6.5.2026 - Tautz/Raveling

Wie vor 60 Jahren das erste Containerschiff über die bremischen Häfen kam

Bremer Geschichte
Schwarz-Weiß-Aufnahem aus den 60-er Jahren: Zwei Männer vor Lastwagen, die unter Kränen stehen, die Container verladen.
Am 5. Mai 1966 machte mit der MS „Fairland“ erstmals ein Vollcontainerschiff in einem deutschen Hafen fest, dessen Entladung am morgen des 6. Mai begann. © BLG LOGISTICS

Das erste Vollcontainerschiff erreichte Deutschland am 5. Mai 1966 und machte damals im Bremer Überseehafen fest. Der Einsatz standardisierter Transportbehälter hatte weitreichende Folgen, und der Welthandel wächst durch den Einsatz des Containers bis heute.

Heute ist es unvorstellbar, dass es eine Zeit ohne Container in der Schiffahrt gab. Doch bis in die 1960er Jahre waren Stückgut und Schüttgut die übliche Art, Handelsgüter zu laden. Das Be- und Entladen war langwierig und personalintensiv – und die Liegezeiten in den Häfen entsprechend teuer. Damals waren die Schiffsstauer noch allgegenwärtig – Männer, die per Hand und einfachen Hilfsmitteln Schiffe be- und entluden.

Die Reederei SeaLand des Container-Reeders Malcolm McLean

Malcolm McLean, ein Spediteur aus North Carolina, der in seinem Unternehmen zunächst auch selbst als Fahrer gearbeitet hatte, ärgerte sich über die langen Ladezeiten, die den Spediteur, aber auch den Fahrer selbst betrafen.

Er entwickelte in den 1950ern die Idee, den Ladevorgang zu ökonomisieren, indem er die Ladung in standardisierten Containern verpackte. Diese Container konnten nun in einem Bruchteil der Zeit vom Lkw aufs Schiff und wieder zurück auf einen Lkw verladen werden.

Der Container in den USA

Reeder waren zunächst skeptisch gegenüber der neuen Art des Transports. Deshalb verkaufte McLean kurzerhand seine Spedition, die mittlerweile auf 1.800 Fahrzeuge angewachsen war und gründete eine eigene Reederei. Sein erstes Schiff, das Container transportierte, war die für diesen Zweck umgebaute „Ideal X”. Der Transport innerhalb der USA lief 1956 erfolgreich an, und der Container fand schnell anklang. Bald plante McLean, Container auch transatlantisch zu verschicken.

Am 05. Mai 1966 erreichte das erste Vollcontainerschiff einen deutschen Hafen. Die „Fairland“ hatte insgesamt 226 Container geladen, der erste Teil ihrer Ladung wurde in Rotterdam gelöscht, bevor es weiter nach Bremen und von dort aus nach Grangemouth (Schottland) ging.

Beide Containerbrücken im Bremer Neustädter Hafen 1968
Beide Containerbrücken im Bremer Neustädter Hafen 1968 © BLG Logistics

In Bremen hatte man sich auf die Container vorbereitet

Auch in Europa überwogen anfänglich Bedenken gegenüber der neuen Transportverpackung. Die Investitionen für neue Containerbrücken und spezielle Lkws wurden als zu hoch angesehen. Damals brachten die Sealand-Schiffe noch ihre eigenen Containerkräne mit, um die Container zu löschen.

Die Bremer Lagerhaus Gesellschaft schätzte die neue Transportbox als zukunftsfähig ein und bereitete sich auf die Anlandung von Containern aus Übersee vor: Im März begann die BLG mit dem Bau eines ersten Containerumschlagplatzes im Überseehafen. Damit wurde Bremen der erste deutsche Container-Hafen.

„Der Container hat die Weltwirtschaft grundlegend verändert. Er hat Transportprozesse standardisiert, beschleunigt und Kosten erheblich reduziert – und damit globale Warenströme in einer zuvor nicht erreichten Leistungsfähigkeit vernetzt“, sagt Matthias Magnor, Vorstandsvorsitzender der BLG-Gruppe.

Übrigens: Schon 1966 gab es Kühlcontainer: In mindestens einem der Container, die in Bremen landeten, wurden einige tausend amerikanische Hähnchen über den Atlantik transportiert. Das Kühlaggregat des Containers hatte sie auf Minus 18 Grad gefroren.

Das Konzept Container setzt sich rasant durch

20 Jahre nach der Ankunft des ersten Containers in Bremen waren bereits 50 Prozent des gesamten Stückguts an den großen Häfen Nordwesteuropas containerisiert.

Im Oktober 1966 wird im Neustädter Hafen die erste Containerbrücke gebaut. Bald zeigt sich jedoch, dass der Platz in Bremen nicht ausreicht. So wird im Februar 1968 der erste Spatenstich für die 700 m lange neue Stromkaje des Container Terminals Bremerhaven (CTB) gesetzt. Im April 1971 wird der erste Liegeplatz in Betrieb genommen und die Kaje in der Folge immer wieder erweitert. Auch die Fahrrinnen werden über die Jahre vertieft, damit auch die größten Containerschiffe Bremerhaven unabhängig von der Tide erreichen können.

Dass der Container sich durchsetzte, erfuhren nicht nur die Hafenstädte. Auch auf Straßen und Schienen wurden immer mehr Container transportiert – direkt vom Schiff an ihren Zielort transportiert.

Luftaufnahmen: Container Terminal in Bremerhaven 2007
Container Terminal in Bremerhaven 2007 © BLG Logistics

Viele Container werden heute über die Nordrange abgewickelt

Heute werden über die Häfen der Nordrange (Häfen in Deutschland, Belgien und Niederlande) etwa 46 Prozent des europäischen Im- und Exports abgewickelt (Eurostat, 2024). Der größte europäische Hafen Rotterdam konnte 2025 einen Containerumschlag von mehr als 14,2 Millionen TEU verzeichnen. TEU steht für "Twenty Foot Equivalent Unit" und bezeichnet das Maß eines Standardcontainers mit einer Länge von 20 Fuß bzw. etwas über 6 Metern. Die Bremer Häfen sind mit jährlich 4,9 Millionen TEU der viertgrößte Containerhafen in Nordeuropa.

Weil die Container vom Hafen aus an den Zielort befördert werden, entwickeln sich neben den Häfen auch Logistikunternehmen weiter. Rund 20.000 Beschäftigte in Bremen arbeiten heute in der Logistikbranche.

Damit ergeben sich immer neue Herausforderungen. Das Be- und Entladen der Schiffe geht nun schneller, doch das Befüllen beispielsweise erfordert spezielle Kenntnisse. Heute werden Hafenarbeiter:innen mit modernen Methoden geschult, um sich den immer neuen Anforderungen des Hafenbetriebs zu stellen, während Automatisierung und KI künftig essentiell werden, um den Containerverkehr künftig abwickeln zu können. Bereits heute gibt es erste vollautomatisierte Containertransporter („Straddle Carrier“) und Versuche mit autonomem Fahren im Logistikumfeld des Hafens.

Von den 226 Containern der „Fairland“ hat sich die Branche heute weit entfernt – die größten Containerschiffe können heute mehr als 24.000 TEU laden, also rund 100-mal so viel Fracht befördern.

Aus für stadtbremische Containerlogistik

1998 kam das Aus für den Containerverkehr in der Stadt Bremen, den ehemals umschlagsstärksten Hafen der Welt. Die Weser war endgültig nicht mehr tief genug für die großen Containerschiffe und das Hafenbecken wurde zugeschüttet. Der Überseehafen wurde Teil der Überseestadt, in der neue Wohnanlagen und Gewerbeflächen entstanden. Eine rege Bautätigkeit zeigt den dynamischen Wandel an.

Bremerhaven aber boomt: der Containerterminal, der Autoterminal und der Kreuzfahrt-Terminal stehen für den florierenden Welthandel in der Hansestadt und der Region.

Und auch die SeaLand-Reederei von Malcolm McLean spürte den Zahn der Zeit. Heute gehört das Unternehmen zur Reederei Maersk, der SeaLand Markenname verschwand 2023. Das Vertrauen in Bremerhaven aber blieb: So plant Maersk Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in die Hafeninfrastrukturen. Vincent Clerk, Vorstandsvorsitzender des Logistikkonzerns Maersk gegenüber dem ZDF: "Mit unseren Investitionen soll Bremerhaven zu einem der wettbewerbsfähigen Terminals in Europa werden"

Weitere Informationen zur Maritimen Wirtschaft / Logistik in Bremen und zu den Services der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH finden Sie hier.

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