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11.8.2017 - Andrea Bischoff

Hoch hinaus auf dem platten Land – im Unterwegs - DAV Kletterzentrum Bremen

Lebensqualität
Auf Schnupperkurs in der Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins im Bremer Technologiepark
Die Halle des DAV Kletterzentrums Bremen von innen.
In verschiedenen Schwierigkeitsgraden kommt man im Kletterzentrum auf eine Höhe von bis zu 14 Metern. © Kletterzentrum DAV

Seit 1886 besteht die Bremer Sektion des Deutschen Alpenvereins e.V. (DAV) und seit 2015 ermöglicht dieser auch Nordlichtern das Klettern in und an einer eigenen Halle ganz in der Nähe der Universität Bremen. Wir haben den Selbstversuch gewagt und sind auf Schnupperkurs gegangen.

Auf den ersten Blick wirkt das Ganze erst einmal unübersichtlich: Unzählige bunte Befestigungen, scheinbar willkürlich über die Wand verteilt – der Sinn erschließt sich anfangs noch nicht, offenbar ist Klettern so was wie der Direkteinstieg in ein Wimmelbild. Gott sei Dank gibt es Hilfestellung. Zu viert sind wir beim Schnupperkurs im Kletterzentrum Bremen, je zwei machen sich im Team auf an die Wand. Denn Klettern ist nichts für Einzelkämpfer. Während eine sich auf den Weg in die Wand macht, bleibt die andere auf dem Boden der Tatsachen und sichert. Wir klettern „Toprope“, dabei hängt das Seil, in dem wir unsere Sicherung einhaken, von oben herab und wird am anderen Ende von unserer Kletterpartnerin gehalten. Was wo und wie eingehakt, geknotet und mit welchem Knopfdruck arretiert und wieder gelöst werden kann, zeigt und übt die Trainerin ausführlich mit uns.

Im Schnupperkurs im DAV Kletterzentrum Bremen wird das richtige Sichern erklärt.
Auf den Knoten kommt es an – bevor es losgeht, wird das Sicherungssystem ausführlich erklärt. © WFB / Andrea Bischoff

Und dann geht’s los. Die vielen farbenfrohen Nupsis ergeben auf einmal Sinn: Jede Farbe steht für eine Route nach oben, diese sind in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade eingeteilt. Man kann also an ein und demselben Wandstück auf ganz verschiedenen, vorgegebenen Wegen ans Ziel kommen. Also durchatmen und den (übrigens gefederten) sicheren Boden verlassen.

Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr …

Am Anfang geht noch alles ziemlich langsam. Man muss sich erst einmal orientieren und den Überblick behalten. Wo ist der nächste Griff? Wie komme ich da ran? Und wo kann ich meinen Fuß hinsetzen? Meine Kletterpartnerin und unsere Trainerin helfen von unten: „Guck mal weiter rechts von Dir, oben!“

Manchmal hat man das Gefühl, es geht gar nicht weiter, nichts scheint in Reichweite, zumindest nicht ohne waghalsige Sprungmanöver oder spontan wachsende Affenarme. Dann hilft es, die eigene Position zu verändern, sich vielleicht seitlich zur Wand zu drehen oder auch einen Schritt zurück zu machen. Mit neuem Blickwinkel tun sich auch neue Wege auf.

Eine klettert, eine sichert – in der Kletterwand beim DAV Kletterzentrum in Bremen.
Follow the green bubble road ... Je nach Farbe folgt man unterschiedlichen Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. © WFB / Andrea Bischoff

Überhaupt kommt es auf die richtige Technik an. „Bleibt nah an der Wand. Und holt die Kraft aus den Beinen! Wenn Ihr eine Treppe hoch wollt, zieht Ihr Euch ja auch nicht mit den Armen am Geländer nach oben“, erklärt uns unsere Trainerin. Tatsächlich, sich jeweils am nächsten Haltegriff hochhangeln kostet wahnsinnig viel Kraft, die ungeübten Muskeln fangen schnell an zu zittern. Macht man sich das bewusst, und setzt die Beine ein, um sich quasi an der Wand „hochzuschieben“, geht es viel besser.

Zwei rechts, zwei links, eine fallen lassen

Und irgendwann ist man oben. Am Ziel. Toll. Und jetzt? Soll man sich einfach fallen lassen. Nicht in einem Schwung, sondern in kurzen Sprüngen die Wand hinunter, während die Sicherungspartnerin entsprechend Leine nachgibt. Das klingt allerdings ein ganz klein wenig leichter als es ist – einfach den Halt aufzugeben, widerstrebt so ziemlich jedem Instinkt, den man in mehreren Metern Höhe verspürt.

Bei genauerer Überlegung scheint es zudem wenig klug, sich auf so ein geradezu lächerlich kleines Hebelding zu verlassen, das angeblich sofort stoppt und bei Bedarf dafür sorgt, dass man im Seil hängen bleibt. Außerdem bin ich gar nicht mal sicher, ob meine Kletterpartnerin vorhin bei der Einweisung richtig zugehört hat. Guckte die nicht verdächtig abwesend in der Gegend rum, während wichtige Informationen mitgeteilt wurden, von denen jetzt mein Wohl und Wehe abhängt? Und überhaupt, wie soll die mich denn halten können? Diese zierliche Person? Wenn ich mich einmal in Abwärtsschwung begebe, schießt die doch nach oben wie nix. Das ist Physik, das kann gar nicht gutgehen! Langfristig gesehen gibt es allerdings keine Alternative, es sei denn, der Pizzadienst nimmt auch Höhenlieferungen ins Angebot auf. 

Und natürlich geht das gut. Eigentlich macht es sogar ziemlich viel Spaß, wenn man erst mal in Schwung ist. Im Anschluss ist meine Kletterpartnerin dran und ich sichere, dann traue ich mich an die nächste Route. Eine schwerere. Und das auch noch mit Erfolg – es wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein.

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Klettern im Überblick

Klettern kann man im Unterwegs – DAV Kletterzentrum Bremen auf einer Gesamtfläche von 1.840 Quadratmetern, davon 1.205 im Innen- und 489 im Outdoorbereich. Dazu kommt ein sogenannter Boulderbereich von 146 Quadratmetern. Beim Bouldern wird ohne Sicherung in Absprunghöhe geklettert. Etwa 40 Prozent der rund 180 Routen sind im Toprope bekletterbar, die Hallenhöhe liegt bei zehn bis 14 Metern. Die Schwierigkeitsgrade nach UIAA-Skala (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) reichen von drei bis zehn.

Die Schnupperkurse im Kletterzentrum dauern zwei Stunden und werden für Erwachsene, Kinder und Familien getrennt angeboten. Das Mindestalter liegt bei acht Jahren. Zu beachten ist: Der zweistündige Kurs ermöglicht es den Teilnehmenden nicht, die Halle im Anschluss des Kurses selbständig zu nutzen. Dies ist erst nach einem  Einstiegskurs (sechs Stunden) möglich.

Mehr Infos gibt es unter www.kletterzentrum-bremen.com. Dort gibt es auch die Möglichkeit, einen Kletterpartner oder eine Kletterpartnerin zu finden.


Welche Projekte und Aufgaben die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH für das integrierte Standortmarketing Bremens übernimmt, finden Sie in der Rubrik Marketing für Bremen.

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