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5.8.2022 - Beata Cece

„Es macht mir Spaß zu zeigen, was vegan alles möglich ist“

Stadtentwicklung

Veganes Restaurant Plantenköök von "Dailyvegan"-Blogger Sean Moxie

Person im Porträt
Erfolgreicher Blogger, jetzt auch Restaurantbesitzer, Sean Moxie © WFB/Rathke

Sean Moxie betreibt nicht nur einen der bekanntesten veganen Foodblogs Deutschlands, „Dailyvegan“, sondern seit kurzem auch sein erstes eigenes, veganes Restaurant in Bremen. Als einer der Gewinner des Pop-Up-Store-Wettbewerbs der WFB darf er sein Konzept bis Ende des Jahres mietfrei im Wall-Forum ausprobieren. Was die Bremerinnen und Bremer in seiner „Plantenköök“ erwartet, hat er uns im Gespräch verraten. 

Herr Moxie, auf der Speisekarte der Plantenköök stehen viele Klassiker der deutschen Küche als vegane Variante. Was meinen Sie, was überzeugte Fleischesser empfinden, wenn sie in Ihrem Restaurant zum ersten Mal in ein fleischloses Jägerschnitzel oder eine Hähnchenkeule auf pflanzlicher Basis beißen? Enttäuschung oder Überraschung? 

Moxie: Also die meisten, die vorher noch keine Berührungspunkte mit der veganen Küche hatten, sind in der Tat erst mal skeptisch. Wenn sie unser dann Essen probieren, finden sie es aber gut. Natürlich ist es nicht 1:1 dasselbe, aber unser Essen ist eine super Alternative zu Fleischgerichten. Bei der veganen Hähnchenkeule mache ich zum Beispiel aus Reispapier eine Art Haut. Wir bemühen uns also, möglichst nah an das Original ranzukommen. Einige unserer Gäste, die weder vegan noch vegetarisch leben, haben uns gesagt, dass sie bei uns das beste Labskaus hatten, das sie je gegessen haben. Und das ist doch ein doppelter Grund zur Freude. Die Menschen kriegen bei uns was Leckeres zu essen und tun gleichzeitig was Gutes für Umwelt und Tiere.  

Geht es Ihnen bei Ihrem Konzept also hauptsächlich darum, klassische Fleischgerichte aus pflanzlichen Bestandteilen nachzubauen?

Moxie: Nein, das ist ein Teil des Konzepts aber nicht der wichtigste. Hauptsächlich geht es mir darum, dass wir eine regionale, saisonale und auch gesunde Küche anbieten. Außerdem versuche ich beim Kochen einen möglichst kleinen CO2-Abdruck zu hinterlassen und möglichst verpackungsfrei zu arbeiten. Das sind die zentralen Aspekte. Aber ich möchte gleichzeitig natürlich auch, dass die Leute satt werden und das Essen lecker finden. Und es macht mir einfach Spaß zu zeigen, was vegan alles möglich ist. Es gibt das Klischee, dass Essen auf pflanzlicher Basis nicht satt macht oder nur aus Salat und Körnern besteht. Bei uns bekommen die Gäste hingegen eine volle Mahlzeit mit verschiedenen Komponenten wie man es klassisch kennt: mit Gemüsebeilage, etwas Stärkehaltigem und einem Fleischstück auf pflanzlicher Basis. 

Gerichte aus "Dailyvegan"
Seitansteak mit Gemüse © Dailyvegan

Sie stecken viel Mühe in die Kreation Ihrer Gerichte. Das schlägt sich doch sicher auch im Preis nieder, oder?

Moxie: Also die Tagesgerichte liegen bei neun bis zwölf Euro. Die Gänge auf der Abendkarte sind anspruchsvoller und dementsprechend auch etwas teurer. Für eine Hauptspeise zahlt man zum Beispiel entweder 17 Euro oder 20 Euro – je nachdem ob es eine kleine oder große Portion ist. Wer sich abends nicht durch das ganze Menü essen möchte, hat aber auch immer die Möglichkeit, den Soli-Teller für zwei bis zehn Euro zu bestellen.  

Wie genau ist ein Soli-Teller?

Moxie: Ein wechselndes Gericht, das wir mittags und abends anbieten. Das kann ein Pilzgulasch sein oder eine Lauch-Hack-Suppe mit Baguettebrot. Und die Leute entscheiden selbst, wie viel sie dafür geben möchten. Wenn also eine Person alleinerziehend ist und Hartz 4 bezieht, kann sie gerne den Mindestbetrag von zwei Euro geben. Eine Führungskraft bei einer Bank hingegen kann es sich leisten, zehn Euro zu zahlen. So finanzieren Menschen, die mehr haben, das Essen von denen mit, die weniger haben. 

Sie haben bis zur Eröffnung der Plantenköök in Hamburg gelebt. Wie kamen Sie darauf, bei dem Bremer Pop-Up-Store-Wettbewerb mitzumachen? 

Moxie: Ich habe zufällig über das Internet davon erfahren und mich spontan beworben – zwölf Stunden vor Ablauf der Deadline. Das gute war, dass mein Geschäftspartner und ich schon länger auf der Suche nach einer Fläche für ein eigenes Restaurant waren. Das Konzept stand also schon. Und weil die WFB auf der Suche nach einem nachhaltigen und regionalen Projekt war, passte der Wettbewerb einfach zu uns. Die Bewerbung konnte ich also noch rechtzeitig fertigzumachen. Und einige Wochen später kam schon die Zusage!

Raum mit Tisch
Blick ins Restaurant - aufgeräumt und schnörkellos © WFB/Rathke

Als Teil des Zukunftsfonds Innenstadt soll der Pop-Up-Store-Wettbewerb zur Belebung der Innenstadt beitragen. Warum glauben Sie, dass Sie mit Ihrem Konzept dabei helfen können, wieder mehr Menschen in die City zu locken?

Moxie: Viele Gäste kommen gezielt zu uns in Restaurant, weil sie von uns gehört haben. Es waren schon Menschen aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kassel hier. Und diese Menschen kommen ja nicht nur zum Essen und hauen dann wieder ab, sondern sie bummeln vielleicht vorher noch durch die Stadt und gehen danach noch etwas Trinken. Insofern glaube ich schon, dass wir mit unserem Essen die Menschen nicht nur in unser Restaurant, sondern auch in die Innenstadt und die Geschäfte locken.

Plantenköök, Am Wall 201, geöffnet von Mittwoch bis Samstag von 10-15 sowie 17-21 Uhr.

Das Aktionsprogramm Innenstadt wurde am 25. August 2020 vom Senat beschlossen, um die Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Senatskanzlei, der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, der Senatorin für Klima, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und dem Senator für Kultur – unter der Federführung von Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte und finanziert über den Bremen-Fonds. Das Aktionsprogramm Innenstadt umfasst insgesamt über 30 Einzelmaßnahmen, die bis Ende 2021 schnell und unkompliziert umgesetzt werden und die Bremer City nachhaltig stärken sollen. Der Zukunftsfonds Innenstadt schließt an das Aktionsprogramm Innenstadt an und fördert spannende touristische Angebote, kulturelle Impulse, neue Nutzungsangebote und vieles mehr. Weitere Informationen unter www.bremenwirdneu.de.

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