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19.12.2023 - Mona Fendri

„Wir möchten Kunstvermittlung zeitgemäßer gestalten“

Tourismus

Kunsthalle Bremen gewinnt Tourismuspreis in der Kategorie „Future Bremen“

Eine Frau und zwei Männer zeigen Handys, Tablets und einen Preis in die Kamera
Freuen sich über den Tourismuspreis 2023 (v. l. n. r.): Jasmin Mickein, Pressesprecherin der Kunsthalle Bremen, Stefan Schnier, Geschäftsführer, Hartwig Dingfelder, Leiter Bildung und Vermittlung. © WFB/ Jan Rathke

Sind Sie Team Hund oder Team Katze? Eher Stadtmensch oder verbringen Sie lieber Zeit auf dem Land? Treiben Sie gerne Sport oder machen Sie es sich gerne auf dem Sofa gemütlich? Diese Fragen und noch weitere stellt die Web-App „It´s an Art Match“, die zum digitalen Projekt „Art Surfer“ der Kunsthalle Bremen gehört. Doch Moment einmal … was hat das alles eigentlich mit Kunst zu tun?

„Die Web-App ist ein Einstieg ins Museum für Menschen, die sich mit Kunst gar nicht oder nur wenig auskennen“, erklärt Stefan Schnier, Geschäftsführer der Kunsthalle Bremen. Ziel sei es, Kunst einfacher, interessanter und zeitgemäßer zu vermitteln sowie jüngere Zielgruppen und Menschen, die nicht so gerne ins Museum gehen, anzusprechen.

Digitale und barrierefreie Kunstvermittlung

Bereits 2018 entstand die erste Idee zum Projekt „Art Surfer“. Die Entwicklung der Plattform dauerte einige Jahre, bis sie 2021 zur Manet-Ausstellung öffentlich gemacht wurde. „Zunächst einmal nur auf Englisch und Deutsch, da wir sehen wollten, wie der Art Surfer von den Besucher:innen angenommen wird“, erinnert sich Schnier.

Doch worum geht es bei dieser Online-Plattform genau? „In erster Linie wollten wir ein digitales Instrument für die Kunstvermittlung haben“, so der Geschäftsführer der Kunsthalle. Statt sich einen kostenpflichtigen Audioguide an der Museumskasse auszuleihen, können sich Besucher:innen gewappnet mit dem kostenlosen Art Surfer auf dem Handy frei durch die Ausstellung bewegen, ohne eine vorgegebene Reihenfolge durchlaufen zu müssen. Die Inhalte sind jederzeit flexibel abrufbar – ohne Download oder Anmeldung. Über Tonspuren sowie Textbeiträge erhalten die Museumsgäste Informationen zu den einzelnen Kunstwerken. Und auch bequem von zuhause kann man den Art Surfer kostenfrei abrufen und sich die Informationen zu den Kunstwerken ansehen und anhören. Ein Sneak Peak, der Lust auf einen Besuch in die Kunsthalle machen soll.

Eine Frau hinter einem Tresen zeigt einer anderen Frau ein Tablet
Die Mitarbeiter:innen an der Museumskasse informieren Besucher:innen über den Art Surfer. © WFB/ Jan Rathke

Das Thema Barrierefreiheit spielt beim Art Surfer ebenfalls eine große Rolle. „Wir sind im Rahmen unserer Strategie dazu übergegangen, vieles in einfacher Sprache darzustellen“, erklärt Schnier. Inzwischen sind diese Texte darüber hinaus auch auf Russisch, Arabisch und Französisch verfügbar.

Auch ein Audioguide für blinde und sehbehinderte Menschen sowie Videos in Gebärdensprache gehören zum inklusiven Angebot des Art Surfers. Mittlerweile habe sich dieses digitale Instrument beim Museumspublikum gut etabliert. „Anhand unserer Jubiläumsausstellung haben wir festgestellt, dass sich inzwischen mehr Menschen für den Art Surfer entscheiden als für einen Audioguide“, sagt der Geschäftsführer der Kunsthalle.

Ein Date mit der Kunst

Der Online-Audioguide des Art Surfers war aber nur ein Anfang in Richtung digitalisierte Kunstvermittlung des Bremer Museums. „2023 haben wir zwei Web-Apps entwickelt, ‚It´s an Art Match‘ und ‚Mein Pinnwand-Museum‘“, verkündet Schnier.

Bei „It´s an Art Match“ handelt es sich um eine Matching-App, die an die Dating-App Tinder angelehnt ist. „Art-Match ist für ein jüngeres, digitales Publikum entwickelt“, erläutert Jasmin Mickein, Pressesprecherin der Kunsthalle, die die App entwickelt hat. „Man hinterlegt auf spielerische Art ein Profil für sich selbst und beantwortet dabei einfache Alltagsfragen. Bestimmte Charaktereigenschaften oder Verhaltensmuster spiegeln sich in den Bildern wieder.“ Hund oder Katze, Sport oder Sofa … Die Fragen haben auf dem ersten Blick nichts mit Kunst zu tun. „Es war uns wichtig, einen alltagsnahen Ansatz zu wählen“, sagt Mickein. „Wenn wir Fragen stellen würden wie ‚Mögen Sie die Romantik-Epoche?‘, dann wissen die Leute nicht unbedingt, was dahintersteckt. Mit der Frage ‚Hund oder Katze‘ hat man sich schon eher beschäftigt als mit ‚Klassik oder Romantik‘.“

Aus insgesamt 600 hinterlegten Kunstwerken bekommt man 15 Matches vorgeschlagen, die zum persönlichen Profil passen. Man kann durchswipen, seine Favoriten liken und erhält Informationen über die Kunstwerke, in einer zielgruppennahen Sprache, die sonst nicht bei der Kunstvermittlung verwendet wird. Auch der Weg zum Kunstwerk im Haus ist in der Web-App hinterlegt. „Wer sich dann registriert, kann sich diese Bilder und Informationen zusätzlich schicken lassen und sie mit seinem oder ihrem Netzwerk teilen“, so Mickein.

Mit der Einführung dieser Web-App erweiterte die Kunsthalle die Nutzung des Art Surfers. War die Online-Plattform in der Vergangenheit nur innerhalb des Museums verfügbar, können inzwischen Interessierte von überall darauf zugreifen und sich so einen ersten Überblick über Kunst und über das Angebot der Kunsthalle Bremen verschaffen. Dem Geschäftsführer war es wichtig, die Multimediaplattform so allen Menschen zugänglich zu machen. Auch den Weg durch die Kunsthalle kann man durch „It’s an Art Match“ anders gestalten: Statt linear durch das Gebäude zu laufen, kann man sich auf direktem Wege zu seinen Matches begeben – und sie „in echt“ kennenlernen.

Die eigene Ausstellung spielerisch gestalten

Auch die Web-App „Mein Pinnwand-Museum“ soll Lust auf mehr Kunst machen. Die Zielgruppe ist jedoch eine andere: „Die Web-App richtet sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche und kann zum Beispiel im Kunstunterricht eingesetzt werden “, beschreibt Hartwig Dingfelder, Leiter Bildung und Vermittlung, der die Web-App mit seinem Team konzipiert hat. In der Web-App sind Bilder aus der Sammlung der Kunsthalle hinterlegt. Diese kann man auswählen, bearbeiten, Titel und Bildunterschrift ändern, individuelle Texte verfassen und aufnehmen. So entsteht und eine eigene virtuelle Ausstellung. Der Clou: In dieses Pinnwand-Museum können auch selbst gemachte Bilder oder Fotos eingefügt werden, nachdem sie hochgeladen wurden.

Diese persönliche Ausstellung können die Benutzer:innen teilen oder versenden. „Es gibt den Kindern die Möglichkeit zu sehen, dass ein Museum nicht nur ein Ort ist, wo Bilder hängen, sondern dass man Kunst auch selbst mitgestalten kann“, so Dingfelder weiter.  

Eine Frau hält ein Tablet und sieht sich ein Gemälde an
Bei einem Rundgang durch die Kunsthalle Bremen kann man seine Art Matches „persönlich kennenlernen“. © WFB/ Jan Rathke

Das Haus der Bremerinnen und Bremer

Kunst für jedermann – das hatte sich die Kunsthalle Bremen bereits in ihren Anfängen zum Ziel gemacht. 1823 gründeten 34 Bremer Kaufleute den Kunstverein Bremen. Sie formulierten die Absicht, „den Sinn für das Schöne zu verbreiten und auszubilden“ sowie „allmählich Kunstsachen zu sammeln und diese Sammlung zugänglich zu machen“. 1849 eröffneten die Gründungsmitglieder den ersten Museumsbau und stellten ihre eigenen Sammlungen der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Inzwischen sind 10.000 Bremer:innen Mitglied im 200 Jahre alten Kunstverein. Die Sammlung ist auf mehr als 200.000 Kunstwerke angewachsen. „Wir sind der größte Kunstverein in Deutschland und der zweitgrößte Unterstützerverein eines Museums“, fügt Stefan Schnier sichtlich stolz hinzu. Es ist ein Erfolg, über den er sich im Jubiläumsjahr 2023 freuen kann.

Die Online-Angebote rund um den Art Surfer sollen dazu beitragen, das ursprüngliche Ziel der Bremer Kaufleute in der heutigen digitalisierten Zeit weiterhin zu erreichen. Durch die digitale Plattform und ihre Web-Apps gewinnt die Kunsthalle Bremen mit ihren Ausstellungen an Reichweite und Sichtbarkeit über die Grenzen Bremens hinaus – und geht mit der Zeit. „Dieses Haus hat 200 Jahre überstanden. Nicht, weil es noch genauso ist wie vor 200 Jahren, sondern weil es sich stets weiterentwickelt hat“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Mit dem Tourismuspreis in der Kategorie „Future Bremen“ ausgezeichnet

Ist es also überraschend, dass ausgerechnet die Kunsthalle Bremen mit ihrem Projekt Art Surfer den Tourismuspreis Bremen und Bremerhaven in der Kategorie „Future Bremen“ gewonnen hat? Für Schnier anscheinend schon: „Dass wir mit dem Art Surfer gewinnen würden, hätten wir nicht gedacht“, räumt er lächelnd ein. „Wir haben uns aber sehr gefreut und es war eine Bestätigung für alle, die in dem Projekt involviert sind.“

Der Tourismuspreis Bremen und Bremerhaven wurde 2023 zum zweiten Mal von der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH und der Erlebnis Bremerhaven GmbH in vier Kategorien verliehen. „Future Bremen/Bremerhaven" ist dabei der Preis für innovative und zukunftsfähige touristische Aktionen. Den zweiten und dritten Platz in Bremen sicherten sich jeweils die eTo Personalmarketing GmbH mit ihrem Konzept für eine „Nacht der Hotellerie" und das Übersee-Museum.

„Der Tourismuspreis ist ein ganz wichtiger Preis, den das Land Bremen geschaffen hat“, findet Schnier. So hebe er vor allem Einrichtungen hervor, die dazu führten, dass Touristinnen und Touristen die Hansestadt besuchen. „Die Kunsthalle Bremen ist Bestandteil des Lebens in dieser Stadt“, sagt er weiter. „Wir schaffen Anlässe, um nach Bremen zu kommen und tragen zum Image der Stadt bei.“ So seien 70 Prozent der Museumsgäste Nicht-Bremer:innen – zum Teil sogar Menschen, die nur wegen einer bestimmten Ausstellung in die Stadt an der Weser kämen.
Und wie soll es mit dem Art Surfer weitergehen? „Wir möchten gerne den registrierungspflichtigen Teil der Plattform vorantreiben, um mit der Community in Kontakt treten zu können, sie auf Ausstellungen hinweisen und besondere Angebote für diesen Bereich erstellen“, verrät der Geschäftsführer seine Pläne. „2023 haben wir uns auf das 200-jährige Jubiläum der Kunsthalle konzentriert. 2024 werden wir uns wieder mehr der digitalen Weiterentwicklung widmen.“

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