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17.2.2023 - Annemarie Meyer

Der Ratskeller – eben typisch Bremen

Standortmarketing

Köstliches Fundament des Ratshauses mit bremischem Tourismuspreis ausgezeichnet

Zwei Männer stehen vor einem Weinregal und halten einen Preis hoch
So sehen Gewinner aus: Der Ratskellermeister Frederik Janus (links) und Felix Böhme präsentieren stolz die Auszeichnung des Tourismuspreises. © WFB / Jan Rathke

Wer vor dem Rathaus steht, kann es sich kaum vorstellen, welch imposanter Schatz sich unter dem Marktplatz verbirgt: der Bremer Ratskeller. Vier bis sechs Meter unter der Erde bilden rund 5.000 Quadratmeter das „köstliche Fundament des Rathauses“ – wie der Bremer Ratskeller auch liebevoll von den Bremerinnen und Bremern genannt wird. Und diesen Namen trägt der Ratskeller nicht ohne Grund, denn neben einer Gastronomie verbirgt sich im Kellergewölbe das weltweit größte Sortiment deutscher Qualitätsweine, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Weine aus allen 13 deutschen Anbaugebieten finden ihren Weg nach Bremen, besonders wertvolle und herausragende Flaschenweine werden in der sogenannten Schatzkammer aufbewahrt.

Frischer Wind in alten Gemäuern

Über diese Sammlung von unschätzbarem Wert wacht seit dem 17. Jahrhundert der Ratskellermeister. Im Januar 2023 fand hier ein Generationenwechsel statt, denn der vorherige Kellermeister Karl-Josef Krötz wurde durch Frederik Janus abgelöst. Der 35-jährige Janus ist somit der 20. Ratskellermeister in Bremen.

Schon in jungen Jahren faszinierte Janus der Wein, was ihn dazu motivierte, eine Winzerlehre und anschließend ein Studium in Önologie – also Weinwirtschaft und -herstellung – zu absolvieren. Als gebürtiger Bremer kam er schon früh mit dem Ratskeller in Berührung. „Schon meine Großeltern haben hier eingekauft und haben mir tatsächlich auch in der Zeit, in der ich nicht in Bremen gelebt habe, immer die Ratskeller-Weine zugeschickt“, erinnert sich Janus. Für ihn sei das neue Amt die perfekte Möglichkeit, um seine Leidenschaft für den Wein und seinen Beruf als Winzer gemeinsam mit dem Handel zu kombinieren. „Heute darf ich mich um das Sortiment hier kümmern und Ideen dazu beitragen, damit sich der Ratskeller gut als Weinhandel und Genussort für die Zukunft aufstellt. Ich bin somit Teil der Bremer Weinkultur und kann sie mitprägen“, erzählt Janus mit Blick auf seine neue Aufgabe.

Unterstützt wird er dabei unter anderem von einem rund 30-köpfigen Team und seinem Bereichsleiter Felix Böhme. Auch er kann eine jahrelange Erfahrung in der Weinbranche vorweisen und übernimmt vor allem kaufmännische und organisatorische Aufgaben. Gemeinsam mit dem Janus‘ Vorgänger Krötz war er maßgeblich an der Bewerbung für den neu geschaffenen Tourismuspreis für Bremen und Bremerhaven beteiligt. Die Wahl fiel auf eine Bewerbung in der Kategorie „Typisch Bremen“, die gleichzeitig auch die meisten Bewerbungen erhielt. Trotz der hohen Konkurrenz konnte sich am Ende mit einem hauchdünnen Vorsprung der Bremer Ratskeller durchsetzen, vor dem Geschäft „Made in Bremen“ sowie der Breminale auf dem dritten Platz.

Schriftzug Schatzkammer
Ein Blick in die Schatzkammer, die die ältesten Flaschenweine des Bremer Ratskellers beherbergt. © WFB / Jan Rathke

Flüssige Genüsse

Und „typisch bremisch“ ist der Ratskeller mit seiner traditionsreichen Geschichte allemal. Durch die bremischen Häfen wird seit Jahrhunderten Wein aus der ganzen Welt importiert und gehandelt und so ist der Bremer Ratskeller seit 1405 wichtiger Repräsentant und Aushängeschild dieses Geschäfts, wodurch er zu den ältesten Weinkellern Deutschlands zählt. Die Besonderheit dabei: Das Sortiment beinhaltet ausschließlich deutsche Weine. Darunter auch einige Raritäten, denn die Gewölbe der „Schatzkammer“ beherbergen den ältesten Flaschenwein aus dem Jahr 1727 und im Rose- und Apostelkeller befindet sich der älteste Fasswein von 1653. Somit treffen im Ratskeller zwei Welterben aufeinander, zum einen die mehr als 2.000-jährige Weinkultur in Deutschland, die sich seit 2021 Immaterielles Kulturerbe nennen darf, sowie zum anderen das UNESCO-Welterbe Bremer Rathaus.

Diese Kombination aus Wein und Kultur zieht laut Böhme und Janus vor allem genussorientierte Gäste an, die einen Blick in den Keller werfen und eine Auswahl an Weinen selber probieren möchte. Rund 10.000 Besucherinnen und Besucher nahmen im vergangenen Jahr an den Kellerführungen teil. Durch das Programm leiten dabei die „Weingeister“ – wie das Team der Kellerführungen auch genannt wird. Die Führungen sind nicht nur Reisen in die Vergangenheit mit Hintergründen zur Bremer Weintradition und zu den urigen Räumen, sondern auch gefüllt mit Details zu einzelnen Weinsorten und deren Anbaugebiet. Je nach Format bekommen die Gäste die Möglichkeit, deutsche Qualitätsweine und Sekte in Kombination mit regionalen Spezialitäten zu verkosten, von dem einfachen „Keller Kieken“ in 60 Minuten bis zu einer Premiumführung in 240 Minuten. Bei den Führungen wird deutlich, dass Bremen sehr wohl eine Weinstadt ist und das obwohl die Hansestadt 400 Kilometer vom nächsten Weinanbaugebiet entfernt ist.

Drei Mal ist Bremer Recht

Es muss auch nicht immer die Verkostung vor Ort sein, denn der Ratskeller bietet zahlreiche Alternativen, um in den Weingenuss zu kommen. Neben den bremischen Stadtfesten und dem Weihnachtsmarkt gibt es darüber hinaus die dritte Möglichkeit, bei Online-Veranstaltungen aus der Ferne das Welterbe Wein digital zu entdecken und sein Wissen über den deutschen Wein und regionale Spezialitäten fachkundig zu erweitern. Sei es die interaktive digitale Kellerführung oder die individuelle Weinprobe zuhause per Livestream – die Verkostung kommt dank zuvor zugeschickter Weinboxen nicht zu kurz.

Dieser nationale, aber teilweise auch internationale Versand von Weinen ist ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich des Ratskellers. Insgesamt prägen ihn die drei Standbeine des direkten Vertriebs und Onlinehandels, die Gastronomie des im Ratskeller angesiedelten Restaurants sowie der touristische Bereich mit den Kellerführungen. Alle drei Handlungsfelder profitieren von einander, indem zufriedene Besucher und Besucherinnen nach einer Führung eine Flasche Wein für zuhause kaufen können und Gäste des Restaurants oder Weinliebhaber:innen den Keller gerne einmal selber hautnah erleben möchten.

Zwei Männer blicken in die Kamera
Bei den Führungen können die Besucher:innen einen Blick hinter die Kulissen werfen. © WFB / Jan Rathke

Ein Blick in die Zukunft

Trotz all der bewährten Traditionen und seiner langjährigen Geschichte muss auch der Ratskeller in die Zukunft blicken und sicher immer wieder neu aufstellen, um weiterhin ein attraktiver Besuchermagnet für die bremischen und auswärtigen Gäste zu bleiben. Hierbei hilft der Tourismuspreis und das damit verbundene Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Dieses Geld möchte der Ratskeller in erster Linie für die Qualifikation seiner Mitarbeiter:innen nutzen. Ein rund 30-köpfiges Team, bestehend aus ausgebildeten Weinfachberater:innen, begleiten die Gäste mit ihrem Fachwissen durch die Führungen.  Nur durch die stetige Aus- und Weiterbildung kann der Ratskeller seine hohe Qualität gewährleisten und weiter ausbauen. Gleichzeitig soll den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gedankt und sie  für ihre vergangene Arbeit belohnt werden. Investiert werden soll auch in ein neues Lichtkonzept der Kellerräume, sodass die Lichter zukünftig besser durch die Führungen leiten und eine einzigartige, magische Atmosphäre schaffen.

Doch Janus und Böhme haben noch weitere Projekte im Visier. „Der Ratskeller wird noch viel zu sehr nur mit der Gastronomie in Verbindung gebracht“, stellt Böhme fest. Daher sei es ihre Aufgabe, das Standbein des Weinhandels zu fördern, um an überregionaler Strahlkraft zu gewinnen. Eine Herausforderung sei dabei die steigende Erwartungshaltung im Online-Handel. „Menschen sind gewohnt, etwas heute zu bestellen und morgen zu bekommen“, betont Böhme. Der Ratskeller setze sich zum Ziel, dem gerecht zu werden.

Neben der Stärkung des Handels, sollen auch die Gäste gezielter angesprochen werden. Hierbei stehen vor allem die jüngeren Generationen im Fokus. Janus möchte diese vermehrt als Zielgruppe erreichen, weshalb zunächst Schwellenängste abgebaut und überwunden werden müssen. Wein solle nicht immer als „fein und schick abgestempelt werden, sondern bodenständiger wirken und dabei hohe Qualität zu guten Preisen angeboten werden“, findet Janus.

Um die junge Zielgruppe anzusprechen und Berührungspunkte herzustellen, ist der verstärkte Einsatz von digitalen Medien wichtig. Von großer Bedeutung ist hierbei auch, das richtige Gespür für Trends zu haben. Ein aktueller Trend, der es bereits in das Sortiment geschafft hat, ist der alkoholfreie Wein. Dies unterstützt der Ratskeller als Teil der Initiative „Wine in Moderation“, die sich für einen verantwortungsvollen Konsum einsetzt. Auf die steigende Nachfrage soll dabei kurzfristig reagiert werden und weitere alkoholfreie Weine das aktuelle Sortiment erweitern. Janus, der als Ratskellermeister für die stetige Erweiterung des Sortiments zuständig ist, liegt außerdem die Nachhaltigkeit am Herzen. Es ist sein Wunsch, vermehrt auf Produkte zu achten, „die einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten oder genossen werden können, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben“. Zukünftig möchte er hierfür Kriterien und Maßstäbe entwickeln, die ein nachhaltiger Wein erfüllen muss, um im Bremer Ratskeller ausgeschenkt zu werden. Zuletzt betont er die ständige Überprüfung und Neubewertung der Qualitätsstandards und dass das Sortiment nicht in Stein gemeißelt sei, sondern er dort zukünftig seine persönliche Note einbringen werde.

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