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21.3.2017 - Jann Raveling

Digitalisierung im Mittelstand – ein Praxisbeispiel der Hansa Meyer Global

Digitalisierung / Industrie 4.0
Logistikunternehmen setzt auf eigene Mitarbeiter und Wissenstransfer

Schwertransporte sind Alltag für die Hansa Meyer Global - die Digitalisierung soll sie effizienter machen
Schwertransporte sind Alltag für die Hansa Meyer Global - die Digitalisierung soll sie effizienter machen © HMG

Der Bremer Logistiker Hansa Meyer Global (HMG) hat eine Digitalisierungsstrategie eingeführt. Sie basiert auf Open Innovation. Damit schafft die HMG es, mit geringen Ressourcen Entwicklungen im eigenen Unternehmen anzuregen und voranzubringen. Die Herangehensweise des Unternehmens ist ein Musterbeispiel für den Mittelstand.

Silos, Kranteile, Transformatoren – was die Hansa Meyer Global transportiert, ist meistens groß, schwer und einzigartig. Projektlogistik nennt sich das, jeder Frachtauftrag ist ein Unikat. Ein Geschäft, indem die Digitalisierung große Effizienzgewinne verspricht (siehe auch unser Artikel „Das Logistik-Monitoring LOMO überwacht Projekte weltweit live“). Aber wie mit der Digitalisierung anfangen? Cloud, Big Data, 3D-Druck – die Möglichkeiten scheinen unendlich. Vor dieser Herausforderung stand auch die Hansa Meyer Global. Ein Jahr nach der Entscheidung der Geschäftsführung für einen verstärkten Einsatz digitaler Technologien hat sie dafür einen organisatorischen Entwicklungsrahmen implementiert: das „HMG Digital Haus“. Dieses beruht auf vier Formaten:

Das Hansa Meyer Global Digital-Haus: Strategie für die Digitalisierung
Das Hansa Meyer Global Digital-Haus: Strategie für die Digitalisierung © HMG

  • Digitale Leuchttürme: Hier geht es darum, neue Technologien und digitale Arbeitsweisen im Unternehmen bekannt zu machen und mit Kunden sowie externen Partnern weiter zu entwickeln. Testprojekte, Experimente, Prototypen oder auch Besuche von Mitarbeitern auf Messen oder Fachveranstaltungen wie dem VIA BREMEN Fachforum Projektlogistik, dienen dem Know-how Aufbau. Mitarbeiter fungieren so als Multiplikatoren für die Verbreitung von neuem Wissen in der Organisation.
  • Coaching/Coding: ein internes Coachingprogramm bietet die Basis für einen nachhaltigen Aufbau digitaler Kompetenzen im Unternehmen.
  • IT-Forum: Ein innerbetriebliches Forum gibt Mitarbeitern Gelegenheit, sich eine Stimme zu verschaffen, Fragen und Anregungen zu stellen. Zweck ist es, jeden abzuholen und zu integrieren.
  • Nachwuchs/Studierendenprojekte: Über Kooperationen mit Hochschulen oder durch Werkstudenten gelangt neues Wissen über neue Technologien und soziale Innovationen in das Unternehmen. Gleichzeitig dienen diese Projekte dem Recruiting.

Der Blick von Außen

An dem Bau dieses „Digital Hauses“ ist Sven Hermann maßgeblich beteiligt. Er ist Leiter des Bremer Think Tanks ProLog Innovation. Der Innovationsberater hat viele der Innovationsprozesse bei der HMG initiiert. Er versteht sich als Mediator, Koordinator, Gestalter und Entwickler. Als externer Berater hat er einen Außenblick auf das Unternehmen, der gerade bei der Einführung neuer Prozesse hilfreich ist. „Ein Angestellter steht immer zwischen den Abteilungen, was eine Herausforderung sein kann. Für Unternehmen ist es daher hilfreich, jemanden externes hinzuzuholen.“ Seine Methoden lehnt Hermann dabei an Start-ups an. „Was wir von Start-ups lernen können? Begeistert, schnell und mit aller Kraft eine Idee umzusetzen. Was wir von Innovationsmethoden lernen können? Insbesondere kundenzentriertes und multiperspektivisches Denken sowie die Entwicklung von Prototypen zu nutzen. Eine erfolgreiche digitale Transformation braucht Anfassbar- und Erlebbarkeit, gerade in der mittelständisch-geprägten Logistikbranche“, meint Sven Hermann.

Tapetenwechsel: Workshop mit Mitarbeitern im BRENNEREI Digilab 4.0
Tapetenwechsel: Workshop mit Mitarbeitern im BRENNEREI Digilab 4.0 © HMG

Die Strategie ist: Stellt die Kultur in den Mittelpunkt! Ein Unternehmen, das sich mit der Digitalisierung beschäftigen möchte, sollte sich nicht zu lange mit einer Strategie auseinandersetzen, sondern diese möglichst schnell in ein lebendiges Bild umwandeln. „Digitale Transformation heißt auch ständiger Wandel. Lange im Voraus und bis ins Kleinstes projektierte Vorhaben sind nicht agil genug“, sagt Hermann. Auch das „Digital Haus“ habe sich erst nach einer Weile herauskristallisiert.

Viel wichtiger sei es hingegen, eine Kultur zu schaffen und zu fördern, die Innovationen und eine Strategieentwicklung im Prozess ermöglicht. Das ist etwa durch agile Projektentwicklung, Prototyping und Vernetzung zu erreichen – also schnell erste greifbare Ideen realisieren und auf eine langwierige Projektkonzeption verzichten. Es geht hier ganz zentral um die Förderung von Lösungsorientierung und Veränderungsbereitschaft als Voraussetzung für einen erfolgreichen digitalen Transformationsprozess.“

Mehr Raum für Ideen / Voneinander lernen

Dieser Prozess läuft jedoch nicht von alleine ab. Ein Unternehmen muss seinen Mitarbeitern einen Rahmen dafür schaffen. Dabei hilft ein Tapetenwechsel. „Wir waren mit einigen Angestellten im DIGILAB Brennerei 4.0 in der Alten Schnapsfabrik. In den charmanten Räumlichkeiten haben wir einen Kreativ-Workshop veranstaltet und neue Methoden gelehrt. Gleichzeitig konnten wir ihnen auch den Raum geben, miteinander zu diskutieren“, so Hermann. Andere Angestellte partizipierten an einer Lehrveranstaltung an der Jacobs University und brachten neue Erkenntnisse zurück. Ein Studententeam untersuchte die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen für die Projektlogistik – und gab diese Informationen dann an die Beschäftigten weiter.

Open Innovation als Ziel

Diese Innovationskultur macht vor den Unternehmenstüren keinen Halt. Sven Hermann strebt bei der HMG „Open Innovation“ an. Das heißt, dass bei der HMG neben den eigenen Mitarbeitern auch Kunden, Hochschulen und Unternehmen Teil der Digitalisierung sind. So wurde vor kurzen im Rahmen eines Open Innovation Workshops in Mönchengladbach gemeinsam mit Kunden und Wissenschaftlern an aktuellen Digitalisierungsherausforderungen gearbeitet.

Das dient gleich mehreren Zwecken: Wir sprechen über unsere Innovationskultur, suchen Anknüpfungspunkte und erhalten Zugang zu wissenschaftlichem Know-how. Mit der Zeit baut sich das Unternehmen so ein eigenes Digitalisierungs-Netzwerk auf“, verrät Hermann.

Ohne den Einzelnen geht nichts

Im Zentrum der Digitalisierung steht immer der Beschäftigte. „Personal ist ein zentraler Treiber der digitalen Transformation im Unternehmen. Veränderungsbereitschaft, der Umgang mit Komplexität - agile Entwicklung gelingt nur miteinander, setzt allerdings eine umfassende Unterstützung und Einbeziehung der Mitarbeiter und Nachwuchskräfte voraus“, sagt etwa auch Claudia Barkhoff, Head of Human Resources bei Hansa Meyer Global. Digitalisierung gelingt nur, wenn man die Mitarbeiter einbezieht – denn von ihnen kommen die Impulse, die zu neuen Produkten und Serviceansätzen führen.

Auf einen Punkt gebracht, fußt die Digitalisierung bei der Hansa Meyer Global auf folgenden Grundlagen:

  • Angestellte mitnehmen und einbinden
  • Orte schaffen und besuchen, die zu kreativem Arbeiten anregen und neue Methoden vermitteln
  • Formate schaffen, die Austausch und Diskussion ermöglichen
  • Tests, Miniprojekte und Experimente anregen, um schnell erste Prototypen zu erhalten
  • Schnittpunkte zwischen Abteilungen, aber auch zu Kunden und Universitäten finden
  • Das Unternehmen für externe Kooperationspartner und Studierende öffnen

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