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Karrierecoaching Gruppensitzung - Quelle: Hermann
8.1.2024 - Gastbeitrag von Sven Hermann, Innovationscoach

Mit Karrierecoaching die Arbeitswelt neu entdecken

Fachkräfte

Warum Unternehmen ihren Beschäftigten bei der Karriere unterstützend zur Seite stehen sollten

Karrierecoaching – was ist das und wie kann man mit einem Coaching über berufliche Perspektiven nachdenken und eigene Karrierefragen beantworten? Beim Karrierecoaching geht es nicht nur um neue Ziele im Berufsleben, sondern besonders auch um die Analyse und Verbesserungsmöglichkeiten der aktuellen Arbeitssituation. Gerade Unternehmen sollten ihre Beschäftigten dabei unterstützen.

Das neue Jahr beginnt - in vielen Unternehmen ist für die Führungskräfte wieder die Zeit gekommen, um Jahresgespräche mit ihren Mitarbeiter:innen zu führen. Dabei sind es immer häufiger die Angestellten, die Forderungen stellen: die nach guter, sinnstiftender und zufriedenstellender Arbeit.

Alarmierende Erkenntnisse nicht nur angesichts des überall herrschenden Fachkräftemangels. Was muss sich ändern, damit wir wieder lieber und länger arbeiten wollen?

Frau trägt etwas vor
In verschiedenen Phasen lernen die Teilnehmenden eines Karrierecoachings sich besser zu verstehen - und besprechen das in der Gruppe © Hermann

Karriere – weitaus mehr als nur „höher, weiter, schneller“

Ein großer Hebel dafür, so lassen einige dieser Umfragen vermuten, liegt wohl im Führungsverhalten und in der Unternehmenskultur, für viele Arbeitnehmer:innen der Grund zur inneren oder wirklichen Kündigung. Wie können Führungskräfte dem begegnen? Vielleicht liegt ein Schlüssel in mehr und besserem Fragen und Zuhören. Sich selbst regelmäßig zu fragen was man eigentlich wirklich möchte, dem eigenen Team zuzuhören und empathischer gegenüber Kolleginnen und Kollegen zu sein, als Führungskraft mehr Fragen zu stellen und die richtigen Voraussetzungen für einen regelmäßigen, achtsamen und zukunftsorientierten Austausch über die wünschenswerten Karrieren der einzelnen Mitarbeitenden im Unternehmen zu schaffen.

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Karriere weit komplexer ist, als sie oft verstanden wird und sie ein Zusammenspiel aus beruflicher Laufbahn, fachlichem und persönlichem Werdegang darstellt. Das klassische einseitige Verständnis von „Karriere machen – höher, schneller, weiter“ und der Karriereleiter, die nur nach oben führt und die man runterfallen kann, gilt es über Bord zu werfen. Mehr im Fokus sollte hingegen stehen, wie Arbeit zu den individuellen Bedürfnissen, Lebenslagen und -phasen passt.

Die Methoden und Instrumente des Karrierecoachings bieten hier eine vielversprechende Möglichkeit, neue Rahmenbedingungen und (Zeit-)Räume des Zuhörens auch in Unternehmen zu schaffen.

Zwei Frauen diskutieren
Werte- und Visionsarbeit sind wichtiger Bestandteil des Coachings © Hermann

Was ist Karrierecoaching?

Beim Karrierecoaching geht es darum, für jede und jeden individuell herauszufinden, wie die berufliche Zukunft aussehen kann. Diese Coachings finden in mehreren Einzel- oder auch Gruppensessions statt und werden bestenfalls von ausgebildeten Karrierecoaches und -berater:innen durchgeführt. Sie eignen sich für alle Angestellten, auch wenn diese keine Führungskarriere planen. Ein Karrierecoaching besteht aus mehreren Phasen und beinhaltet ausgewählte Schritte wie bspw.

  1. Biografische Rückschau Wie haben sich das persönliche Leben und die eigene berufliche Laufbahn entwickelt? Was lässt sich aus den Höhen und Tiefen für die Zukunft ablesen? Was hat man alles bereits erreicht und trägt als Erfahrungsschatz mit sich?
  2. Wertearbeit Nach welchen Werten will man bewusster leben und arbeiten? Wie dienen die wichtigsten Werte der weiteren Entscheidungsfindung? Wie lassen sich die Werte besser im Alltag leben?
  3. Wandeltriade“ Was soll bewahrt werden? Was soll weniger oder mehr sein? Und was soll weichen bzw. neu dazu kommen?
  4. Visionen und Ziele Welche Visionen und Ziele entstehen und mit welchen konkreten Schritten kann man diese verfolgen?

Karrierecoaching unterstützt bei der Navigation und dem Kurssetzen im weiten Meer der beruflichen Entwicklung. Es hilft bei der Selbstklärung und Beantwortung von Fragen wie: Was kann ich? Was ist mir wichtig? Was möchte ich ändern, und wo möchte ich hin? Welcher berufliche Schritt ist der nächste? Und was brauche ich dafür? Dabei handelt es sich vielfach um Umbruchsituationen, bei denen die ganze berufliche und persönliche Identität auf dem Prüfstand steht.

Schild mit Aufschrift
Für viele der Teilnehmenden ist das Karrierecoaching ein intensiver Prozess © Hermann

Karriere: Eigene Ansprüche und Erwartungen verstehen und von den Erwartungen anderer abgrenzen

Dabei geht es beim Karrierecoaching zu Beginn vor allem um Reflektion. Was ist, was war? Wo stehe ich gerade und woher komme ich? Was bereitet mir aktuell Stress und Sorgen? Hohe Ansprüche an sich selbst, neben der Arbeit einer der beiden Top-Stress-Faktoren der Deutschen, gilt es dabei auch näher zu beleuchten. So hilft es zu Beginn des Prozesses oft schon, sich einen Überblick über das Geleistete zu verschaffen und es entsprechend wertzuschätzen.

So geben beispielsweise nach einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) rund 40 Prozent der interaktiv arbeitenden Beschäftigten mit Kundenkontakt im Dienstleistungsbereich an, sehr häufig oder oft ihre Gefühle verbergen zu müssen; unter den nicht interaktiv Arbeitenden trifft das immerhin noch auf jeden fünften Beschäftigten zu. Dabei ist es wichtig, sich in diesem exemplarischen Kontext bewusst zu machen, dass Gefühlsregulation auch Arbeit ist. Ein Übermaß an emotionaler Tarnung strengt an, erschöpft und kann im Dauerzustand krank machen und wesentlich zu einem Burnout beitragen.

Grundsätzlich spielen der Umgang und das Auseinandersetzen mit Ansprüchen und Erwartungen eine ganz entscheidende Rolle. Das Internet, Smartphones und Always-On haben unseren Möglichkeitshorizont stark vergrößert, zum Preis, dass es immer weniger wirkliche Pausen gibt. Das überfordert uns zunehmend. Eine offene Thematisierung dieser Herausforderungen und ein möglicher besserer Umgang damit ist für viele Beschäftigte und Unternehmen ein wichtiger Schritt beim Karrierecoaching.

Veränderungskompetenz, Resilienz und Lösungsfähigkeit beim Karrierecoaching herausarbeiten

Dabei dient Karrierecoaching nicht nur der beruflichen Reflektion und Entwicklung, sondern auch der Stärkung und Herausbildung wichtiger Future Skills wie Veränderungskompetenz, Resilienz und Lösungsfähigkeit und zahlt dabei auch positiv auf die Erreichung der sogenannten Inner Development Goals ein. Diese Ziele, formuliert auf Basis der UN Sustainable Development Goals, beinhalten selbst einen Rahmen für transformative Kompetenzen, die wir auf unserem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft auf individueller Ebene brauchen. Damit wird Karrierecoaching selbst zur zukunftsorientierten Weiterbildungsmaßnahme und unterstützt die Teilnehmenden gerade auch in Bezug auf ihre Selbstwirksamkeit und begleitet so manche Führungskraft auf ihrem Weg zum Coach von morgen.

Boden und Füße und Karten
Mit innovativen Lernmethoden fällt es leichter, die eigenen Bedürfnisse zu finden © Hermann

Weiterbildungen einfordern

Obwohl neun von zehn Beschäftigten die Möglichkeit zur Teilnahme an Weiterbildungen als wichtig für die persönliche Entwicklung erachten und dies ein relevantes Kriterium bei der Wahl des Arbeitsgeber ist, zeigen sich die Unternehmen hier noch zurückhaltend. Im Jahr 2022 lag der bundesweite Anteil der Betriebe, die Weiterbildung förderten, bei nur 42 Prozent. Dabei werden vor allem Beschäftigte weitergebildet, die hochqualifizierte Tätigkeiten ausüben. Obwohl diese im Vergleich die kleinste Beschäftigtengruppe darstellte, lag deren Weiterbildungsquote mit gut 40 Prozent deutlich höher als die Weiterbildungsquoten der übrigen Angestellten.

Mit Blick auf das Coaching als Instrument der individuellen Weiterbildung und -entwicklung liegen die Zahlen hier noch weitaus niedriger. Bisher lassen sich erst knapp vier Prozent der Führungskräfte coachen. Von allen Beschäftigten, die einfache Tätigkeiten ausüben, wurde nur rund jeder Sechste weitergebildet und jeder dritte Beschäftigte mit qualifizierten Tätigkeiten.

Unternehmen binden mit Karrierecoaching ihre Beschäftigten – und stärken die eigene Marke

Die Möglichkeiten für Unternehmen, sich mit entsprechenden Angeboten zukunftsfähiger aufzustellen, ihre Mitarbeitenden ganzheitlicher in ihrer Entwicklung zu begleiten und damit auch mit Karrierecoaching ihr Employer Branding zu stärken, scheinen vor dem Hintergrund dieser Zahlen weitreichend und vor allem vielversprechend. Für die Beschäftigten bietet ein regelmäßiges Coaching zudem die Chance, sich vorausschauend mit dem fortwährenden Wandel ihrer Berufswelt unter anderem im Zuge des technologischen Wandels auseinanderzusetzen.

Dabei funktioniert Karrierecoaching nicht nur im Einzelcoaching, sondern auch in der Gruppe und in betrieblichen Teams. So jüngst zum Beispiel in zwei Bremer Angeboten seitens der LogistikLotsen und Digital-Lotsen, einem Projekt der WFB, für Beschäftigte in der Logistik und Selbstständige in Einzelhandel und Gastronomie.

Wer weitergehendes Interesse an dem Thema Karrierecoaching hat oder Anfang März vielleicht sogar selbst ein eigenes Coaching mit einer Workation auf dem Land im Ein Ding der Möglichkeit verbinden möchte, kann sich für weitere Informationen gern per Mail an hermann@prolog-innovation.com wenden.

Dazu ein paar Stimmen und Erfahrungsberichte der Mitwirkenden:

Welche Lehren ziehst Du aus dem Karrierecoaching?

Hanna Wiedemann, Manager Sea Freight Import, Röhlig Deutschland: „Die Motivation, mich noch reflektierter und differenzierter mit meiner Karriereplanung auseinanderzusetzen. Dabei half mir im Karrierecoaching besonders die Reflexion zum bereits gesammelten Erfahrungsschatz, die aktuelle Verortung und der wirklich offene Austausch in der Gruppe. Unternehmen sollten in der sich ständig verändernden Arbeitswelt ihren Beschäftigten auf jeden Fall mehr Zeit geben, sich mit der eigenen Karriereplanung auseinanderzusetzen.“

Dein Fazit zum Karrierecoaching?

Viktoria Theoharova, Inhaberin, HUDDY: „Viel angeguckt, viel aufgemacht, viel hin und her geschoben. Klarheit mitgenommen und neue Erkenntnisse. Einfach ein toller Workshop-Tag!“

Warum hilft gerade das von Euch jüngst angebotene Gruppen-Coaching bei beruflichen Entwicklungs- und Veränderungsprozessen?

Caroline Lehnigk, Projektleiterin Digitallotsen, WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH: Das Besondere an diesem Gruppen-Coaching ist, dass Unternehmer:innen in einem vertrauensvollen Raum zusammenkommen, die aus der Metaebene gesehen, mit ganz ähnlichen Schwierigkeiten und Herausforderung kämpfen, dann beim näheren Kennenlernen doch ganz individuell sind. Schnell wird klar, dass besonders in der Selbstständigkeit keine trennscharfe Linie zwischen Beruf und Privates gezogen werden kann. Beide Bereiche beeinflussen sich in ihrer Entwicklung, positiv wie negativ.

Alle Antworten stecken bereits in uns, manchmal braucht es nur einen anderen Blickwinkel, um sie selbst zu erkennen. Durch die professionelle Anleitung und die Anwendung der bunten Palette kreativer Werkzeuge von Sven und Luise führen dazu, dass die Coachees selbst ihre Ressourcen erkennen, eigenständig Antworten auf ihre Fragen finden, Lösungen entwickeln und diese in Meilensteine gießen.

Wie gilt es heute grundsätzlich die Mitarbeitenden im Zuge des kontinuierlichen Wandels zu unterstützen?

Luise Loeper, People & Culture, ZERO360:; „Es gilt einen kontinuierlichen Abgleich zwischen den Zielen und sich verändernden Anforderungen der Organisation mit denen der einzelnen Mitarbeiter zu ermöglichen. Hierbei braucht es Klarheit seitens der Organisation darüber, wo die Reise hin geht und was dafür benötigt wird, als auch Klarheit über die Entwicklungsziele eines/einer jeden Einzelnen. Die Mitarbeitenden können durch Karrierecoaching (im Einzel- oder Gruppencoaching) dabei unterstützt werden, diese Klarheit für sich zu gewinnen, um gemeinsam die Möglichkeiten einer nachhaltigen Zusammenarbeit in zeitlichen Abständen zu reflektieren und ggf. neu auszuloten.“

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