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Thorsten Baumeister, Geschäftsführer ENIGNIUS GmbH - Quelle: WFB Raveling
5.5.2023 - Jann Raveling

Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb aus Bremen – wie ENGINIUS in Bremen wächst

Wasserstoff

Klimafreundliche Lkw für den Kommunalbereich und die Logistik

Der Wasserstoffantrieb bietet für Kommunalfahrzeuge und für Lkw im Transportsektor entscheidende Vorteile - ist sich die ENGINIUS GmbH sicher. Im Bremer Werk baut der Fahrzeughersteller seit etwas mehr als einem Jahr Wasserstoff-Lastkraftwagen für das Abfallgewerbe. Geschäftsführer Thorsten Baumeister sieht starkes Wachstum in der Zukunft.

Flüsterleise und frei von schädlichen Abgasen rollen bereits heute 60 Müllwagen von ENGINIUS durch Wohngebiete in Städten wie Berlin, Hannover oder im Ruhrgebiet. Damit schonen die 27-Tonner nicht nur die Umwelt, sondern auch die Ohren der Anwohnerinnen und Anwohner – Win-Win für alle. Dank einer Kombination aus einem 16 Kilogramm-Wasserstofftank und Elektrobatterie halten sie problemlos einen Tag Betriebseinsatz mit bis zu 400 Kilometern Fahrtstrecke durch.

Wasserstoff-Nutzfahrzeuge immer gefragter

Produziert werden die Müllwagen in Bremen bei ENGINIUS. Rund acht bis zehn Lkw verlassen monatlich das Bremer Werksgelände, wenn es nach den Plänen von Geschäftsführer Thorsten Baumeister geht: „Für Nutzfahrzeuge ist Wasserstoff eine echte Alternative. Denn reine Batterieantriebe haben ein hohes Gewicht und senken damit Nutzlast und Reichweite, gleichzeitig fehlt oft eine Ladeinfrastruktur. Das Problem haben wir bei Wasserstoff nicht. Wir spüren hohes Interesse“, sagt er.

Das Tanken mit Wasserstoff funktioniert nahezu genauso schnell wie im herkömmlichen Dieselsegment. Allerdings ist das Tankstellennetz noch klein, so sind es derzeit nur 91 Tankstellen, die beispielsweise der Anbieter H2 Mobility deutschlandweit betreibt. Ein Bruchteil im Vergleich zu den insgesamt 15.000 herkömmlichen Tankstellen. Aber ihre Zahl wächst stetig an – und einige Wasserstoffnutzer:innen stellen zudem ihren eigenen Treibstoff her: „Im Abfallbereich produzieren manche Versorger aus Müll Strom und nutzen diesen für die Herstellung von Wasserstoff für unsere Fahrzeuge“, erzählt Baumeister, der 2023 die Geschäftsführung von ENGINIUS übernahm.

Müllfahrzeug FAUN
Auf leisen Sohlen unterwegs - ein ENGINIUS Wasserstoff-Kommunalfahrzeug in Bremen © ENGINIUS

ENGINIUS als Marke für nachhaltige Antriebskonzepte für Wasserstoff-Lkw

Mit der Eröffnung des Werks 2022 in Bremen gelang dem Osterholz-Scharmbecker Kommunalfahrzeughersteller FAUN ein Meilenstein – seit 2006 die ersten Überlegungen für alternative Antriebsformen entstanden, verging eine lange Zeit. Im Laufe des Jahres 2022 wurden die Wasserstoffaktivitäten des FAUN-Konzerns dann unter dem Markennamen ENGINIUS in Bremen in eine eigene Tochter-Organisation ausgegliedert. „Mit dem Namen FAUN verbinden viele Fahrzeuge im Kommunalsegment. Mit ENGINIUS wollen wir darüber hinauswachsen“, so Baumeister.

Ein Zeichen dafür: 2022 erhielt das Abfallsammelfahrzeug von ENGINIUS als europaweit erstes wasserstoffgetriebenes Lkw-Modell eine sogenannte Typengenehmigung. Damit können die ENGINIUS-Fahrzeuge ohne behördliche Auflagen europaweit zum Straßenverkehr zugelassen werden. Ein Meilenstein in der Branche, der für Aufsehen sorgte.

„Bis 2030 wollen wir den Anteil an Müllfahrzeugen mit alternativem Antrieb signifikant erhöhen“, gibt sich Baumeister zuversichtlich.

Aus einem Fahrgestell wird ein fertiger Wasserstoff-Lkw

Wer einen genauen Blick auf die moderne Wasserstofftechnik werfen will, muss schon beim Bau der Fahrzeuge dabei sein. In der 4.000-Quadratmeter-Halle am Bremer Kreuz stehen zu jeder Zeit ein halbes Dutzend Lkw in verschiedenen Baustadien. Hier werden in das fertig angelieferte Fahrgestell alle Komponenten eingebaut, die ein Wasserstofffahrzeug braucht: die Hochdrucktanks, die Brennstoffzellen, eine Pufferbatterie sowie jede Menge intelligenter Steuerungstechnik.

Vier Wochen dauert es, bis aus einem Fahrgestellträger ein Wasserstoff-Lkw wird. Der geht dann beispielsweise ins Aufbauwerk von FAUN nach Osterholz-Scharmbeck oder auch zu anderen Hersteller:innen. „Nur wenige Hundert Meter von hier liegt nahe dem Einkaufszentrum Weserpark eine Wasserstofftankstelle. Das ist natürlich für uns praktisch zur Erstbetankung und war ein Pluspunkt für unsere Entscheidung, nach Bremen zu kommen“, so Baumeister.

Produktionshalle FAUN
Blick in die neue Halle: Hier werden die Fahrgestellträger ausgerüstet © WFB/Bahlo

Entwicklungsstandort Bremen gefragt

100 Angestellte arbeiten bereits auf dem Werksgelände. Neben Fachkräften für die Montage auch Ingenieurinnen und Ingenieure, die hier an der Weiterentwicklung der Technologie tüfteln. Für Baumeister gehören Fertigung und Entwicklung eng zusammen. Bremen könne da als ein Hochtechnologiestandort punkten. „Wir fühlen uns hier in der Region wohl. Neue Fachkräfte zu akquirieren wird für viele Unternehmen zunehmend zu einer Herausforderung. In Bremen und umzu zu sein, ist für uns attraktiv, um neue Fachkräfte anzuziehen“, so der Geschäftsführer weiter.

Deswegen setzt er auch in Zukunft auf Wachstum im Norden. Bis 2027 will das Unternehmen perspektivisch 900 Mitarbeitende einstellen. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen – das ist sehr wichtig für unsere Zukunftsfähigkeit“, ergänzt er.

Der neue Bremer Standort punkte auch durch seine Nähe zur Autobahn sowie wichtigen Zulieferern, zum Beispiel im Gewerbepark Hansalinie – hier kommen gleich mehrere Standortvorteile zusammen. Und auch die gute Zusammenarbeit mit der Bremer Wirtschaftsförderung sei ein ausschlaggebender Faktor gewesen. Bei der Ansiedlung unterstützte die WFB mit ihren Services und Beratung rund um den Ansiedlungsprozess.

Wasserstoff-LKW
Neben Tanks, Brennstoffzellen und Akkus erhalten die Fahrgestellte in Bremen auch eine ausgefeilte Elektronik, welche die neu eingebauten Komponenten steuert. © WFB/Bahlo

Bremen Standort für eine wachsende Wasserstoffökonomie

Sowohl das Land Bremen als auch ENGINIUS profitieren auf mehreren Ebenen voneinander. Die brandneue Technik zieht viele Expertinnen und Experten aus aller Welt an und ist eines von vielen Vorzeigebeispielen der Wasserstoffinfrastruktur im Land - sie macht somit Werbung für den Standort. Regelmäßig besuchen Delegationen – ob aus Schottland, den Niederlanden oder Japan – Bremen, um sich über die Wasserstoffaktivitäten zu informieren. Sie machen dabei Station bei ENGINIUS. Das Unternehmen stellt regelmäßig bei Messen aus, etwa auf der „Hydrogen Technology Expo“ in Bremen, der weltweit führenden Fachmesse zu Wasserstofftechnologien. „Wir können Anwendungen in der Praxis zeigen, während viele andere noch im Planungsstadium sind, das zieht an“, erklärt Baumeister. „Gleichzeitig ist es natürlich auch gute Werbung für uns.“

Das Unternehmen ist zudem in weitere Landesaktivitäten involviert, unter anderem bei Clean Hydrogen Coastline. Das nordwestdeutsche Projekt arbeitet an einem flächendeckenden Versorgungsnetz im Norden und erprobt es anhand des Einsatzes von wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen – wie von ENGINIUS. Der Fahrzeughersteller beteiligt sich als Industriepartner an dem von Bund und Land geförderten sogenannten „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI).

Skalierungseffekte beflügeln die Wasserstoff-Ökonomie

Gemeinsame Entwicklungsaktivitäten wie diese bringen das Unternehmen voran und entwickeln die Branche weiter. Denn noch sind die Kosten für Wasserstoff wie auch die Fahrzeuge selbst vergleichsweise hoch und Subventionen wie Fördermittel wichtig, um der Branche den Weg zu bereiten. Erst wenn Skalierungseffekte greifen – also hunderte und tausende Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind und die Nachfrage nach Wasserstoff in die Höhe schießt, sinken die Kosten spürbar. „Von derzeit 10 bis 13 Euro muss der Preis für ein Kilogramm Wasserstoff künftig deutlich sinken, damit es für Endnutzer:innen richtig spannend wird“, denkt Geschäftsführer Baumeister.

Skalierungseffekte, welche die Batteriefertigung schon hinter sich hat: Zwischen 2011 und 2020 sank etwa der Preis von Batteriepacks pro Kilowattstunde um 85 Prozent. Dieser Effekt wird sich auch bei Wasserstoff wiederholen, sobald die dafür nötige Infrastruktur entstanden ist, ist Baumeister überzeugt. Forschungsprojekte wie die im Land Bremen legen dafür die Grundlage.

Baumeister sieht diese Zukunft kommen, der Maschinenbauingenieur erwartet spannende Jahre: „2022 haben wir die Serienproduktion an den Start gebracht und uns viel mit Aufbauorganisation und Lieferketten auseinandergesetzt. 2023 wollen wir wachsen und uns weiterentwickeln. Neue Technologien mit einem tollen Team in die Anwendung zu bringen, das motiviert mich.“

Wasserstoff in Bremen

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