgabe betraut, den eigenen Standort bekannt zu machen. Das kann auf sehr unterschiedliche Weisen geschehen: durch klassische Werbung, durch Präsenz auf Messen mit Messeständen, durch die Betreuung von Delegationsreisen oder Kooperation in Netzwerken. Oft erstellen die Wirtschaftsförderungen Analysen zum eigenen Standort, damit Investoren die Arbeit leichter gemacht wird und sie Entscheidungsgrundlagen erhalten. Dazu gehört etwa ein Immobilienmarktreport.

Was ist Wirtschaftsförderung des Bundes?

Neben den einzelnen Städten, Gemeinden und Landkreisen sowie den Bundesländern hat auch Deutschland als Ganzes eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft: Germany Trade & Invest. Ihre Aufgabe ist es, im Ausland für Deutschland zu werben und deutschen Unternehmen Geschäfte im Ausland zu erleichtern. Sie kooperiert dabei mit den jeweiligen Wirtschaftsförderungen der Bundesländer und organisiert etwa Delegationsreisen oder Messeauftritte.

Wirtschaftsförderung ohne Wirtschaftspolitik nicht denkbar

Wie Wirtschaftsförderung im Genauen aussieht, das ist immer auch von der Wirtschaftspolitik eines Standorts abhängig. Eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft oder ein -amt führt aus, kann aber nicht selbst grundlegende regulatorische Entscheidungen treffen. Denn das ist Gestaltungsaufgabe der Politik, das heißt, des Parlaments und des Wirtschaftsministeriums. Sie beschließen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Kommunen bestimmen so zum Beispiel die Höhe der Gewerbesteuer – sie ist die wichtigste Einnahmequelle vieler Orte und kann stark variieren. Auch die Grundsteuer wird auf Kommunalebene festgelegt. Geringere Steuerlasten können ausschlaggebend für die Attraktivität eines Standorts sein. Auch die Förderung bestimmter Industrien, der Beschluss von Förderprogrammen, die Bereitstellung von Krediten und Zuschüssen oder öffentliche Investitionen in Infrastruktur tragen zur Wirtschaftsförderung bei.

Letztlich kann auch die Beeinflussung von weichen Standortfaktoren die Wirtschaft beflügeln – also die Verbesserung der Infrastruktur für Bürgerinnen und Bürger, wie Bildung, Nahverkehr, Kultur- und Freizeitangebote und die generelle Lebensqualität eines Standorts. Denn Unternehmen sind auf ihre Mitarbeitenden angewiesen. Im Wettbewerb um Fachkräfte müssen Firmen und Standorte daher sicherstellen, für ihre Beschäftigten eine attraktive Umgebung zu schaffen.


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Iris Geber

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