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17.1.2022 - Reinhard Wirtz

Bremen zählt zu den größten deutschen Industriestandorten

Erfolgsgeschichten

Industriestruktur mit zukunftsträchtigem Potenzial

Bremen zählt zu den Top Industriestandorten Deutschlands
Bremen zählt zu den Top Industriestandorten Deutschlands © WFB/Frank Pusch

Bremen rangiert, gemessen am Umsatz, auf Platz 10 unter den größten deutschen Industriestandorten. Ob es um Luft- und Raumfahrt, Nahrungsmittel, Automobile, Schiffe oder die Stahlerzeugung geht - Bremer Industrie hat seit jeher einen hohen Stellenwert.

Betrachtet man die Struktur des Bruttoinlandsprodukts (BIP), zeigt sich die große Bedeutung der Industriebetriebe für die Wirtschaftsleistung sowie die starke Exportorientierung der Industrie im Bundesland Bremen. Bremen ist stark mit der Weltwirtschaft verflochten und hat die höchste Exportquote aller Bundesländer (64 Prozent). Das zukunftsträchtige Potenzial dieser Industriestruktur liegt in der gelungenen Verbindung aus internationalen Kooperations- und Absatzbeziehungen, starken regionalwirtschaftlichen Verflechtungen und herausragenden Standortfaktoren.

Hafenwirtschaft - Drehscheibe für globale Warenströme

Mehr denn je bilden die Bremischen Häfen eine wichtige Drehscheibe für globale Warenströme. Zu ihnen gehören unter anderem Deutschlands zweitgrößter deutscher Seehafen, der siebtgrößte deutsche Binnenhafen, das moderne Kreuzfahrtterminal Bremerhaven, Europas zweitgrößter Autoterminal mit mehr als zwei Millionen umgeschlagener Fahrzeuge jährlich sowie Nordeuropas viertgrößte Container-Drehscheibe mit derzeit 14 Liegeplätzen für Großcontainerschiffe.

Etwa ein Fünftel der Beschäftigung und des Umsatzes sowie ein Viertel der Wertschöpfung im Land Bremen hängen von den Häfen ab. Die Bremischen Häfen sichern selbst im niedersächsischen Umland noch circa 10.000 Arbeitsplätze.

Den ersten Container setzte bereits 1966 ein das US-Schiff „Fairland“ im Überseehafen auf eine deutsche Kaje und revolutionierte damit den Seetransport und den Umschlag von Gütern. Seitdem ist die Größe der Containerschiffe im internationalen Containertransport stetig gewachsen, in den vergangenen vier Jahren allein um 13 Prozent. Die bremischen Häfen verfügen als traditionelle Eisenbahn-Häfen über eine gut ausgebaute Schieneninfrastruktur. Sie umfasst derzeit eine Gleislänge von insgesamt 192 Kilometern. Mehr als eine Million Container werden im Hinterlandverkehr jährlich per Bahn transportiert.

Heiner Heseler der Initiative Stadtbremische Häfen e.V. (ISH)
„In der ISH bündeln mittelständische Unternehmen übergreifend ihre Interessen nach dem 'Bremer Modell'“, so Heiner Heseler, ISH-Geschäftsführer © WFB/Frank Pusch

Rund 50 Hafen- und Industriebetriebe in Bremen haben sich in der Initiative Stadtbremische Häfen e.V. (ISH) die Losung „Zukunft Hafen“ auf die Fahnen geschrieben. Das Gros hat seinen Firmensitz im Holz- und Fabrikenhafen sowie im südlichen Europahafen in der Überseestadt. „In der ISH bündeln mittelständische Unternehmen übergreifend ihre Interessen nach dem 'Bremer Modell', das ein verträgliches Miteinander von Industrie, Hafen, Gewerbe, Dienstleistung und Wohnen vorsieht“, beschreibt ISH-Geschäftsführer Heiner Heseler die Zielsetzung. Diese Unternehmen repräsentieren einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro und ein Beschäftigungsvolumen von rund 6000 Arbeitsplätzen.

Automobilbau unter einem guten Stern

Seit Generationen ist Bremen ein bedeutendes Zentrum der Automobilindustrie. Bereits 1906 entstand in Bremen das erste Automobilwerk. Erster zahlungskräftiger Promi-Kunde war kein Geringerer als Kaiser Wilhelm II. Wo einst Carl Borgward seine legendären Modelle baute, werden heute die Autos mit dem Stern montiert. Der Jahresumsatz im Fahrzeugbau (ohne Schiffs- und Bootsbau) ist im Statistischen Jahresbericht 2021 mit rund 19 Milliarden Euro angegeben.

Der EQC - Elektro-SUV aus Bremer Produktion
Der EQC - Elektro-SUV aus Bremer Produktion © Daimler

In Bremen produziert das Mercedes-Benz Werk – mit rund 12.000 Beschäftigten größter privater Arbeitgeber der Region – bis zu 400.000 Fahrzeuge pro Jahr. Als weltweit zweitgrößtes Mercedes-Benz Werk ist es Kompetenzzentrum für die C-Klasse, das auch Anlauf und Produktion dieser Baureihe in den USA (Tuscaloosa), in China (Peking) sowie in Südafrika (East London) steuert.

Rund drei Viertel der Wertschöpfung eines Autos entfallen auf Zulieferer. In Bremen zählen dazu unter anderem die Hella Gruppe, die Lear Corporation, die Brose Gruppe sowie die Kuka Group. Wenige Kilometer entfernt vom Daimler-Werk befindet sich der automobil geprägte, dynamische Gewerbepark Hansalinie.

Bremerhaven verfügt nicht nur über den größten Autoumschlagplatz Europas, sondern mit dem Technikzentrum der BLG Logistics Group auch über die größte europäische Autowerkstatt: Hier werden jährlich rund 500.000 Ex- und Importfahrzeuge kontrolliert, bearbeitet, umgerüstet oder veredelt, zum Beispiel Sonnendächer, Navigationssysteme, Unterhaltungselektronik oder Ledersitze eingebaut. 

Die bremischen Häfen sind Logistik-Drehscheibe für die gesamte Automobilindustrie. Teile und Bausätze gehen von hier zu den Montagestätten in aller Welt. 

Mit eigenem Autobahnanschluss: der Gewerbepark Hansalinie Bremen
Mit eigenem Autobahnanschluss: der Gewerbepark Hansalinie Bremen © WFB/Jens Lehmkühler

In Bremen forschen neben den Hochschulen herausragende wissenschaftliche Einrichtungen an Zukunftslösungen für den Automotive-Sektor. Automotive-Schwerpunkte setzen vor Ort unter anderem das BIAS Bremer Institut für angewandte Strahltechnik, das BIBA Bremer Institut für Produktion und Logistik, das DFKI Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das FIBRE Faserinstitut Bremen, das IFAM Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung, das IWT Stiftung Institut für Werkstofftechnik, das BIME Bremer Institut für Strukturmechanik und Produktionsanlagen sowie das ECOMAT Center for Eco-efficient Materials & Technologies. Allen gemeinsam ist: Sie nutzen das Netzwerk Automotive Nordwest e.V. zusammen mit Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern als Kommunikations- und Marketingplattform.

Luft- und Raumfahrt zum Abheben

Auf der Space Tech Expo Europe trifft sich jedes Jahr in Bremen das Who-is-Who der Branche. Die Veranstaltung unterstreicht den internationalen Rang Bremens als traditionellem Standort für Luft- und Raumfahrt. Gemessen an der Einwohnerzahl hat Bremen in Deutschland die höchste Beschäftigungsdichte in der Luft- und Raumfahrt. Hier erwirtschaften rund 12.000 Beschäftigte in 140 Unternehmen, darunter führende Industrieunternehmen wie die Airbus Gruppe, die ArianeGroup, OHB SE und deren Zulieferer sowie 20 wissenschaftliche Institute, pro Jahr einen Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro. Zu ihren wichtigsten Produkten zählen die Flügelausrüstung der Airbusflugzeuge, die Ariane-Oberstufe, Module für die ISS, das Satellitennavigationssystem GALILEO und die Antriebstechnik für das künftige NASA-Raumschiff ORION.

Verladung der im Airbus-Werk Bremen gefertigten Flügel für die Weiterverarbeitung in Toulouse
Verladung der im Airbus-Werk Bremen gefertigten Flügel für die Weiterverarbeitung in Toulouse © Airbus

Im Bremer Airbus-Werk werden die Flügel für die Langstreckenflugzeuge A330 und A350 ausgerüstet. Hier befindet sich auch das Zentrum für die Entwicklung und Herstellung der Hochauftriebssysteme für alle Airbus- Programme. Zudem ist der zweitgrößte deutsche Airbus-Standort maßgeblich an der Entwicklung und Fertigung des Transportflugzeugs A400 M beteiligt. Auch die Frachtladesysteme für die gesamte Airbus-Flotte werden hier konzipiert. Einen weiteren Schwerpunkt setzt Airbus in Bremen in der Werkstoff- und Verfahrensentwicklung. Der Branchenzusammenschluss AVIASPACE BREMEN e.V. setzt die Luft- und Raumfahrt-Strategie des Landes Bremen um und sorgt für eine Vernetzung mit weiteren Hightech-Branchen wie der Automobilindustrie, der Windenergie oder dem Schiffbau.

Im ECOMAT-Technologiezentrum legen rund 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Grundsteine für die Zukunft des Fliegens: Sie forschen an klimaneutrale Antriebssystemen, besonders im Bereich des Wasserstoff-Treibstoffs. Hier kommen Kompetenz im Bereich Raumfahrt und Luftfahrt zusammen.

Nahrung und Genuss in Bremen - weltweit ein Begriff

Die Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist die zweitwichtigste Branche des verarbeitenden Gewerbes im Bundesland Bremen. Sie zählt einschließlich des Großhandels fast 10.000 Beschäftigte und erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. In Bremen hat mit Mondelez der sechstgrößte Lebensmittelkonzern der Welt seine Deutschlandzentrale. Hier haben sich zahlreiche Dienstleister aus Logistik, Lagerei und Transport, Prüflabore und spezialisierte Forschungseinrichtungen etabliert. Viele international bekannte Marken stammen aus der Hansestadt, fast 30 Prozent der Importe und knapp zehn Prozent der Exporte sind in Bremen der Nahrungs- und Genussmittelbranche zuzuordnen, wie der Branchenverband der Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft Bremen e.V. (NaGeB) vorrechnet.

JACOBS DOUWE EGBERTS (JDE) produziert einige der bekanntesten Kaffeemarken weltweit.
JACOBS DOUWE EGBERTS (JDE) produziert einige der bekanntesten Kaffeemarken weltweit. © JDE

Danach werden Millionen Hektoliter Bier hergestellt und die größte Menge Kaffee bundesweit umgeschlagen und verarbeitet. Die breite Produktpalette der Branche reicht in Bremen von Bier, Wein und Kaffee über Reis, Saucen, Frischkäse und Fisch bis hin zu Schokolade und Tierfutter – viele Erzeugnisse aus Bremen sind weltweit ein Begriff.

Stahlwirtschaft – vom Roheisen bis zum Feinblech

Die ArcelorMittal Bremen GmbH ist ein integriertes Hüttenwerk, das am Standort Bremen – direkt am Unterlauf der Weser auf einem circa sieben Quadratkilometer großen Gelände im Norden von Bremen – die gesamte Palette von der Roheisenerzeugung bis zur Feinblechverarbeitung vereint. ArcelorMittal Bremen gehört zum weltgrößten Stahlkonzern ArcelorMittal, dessen Zentrale in Luxemburg liegt. Als einer der größten Arbeitgeber der Region verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über die Kapazität, bis zu 3,5 Millionen Tonnen Rohstahl pro Jahr herzustellen. Zu den wichtigsten Kunden des Bremer Stahlproduzenten zählen die führenden Automobilhersteller Europas, aber auch die Bauindustrie, die Verpackungsbranche, der Maschinenbau und die Haushaltsgeräteindustrie.

Beeindruckender Blick auf den Hochofen von ArcelorMittal Bremen
Beeindruckender Blick auf den Hochofen von ArcelorMittal Bremen © WFB/Frank Pusch

Im Bremer Stahlwerk sind bis zu 3.000 Menschen beschäftigt, knapp 30 Prozent haben entweder einen Hochschulabschluss oder verfügen über eine Meister- oder Technikerausbildung. Weitere 4.700 Beschäftigte üben nach einer Studie der Arbeitnehmerkammer Bremen Tätigkeiten aus, die indirekt vom Stahlwerk abhängig sind. Nach diesen Berechnungen hängen bundesweit sogar bis zu 19.000 Arbeitsplätze von der Bremer Hütte ab. ArcelorMittal Bremen macht mehr als 30 Prozent seines Umsatzes in Bremen, fast ein Viertel seiner Lieferfirmen sind vor Ort ansässig – beides unterstreicht die besondere regionalwirtschaftliche Bedeutung des Stahlproduzenten.

Windenergie und erneuerbare Energien

Auf dem Weg zur klimaneutralen Zukunft heißt eine Station: Bremen. Das Land gehört zu den Pionieren in der Windenergie. Bereits seit 1990 werden Windkraftanlagen und -parks in Bremen konzipiert und produziert. Noch heute sind zahlreiche Unternehmen aus der Branche im Land ansässig. Darunter etwa Projektentwickler wie wpd oder Energiekontor, die weltweit Windkraftanlagen installieren und betreiben. Bremerhaven spielt als Verladehafen für Komponenten eine wichtige Rolle im Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee.

Die industriellen Aktivitäten werden begleitet von einer hochmodernen Forschungslandschaft, zu den etwa auch einer der größten Teststände für Rotorblätter gehört. Im DyNaLab des Fraunhofer IWES können bis zu 90 Meter lange Boliden auf Herz und Nieren überprüft werden. 

Neben der Windenergie hat die Wasserstoffwirtschaft in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Der Norden Deutschland bietet durch die hohe Energieproduktion regenerativer Energien ein ideales Anwendungsfeld für die Wasserstoffwirtschaft. Derzeit befinden sich mehrere großindustrielle Projekte in Planung. Dazu gehört zum Beispiel der Aufbau eines 12-Megawatt-Elektrolyseurs, der Wasserstoff für das Stahlwerk Bremen produzieren soll und später auf über 300 Megawatt erweitert wird. Bremen will sich so als zentralen Treiber hin zu einer Wasserstoffnutzung positionieren.

Ein moderner Industriestandort ist ohne den Dienstleitungssektor undenkbar. In Bremen sind die Wege zwischen den Branchen besonders kurz. Die Bremer Digitalwirtschaft ist dafür ein hervorragendes Beispiel. 

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