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30.4.2024 - Diana Bluhm/Jann Raveling

„Bei Bremen war es Liebe auf den ersten Blick!“

Internationales

Wie sich ein Inder in die Hansestadt verliebte und hier ein Unternehmen aufbaute

Ein Mann lehnt sich gegen eine Wand
Paramjit Kohli – Geschäftsführer der New Idea Crafts GmbH. © WFB/Jann Raveling

An einem kühlen Februarabend betritt der Inder Paramjit Kohli zum ersten Mal Bremen – und ist sofort verliebt. Warum er hier sein Unternehmen gründete und warum er seinen Büronachbarn erst nach Jahren kennenlernte, verrät er uns im Gespräch.

Ein Büroraum im World Trade Center Bremen (WTC) in der Airport-Stadt Bremen, circa 35 Quadratmeter. Drei Schreibtische, eine Menge Rucksäcke, Kühltaschen und Geschenkartikel. Außerdem Paramjit Kohli – Geschäftsführer der New Idea Crafts GmbH und Mitgründer bei Scribbling Seeds UG.

Von Indien über China nach Bremen

Geboren und aufgewachsen in Indien, vertreibt der gelernte Geschäftsmann Kohli seit 18 Jahren weltweit Taschen aber auch Berufsbekleidung und Werbematerialien. In seinem Heimatland hat er aber ein Problem: Aufträge trudeln am späten Abend oder sogar nachts ein, weil dann in Europa und Amerika die Geschäftszeiten sind. Anfragen können dann erst am kommenden Tag bedient werden, viel Zeit, die verloren geht. Die Lösung: ein Standort in Europa.

Aber wo genau? Er sollte zentral liegen und wirtschaftlich stabil sein. Die Entscheidung fiel mit seiner chinesischen Geschäftspartnerin Jingyan Zhu schnell auf Deutschland. Zhu nahm daraufhin Kontakt zu Wang Lu auf. Lu arbeitet im Auslandsbüro der Wirtschaftsförderung Bremen in Shanghai und informiert dort über den Standort Bremen.

Den beiden Taschenexperten gefällt, was Lu über Bremen erzählt und sie beschließen, einen näheren Blick auf die Hansestadt zu werfen. Gemeinsam fliegen sie daher im Februar 2012 nach Frankfurt und reist mit dem Zug weiter nach Bremen. Dort wollen sie mit potenziellen Partnern sprechen und neue Geschäftskontakte knüpfen.

Müde von der Reise steigen beide am Bremer Hauptbahnhof aus und gehen in Richtung Innenstadt. Kohli ist sofort verzaubert. „Mit jedem Schritt in Richtung City war ich mehr in diese Stadt verliebt“, erzählt der Geschäftsmann. „Es war ein kühler Februarabend, eine leichte Schneedecke lag auf der Stadt und dazu die vielen Lichter – es war magisch.“

Wallmühle im Winter
Auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Bremer City, passierte Paramjit Kohli die Wallanlagen mit der Wallmühle. Alles war in Schnee gehüllt - ein "magischer Moment". © WFB/Jens Lehmkühler

Der Start in Bremen

Die Entscheidung war gefallen. Zhu und Kohli leiteten die nötigen Schritte ein und gründeten die New Idea Crafts GmbH in Bremen. Zhu arbeitete weiterhin in China, während Kohli nach Bremen zog und sich seitdem vor Ort um das europäische Geschäft kümmert. Das Unternehmen vertreibt Mode- und Handelswaren wie Taschen, Rucksäcke, Kühltaschen, Kleidung, Uniformen, Schmuck sowie Geschenk- und Werbeartikel für den Großhandel. Die Rucksäcke werden je nach Kundinnen- oder Kundenwunsch angepasst und gefertigt. Die Einkaufstaschen sind aus Baumwolle. Je nach Produkt ändert sich der Absatzmarkt. Während Kühltaschen besonders in Italien und Spanien einen hohen Absatz finden, stellt New Idea Crafts Uniformen für den deutschen Markt her. Auch Sportvereine und Fitnessstudios aus Großbritannien kaufen gern die einheitlichen Shirts und Hosen beim deutsch-chinesischen Unternehmen.

Produziert werden Taschen, Rucksäcke und Kleidung in der eigenen Fabrik in Wenzhou in der ostchinesischen Zhejiang-Provinz. Rund 40 Angestellte arbeiten vor Ort. Die Ware kommt per Containerschiff nach Bremerhaven oder Hamburg und dann weiter per LKW ins Lager oder direkt zu den Händler:innen. Eine immer größere Anzahl an Waren kommt aus Indien. „Der Markt wandelt sich, immer mehr Kundinnen und Kunden fragen nach nachhaltigen Rohstoffen wie Jute und Baumwolle. Diesen Wandel gehen wir mit.“, so Kohli.

Als Importhändler waren die vergangenen Jahre für Kohli dabei eine Herausforderung. Durch die Covid-Krise blieben viele Container in Asien über lange Zeit stecken, die Containerpreise verzehnfachten sich zwischenzeitlich, Inflation und Lieferkettenengpässe drückten auf Angebots- wie Nachfrageseite und zuletzt führte auch der Ukrainekrieg und die Houthi-Krise zu einschnitten. „Wir müssen unsere Lieferketten immer wieder anpassen und neu auf jede Veränderung reagieren, das erfordert viel Kreativität. Denn unsere Kundinnen und Kunden wollen ihre Ware pünktlich erhalten. So kombinieren wir verschiedene Lieferwege, um flexibel reagieren zu können. Auch der zunehmende Indienanteil unserer Waren ist eine Reaktion darauf“, schildert Kohli.

Bei allen Herausforderungen bleibt Kohli aber ein ausgemachter Bremen-Fan, den so schnell nichts von seiner Wahlheimat trennt. Einen Teil des Unternehmenserfolgs schreibt Kohli auch den Bremerinnen und Bremern zu, die er hier kennengelernt hat: „Zu Beginn trafen wir auf die richtigen Menschen und die richtige Art von Menschen.“ Etwa dem Personal des World Trade Centers. Seit Gründung des Unternehmens ist Kohli im WTC, dessen Kernaufgabe das Betreuen internationaler Unternehmen und deren reibungslose Ansiedlung in Bremen ist.

Geschäftsführer Paramjit Kohli im Interview
Der indische Geschäftsmann Kohli ist seit 2012 mit der New Idea Crafts GmbH in Bremen erfolgreich. © WFB/Frank Pusch

Aber auch im Logistikstandort Bremen sieht er große Vorteile für sein Geschäft: „Die Deutschen sind die Weltmeister in Sachen Logistik. So effizient wie hier kann man so gut wie nirgendwo ein Business in diesem Bereich starten, das kommt mir also sehr zugute.“

Neben dem Rund-um-Service im WTC ist Kohli auch Mitglied im Foreign Business Club der WFB. Seit 2023 bringt er Expats und ausländische Geschäftsleute in Bremen zusammen, um ein Netzwerk Gleichgesinnter zu schaffen. Mit Ausflügen, Seminaren, Vorträgen und gemeinsamen Projekten schafft er sowohl auf Arbeitsebene als auch persönlich neue Verbindungen.

„Ich habe dort zum Beispiel meinen Büronachbarn in WTC kennengelernt. Seit Jahren arbeiten wir schon im gleichen Gebäude, haben uns aber nie gesehen oder miteinander gesprochen. Das hat sich jetzt geändert. Anna Heines von der WFB macht einen tollen Job und ich freue mich auf jedes neue Treffen.“

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