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10.10.2016 - Rike Oehlerking

Spielen, spielen, spielen – Hafenrummel und Schwarzlichthof

Bremen Blog
Schwarzlichthof von innen
© WFB/Rike Oehlerking

Soviel steht fest: Ich bin ein Spielkind. Kaum gibt es Dinge zum Zusammentüfteln, Geschicklichkeitstests oder Denksportaufgaben, stürze ich mich darauf. Seit meinem Besuch im Schwarzlichthof und dem Hafenrummel weiß ich – mit dieser Leidenschaft bin ich offensichtlich nicht allein.

Ulrich Möllmann und Claudia Geerken sitzen mir auf der rückwärtigen Terrasse der Gastronomie im Schwarzlichthof gegenüber. Wir sind sofort beim Du und schweifen während unseres Gesprächs immer mal wieder ab, reden über Whisky, über die Mentalität der Bremerinnen und Bremer, über richtige Entscheidungen und gutes Timing.

Letzteres haben die beiden vor vier Jahren bewiesen: Damals hatten sie mit ihrem reisenden Theaterensemble einen Auftritt in der Alten Stauerei in der Cuxhavener Straße im Überseehafen geplant. Doch kurz vorher erreichte sie die Hiobsbotschaft, dass das damalige betreibende Theater pleite gegangen war. Auf Rücksprache mit dem Vermieter konnten sie dennoch ihr Stück aufführen und standen schließlich vor der Entscheidung, die Räumlichkeiten zu übernehmen. „Da kam ich dann nochmal mit meiner Idee einer Schwarzlichtminigolfanlage, das ich schon 2009 in Berlin kennen gelernt hatte“, erinnert sich Claudia. Eigentlich sei Uli stets dagegen gewesen, aber als sich die Gelegenheit der Räumlichkeiten bot, lenkte er ein. Gemeinsam mit Theaterdesigner Gianni konzipierten sie in der großen Halle der Stauerei eine Minigolfanlage mit 18 Bahnen, bemalten die Wände in Schwarz und die Bahnen mit Schwarzlichtfarbe.

Uli und Claudia vor dem Schwarzlichthof
Uli und Claudia stecken voller Ideen. Mal sehen, was sie als nächstes eröffnen ;-) © WFB/Rike Oehlerking

Mut zahlt sich aus

Zum 1. Dezember 2012 eröffneten sie nach einem halben Jahr Bauzeit den Schwarzlichthof. „Das war damals eine totale Aufbruchsstimmung, obwohl wir natürlich auch ein ganz schönes Risiko eingegangen sind“, erzählt Uli angetan. Aber der Mut zahlte sich aus. Seither haben die beiden Betreiber im Schnitt 4500 Besucher im Monat.

Collage aus mehreren Bildern des Innenraumes vom Schwarzlichthof
Über Regale, zwischen kleinen Figuren durch, an Tauen entlang und durch Rohre – Hauptsache, der Ball landet am Ende im Loch. © WFB/Rike Oehlerking

Mit Claudia begehe ich schließlich die heiligen Schwarzlichthallen und probiere mich an der einen oder anderen Bahn aus. Schnell stelle ich fest, dass man sich hier doch ein bisschen Zeit nehmen muss. Auf Anhieb gelingt mir kein Einlochen – dafür schafft es Claudia an einer der Pit-Pat-Bahnen, an denen man den Ball mit dem Ende des Schlägers wie beim Billard anstößt, mit nur einem Stoß den Golfball über eine Rampe ins Loch zu befördern. „Das habe ich ja noch nie geschafft“, stellt sie jubelnd fest. Vorführ-Effekt mal andersrum ;-)

Spiralbahn im Schwarzlichthof
Erst eine Rampe hoch, dann den Fahrstuhl betätigen und dann die Spirale wieder hinunter – wer hier ein “Hole in one” schafft, ist echter Profi © WFB/Rike Oehlerking

Kreativität und die Liebe zum Detail

Meine Augen haben sich inzwischen komplett an die dunkle Umgebung mit neonfarbenden Tauen, Rohren und weiteren Bahnenbauten gewöhnt. Alles ist hier handgemacht und genau darin liegt auch der Charme der Anlage. An jeder Bahn gibt es soviel zu Gucken und zu Entdecken, dass es sich durchaus lohnt, einen Moment länger zu verharren.

Optische Täuschung durch Wandmalerei im Schwarzlichthoft
Optische Spielereien: Wo ist hier das Ende des Raums? © WFB/Rike Oehlerking
Hafenrummel von innen
Elf Stationen im Hafenrummel lassen das Spielerherz höher schlagen. © WFB/Rike Oehlerking

Vor dem Rundgang durch den Schwarzlichthof bin ich übrigens schon schräg gegenüber in der ehemaligen Energieleitzentrale mit Uli im Hafenrummel unterwegs gewesen. Hier sind die Wände eher hell und das Licht gleicht einer schummrigen Abendbeleuchtung im Hafenquartier. Der Fußboden ist gepflastert und ich erfahre gleich zu Beginn, dass diese Pflastersteine doch tatsächlich handgegossen sind.

Hafenrummel von innen. Großes Wandbild mit Schiff und Hafen
Der “Außenbereich” mit Sternenhimmel und Blick in den Hafen © WFB/Rike Oehlerking

Überhaupt steckt auch hier die Liebe zum Detail in jeder noch so kleinen Ecke. Allerlei Gerätschaften, Originalschilder und andere Hafenutensilien bilden in dem großen Raum die Kulisse der 1950er Jahre. An insgesamt elf Stationen können Besucherinnen und Besucher ihre Geschicklichkeit, Zielsicherheit und eine ruhige Hand beweisen. Vorlage der Spiele sind oftmals klassische Jahrmarktspiele, die vom Team des Hafenrummels an das maritime Thema angepasst wurden. Da muss man schon mal mit Kaffeebüddeln auch Fenster werfen, mit Hämmern Flipper spielen und am einzigen elektrisch betriebenen Stand mit Bällen in kleine Löcher treffen, um den Matrosen wie beim Kamelrennen voranzutreiben.

Collage aus Bildern der verschiedenen Spielstationen im Hafenrummel
Zielwerfen ins Fenster, Münzschieben im Verwaltungsbüro, Flipperspielen mit Hämmern und eine kleine Maus über ein Rollband transportieren – hier wird in jedem Fall viel Geschick gefordert. © WFB/Rike Oehlerking

Wie schon drüben im Schwarzlichthof ist auch hier alles von Hand gebaut. Theatermaler, Kulissenbauer und andere Gewerke haben mit gewirkt und aus dem Raum ein Spielparadies gezaubert. Ich staune über die Rubustheit der Bauten, die komplett mechanisch funktionieren. „Da steckt viel Tüftelarbeit drin“, betont auch Uli.

Die Stoffmaus muss mithilfe einer Schleuder in die Kiste befördert werden.
Eine ruhige Hand braucht es bei der Station “Tallymanns Transmissionsband”, bei der kleine Mäuse möglichst in die Kisten mit der höchsten Punktzahl gebracht werden müssen. © WFB/Rike Oehlerking
Kamelrennen im Hafenrummel
Kamelrennen bloß anders – hier wird der Matrose oben rechts über zielgerichtetes Einlochen nach links befördert. © WFB/Rike Oehlerking

Ideen über Ideen

Seit Oktober 2015 ist der Hafenrummel eröffnet. Die Idee dazu hatte wieder einmal Claudia: „Ich hab einfach überlegt, was man noch so machen könnte“, erinnert sie sich. Da sei ihr der Gedanke an ein Spielparadies im Hafenambiente gekommen.

Gastroleiter hinter dem Tresen in der Hafenrummelgastro
Gastroleiter Arne im Hafenrummel fügt sich mit Fischerhemd und Seefahrerbart hervorragend ins Ambiente ein ;-) © WFB/Rike Oehlerking

Aus dem Hafenrummel müssen wir bald raus, weil Gastroleiter Arne etwa 100 Leute zum Spielen über Mittag erwartet. Drüben im Schwarzlichthof macht die Gastro gerade auf, während ich mich im schwarzen Raum an den leuchtenden Bahnen versuche. In einem kleinen Seitenraum ist für das Special am Wochenende übrigens schon eine Tischtennisplatte in Schwarzlichtoptik aufgebaut. Ich merke, wie es mir in den Fingern juckt.

Tischtennis im Schwarzlichthof
Ab und zu im Programm: Schwarzlichttischtennis. Die Unterwasserwelt im Hintergrund wirkt übrigens mit 3D-Brillen nochmal tiefgründiger. © WFB/Rike Oehlerking

Als ich in den ersten Herbstregen hinaustrete, ist mir eines klar: Ich komme demnächst nochmal mit mehr Zeit wieder und probiere mich in beiden Spielstätten aus. Am besten mit ein paar Leuten zusammen – dann macht es bestimmt noch mehr Spaß.

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