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21.4.2022 - Beata Cece

„Wir hatten mit schwierigen Anfangszeiten gerechnet“

Bremen wird neu
Eine Frau und ein Mann stehen in einem Laden
Isabel Ratfisch, Storemanagerin von Wanted Vintage, und Levon Honkamp, Geschäftsführer von Wanted Vintage, im Pop-Up-Store in der Lloyd Passage © WFB/Rathke

Levon Honkomp, Isabel Ratfisch und Gyula Castro haben mit ihrem Unternehmen Wanted Vintage den ersten Platz beim Pop-Up-Store-Wettbewerb der WFB belegt. Nun haben sie elf Monate Zeit, ihre Geschäftsidee mietfrei auf einer Ladenfläche in der Lloyd Passage auszuprobieren. Kommt ihre Second-Hand-Mode bei den Bremerinnen und Bremern genauso gut an wie bei der Wettbewerbsjury? Das und vieles mehr haben wir mit Gründer Levon Honkomp besprochen.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal etwas Neues zum Anziehen gekauft?

Honkomp: (lacht). Das ist eine gute Frage! Darüber muss ich kurz nachdenken… Wahrscheinlich habe ich mir vor einigen Monaten neue Socken gekauft.

Alles andere besorgen Sie sich gebraucht?

Honkomp: Ich nehme mir alles, was ich gerne tragen möchte, aus unserem Laden. Und dann werden die Sachen irgendwann gereinigt und wieder reingehängt. Auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leihen sich Kleidung aus und geben diese dann nach einiger Zeit wieder zurück.  

Die Ware von Wanted Vintage kommt aus Bremer Alttextilien-Sammlungen. Welche Stationen durchläuft die Kleidung auf dem Weg vom Container in Ihren Laden?

Honkomp: Wir arbeiten mit der Bremer BREWELO GmbH & Co. KG zusammen, die Textilien und Schuhe aus Altkleider-Containern einsammelt. Wir suchen uns dann aus mehreren Tonnen Textilien geeignete Stücke aus. Mittlerweile benötigen wir bei dieser Arbeit Unterstützung und geben einen Teil der Altkleidung an einen deutschen Sortierbetrieb, der die sortierte Ware dann an uns zurückliefert. Diese wird dann gereinigt, desinfiziert und meistens gewaschen – je nachdem, um welches Kleidungstück es sich dabei handelt, also ob es beispielsweise ein Schuh, ein T-Shirt oder ein Schmuckstück ist. Danach kommen die Sachen bei uns in den Shop, werden etikettiert und kommen in den Verkauf. 

Kleidungsstücke hängen in einem Laden
Wanted Vintage verkauft hochwertige Second-Hand-Ware, die aus Bremer Altkleider-Sammlungen stammt © WFB/Rathke

Zu welchen Preisen verkaufen Sie die Vintage-Mode?

Honkomp: Im Vergleich mit anderen Vintage-Shops ist bei uns fast alles günstig. T-Shirts gibt es ab 5 Euro, eine Jacke kostet zwischen 5 und 45 Euro und eine Hose bekommt man zwischen 5 und 25 Euro.

Diversen große Modeketten haben ebenfalls T-Shirts für 5 Euro im Angebot. Warum sollten sich die Kundinnen und Kunden statt eines neuen Shirts ein gebrauchtes bei Wanted Vintage kaufen?

Honkomp: Weil das Preis-Leistungs-Verhältnis bei uns besser ist. Unsere Kleidung ist sehr viel hochwertiger. Die Ware, die bei uns im Laden hängt, wurde größtenteils in den 1990er-Jahren produziert. Wenn man die Kleidung anfasst, merkt man gleich, dass die Baumwolle dicker ist und auch der Strick eine ganz andere Qualität hat als bei günstigen Modeketten. Außerdem handelt es sich bei unserer Ware in der Regel um Unikate oder seltene Stücke, die wahrscheinlich kein anderer Laden in Deutschland verkauft.

 Spielt auch der Umweltschutz eine Rolle bei Ihrer Geschäftsidee?

Honkomp: Wir haben natürlich auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gegründet. Mode ist zur Wegwerfware geworden und es ist schockierend zu sehen, wie Unmengen an Kleidung auf Müllbergen landen, verbrannt oder in Wüsten verscharrt werden. Wer bei uns einkauft, wirkt dieser Verschwendung entgegen und hilft auch dabei, tausende Liter Wasser und viele Kilogramm CO2-Emissionen einzusparen, die bei der Produktion von Neuware verbraucht werden bzw. entstehen.

Eine Frau steht in einem Laden und hält eine Jacke hoch
Bei der Ware, die bei Wanted Vintage erhältlich ist, handelt es sich in der Regel um Unikate oder seltene Stücke © WFB/Rathke

Sie testen ihr Geschäftsidee nun schon seit einiger Zeit in der Lloyd Passage. Was ist Ihr Eindruck? Wirkt der Pop-Up-Store-Wettbewerb, der zum Zukunftsfonds Innenstadt gehört, eher kurzfristig oder können solche Initiativen die City auch langfristig wieder stärker beleben?

Honkomp: Diese Frage stellen wir uns tatsächlich jeden Tag selbst.

Und?

Honkomp: Also wir wären ohne die Unterstützung der WFB und ohne diesen Wettbewerb niemals an ein solches Ladengeschäft gekommen. Die Chance, die uns hier gegeben wurde, ist wirklich enorm. Und es funktioniert! Wir bringen hier mit Wanted Vintage superviele neue Kunden in die Lloyd Passage. An manchen Tagen bilden sich sogar Schlangen vor der Tür. Dabei handelt es sich um eine Klientel, die nur wegen uns in die Innenstadt kommt. Davon profitieren dann aber auch andere Geschäfte wie zum Beispiel der Blumenladen nebenan. Ich bin deshalb fest davon überzeugt, dass solche Initiativen die Innenstadt nicht nur kurzfristig am Leben erhalten. Es werden Zeiten kommen, da werden wir hier im Zentrum wieder einen Andrang haben wie früher.

Das klingt so, als ob Sie auch nach dem Förderzeitraum von 11 Monaten in der Lloyd Passage bleiben wollen?

Honkomp: In Zukunft wollen wir auch in anderen Städten Pop-Up-Stores testen und unseren Online-Shop weiter ausbauen, den Laden in der Lloyd Passage wollen wir aber auf jeden Fall behalten. Mit den bisher gemachten Erfahrungen sind wir sehr zufrieden. Wir hatten mit schwierigen Anfangszeiten gerechnet. Durch unsere Präsenz bei Instagram, Facebook und Tiktok haben wir den Laden dann aber schneller bekannt gemacht als erwartet. Wanted Vintage kommt super an und ich bin mir sicher, dass uns viele Menschen vermissen würden, wenn es unser Geschäft nicht mehr gäbe.  

Wanted Vintage, Lloyd-Passage 4, geöffnet von Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr.

Das Aktionsprogramm Innenstadt & der Zukunftsfonds Innenstadt

Das Aktionsprogramm Innenstadt wurde am 25. August 2020 vom Senat beschlossen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Senatskanzlei, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, der Senatorin für Klima, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und dem Senator für Kultur – unter der Federführung von Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und finanziert über den Bremen-Fonds. Das Aktionsprogramm Innenstadt umfasst insgesamt über 30 Einzelmaßnahmen, die bis Ende 2021 schnell und unkompliziert umgesetzt werden und die Bremer City nachhaltig stärken sollen. Der Zukunftsfonds Innenstadt schließt an das Aktionsprogramm Innenstadt an und fördert spannende touristische Angebote, kulturelle Impulse, neue Nutzungsangebote und vieles mehr. Weitere Informationen unter www.bremenwirdneu.de.

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