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9.10.2019 - Jann Raveling

Aktiver Klimaschutz aus Bremen mit Stromspeichern

Erfolgsgeschichten

Batteriespeicher für Eigenverbrauch aus Deutschland

Die Speicher von Powertrust werden sowohl Privat als auch im Gewerbe eingesetzt
Die Speicher von Powertrust werden sowohl Privat als auch im Gewerbe eingesetzt © Powertrust

Stromspeicher werden immer beliebter, um Energie aus Photovoltaik (PV) rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen. Das ist gut für die Ökobilanz, spart aber auch Kosten. Der Speicherproduzent Powertrust setzt dazu auf bewährte Akkutechnik, die er neu belebt. Und das “Made in Bremen”.

Der Bremer Hockeyklub ist schon eine Hausnummer – die Frauenmannschaft spielt in der Bundesliga, mehr als 800 Mitglieder sind Teil des Vereins, der 2013 sein hundertjähriges Bestehen feierte. Seit Kurzem ist der Klub nicht nur spielerisch vorne dabei, sondern auch ökologisch, denn mit seiner Photovoltaikanlage und einem Stromspeicher ist der Verein nahezu energieautark.

Unabhängigkeit mit Stromspeicher und Photovoltaik

Auf dem Dach des Vereinsheims befindet sich eine 100-Kilowatt-Solarstromanlage, welche unter anderem die Flutlichter mit Strom versorgen soll. Gäbe es da nicht ein Problem: Flutlichter werden abends benötigt. Dann scheint die Sonne jedoch nicht. Tagsüber verbraucht der Klub hingegen nur wenig Strom. „Wir wollten den selbst erzeugten Strom unserer Photovoltaikanlage natürlich auch möglichst intensiv selbst nutzen. Da die meisten Spiele bei Dämmerung oder Dunkelheit stattfinden, mussten wir eine Möglichkeit finden, den Strom zu speichern“, sagt Geschäftsführer Martin Schultze. Die Lösung fanden der Klub in rund acht Kilometern Entfernung beim Bremer Stromspeicherhersteller Powertrust aus Bremen. Drei Speicher mit insgesamt 65 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität installierte das Unternehmen beim Klub. Der Clou: Sie speichern Energie in modernen Blei-Akkus. „Für uns war Nachhaltigkeit ein ganz entscheidender Punkt bei diesem Projekt. Und die erreichen wir mit den Speichern von Powertrust“, so Schultze.

Stromspeicher für Industrie, Landwirtschaft und Heimgebrauch

Powertrust ist mit knapp fünf Jahren ein junges Unternehmen, setzt bei seinen Speicherakkus auf eine altbekannte Speichertechnik in neuem Gewand, Blei-Kristall-Akkus. Mit ihnen baut das Unternehmen Stromspeicher, die in praktisch allen Bereichen eingesetzt werden, um volatile, also nicht dauerhaft verfügbare Energien, rund um die Uhr bereitzustellen, wie zum Beispiel bei Photovoltaikanlagen.

Und auch abseits der regenerativen Energieversorgung gibt es Einsatzgebiete für die Batteriespeicher. Eine Anwendung im industriellen Einsatz ist das Abfangen von Lastspitzen, um Stromkosten zu senken.

„Es geht neben Klimaschutz und einem ökologisch sinnvollen Handeln auch um Wirtschaftlichkeit. Batteriespeicher erhöhen in Kombination mit PV auf 20 Jahre gerechnet die Rendite auf bis zu acht Prozent. Ein PV-Generator ist ein sinnvolles Investment, das die Umwelt schützt und das Image eines Unternehmens verbessert“, so Geschäftsführer Mike Heger und ergänzt: „Und sie sind nicht nur attraktiv als Abschreibeprojekt.“

Solarzellen auf dem Dach des Bremer Hockeyklubs speisen die Speicheranlage mit Solarstorm
Solarzellen auf dem Dach des Bremer Hockeyklubs speisen die Speicheranlage mit Solarstorm © Powertrust

Blei-Kristall Akkus statt Lithium-Ionen im Stromspeicher aus Bremen

Der gebürtige Schwabe Heger ist ein Perfektionist mit ausgeprägtem ökologischen Gespür. Seine Lösungen sind wohldurchdacht, technisch einwandfrei. Halbe Sachen sind nicht sein Ding, und dafür nimmt er auch Umwege in Kauf. Die Verwendung der Blei-Kristall-Technologie ist dafür das beste Beispiel. Sie führt ein Nischendasein unter den Batteriespeichern.

Zu Unrecht, wie er findet. „Blei lässt sich zu 99 Prozent recyceln. Es verursacht weniger Emissionen in der Produktion und es muss keine intakte Natur zur Rohstoffgewinnung zerstört werden, wie es etwa bei der Gewinnung von Lithium aktuell der Fall ist“, zählt er die Vorteile auf. Nachhaltigkeit beginnt für Heger in der Produktion und endet beim Recycling der Akkus. Die Speicher sind aber so gebaut, dass sie fast alle Arten von Akkus aufnehmen können. Er hat sie mit offenen Schnittstellen versehen, damit sie lange eingesetzt werden können, auch wenn es in Zukunft eine noch bessere Akkutechnik geben sollte.

Weniger sexy als Lithium-Ionen-Speicher – aber sicherer, nachhaltiger, wirtschaftlicher

Heger möchte gegen das eher altbackene Image von „Blei“ als Energieträger ankämpfen. Viele Menschen hätten da gleich Autobatterien im Sinn, die Blei-Kristall-Technik sei jedoch eine völlig andere Akkutechnik. Derzeit erhalten vor allem Hausspeicher mit Lithium-Ionen Akkus Aufmerksamkeit – wie sie etwa auch von Tesla produziert werden. Mit dem Image des jungen Autokonzerns aus dem Silicon Valley gelten sie als hip und zukunftsträchtig.

Bleispeicher attraktiver und kostengünstiger

Am liebsten lässt Heger aber die Fakten sprechen. Die Liste der Vorteile seiner Technik ist lang – und er zählt sie gerne auf. „Lithium-Ionen Zellen sind bei hohen Temperaturen reaktiv, zudem sind sie sehr temperaturanfällig, müssen je nach Standort geheizt oder gekühlt werden, was Energie kostet. Hohe dauerhafte Entladeleistungen sind meist nur mit hohen Kapazitäten zu schaffen“, so Heger.

Bleikristallspeicher seien hier deutlich unempfindlicher – dafür wiegen sie aber auch mehr als Lithium-Ionen-Akkus, was sie zum Beispiel für Elektroautos völlig unattraktiv macht. In den eigenen vier Wänden ist das Gewicht der Stromboxen jedoch egal. Für Industrie- und Handwerksbetriebe mit größerem Energiehunger ist eine weitere Kennziffer interessant: die Lade- und Entladeleistung. Blei-Kristall-Batterien erlauben im Verhältnis zur Kapazität hohe Be- und Entladeströme, können also einspringen, wenn plötzlich mehrere größere Verbraucher gleichzeitig eingeschaltet werden. Da machen einige Lithium-Ionen-Systeme schnell schlapp und müssen konventionellen Strom zur Hilfe holen. „Schaltet man zum Beispiel im Haus den Fön an und gleichzeitig den Wasserkocher, kann der Leistungsbedarf bereits die übliche Entladeleistung eines Lithium-Ionen-Batteriespeichers übersteigen“, so Heger.

Für den Privatgebrauch sind die Anlagen kleiner dimensioniert, um nachts Verbraucher mit Strom zu versorgen oder E-Autos zu laden
Für den Privatgebrauch sind die Anlagen kleiner dimensioniert, um nachts Verbraucher mit Strom zu versorgen oder E-Autos zu laden © Powertrust

Batteriespeicher “Made in Bremen”

In der neuen alten Technologie stecken viele Jahre Entwicklung am Batterie- und Energie-Management-System. Mittlerweile arbeiten sieben Angestellte daran, sie kontinuierlich weiterzuentwickeln. Demnächst wollen die Techniker eine weitere Technologie auf den Markt bringen, die auch in eine Batteriefertigung „Made in Bremen“ münden soll: Spezielle Lithium-Eisen-Zellen in Edelstahlgehäusen sollen hier die Vorteile von Lithium-Ionen Akkus mit der Sicherheit eines Blei-Akkus verbinden.

Und das bei einer sehr hohen Leistungsdichte. „Wir möchten gut und verlässlich arbeiten und zufriedene Kunden haben. Qualität, Nachhaltigkeit, Klimaschutz. Das sind unsere Ziele, nicht Wachstum. Wir wollen im Team die bestmögliche Lösung entwickeln, sowohl aus technologischer, ökologischer und wirtschaftlicher Sicht. Ein Wandel hin zu einer Klimaneutralität ist möglich. Und wir in Bremen wollen vorne dabei sein. Mit Wind, Sonne und Speicher“, erklärt der Inhaber seine Unternehmensstrategie.

Bremen, so grün

Powertrust sitzt gemeinsam mit dem Bremer Solar-Dienstleister Adler Solar in einem Gebäude – eine Partnerschaft, von der beide Unternehmen profitieren. „Wir ergänzen uns perfekt. Es gibt viel Laufkundschaft. Wer Betreiber eines PV-Generators ist, für den ist auch ein Batteriespeicher spannend“, sagt Heger.

Für Bremen sehen Adler Solar und Powertrust ein großes Potenzial in den erneuerbaren Energien. Gerhard Cunze, Geschäftsführer von Adler Solar: „Auf Hallendächern ist viel Platz für PV-Generatoren ohne weitere Flächen zu versiegeln. In Kombination Windenergie, Fernwärme und Batteriespeicher ist das ein Weg, wie Bremen energetisch grüner werden kann. Solarstrom ist heute bereits die günstigste Form, Energie zu erzeugen. Wenn man sie dann noch für die Nachtstunden speichert, lassen sich unzählige Tonnen CO2 einsparen“.

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