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29.5.2024 - Jann Raveling

Ratgeber: Wann lohnt sich Photovoltaik für Unternehmen?

Nachhaltigkeit

Ratgeber für Solaranlagen im Gewerbebetrieb

Solaranlagen bei Friedrich Benien GmbH & Co. KG im Gewerbepark Hansalinie
Erneuerbare Energie auf den Dächern des Gewerbeparks Hansalinie - nachhaltige Gewerbegebiete © WFB / Jonas Ginter

Wann lohnt sich Photovoltaik für Unternehmen? Solaranlagen auf dem Dach können Energiekosten einsparen, zur Nachhaltigkeit beitragen und Unternehmen gegen steigende Energiepreise absichern. Unser Ratgeber für Photovoltaik im Gewerbebetrieb klärt die wichtigsten Fragen.

Rund um Solaranlagen berät in Bremen Solarexperte Stefan Hueck von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Er unterstützt Unternehmen bei technischen und betriebswirtschaftlichen Fragen rund um die Errichtung einer PV-Anlage für Unternehmen. Hier beantwortet er die sieben häufigsten Fragen aus seinem Alltag:

Ratgeber: Photovoltaik für Unternehmen

1. Lohnt sich Photovoltaik für Unternehmen?

Ja, grundsätzlich lohnt sich der Einsatz von Photovoltaik für Unternehmen. Je mehr Energie man direkt im Unternehmen verbrauchen kann, desto wirtschaftlicher ist die Investition.

Denn: In der Regel ist der reguläre Strompreis pro Kilowattstunde wesentlich höher als die PV-Vergütung pro Kilowattstunde, die man vom Netzbetreiber erhält, wenn man den erzeugten Solarstrom ins öffentliche Stromnetz einspeist und ihn so verkauft. Man sollte daher zuerst die erzeugte Solarenergie im Unternehmen direkt verbrauchen. Um eine hohe Wirtschaftlichkeit zu erreichen, sollte also eine PV-Anlage eine hohe Eigennutzungsquote erreichen.

Gerade für Unternehmen, die aufgrund des Betriebes tagsüber einen höheren Verbrauch haben als nachts, ist der Einsatz von Solarenergie sinnvoll. Fällt auch abseits der Sonnenzeiten ein hoher Energieverbrauch an (Schichtarbeit, Laden von E-Fahrzeugen) kann zudem ein Batteriespeicher eine sinnvolle Ergänzung sein.

Wie schnell sich eine Solaranlage im individuellen Fall rechnet, hängt von vielen Faktoren ab und muss daher auch individuell vom Fachbetrieb berechnet werden.

Stefan Hueck WFB
Solarexperte der WFB: Stefan Hueck © WFB/Jan Rathke

2. Welche Förderungen gibt es für Solaranlagen?

Aktuell gibt es durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) eine Vergütung für jede eingespeiste kWh (Kilowattstunde), die nicht direkt verbraucht wird. Die Vergütung liegt aktuell zwischen 6,5 und 13 Ct/kWh, je nach Aufstellungsort (Gebäude oder Freifläche), Anlagenleistung und Betriebsmodel der Anlage. Gesetzlich degradieren die Vergütungssätze jährlich um ein Prozent pro Halbjahr für neu in Betrieb genommene Anlagen. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die Vergütungssätze auf ihrer Homepage (Bundesnetzagentur - EEG-Förderung und -Fördersätze). Ist die PV-Anlage in Betrieb, bekommt man die dann gültige EEG-Vergütung konstant für 20 Jahre.

Weiterhin gibt es zinsgünstige KfW-Kredite und individuelle Förderprogramme durch die BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven, die zwar nicht ausdrücklich für Photovoltaik aufgesetzt wurden, aber bei weiteren unternehmerischen Investitionen Photovoltaik mitberücksichtigen können. Hier wäre die Investitionsförderung für die gewerbliche Wirtschaft in Bremen-Stadt (GRW-Programm) zu nennen, welches nicht nur Investitionen zur Sicherung und Schaffung von Beschäftigung und Wachstum eines Unternehmens fördert, sondern dann auch zusätzlich Transformationsprozesse wie PV-Anlagen mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen fördert. Für besondere Programme in anderen Bundesländern bitte bei den jeweiligen Landesförderbanken nachschlagen.

3. Auf welchen Dächern können PV-Anlagen errichtet werden?

Als Dächer eignen sich Flachdächer und leicht geneigte Schrägdächer. Bei steilen Schrägdächern sollte man Ost-, West- und Süddächer berücksichtigen. Die Dächer sollten weitestgehend schattenfrei sein. Auch für Dächer, die nur noch geringe Lastreserven aufweisen, gibt es häufig interessante Lösungen. Man kann mittlerweile Solarmodule auch flach aufs Dach mittels Klebetechnik befestigen. So ist die zusätzliche Belastung sehr gering. Üblicherweise werden aber die Solarmodule in einem Winkel von 10-15 Grad zur Horizontalen aufgeständert auf einem Flachdach montiert und gegen das Abheben durch den Windsog ballastiert. Bei sehr vielen Dächern ist dieses zusätzliche Gewicht der PV-Anlage ohne Verstärkung der Dachkonstruktion möglich.

Wartungsteams von ADLER Solar prüfen Bestandsanlagen auf ihre Funktionsfähigkeit
Wartungsteams von ADLER Solar prüfen Bestandsanlagen auf ihre Funktionsfähigkeit © ADLER Solar

4. Worauf muss man bei einer Entscheidung für eine Betriebs-PV-Anlage achten?

Besonders achten sollte man auf die Dachbeschaffenheit, Gebäudestatik, Brandschutz und Blitzschutz. Es sollten die passenden Komponenten zum Objekt verwendet werden. Weiterhin ist zu raten, sich vom anbietenden Unternehmen und Planungsbüros eine Simulationsrechnung mit prognostizieren Energiemengen, Eigenverbrauchsquote und Wirtschaftlichkeit erstellen zu lassen.

5. Wie verhält es sich mit Steuern, Abgaben und Abschreibungen bei einer betrieblichen Photovoltaik-Anlage?

  • Bei einer gewerblichen Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Unternehmens handelt es sich grundsätzlich um ein selbstständiges bewegliches Wirtschaftsgut beziehungsweise eine Betriebsvorrichtung. In der Regel können die Anschaffungskosten über 20 Jahre linear abgeschrieben werden. Eine Sonderabschreibung kann ebenfalls in Betracht gezogen werden. Aufgrund der Komplexität von Steuerfragen wird eine fachkundige Beratung empfohlen.
  • Einnahmen aus der Vergütung durch die Einspeisung des produzierten Stroms unterliegen ebenfalls der üblichen steuerlichen Betrachtung des Unternehmens.
  • Eine PV-Anlage auf einem Firmengebäude kann dem Unternehmensvermögen zugerechnet werden.
  • Die häufig gehörte Steuerbefreiung bezieht sich nur auf private PV-Anlagen, beispielsweise bis zu einer Leistung von 30 kWp auf dem Einfamilienhaus.

6. Muss der Zählerschrank oder Hausanschluss verstärkt werden?

Bis zu einer Leistung von 30kWp (etwa 200-250 Quadratmeter Dachfläche) braucht ein Hausanschluss nicht verstärkt werden. Je nach Baujahr kann es jedoch erforderlich sein, dass der Zählerschrank erneuert werden muss. Ist beispielsweise der Zählerschrank 20 Jahre oder älter, ist eine Erneuerung sehr wahrscheinlich. Diese Frage wird aber bei der Detailplanung durch das ausführende Unternehmen geklärt.

7. Wie lange dauert es, bis man eine PV-Anlage errichtet hat?

Von der Einholung der Angebote bis zur Inbetriebnahme sind es aktuell bei Anlagen bis 30kWp etwa zwei bis fünf Monate. Bei PV-Anlagen, die eine größere Leistung haben, sind es etwa vier bis zehn Monate, je nach Bearbeitungszeit beim Planungsbüro und Verteilnetzbetreiber.

Haben Sie weitere Fragen zu Photovoltaikanlagen im betrieblichen Umfeld? Dann melden Sie sich gern bei Stefan Hueck, dem Solarexperten der Wirtschaftsförderung Bremen.

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