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11.6.2021 - Beata Cece

Dieser Mann schickt Mode auf Tournee

Aktionsprogramm Innenstadt

Ingo Müller-Dormann bringt mit FAEX Designer-Kollektionen nach Bremen

Ein Mann mit verstrubbelten blonden Haaren steht lächelnd mit verschränkten Haaren vor Schaufensterpuppen.
Managt jetzt Mode: Ingo Müller-Dormann. © WFB / Frank Pusch

Ingo Müller-Dormann bietet kleinen Modelabels eine deutschlandweite Bühne. In seinen FAEX-Stores verkauft der gebürtige Bremer wechselnde Kollektionen von unabhängigen Designerinnen und Designern. Seit 1. März gibt es FAEX auch in der Bremer Innenstadt. Als Gewinner beim Pop-up-Store-Wettbewerb der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH hat Müller-Dormann zehn Monate Zeit, die Bremerinnen und Bremer von seinem Konzept zu überzeugen. 

Bevor Sie ins Modegeschäft eingestiegen sind, haben Sie als Tourmanager Punkbands aus Großbritannien und den USA nach Deutschland geholt. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Welt des Punk und der Modebranche?

Zunächst muss ich klarstellen, dass das 30 Jahre her ist! Anfang der 1990er-Jahre war ich mal für kurze Zeit als Tourmanager unterwegs. Aber ja, ich finde, es gibt Parallelen zwischen der Musik- und Modebranche. Musiker sind Künstler so wie Designer auch. Und so wie in der Musikbranche gibt es auch in der Mode große Talente, die eine Plattform benötigen, um ihre Sichtbarkeit zu steigern. Hier setzten wir mit FAEX an. Wir gehen nicht mit den Designern auf Tour, aber dafür mit ihren Kollektionen. Wir präsentieren in unseren Stores im Wechsel die Mode von kleinen, inhabergeführten Labeln. In unserem Store in der Bremer Innenstadt haben wir gerade 25 Kollektionen von unterschiedlichen Designerinnen und Designer im Angebot. In acht Wochen wechselt dann ein Großteil dieser Kollektionen. 

Die Außenansicht eines Einzelhandelsgeschäftes mit großen Fenstern, in denen Mode an Schaufensterpuppen zu sehen ist. Vor den Fenstern stehen drei Frauen.
Im ehemaligen Schuhhaus Meinecke in der Sögestraße 56 macht der FAEX Pop-up-Store neugierig auf Mode von inhabergeführten Marken und Manufakturen aus Deutschland und ganz Europa. © WFB / Frank Pusch

29 Projekte haben beim Bremer „Pop-up-Store“-Wettbewerb der WFB mitgemacht. Wie war das, als Sie erfahren haben, dass Sie mit Ihrem Konzept überzeugt haben und zehn Monate lang eine Verkaufsfläche in der Sögestraße mietfrei nutzen können?

Das war megageil, das muss man einfach so sagen. Wir stecken so viel Herzblut in unsere Arbeit, hatten aber wegen Corona nur wenige Erfolgserlebnisse im letzten Jahr. Dass unsere Idee für den Pop-up-Store so gut angekommen ist, war eine tolle Würdigung für unser Team und wir sind dankbar für diese Möglichkeit. Als wir von der WFB über die Jury-Entscheidung informiert wurden, haben wir erst mal eine Flasche Sekt aufgemacht und an dem Tag nicht mehr gearbeitet! (lacht).  

Mode shoppen kann man heute bequem von zu Hause. Was haben Sie sich ausgedacht, um die Bremerinnen und die Bremer von der Couch zum Einkaufen in die Innenstadt zu locken?

Der Online-Handel hat natürlich seine Vorteil, aber wenn man sich Kleidung zuschicken lässt, ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass sie nicht hundertprozentig passt. Bei uns im Geschäft haben die Kunden definitiv eine höhere Trefferquote. Sie können die Ware anfassen, sich beraten lassen und aus einer großen Vielfalt an Mode von kreativen Manufakturen auswählen. Zu jedem Label können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerdem eine Geschichte erzählen. Dafür machen sich Menschen gerne auf dem Weg zu uns. Das wissen wir auch aus der Erfahrung mit den insgesamt 160 Pop-up-Stores, die wir bisher in 40 deutschen Städten umgesetzt haben. 

Bunte Socken mit dem Etikett "we plant one tree for every pair of socks sold".
Gutes Gewissen und Modebewusstsein schließen sich nicht aus. Nachhaltigkeit gehört zu den Auswahlkriterien bei FAEX. © WFB / Frank Pusch

Immer mehr Menschen legen Wert darauf, dass ihre Kleidung unter fairen Bedingungen entsteht und gehandelt wird. Welche Rolle spielt dieser Aspekt bei FAEX?

Eine sehr große. Wir achten darauf, dass bestimmte Kriterien erfüllt sind. Nachhaltigkeit und faire Produktionsbedingungen sind für uns und unsere Partner aber eigentlich schon immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Wir arbeiten mit Designern zusammen, die 10 bis 100 Teile eines Kleidungsstücks herstellen. Da ergeben sich viele Probleme erst gar nicht. So es ist es zum Beispiel sehr unwahrscheinlich, dass jemand bei diesen geringen Stückzahlen, die Produktion nach Bangladesch verlagert.

Im Stil einer Lederjacke geschnittene Jacke aus verschiedenen Stoffarten in Rot-, Gelb- und Orangetönen.
Nicht nur für Modemutige. Auch wer die Basis-Garderobe aufstocken will, wird bei Müller-Dormann und seinem Team fündig. © WFB / Frank Pusch

Das klingt, als ob es bei Ihnen eher exklusive Mode zu kaufen gibt. Kann ich denn auch vorbeikommen, wenn ich bloß eine Jeans oder ein Shirt brauche? 

Wir arbeiten momentan mit bis zu 200 Designern zusammen, von denen wir wissen, dass sie qualitativ hochwertige und faire gehandelte Mode produzieren. Die Auswahl in unseren Stores ist immer sehr vielfältig. Dabei sind natürlich auch schlichte Basic-Teile aber eben auch aufwendig verarbeitete Einzelstücke. Wir achten darauf, dass unsere Mode im Alltag tragbar ist. Manchmal sind es die feinen Details, die ein schlichtes Teil besonders machen. Bei uns gibt’s also die ganze Bandbreite - vom T-Shirt für 59 Euro bis hin zum Abendkleid im vierstelligen Preisbereich. 

Sie leben in Berlin, kommen aber aus Bremen. Was bedeutet es Ihnen als gebürtiger Bremer, dieses Projekt in Ihrer Heimatstadt umzusetzen?

Das ist eine große Sache für mich! Ich lebe seit zehn Jahren in Berlin, habe aber in Bremen meinen Erstwohnsitz und das wird auch so bleiben. Ich liebe Bremen und es motiviert mich, dass ich dazu beitragen kann, die Innenstadt attraktiver zu machen. Mit Initiativen wie der Veranstaltungsreihe Club 100, dem Pop-up-Store-Wettbewerb oder Immobilienprojekten wie dem Jacobs Haus ist Bremen auf dem richtigen Weg. Wenn das so weitergeht, könnte ich mir vorstellen, dass wir in fünf Jahren eine ganz andere Innenstadt erleben werden. 

Ein blonder Mann steht lächelnd in einer Lädenfläche, um ihn herum Kleiderständer und Tische mit Mode.
Mittendrin und gekommen, um zu bleiben: Auch nach Ablauf der im Wettbewerb gewonnenen mietfreien Zeit möchte Ingo Müller-Dormann mit FAEX in Bremen weitermachen. © WFB / Frank Pusch

Sie hatten anfangs über Ihre Zeit als Tourmanager und die Parallelen zwischen Musik- und Modebranche gesprochen. In diesem Sinne: Endet die FAEX-Show in der Sögestraße nach zehn Monaten und Sie verschwinden wieder von der Bühne oder wird es eine Zugabe geben? 

Wir haben von Anfang an geplant, dass es danach weitergeht. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass wir das finanziell wuppen können. Wie wir gerade an Corona sehen, hat man nicht immer Einfluss auf die äußeren Umstände. Wir werden aber alles dafür tun, diese großartige Chance zu nutzen und das hinzukriegen.  

Mehr Informationen zum Aktionsprogramm finden Sie auch in unserem Artikel "Bremen wird neu – wo die Corona-Krise zu innovativen Ideen führt"

Mehr über die Gewinner unseres Wettbewerbs für einen Concept-Store in der Bremer Innenstadt gibt es hier: "Mehr als nur ein Experiment"


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