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27.10.2017 - Nina Svensson

Bitte ein BID! Gemeinsam stark fürs eigene Quartier

Stadtentwicklung

Zehn Jahre BID-Gesetz in Bremen: Ein Konzept, drei Beispiele und viele zufriedene Menschen

Bepflanzung am Ansgarikirchhof
Es grünt so grün mitten in der Bremer Innenstadt: Dank der Bepflanzung galt der Ansgarikirchhof zeitweise sogar als „grünster Ort der City“. © Jonas Ginter

Seit zehn Jahren bietet das bremische BID-Gesetz einzelnen Stadtquartieren die Möglichkeit, ihre Aufenthaltsqualität zu erhöhen und ihr Image zu verbessern. Einige Viertel wie Ansgarikirchhof, Sögestraße und Ostertor/Steintor haben diese Chance bereits genutzt. Die Vorteile eines Business Improvement Districts liegen auf der Hand: Auf einer verlässlichen finanziellen Basis und in einem definierten Zeitraum ziehen die Akteure des Quartiers an einem Strang. Ob neue Schilder oder Begrünung, freies WLAN, Straßenfeste oder Konzerte – die Kosten werden von allen gemeinsam getragen, so ist es gerecht und alle profitieren davon.

Was ist ein BID?

Die Idee der Immobilien- und Standortgemeinschaften kommt ursprünglich aus Kanada und ist unter dem Begriff Business Improvement Districts (BID) bekannt. Genau genommen ist ein BID ein gesetzlicher Rahmen für Eigeninitiative und Selbstorganisation. Die Ideen, Blumenkübel aufzustellen oder eine weihnachtliche Straßenbeleuchtung zu montieren, sind nicht neu, aber scheitern oftmals daran, dass sich die Anlieger uneinig sind, wie sie die Kosten verteilen. Ein BID bietet die nötigen Strukturen, um vielseitiges Engagement in geordnete Bahnen zu lenken. 2005 entstand das erste deutsche BID in Hamburg. Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 30 BIDs, einige wurden bereits verlängert.

2006 hat die Bremische Bürgerschaft die rechtlichen Voraussetzungen für BIDs im Land Bremen geschaffen. Drei Jahre später wurden die ersten zwei Bremer BIDs eingerichtet: das BID Ostertor/Steintor und das BID Ansgarikirchhof. Die Idee ist, dass sich die Grundeigentümer und weitere Akteure offiziell zusammentun und sich als Einheit präsentieren. Pflasterungen, Beleuchtung, Sauberkeit, Sicherheit, Events, Sonderaktionen – all das sind Themen, die ein BID diskutieren und umsetzen kann. Die Kosten werden gemäß eines definierten Schlüssels auf alle Anlieger umverteilt.

Geschäftsführer Jens Ristedt
Als Eigentümer einer Immobilie, Inhaber und Geschäftsführer eines Modehauses ist Jens Ristedt am Ansgarikirchhof fest verwurzelt. © Jonas Ginter

BID Ansgarikirchhof: Das bundesweit kleinste BID geht in die Verlängerung

Das BID Ansgarikirchhof startete 2009 mit sieben Eigentümern als das bundesweit kleinste BID. Klein, aber fein: Modehaus-Inhaber Jens Ristedt als treibende Kraft des BIDs ist stolz auf das, was er und seine Mitstreiter geschaffen haben. Eine einheitliche Beschirmung, passende Blumenkübel, kleinere Bühnenauftritte und vor allem die temporären Stadtgärten mit den beliebten Sandkästen und der riesigen Sitzbank. „Das war keine Einzelleistung, ich bin happy, dass es uns gemeinsam gelungen ist. Es war ein Bürgeranliegen mit dem Anspruch, einen besseren Raum zu schaffen und wir haben das für uns getan, für das Selbstwertgefühl unserer Unternehmen, für die Stadt“, sagt Ristedt.

Nach der erfolgreichen Durchführung des ersten BID von 2009 bis 2012 entschieden sich die Immobilieneigentümer für eine Weiterführung und gründeten ein neues BID mit einer Laufzeit von insgesamt fünf Jahren. Aktuell geht das BID in die zweite Verlängerung. Das finanzielle wie ehrenamtliche Engagement der Eigentümer am Ansgarikirchof zahlt sich aus: Beim BID-Award des Deutschen Industrie- und Handelskammertages 2015 in Hamburg belegte das Ansgari Quartier den 3. Platz. Für das Engagement der Anlieger, die Platzgestaltung und die positive Verknüpfung des BID mit der Zwischennutzung „Citylab“ erhielt das BID Ansgari den 2. Platz beim europäischen BID-Award 2016.

Kaufmann Stefan Storch
Kaufmann Stefan Storch besitzt eine Immobilie in der Sögestraße. © Jonas Ginter

Ausgezeichnetes BID Sögestraße

Grundsätzlich gilt: Ein BID hat viele Möglichkeiten – bewährt haben sich insbesondere die einfachen, sichtbaren Maßnahmen. Das weiß auch Kaufmann und Immobilienbesitzer Stefan Storch, der das BID Sögestraße 2012 mit auf den Weg gebracht hat. Unter anderem hat das BID wirkungsvolle Lichtstrahler oberhalb von Schweinegruppe, Hirte und Hund installiert, um die Bronzeskulpturen als Wahrzeichen der Sögestraße noch deutlicher in Szene zu setzen. Auch hat das BID Reinigungsdienste beauftragt für ein aufgeräumtes Straßenbild und lässt zu Weihnachten eine neue stromsparende LED-Winterbeleuchtung montieren.

„Wir können uns eigentlich gar nichts anderes mehr vorstellen. Wir sind sehr sicher, dass wir immer wieder Ideen finden, was wir mit der Straße machen können. Wie wir ihre Eigentümlichkeit darstellen können, ihre Funktion als traditionelle Haupteinkaufsstraße und wie wir sie ganz langsam immer noch weiter aufwerten können“, sagt Storch. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat 2013 das BID Sögestraße als bestes BID Deutschlands mit dem BID-Award ausgezeichnet. Storch und die 35 weiteren Eigentümer bleiben dran und bereiten zurzeit die Verlängerung ihres BIDs nach 2017 vor.

Sielwall, Ostertorsteinweg
Bei Sommer, Sonne, Sonnenschein lädt der Ostertorsteinweg im „Viertel“ zum Flanieren ein. © Jonas Ginter

BID Ostertor / Steintor: Heterogene Struktur als Herausforderung

Als das BID Ostertorsteinweg/Vor dem Steintor 2009 eingerichtet wurde, war es mit rund 250 Eigentümern das damals zahlenmäßig größte BID in Deutschland. Die Größe war von Anfang eine Herausforderung. Auch die sehr heterogene Struktur aus Wohnen, Einzelhandel, Kultur und Gastronomie machte einen Konsens nicht immer einfach. Doch während der Laufzeit bis 2014 entwickelte sich die Kommunikation immer besser und zahlreiche Projekte wie der Shopping-Guide, Fassadengestaltungen und die Unterstützung des Viertelfestes wurden erfolgreich umgesetzt.

Nachdem das erste BID 2014 ausgelaufen war, prüften die Akteure eine zweite BID-Phase. Beteiligte Eigentümer und Gewerbetreibende trafen sich in einer Initiativgruppe, um Maßnahmen und Finanzierungskonzepte für ein neues, zweigeteiltes BID zu entwickeln. Es sollte eine Aufteilung in „Ostertorsteinweg“ und „Vor dem Steintor“ vorgenommen werden, aber die Projektidee wurde kontrovers diskutiert. Schlussendlich kam es nicht zu den BIDs, eine Wiederaufnahme ist im Gespräch.

Jan-Peter Halves, Aufgabenträger der CS City-Service GmbH
Dr. Jan-Peter Halves betreut als Aufgabenträger mit der CS City-Service GmbH, einem Tochterunternehmen der CityInitiative Bremen e.V., die Bremer BIDs. © Jonas Ginter

Was sind die Erfolgsfaktoren eines BIDs?

In Bremen heißen die BIDs auch Innovationsbereiche. Dr. Jan-Peter Halves ist Geschäftsführer der CS City-Service GmbH, dem Aufgabenträger der Innovationsbereiche Ansgari Quartier und Sögestraße. Er begleitet ihre Entwicklung und analysiert die Erfahrungen. „Aus den ersten BID-Projekten in Bremen haben wir gelernt: Ein BID muss sehr einheitlich in seiner baulichen Nutzung sein. Unterschiedliche Bebauungspläne oder auch Straßennutzungen (Fußgängerzone und Verkehrsstraße) können den BID-Bereich sprengen. Auch die grundstücksscharfe Abgrenzung ist mit sehr viel Akribie festzulegen. Welcher Hinterhof gehört noch zum BID, welcher nicht?“, sagt Halves. Drei Punkte seien wichtig für den Erfolg eines BID: Erstens eine klare räumliche Orientierung auf das Quartier. Zweitens lokale Mentoren, Menschen, die im Quartier etwas gelten und sich im Ehrenamt uneigennützig für die Sache engagieren. Und drittens müssen alle anliegenden Immobilienbesitzer überzeugt sein, denn sie bezahlen das BID und profitieren von der Wirkungskette.

Mit einem BID gestärkt in die Zukunft

Die Situation des stationären Handels in der Bremer Innenstadt sowie in den Stadtteilzentren unterliegt einem stetigen Wandel. Im Bremer Umland existieren verhältnismäßig viele gut organisierte Einkaufszentren und Shopping Malls. Diesen Vorsprung müssen traditionelle Standorte aufholen, um zu überleben und aufzublühen. Zehn Jahre BIDs in Bremen haben deutlich gezeigt: Wenn sich lokale Kräfte gemeinsam engagieren, werden sie gemeinsam profitieren.


Die WFB und der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen haben gemeinsam eine BID-Broschüre herausgegeben. Diese enthält ausführliche Informationen zur Gründung eines BIDs und welche Erfahrungen die Bremer Akteure aus Einzelhandel, Politik und Verwaltung bislang gemacht haben.

Die WFB Wirtschaftsförderung Bremen ist der Erstansprechpartner für alle BID-Initiativen, BID-Interessierte und für die Betreuung der laufenden BIDs. Hierzu gehören die Beschaffung von Daten, die Unterstützung bei der Antragserstellung, erforderliche Abstimmungen mit bremischen Behörden und die Klärung von Genehmigungsfragen. Aufsichts- und Erhebungsbehörde ist der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen. Über die Handelskammer Bremen sind die Bremer Aktivitäten in die bundesweite BID-Entwicklung eingebettet.

Ihre Ansprechpartnerin bei der WFB ist Anke Werner, Telefon 0421 9600 331, anke.werner@wfb-bremen.de

Weitere Links zu Ihrer Information:
www.bid-in-bremen.de
www.ansgari-bid.de
www.bid-soegestrasse.de
www.dasviertel.de

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