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22.2.2022 - Jann Raveling

Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb aus Bremen – Warum FAUN auf die Hansestadt setzt

Wasserstoff

Klimafreundliche LKW für den Kommunalbereich

Müllfahrzeug FAUN
Auf leisen Sohlen unterwegs - ein FAUN Wasserstoff-Kommunalfahrzeug in Bremen © FAUN

Wasserstoff bietet als Antriebsform entscheidende Vorteile für Kommunalfahrzeuge. In ihrem neuen Werk in Bremen baut die FAUN Gruppe deshalb Abfallsammelfahrzeuge mit klimaneutralem Antrieb.

Wenn morgens um 7 Uhr der Müllwagen durch die engen Straßen im Bremer Stadtteil Ostertor brummt, dann reißt es die ein oder andere Anwohnerin mit leichtem Schlaf schon mal aus den Federn. Doch das laute Rattern des schweren Dieselmotors könnte in Zukunft der Vergangenheit angehören. Denn mit Wasserstoffantrieb ausgestattete Abfallfahrzeuge können flüsterleise durch Wohngebiete rollen.

Fahrzeuge, wie sie schon bald das neue Bremer Werksgelände des Fahrzeugherstellers FAUN verlassen. BLUEPOWER nennt der Spezialist für Kommunalfahrzeuge mit Sitz Osterholz-Scharmbeck seine Wasserstoff-Sparte. Die Müllwagen unterscheiden sich äußerlich nur in Details von ihren fossilgetriebenen Vorgängern – der Unterschied wird aber spätestens hörbar, wenn sich die 27-Tonnen-LKWs sanft in Bewegung setzen.

Klimaneutraler Antrieb für die Kommunalbranche

Eine geringere Geräuschentwicklung ist nur ein Argument für die neuen Fahrzeuge. Gewichtiger präsentiert sich natürlich der Umweltaspekt: Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Wer die LKW mit grünem Wasserstoff betreibt, fährt klimaneutral. Grüner Wasserstoff wird mittels Elektrolyse aus erneuerbaren Energien gewonnen. „Unser Ziel ist der klimaneutrale Lastverkehr und dafür müssen wir weg von den fossilen Brennstoffen. Die Mobilitätswende muss an Fahrt gewinnen und dazu gehört der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft“, erklärt Patrick Hermanspann, Geschäftsführer des Spezialfahrzeugherstellers.

Aus einem Fahrgestell wird ein fertiger LKW

Wer einen genauen Blick in die moderne Wasserstofftechnik werfen will, muss schon beim Bau der Fahrzeuge dabei sein. In der 4.000-Quadratmeter-Halle am Bremer Kreuz stehen ein halbes Dutzend LKW in verschiedenen Baustadien. Hier werden alle Komponenten eingebaut, die ein Wasserstofffahrzeug braucht: die Hochdrucktanks, die bis zu 16 Kilogramm komprimiertes Gas fassen, die Brennstoffzellen, die aus Wasserstoff und Sauerstoff Elektrizität erzeugen, eine Pufferbatterie, die Strom zwischenspeichern kann, sowie jede Menge intelligenter Steuerungstechnik.

Produktionshalle FAUN
Blick in die neue Halle: Hier werden die Fahrgestellträger ausgerüstet © WFB/Bahlo

Vier Wochen dauert es, bis aus einem Fahrgestellträger ein Wasserstoff-LKW wird. Der geht dann beispielsweise ins Aufbauwerk nach Osterholz-Scharmbeck oder zu anderen Herstellern. „Nur wenige Hundert Meter von hier liegt das Einkaufszentrum Weserpark mit einer eigenen Wasserstofftankstelle. Das ist natürlich für uns praktisch zur Erstbetankung und war ein Pluspunkt für unsere Entscheidung, nach Bremen zu kommen“, so Hermanspann.

Entwicklungsstandort Bremen gefragt

50 Angestellte arbeiten bereits auf dem neuen Werksgelände. Neben Fachkräften für die Montage der neuen Technik auch Ingenieurinnen und Ingenieure, die hier an der Weiterentwicklung der Technologie tüfteln. Für Hermannspann gehören Fertigung und Entwicklung eng zusammen. Bremen könne da als ein Hochtechnologiestandort punkten. „Wir fühlen uns hier in der Region wohl. Neue Fachkräfte zu akquirieren wird für viele Unternehmen zunehmend zu einer Herausforderung. In Bremen und umzu zu sein, ist für uns attraktiv, um neue Fachkräfte anzuziehen“, so der Geschäftsführer weiter.

Deswegen setzt er auch in Zukunft auf Wachstum im Norden. Bis 2027 will das Unternehmen perspektivisch 900 Mitarbeitende im Geschäftsbereich „Alternative Antriebe“ einstellen. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen – auch in der Ausbildung. Wir haben eine Ausbildungsquote von zehn Prozent, das ist sehr wichtig für unsere Zukunftsfähigkeit“, ergänzt er.

Der neue Bremer Standort punkte auch durch seine Nähe zur Autobahn sowie wichtigen Zulieferern, zum Beispiel im Gewerbepark Hansalinie – hier kommen gleich mehrere Standortvorteile zusammen. Und auch die gute Zusammenarbeit mit der Bremer Wirtschaftsförderung ist ein ausschlaggebender Faktor.

Bei der Ansiedlung unterstützte die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH FAUN mit ihren Services rund um den Ansiedlungsprozess. Der Kontakt mit der WFB sei dabei sehr professionell verlaufen und die Zusammenarbeit erfolgreich gewesen, resümiert Geschäftsführer Hermanspann. Auch in Zukunft können sich WFB und FAUN gut vorstellen, bei der Entwicklung des Standorts weiterhin zusammenzuarbeiten.

Mann gestikuliert
Geschäftsführer Patrick Hermanspann freut sich über den neuen Bremer Standort © WFB/Bahlo

Wasserstofffahrzeuge bereits in der Alltagserprobung

Rund 100 Fahrzeuge sollen im ersten Produktionsjahr entstehen. Sie gesellen sich dann zu den 20 FAUN-Wasserstoff-LKW, die schon heute bei verschiedenen kommunalen Entsorgern in Deutschland im Einsatz sind. Dort werden sie vielfach erprobt, denn viele Entsorgungsunternehmen müssen erst ihre Erfahrungen mit der neuen Antriebstechnologie machen. Auch in Bremen wurde einer dieser LKW bereits getestet und in Bremerhaven fährt seit 2019 erfolgreich die Elektro-Variante. Die Fahrzeuge zeigen sich dabei allen Alltagsanforderungen gewachsen, die Kombination aus Wasserstofftank und Elektrobatterie hält ohne Probleme einen Tag Betriebseinsatz mit bis zu 400 Kilometern Fahrtstrecke durch.

Kosten von Wasserstofffahrzeugen gegen Alternativen abwiegen

Aber warum setzen die Osterholz-Scharmbecker überhaupt auf Wasserstoff? Die Technologie ist derzeit noch enorm teuer – ein Serienfahrzeug kostet im Schnitt den dreifachen Preis eines fossil angetriebenen LKW und auch der Treibstoff hat derzeit den gleichen Preis wie Diesel.

Die Antwort ist vielschichtig. Zum einen wiegt ein LKW mit Wasserstoffantrieb sehr viel weniger als einer mit einem reinen Batterieantrieb, wären beide auf dieselbe Reichweite ausgelegt. Das liegt an der sehr viel höheren Energiedichte pro Kilogramm von Wasserstoff gegenüber Lithium-Ionen-Akkus. Und je mehr ein Fahrzeug im Leerzustand wiegt, desto weniger Nutzlast darf es aufnehmen. Wer auf reinen Batterieantrieb setzt, muss so mehr Fahrzeuge und Personal im täglichen Einsatz in Kauf nehmen.

Wasserstoff-LKW
Neben Tanks, Brennstoffzellen und Akkus erhalten die Fahrgestellte in Bremen auch eine ausgefeilte Elektronik, welche die neu eingebauten Komponenten steuert. © WFB/Bahlo

Zum anderen werden die Kosten des Wasserstoffantriebs mit zunehmender Serienfertigung in Zukunft sinken, ist sich jedenfalls Hermanspann sicher: „Wir sind teilweise noch im Anfangsstadium. Sobald mehrere Player mitspielen, werden sich die Verhältnisse und Preise regulieren. Hinzu kommen Förderungen und steuerliche Vergünstigungen, die diese Fahrzeuge heute schon attraktiv machen. Die Bundesregierung hat Projekte auf den Weg gebracht, zu denen unter anderem die Mautbefreiung von Wasserstoff-LKW und die Umsetzung der europaweiten CO2-Bepreisung gehören.“

Skalierungseffekte, welche die Batteriefertigung schon hinter sich hat: Zwischen 2011 und 2020 sank etwa der Preis von Batteriepacks pro Kilowattstunde um 85 Prozent. Dieser Effekt wird sich auch bei Wasserstoff wiederholen, sobald die dafür nötige Infrastruktur entstanden ist. 

An dieser Entwicklung beteiligt sich auch das Land Bremen stark. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Hyways For Future, ein anderes Clean Hydrogen Coastline. Letzteres arbeitet an einem flächendeckenden Versorgungsnetz im Norden und erprobt es anhand des Einsatzes von wasserstoffgetriebenen Nutzfahrzeugen – wie von FAUN. Der Fahrzeughersteller beteiligt sich als Partner in dem Projekt, welches auch von der Europäischen Union im Programm IPCEI – „Important Projects of Common European Interest“ unterstützt wird.

Wertstoffkreisläufe bieten Lösungen für den Verkehrssektor

Zukünftig werde aber nicht nur der H2-Preis an der Tankstelle sinken, glaubt Hermanspann. „Einen weiteren Schlüssel für nachhaltiges Wirtschaften und einen Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele sehen wir in der Schließung von Rohstoffkreisläufen. Betreiber von Müllverbrennungsanlagen können in ihren Anlagen mittels Elektrolyse Strom erzeugen, der für die Müllfahrzeuge genutzt werden kann. Das wäre der perfekte Kreislauf.“ Und FAUN liefere dafür die passenden Fahrzeuge – aus Bremen.

Wasserstoffenergie in Bremen
Wasserstoff in Bremen

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