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19.1.2015 - Lea Garner

Ab in die Kälte – es ist Kohlzeit

Tourismus
© WFB

Jetzt ist es wieder soweit: In Bremen und umzu werdet ihr vermehrt Gruppen sehen – in dicke Kleidung eingepackt, mit Eierbecher um den Hals ausgestattet und mit einem vollbeladenen Bollerwagen im Schlepptau auf dem Weg ins Grüne. Ich gebe zu, für Zugezogene und Besucher  mag dieses Bild etwas befremdlich sein. Aber dahinter steckt ein tieferer Sinn – oder vielmehr eine lange Bremer Tradition. Diese bunten Truppen sind unterwegs auf einer im norddeutschen Raum im Januar und Februar verbreiteten Kohlfahrt – oder auch Kohltour genannt.

Unterwegs im Grünen

Bei einer Kohltour ist man in Bremen vorzugsweise in den grünen Lungen der Stadt unterwegs. Ob an der Weser, im Blockland oder innenstadtsnah im Bürgerpark – für die Strecken sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Meist finden die Kohltouren jedoch nicht in der Innenstadt, sondern irgendwo im Grünen statt, weil man Platz für Spiele benötigt. Mit wem man auf Kohlfahrt geht, ist unterschiedlich. Sowohl unter Kollegen als auch im Sportverein oder als Tradition alter Schulkameraden sind diese Touren gängig.

Die Kohltoursaison ist gestartet
Eine Kohlfahrt-Gesellschaft mit bunte geschmücktem Bollerwagen an der Weser © WFB

Von Teebeutelweitwurf über Paniermehl trinken bis zu
Spaghetti-Makkaroni

Das kommt euch komisch vor? Klingt aber nur so. Die Zeit vertreibt man sich bei einer Kohlfahrt typischer Weise mit Spielen, die bei Kindergeburtstagen abgespiekt wurden. Da gibt es so lustige Dinge wie Lieder gurgeln, Eierlauf, Team-Sackhüpfen, Paniermehl trinken, Teebeutelweitwurf, Eiswürfel-Kaugummi, Spaghetti-Makkaroni oder Bleistift in die Flasche. Jetzt kommt der Eierbecher um den Hals zum Einsatz: Das ungeschriebene Kohl-Gesetz sagt, dass der Verlierer der Spiele einen Kurzen trinken muss. Aus Solidarität trinkt der Sieger meist auch einen mit. Beim obligatorischen „Ecken trinken“ bekommt jeder Teilnehmer einen Kurzen. Ihr seht, das ist eine feuchtfröhliche Angelegenheit so eine Kohlfahrt. Aber man muss ja auch etwas gegen die Kälte tun. Am Ende der Tour werden ebenfalls durch ein Spiel eine Kohlkönigin und ein -könig ermittelt. Diese sind im Folgejahr für die Organisation der Kohlfahrt zuständig und laden alle Mitglieder der Gesellschaft in majestätischem Ton zur Tour ein.

Zur Unterhaltung werden gemeinsame Spiele gespielt
Die Kohlgesellschaft spielt “Spaghetti-Makkaroni” © WFB

Nach dem Frieren heißt es „Kohl und Pinkel“ satt

Das alles ist die Vorbereitung auf das eigentliche Highlight: Das Kohlessen. Nach etwa 2 bis 3 Stunden Fußmarsch mit schweißtreibenden Spielen landet man beim Restaurant seiner Wahl, wo der deftige Schmaus schon wartet. In Bremen wird die Vitaminbombe klassisch mit einer geräucherten Grützwurst genannt „Pinkel“, Kochwurst, Kasseler und Salzkartoffeln serviert. Deswegen sagen die Norddeutschen auch häufig nur „Kohl und Pinkel“. Neben Klassikern wie Knipp, Klaben und Kluten ist Kohl ein weiterer Punkt auf der Liste der Dinge, die man einmal als eine typisch bremische Speise probiert haben sollte.

Grünkohl

Grün- oder Braunkohl – das ist hier die Frage

Die Farbe des Kohls, da scheiden sich die Geister. In Bremen heißt er Braunkohl, in Oldenburg Grünkohl. Jetzt kann ich meine Herkunft nicht leugnen: Ich bin gebürtige Oldenburgerin und bei uns heißt es nun einmal Grünkohl. Doch auch in die Streitigkeiten, wo denn die wahre Kohl-Hauptstadt ist, mische ich mich nicht ein. Sowohl Bremen als auch Oldenburg beanspruchen diesen Titel für sich. Ob Braunkohl oder Grünkohl, Bremen oder Oldenburg? Hauptsache es schmeckt und die Tour macht allen Spaß!

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