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15.6.2022 - Mona Fendri

Made in Bremen: Eine Erlebniswelt für Bremen-Begeisterte

Bremen wird neu

Der Erstplatzierte des WFB-Wettbewerbs „Neu gedacht – neu gemacht“ Made in Bremen stellt mit seinem Gewinn Bremen weiter in den Vordergrund

Drei Personen stehen in einem Geschäft und lächeln in die Kamera
Die drei Gründenden von Made in Bremen: Stevie Schulze, Julia Schulze-Windhoff und Florian Wolff (v.l.n.r.) © WFB / Jan Rathke

In den Innenräumen der Stadtwaage im Herzen der Bremer Innenstadt herrscht reges Leben. Käufer:innen aus aller Welt schlängeln sich zwischen Regalen voller knisternder Chipstüten, bernsteinfarbener Rumflaschen verschiedener Marken, selbstgenähter Handtaschen, Lebens- und Genussmittel unterschiedlichster Art, nachhaltig hergestellter Seifen und Beauty-Produkte… bei Made in Bremen findet man alles, was das Herz begehrt. Der Clou? Die Produkte sind in der Region Bremen erdacht oder gemacht worden, die Hersteller:innen haben ihren Sitz in Bremen oder umzu.

Stevie Schulze, Julia Schulze-Windhoff und Florian Wolff stehen hinter dem Erfolg von Made in Bremen. Erfolgreich waren sie auch beim Bestandskunden-Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“, den die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH 2021 im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt (API) und im Auftrag der Wirtschaftssenatorin ins Leben rief. Das Konzept überzeugte die Jury und Made in Bremen belegte den ersten Platz. Mit dem Gewinn von 70. 000 Euro haben sie nicht nur ihr Ladengeschäft vergrößert und modernisiert, sondern setzen den Fokus auf ganz besondere Aspekte der Bremer Geschichte.

Made in Bremen: Wie alles begann

Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich Made in Bremen zu einem beliebten Drehpunkt für Touristinnen und Touristen, aber auch für Einheimische in der Bremer Innenstadt etabliert. Dabei startete das Projekt zu einer sehr ungünstigen Zeit. „Meine Frau, Julia Schulze-Windhoff, arbeitete früher als freie Fotojournalistin und hatte unter anderem eine Zeitungsrubrik, in der sie Produkte aus Bremen vorstellte. Dabei hat sie sich ein großes Netzwerk an Produzentinnen und Produzenten aus der Region aufgebaut“, erinnert sich Stevie Schulze, Mitbegründer von Made in Bremen. „Als die Rubrik eingestellt wurde, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir dieses Netzwerk und das ganze Wissen nutzen und weiterverbreiten könnten.“ Zusammen mit Florian Wolff entschied sich das Ehepaar, eine Messe mit über 100 regionalen Hersteller:innen zu organisieren. Doch es kam anders als geplant. Im Februar 2020, nur wenige Tage bevor die Messe stattfinden sollte, begann der erste Corona-Lockdown.

Bald darauf bot sich den drei Partner:innen eine neue Möglichkeiten, ihre Idee umzusetzen, als sich die Bremer City Initiative an sie wandte und ihnen vorschlug, am „Heimatshoppenmarkt“ in der Bremer Innenstadt mit einer Reihe an Produzentinnen und Produzenten teilzunehmen. Dabei wurden die Besitzer der Stadtwaage auf sie aufmerksam und kurz darauf zog Made in Bremen in das historische Gebäude in der Langenstraße. Zunächst für sechs Monate, inzwischen wurde der Mietvertrag bis Ende 2022 verlängert.

Seither wächst der Laden und erfreut sich großer Beliebtheit, sowohl bei der Kundschaft als bei den Bremer Hersteller:innen. Gestartet ist Made in Bremen mit 50 Produzentinnen und Produzenten und 500 Produkten. Inzwischen hat das Bremer Geschäft 17 feste und freie Mitarbeitende, über 150 Hersteller:innen und 1.500 Produkte im Sortiment. Zudem hat das Team den Online-Shop aufgebaut, um sich gegen einen nächsten Lockdown zu wappnen. „So ist aus dieser kleinen Messe-Idee ein Kaufhaus mit inzwischen zwei Etagen geworden,“ erklärt Schulze sichtlich stolz.

Ein Mann steht vor einem Sortiment an Ginflaschen und hebt ein Glas
Stevie Schulze präsentiert das Bremer Gin-Sortiment bei Made in Bremen © WFB / Jan Rathke

Ein Netzwerk für regionale Produzentinnen und Produzenten

1.500 Produkte – alle mit einem Bezug zu Bremen oder umzu. „Wir haben ein sehr buntes Produktportfolio,“ zählt der Mitgründer von Made in Bremen auf. „Wir haben Ketchup, große Eichentische, Labskaus, Ledertaschen… Wir haben auch Kunst von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Freakige Sachen, lustige Sachen, es ist alles dabei. Es handelt sich dabei um Dinge, von denen wir denken, dass sie interessant sind, gut im Laden aussehen und von den Leuten gebraucht werden.“ Dabei ist es für das Team wichtig, die Bremer Wirtschaft zu unterstützen, Bremen-Besucher:innen und Einheimische auf die Vielfalt und Qualität der Produkte aufmerksam zu machen und vor allem die Marke „Bremen“ zu stärken.

Hier kommen die vielen Kontakte zugute, die sich die drei Partner:innen im Laufe der Zeit aufgebaut haben. „Wir sind ein riesengroßes Netzwerk und sehen uns als ein Forum für regionale Produktivität“, erklärt Schulze. „Wir vermitteln ganz viel und stellen Kontakte unter den Hersteller:innen und Zuliefer:innen her, um genau das Prinzip „Made in Bremen“ zu stärken und die Marken bekannter zu machen.“ Kurzum: Made in Bremen agiert als Schnittstelle und Multiplikator vieler Bremer Manufakturen.

Als Beispiel dafür präsentiert Stevie Schulze eins der meistverkauften Produkte des Geschäfts: eine Box mit fünf kleinen Ginflaschen von verschiedenen Bremer Produzentinnen und Produzenten. „Niemand weiß, dass diese Gin-Marken internationale Preise gewinnen und zu den besten der Welt gehören“, so Schulze. „Unter anderem mit dieser Box machen wir darauf aufmerksam.“ Eigentlich Konkurrent:innen, sind diese Produzentinnen und Produzenten durch die Kooperation mit Made in Bremen miteinander verbunden und können ein gemeinsames Netzwerk aufbauen – das alles mit dem Ziel, mehr Bremer Produkte zu verkaufen. Doch nicht nur Gin-Liebhaber:innen kommen auf ihre Kosten: Solche Boxen führt das Kaufhaus für eine ganze Reihe von Produkten.

Den Raum vergrößern mit dem Gewinn aus dem Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“

Mit dem wachsenden Sortiment reichte die Verkaufsfläche im Erdgeschoss der Stadtwaage irgendwann nicht mehr aus. Dabei verfügt das Gebäude über einen großzügigen Raum in der ersten Etage, den Made in Bremen lange Zeit nur sporadisch nutzte. „Die ursprüngliche Idee war, den schönen Saal im oberen Geschoss für Veranstaltungen zu reservieren. Wir wollten Konzerte und Lesungen anbieten, Produzentinnen und Produzenten sollten ihre Produkte vorstellen.“

Doch die andauernde Corona-Pandemie machte dem Team einen Strich durch die Rechnung und so entschieden sie sich, die Etage für den Verkauf auszubauen. Dabei kam ihnen der Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ der Wirtschaftsförderung Bremen sehr gelegen.
„Mit dem Gewinn haben wir die erste Etage gestrichen und renoviert und Strom verlegt. Darüber hinaus haben wir eine Kasse für den oberen Bereich und neue Kassenschilder gekauft. Nach und nach werden die Möbel, auf denen die Produkte präsentiert werden, ausgetauscht“, erklärt der Gesellschafter. Zudem montierten sie eine kleine Bühne für Events und richteten eine Küche sowie einen Tresen für Tastings ein. Dort können Kundinnen und Kunden Getränke aus dem Sortiment verkosten. Dazu gibt es immer ein feines Menü aus norddeutschen Tapas.

Ein Mann steht hinter einem Tresen und gießt alkoholische Getränke in ein Glas
Am Tasting-Tresen können Besucher:innen Getränke aus Bremen und der Region probieren © WFB / Jan Rathke

In die Geschichte Bremens eintauchen mit Kapitan Crusoe und Co.

Doch das größte Highlight, das Made in Bremen vom Wettbewerbsgewinn finanziert hat, sind die lebensgroßen Bremer Comicfiguren aus Holz, die fortan alle Ecken des Kaufhauses zieren. Hans Hansen, Kapitan Crusoe, Johann Hollemann, Hein Mück, die Bremer Stadtmusikanten, die Grünkohl-Luzie, Carmen Caliente, Gesa Gottfried und die Bremer Gluckhenne – diese Figuren haben entweder einen historischen Hintergrund oder repräsentieren bestimmte Berufsstände oder eben auch Produkte, die in der Bremer Geschichte eine wichtige Rolle spielten.

Das Besondere daran: Die Figuren werden im nächsten Schritt mit QR-Codes geschmückt; diese verlinken auf verschiedene Animationsfilme und sind mit dem Smartphone abrufbar. Die Holzaufsteller stehen thematisch neben den Produkten, die sie repräsentieren. Dabei können die Besucher:innen vor Ort auf witzige Art in die Geschichte der jeweiligen Figur eintauchen und sich zum Beispiel von Carmen Caliente die Geschichte des Bremer Kaffeehandels erklären lassen, während sie selbst regionale Kaffeeprodukte aussuchen. So verwandelt sich ein einfacher Einkauf in ein sowohl informatives als auch unterhaltsames Erlebnis.

„Diese kurzen, lustigen Animationsfilme greifen die geschichtlichen Aspekte und den Zusammenhang mit Bremen auf. Zum Beispiel symbolisiert unser Harpunier Hans Hansen die lange Walfangtradition Bremens, von der viele nichts mehr wissen. Oder Kapitan Crusoe, der Vater von Robinson Crusoe, der laut Roman tatsächlich aus Bremen stammt, repräsentiert hier den Handel mit Alkohol. Eine Figur stellt Johann Hollemann dar, Bremens einziger berüchtigter Pirat, der daran schuld ist, dass Bremen fast nicht in die Hanse aufgenommen worden wäre“, erzählt Schulze mit solcher Begeisterung, dass man ihm stundenlang zuhören könnte.

Ein Mann steht neben der Holzfigur eines Bremer Piraten
Mitgründer Florian Wolff mit dem berüchtigten Bremer Pirat Johann Hollemann © WFB / Jan Rathke

Die Filme, designt und animiert vom Bremer Illustrator Mario Ellert, werden in sieben Sprachen vertont: Deutsch, Plattdeutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch. Voraussichtlich im Sommer 2022 stehen sie zur Verfügung. Dabei richtet sich das Angebot durchaus nicht nur an Touristinnen und Touristen. „Wir wollen auch, dass Schulklassen herkommen oder einfach Menschen, die in der Stadt wohnen und mehr über die Geschichte Bremens erfahren möchten. So können sie schöne Bremer Spezialitäten kaufen und sich dabei lustige Anekdoten anhören.“

Eine richtige Erlebniswelt mit spannenden und skurrilen Bremer Persönlichkeiten, die das Team von Made in Bremen ohne den Wettbewerbsgewinn nicht hätte ins Leben rufen können. „Es ist ein Herzensprojekt, das sich im Endeffekt bestimmt auszahlt und der Stadt und uns hilft, das wir allerdings ohne den Gewinn nicht hätten umsetzen können. Aber jetzt machen wir es!“

Das Aktionsprogramm Innenstadt & der Zukunftsfonds Innenstadt

Das Aktionsprogramm Innenstadt wurde am 25. August 2020 vom Senat beschlossen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Senatskanzlei, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, der Senatorin für Klima, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und dem Senator für Kultur – unter der Federführung von Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und finanziert über den Bremen-Fonds. Das Aktionsprogramm Innenstadt umfasst insgesamt über 30 Einzelmaßnahmen, die bis Ende 2021 schnell und unkompliziert umgesetzt werden und die Bremer City nachhaltig stärken sollen. Der Zukunftsfonds Innenstadt schließt an das Aktionsprogramm Innenstadt an und fördert spannende touristische Angebote, kulturelle Impulse, neue Nutzungsangebote und vieles mehr. Weitere Informationen unter www.bremenwirdneu.de.

Der Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt

Der Wettbewerb „Neu gedacht – neu gemacht“ fand im Rahmen des Aktionsprogramms Innenstadt statt und richtete sich an bereits bestehende, inhabergeführte Einzelhandelsunternehmen innerhalb eines fest definierten Bereichs der Bremer Innenstadt. Von der WFB gefördert wurden ausschließlich Fremdkosten in Investitionen sowie Dienst- und Handwerkerleistungen. Die eingereichten Konzepte wurden durch eine Fachjury nach festgelegten Kriterien bewertet. Dazu gehörten die Stimmigkeit des Konzeptes, sein Innovationsgrad, die Relevanz für die Frequenz von Kundinnen und Kunden in der Innenstadt, die Nutzungsvielfalt und die ökologische Nachhaltigkeit. Die Gewinner:innen erhielten eine Förderung: Für den ersten Platz gab es 70.000 Euro, für den zweiten 50.000 Euro, für den dritten 35.000 Euro und für den vierten und fünften Platz jeweils 20.000 Euro. Alle Beteiligten investieren neben dem gewonnenen Preis auch eigene Mittel für die Umsetzung der Konzepte.

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