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20.6.2017 - Jann Raveling

Wandelbare Wände und farbenfrohe Fassaden – Graffitis von LuckyWalls

Kreativwirtschaft
Graffiti und Airbrush in Bremen von Künstlern

Die Künstler und ihr Werk: Auf 36 Metern erstreckt sich das Graffiti
Die Künstler und ihr Werk: Auf 36 Metern erstreckt sich das Graffiti © Luckywalls

Ein warmer Maimorgen auf dem Gelände des Bremer Sportvereins TuS Huchting. 20 Jugendliche arbeiten konzentriert an der Rückwand der Sporthalle. Die geschüttelten Sprühdosen klackern laut, dazu Hiphop aus der Musikanlage. Auf 36 Metern Länge und 4 Metern Höhe entsteht innerhalb einer Woche ein riesiges Graffiti mit Sportszenen.

Das Projekt ist eine Herzensangelegenheit von Peter Stöcker. Der 32-Jährige Gründer der Agentur LuckyWalls ist sehr zufrieden mit der Arbeit der Jugendlichen. Seit zwei Monaten tüftelt er bereits mit ihnen zusammen an dem Motiv. Denn bevor das Graffiti innerhalb einer Maiwoche an die Wand gelangt, gab es einen langen Entwurfsprozess, in dem Ideen und Motive gefunden, ausgearbeitet, verworfen und wieder neu ausgedacht wurden.

Die Jugendlichen stammen von der Wilhelm Wagenfeld Schule in Huchting, sind Mitglieder des Kurses „Entwerfen“. Außerdem dabei: Teilnehmer einer Flüchtlingsklasse der Schule. Stöcker bringt ihnen bei, wie man einen kreativen Entwurfsprozess durchführt und ein solches Projekt von der ersten Idee bis zum letzten Finish umsetzt. „Die Jugendlichen sind hier ganz natürlich bei der Sache, sie entwickeln ein Gemeinschaftsgefühl und arbeiten zusammen. Wir haben hier eine gute Zeit!“, so Stöcker. Zweimal im Jahr engagiert er sich mit seiner Agentur LuckyWalls in sozialen Projekten. „Für das gute Karma und eine gute Zeit“, schmunzelt er. Ihm macht diese Arbeit Spaß – und das merken auch die Jugendlichen.

Genauso begeistert ist auch Oliver Seyer. Der Pädagoge an der Wilhelm Wagenfeld Schule und Mit-Initiator des Projekts freut sich über das Engagement der Jugendlichen, „allein schon die sprachliche Entwicklung der Flüchtlinge während des Projekts ist gewaltig und allen macht es sichtlich einen Riesenspaß. Ein gelungenes Integrationsprojekt.“ Das Projekt wird vom Amt für Soziale Dienste und dem TuS Huchting gefördert.

Peter Stöcker und einer der jugendlichen Teilnehmer, Shawn Kück, arbeiten gemeinsam an der Außenfassade am TuS Huchting
Peter Stöcker und einer der jugendlichen Teilnehmer, Shawn Kück, arbeiten gemeinsam an der Außenfassade am TuS Huchting © WFB/Ravelng

Fassadengestaltung von LuckyWalls in groß und klein

Wenn Peter Stöcker gerade nicht mit Jugendlichen arbeitet, gestaltet der kreative Kopf mit seiner Firma LuckyWalls bis zu 30 Fassadenkunstprojekte im Jahr. Die sind mal klein und mal ganz groß – von der Innenwand eines Büros bis zum mehrstöckigen Hochhaus mit über 1.000 Quadratmetern Fassadenfläche. Zusammen mit seinen Mitarbeitern führt er ein Team aus bis zu zehn Personen inklusive Freiberuflern, die bei Großprojekten tage- oder wochenlang an einem Motiv arbeiten. „Mein Büro ist dann das Baugerüst“, erzählt Stöcker schmunzelnd. Ihn treibt die Leidenschaft und seine Kreativität an. Gerade im Sommer, wenn das Wetter gut ist, ist er permanent unterwegs. Im Winter ist dann Zeit für Akquise und die Weiterentwicklung der Agentur – auch wenn Wachstum nicht sein primäres Ziel ist. „Ich möchte mit Spaß und Leidenschaft bei der Sache sein – bei jedem Projekt.“

Von der Farbe zum Licht

Wie das aber so oft der Fall ist, wenn man Dinge gut macht – man bleibt nicht ungesehen. Aus dem Wunsch, die eigenen Projekte auch filmisch zu dokumentieren, hat sich in den vergangenen Jahren für LuckyWalls das Standbein „Imagefilme und Kampagnen“ entwickelt. Außerdem sind zu den gesprühten Farben auch die illuminierten hinzugekommen: Stöcker und sein Team entwerfen Lichtinstallationen mit selbst gebauten LED-Leuchtpaneelen. So wie zuletzt in Kattenturm in der Theodor-Billroth-Straße 48. Und weil das noch nicht genug ist, versehen sie auch Motorradhelme oder Karosserieteile mit farbenfrohen Motiven. „Ich arbeite sieben Tage die Woche“, sagt Stöcker – und man glaubt es ihm sofort.

Unternehmen profitieren von LuckyWalls

Neben Privatpersonen gehören viele Unternehmen und öffentliche Einrichtungen zu seinen Kunden. Diese Fragen aus ganz unterschiedlichen Gründen an: um eine Werbebotschaft auf ihrer Außenfassade zu platzieren und so für ein schöneres Betriebsgelände zu sorgen, um in gemeinsamen Workshops mit den Mitarbeitern Teambuildings zu organisieren oder um in Kooperationsprojekten mit Schulen soziales Engagement zu zeigen. Die bremischen Wohnungsbauunternehmen BREBAU und Gewoba haben bereits mehrere Projekte unterstützt und mit den Fassadenkünstlern zusammen umgesetzt. Auch zur Graffitiprävention tragen die Kunstwerke von Luckywalls bei: Von einer Wand mit einem gut gemachten Graffiti lassen andere Sprayer die Finger – eine Art Ehrenkodex unter Graffitikünstlern.

Netzwerk zu Kreativen Graffiti- und Airbrushkünstlern in aller Welt

Stöcker ist gut vernetzt, auch international. So halfen beim TuS Huchting Sprayer aus aller Welt und auch bei anderen Projekten sind immer wieder Kollegen aus anderen Ländern dabei. In Bremen engagiert sich der umtriebige 32-Jährige ebenfalls fleißig: So sponserte er das Bremer Startup-Weekend, in dem er seine Agenturräume für das Event bereitstellte. Auch die erste C-Jugend des ATS-Buntentor fand in Stöcker einen Unterstützer. Die motivierten Kicker konnten in gesponsorten Luckywalls-Trikots die aktuelle Saison mit dem ersten Tabellenplatz für sich entscheiden.

Man darf gespannt sein, was da noch alles kommt. Klar ist: Einen bleibenden Eindruck hat LuckyWalls schon jetzt in Bremen hinterlassen.


Weitere Informationen zur Kreativwirtschaft und zu Unternehmensgründungen von Kreativen gibt es bei Kai Stührenberg, Tel.: 0421 9600 325, kai.stuehrenberg@wfb-bremen.de


Was Kreative in Bremen sonst noch so machen, erfahren Sie auf der Übersichtsseite Kreativwirtschaft.

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