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18.4.2024 - Annemarie Meyer

Ein Blick hinter die Kulissen bei Airbus: Die Raumfahrtführung

Tourismus

Raumfahrtführung bei Airbus

Die Raumfahrtführung bei Airbus lässt Besucherinnen und Besucher in andere Sphären eintauchen. © WFB/Jonas Ginter

Bremen überzeugt seit über 90 Jahren als Wissenschaftsstandort. Vom Schiffbau über den Flugzeugbau bis hin zum Bau von Weltraumstationen und Raketenstufen reicht das Spektrum höchster technischer Ingenieurskunst in der Hansestadt. Bei Airbus erhalten Raumfahrtbegeisterte einen Einblick in Forschung und Entwicklung rund ums Weltall und die exklusive Möglichkeit, das originale Spacelab oder einen Nachbau der Internationalen Raumstation zu besichtigen.

Bremen ist das Europäische Kompetenzzentrum für Raumfahrt, Weltraumrobotik und Trägerraketen. Die Hansestadt hat gemessen an den Einwohnerinnen und Einwohnern die höchste Luft- und Raumfahrtbeschäftigungsdichte in Deutschland. Das Unternehmen Airbus, als Vorreiter in der Raumfahrttechnologie, spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Raumfahrtführung bei Airbus in Bremen bietet Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, einen einzigartigen Einblick in die Faszination der Raumfahrt zu erhalten. Während der Führung erhalten Teilnehmende einen Blick hinter die Kulissen der Produktionsstätten, lernen mehr über die Herstellung von Satelliten, Trägerraketen und anderen Raumfahrtkomponenten und bekommen Antworten auf Fragen wie: Wie leben Astronautinnen und Astronauten im All? Wie funktioniert die Versorgung einer Raumstation und welche Missionen sind für die Zukunft geplant?

Europäische Raumfahrtschmiede am Flughafen Bremen

Die Führung beginnt mit einer Zeitreise zurück ins Jahr 1961, als das Raumfahrtzeitalter in Bremen seinen Anfang nahm: Norddeutsche Traditionsunternehmen wie Focke-Wulf, Hamburger Flugzeugbau und Weser Flugzeugbau gründeten den „Entwicklungsring Nord“, der sich rasch als ERNO einen anerkannten Namen in der internationalen Raumfahrt machte. Heute ist Airbus in Bremen als Nachfolgeunternehmen von ERNO ein weltweit führendes industrielles Raumfahrtzentrum für bemannte Raumfahrt, Weltraumrobotik und Trägerraketen. Die Ingenieurskunst ermöglicht bedeutende europäische Raumfahrtprogramme: Von der Internationalen Raumstation ISS über die Weltraumlabore Spacelab und Columbus bis hin zum automatischen Versorgungsfahrzeug ATV und der europäischen Trägerrakete Ariane. Rund 1.000 Menschen leisten hier bei Airbus einen wesentlichen Beitrag zu internationalen Raumfahrtprojekten.

Der Nachbau des Columbus-Moduls, dem europäischen Beitrag der internationalen Raumfahrtstation ISS. © WFB/Jonas Ginter

Wissenschaft im Weltall – mit Technik aus Bremen

Mit dem „Spacelab“, einem wiederverwendbaren Labor, setzte Airbus einen bedeutenden Meilenstein in der bemannten Raumfahrt. In den 80er-Jahren wurde das Spacelab 22 Mal gemeinsam mit dem Space-Shuttle eingesetzt und ermöglichte insbesondere Gravitationsexperimente im Weltraum. Nach seinem letzten Flug kehrte das Spacelab zurück nach Bremen, wo das Original als Teil der Raumfahrt-Führung besichtigt werden kann und somit ein Stück Weltraumgeschichte erlebbar wird.

Das Spacelab diente dabei als Vorläufermodell für das nachfolgende Weltraumlabor „Columbus“, weshalb es von den Mitarbeitern liebevoll als „Vater von Columbus" bezeichnet wird. Columbus ist der Beitrag der europäischen Weltraumorganisation European Space Agency (ESA) zur internationalen Raumfahrtstation ISS – und hat seine Ursprünge in Bremen: Hier entwickelt und zusammengebaut, bevor es 2008 an Bord des Space Shuttle Atlantis zur ISS flog und bis heute ein integraler Bestandteil der Raumstation ist. Das Weltraumlabor ist für Experimente unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit ausgelegt. Wie unterschiedlich die Schwerkraft im Weltraum oder auf den verschiedenen Planeten wirkt, können Besucher:innen selbst ausprobieren: Tabletts mit unterschiedlichen Gewichten simulieren die verschiedenen Anziehungskräfte auf den einzelnen Planeten. Wie schwer ist wohl der Liter Milch auf dem Merkur?

Die ISS auf der Raumfahrtführung in Bremen erkunden

Während die ISS 400 Kilometer über der Erde mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern dahinrast, sind in Bremen zwei nachgebaute Module für die Öffentlichkeit zugänglich. Direkt gegenüber des Eingangs zum Columbus-Modul kann man einen Blick in den sogenannten Simulations- und Diagnoseraum werfen, von dem aus Ingenieur:innen in Kontakt mit der Internationalen Raumstation stehen können. Das Columbus-Kontrollzentrum befindet sich zwar in Oberpfaffenhoffen bei München, doch auch nach Bremen werden sämtliche Columbus-Daten gesendet, sodass im Notfall jederzeit von hier aus eingegriffen werden kann.

Wenige Schritte entfernt, gelangt man in den Nachbau des Columbus-Moduls. Hier hat alles seinen Platz: Ein ausgeklügeltes System aus Klappen, Schubladen, Forschungsutensilien, Racks, Befestigungsankern und Haltegriffen sorgt dafür, dass in der Schwerelosigkeit alles an seinem Platz bleibt. Im Maßstab 1:1 des Columbus-Nachbaus kann der Aufbau verschiedener Experimentieranlagen entdeckt werden, wie beispielsweise das Biolab, in dem Experimente mit Zellen, Gewebekulturen, Mikroorganismen, kleinen Pflanzen und wirbellosen Tieren durchgeführt werden. Im Fluid Science Lab werden das dynamische Verhalten und andere Phänomene von Flüssigkeiten untersucht. Außerdem können Besucherinnen und Besucher das amerikanische Habitation-Modul durchqueren, den Wohn- und Aufenthaltsort der Astronaut:innen. Hier werden Fragen wie: „Wie duschen Astronaut:innen eigentlich?", „Wie sieht eine Weltraumtoilette aus?" und „Wird im Stehen geschlafen?" beantwortet.

Rechts die Miniaturansicht einer Ariane-Trägerrakete, im Hintergrund ein von der Decke schwebendes ISS-Modell sowie die begehbaren Nachbauten der ISS-Module. © WFB/Jonas Ginter

Dem Weltall so nah

Um die Versorgung in der bemannten Raumfahrt zu ermöglichen, entwickelte Airbus zudem einen automatisierten Weltraumroboter, das Automated Transfer Vehicle (ATV). Dieser versorgte die ISS von 2008 bis 2015 regelmäßig mit Treibstoff, Sauerstoff, Lebensmitteln, Wasser und Ersatzteilen sowie neuer Ausrüstung. Mit der Größe eines Londoner Doppeldeckerbusses koppelte sich der unbemannte Raumtransporter an die etwa fußballfeldgroße ISS an. In Bremen wurden insgesamt fünf dieser Raumtransporter gefertigt, integriert und getestet.

Die ATV-Raumtransporter wurden mithilfe von Ariane-5-Schwerlastraketen befördert, deren Oberstufe ebenfalls in Bremen gefertigt wurde. Die Oberstufe ist das „Gehirn" der Rakete und positioniert Satelliten oder den ATV präzise in ihrer vorgesehenen Umlaufbahn. Probeflüge mit den Raketen vor dem eigentlichen Start sind nicht möglich. Während der Integration können schon kleinste Fremdkörper im Bereich von Bruchteilen eines Millimeters schwerwiegende Folgen haben. Die Integration der Oberstufe findet daher in einem sogenannten Reinraum statt, in dem nur eine bestimmte Anzahl von Staubpartikeln erlaubt ist. Obwohl Besucherinnen und Besucher der Raumfahrtführung in Bremen den Reinraum nicht betreten dürfen, können sie während der Führung von außen einen Blick hineinzuwerfen. Bis zu acht vollständig integrierte Oberstufen der Ariane-5 verließen jährlich die Integrationshalle in Bremen und wurden zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana transportiert, von wo aus die Ariane-Trägerraketen starten. Airbus kann mittlerweile auf 115 erfolgreiche Ariane-5-Starts zurückblicken.

Zukünftige Missionen

Zum Mond und darüber hinaus – das will die Technik der Zukunft erreichen. Derzeit erfolgt die Produktion der Oberstufe für die nächste Generation der Ariane-Rakete, die Ariane-6, in Bremen. Neue Komponenten werden die bewährten Bausteine der vorherigen Ariane-5-Rakete ergänzen. Dadurch wird das Ariane-Trägersystem technologisch weiterentwickelt und ermöglicht durch mehrfache Zündungen die Verteilung der Nutzlast in verschiedenen Umlaufbahnen.

Zusätzlich ist Airbus am Mondprogramm „Artemis" der National Aeronautics and Space Administration (NASA) beteiligt. Für diese Mission baut Airbus das European Servicemoduls (ESM). Das ESM umfasst wichtige Funktionen wie das Antriebssystem, um die Astronaut:innen zum Mond zu bringen, und sorgt für eine angenehme Raumtemperatur sowie Verbrauchsmaterialien wie Luft, Strom und Wasser, die die Astronauten zum Überleben benötigen. Zum ersten Mal hat die NASA einen Auftrag für missionskritische Elemente an einen nichtamerikanischen Hauptauftragnehmer vergeben. Somit liefert Airbus in Zusammenarbeit mit der ESA die Hälfte des Raumfahrzeugs, das Menschen zum Mond und sicher zurück zur Erde bringen soll.

Die Raumfahrtführung findet wöchentlich samstags um 14 und 16 Uhr auf dem Airbus-Betriebsgelände statt, Gruppen können auf Anfrage individuelle Termine vereinbaren. Die Führung dauert rund zwei Stunden, Erwachsene zahlen 22 Euro und Kinder 18 Euro, wobei das Mindestalter 14 Jahre beträgt. Die Führung ist hier buchbar.

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