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12.4.2016 - Jann Raveling

Digitalisierte Hafenlogistik: So wissen Logistiker, wo sich ein Container befindet

Digitalisierung / Industrie 4.0
Projekt SMART SC für die maritime Wirtschaft
Digitalisierung in der Containerlogistik will das Projekt SMART SC erreichen
Digitalisierung in der Containerlogistik will das Projekt SMART SC erreichen © BLG

Vor knapp 50 Jahren erreichte der erste Container deutschen Boden. Am 6. Mai 1966 warf die „Fairland“ der damaligen Sea-Land-Reederei den Anker im Bremer Überseehafen aus. Zehn Jahre zuvor hatte der US-Amerikaner und Container-Pionier Malcolm McLean die ersten Frachter in Containerschiffe umgebaut und damit den maritimen Gütertransport revolutioniert. Schnell zogen europäische und japanische Reeder nach und schufen gemeinsame ISO-Normen für Container. Mittlerweile ist die Containerschifffahrt ein fester Bestandteil der maritimen Wirtschaft, mehr als 350 Millionen Container werden pro Jahr transportiert.

In den 50 Jahren hat sich in der Logistik viel verändert. Allerdings gibt es noch Handlungsbedarf bei der Kommunikation zwischen den Akteuren der gesamten maritimen Wertschöpfungskette. Denn während der Containerverkehr weltweit standardisiert ist, ist es die Logistik-Kommunikation noch nicht. Zwar gibt es zwischen einzelnen Unternehmen Kommunikationswege, aber eine einheitliche, digitale Plattform zwischen Reedern, Terminal-Betreibern, Spediteuren und Fuhrunternehmen existiert noch nicht. Und so entstehen regelmäßig Wartezeiten oder auch LKW-Staus am Terminal, ohne, dass diese abgefertigt werden können. Zeiten, die Geld kosten. Die aber vermieden werden könnten. Das Verbundprojekt SMART SC hat deshalb einen unternehmensübergreifenden eBusiness-Standard entwickelt. Die zentrale Idee: Jeder weiß jederzeit, wo sich Container und Ladung befinden und kann entsprechend planen.

Das folgende Video zeigt die Anwendung von SMART SC in der Praxis:

SMART SC - eBusiness-Standardisierung in der maritimen Supply Chain

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Webbasiert und mobil

Auf die webbasierte Plattform kann sowohl vom PC als auch per Smartphone oder Tablet zugegriffen werden – der Fahrer kann jederzeit aktuelle Informationen abrufen und so im Ernstfall schnell umdisponieren. Die Spedition kennt die Positionsdaten des LKWs und weiß, wann der Container den Kunden erreicht oder ob es zu Verzögerungen kommt.

Modularer Aufbau

Herzstück des Projekts ist der SMART SC-Mediator, die Softwareplattform hinter dem Projekt. Sie stellt den Austausch der Daten von allen Quellen sicher. Der Mediator managt alle Aufträge, alle Positionsdaten und Statusmeldungen und gibt sie an die Endgeräte aus. Zudem ist das Modul Schnittstelle zur unternehmenseigenen, digitalen Verwaltungssoftware – ob SAP oder ein anderes ERP-System ist vorrangig egal, denn das Projekt ist schnittstellenoffen angelegt. Zwei weitere Module sind bisher in SMART SC fest integriert: Das Supply Chain Event Management-Modul gleicht die Soll- mit den Ist-Daten ab und bewertet die Differenz mit Hilfe eines Ampelsystems – Rot heißt „Achtung! Hier kann ein Transportvorgang nicht wie geplant ausgeführt werden. Daher muss reagiert und nachgelagerte Akteure in der Transportkette informiert werden“ und Grün „Alles läuft so, wie es soll“. Als letztes Modul ist ein Parkplatzmanagementsystem integriert, dass z.B. LKW-Fahrern am Terminal automatisch einen Parkplatz zuweisen kann.

SMART SC besteht aus verschiedenen Komponenten
SMART SC besteht aus verschiedenen Komponenten © ISL

Industrie 4.0 ist Logistik 4.0

„SMART SC bietet eine ganze Reihe von Vorteilen: Es erhöht die Transparenz der maritimen Logistikkette, gerade in der Hafenwirtschaft. Es steigert die Effizienz – Wartezeiten werden minimiert und die Planungssicherheit erhöht“, erläutert Dr. Thomas Landwehr, Projektleiter beim Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) die Vorzüge des Projekts. Die digitalisierte Logistikkette sei zudem ein Baustein von Industrie 4.0, denn „Industrie 4.0 benötigt eine Logistik 4.0“. Das Projekt adressiert eine der wichtigsten Herausforderungen der Digitalisierung: Datenintegrität. Ob mobil im LKW oder vor Ort, ob als Spediteur oder Terminalbetreiber, von überall kann auf dieselben Daten zugegriffen werden. Zudem lassen sich bestehende Programme in SMART SC integrieren – es gibt keine Insellösungen, die nur mit einem Hersteller oder Programm funktionieren.

Ein Projekt für KMUs

SMART SC soll vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sowie beteiligten Behörden die Kommunikation untereinander vereinheitlichen und vereinfachen und die Effizienz steigern. SMART SC ist ein gemeinsames Forschungsprojekt verschiedener Kooperationspartner der maritimen Wertschöpfungskette. Hierzu gehören, neben dem Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik, die aio IT for Logistics GmbH, die best-blue consulting with energy GmbH, die dbh Logistics IT AG sowie die JadeWeserPort Logistics Zone GmbH & Co. KG. Das Projekt hatte eine Laufzeit von drei Jahren, vom April 2012 bis zum März 2015. Mit dem erfolgreichen Projektabschluss – der Entwicklung eines funktionsfähigen Demonstrators – ging SMART SC in die nächste Phase: Bis zum November 2015 wurde eine DIN-Spec (PAS) aus dem Projekt heraus entwickelt, die bei der Durchsetzung gemeinsamer Standards in der digitalen Kommunikation zwischen den Akteuren der Logistik-Kette helfen soll.



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