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31.1.2020 - Jann Raveling

Perfekte Liaison von Informatik und Internationalität

Digitalisierung / Industrie 4.0

Cloudunternehmerin Sadia Shakil hat 2010 die Axtrion GmbH & Co. KG in Bremen gegründet

Bild von Sadia Shakil
Sadia Shakil hat sich auf digitale Beratung und innovative Cloud-Lösungen fokussiert. © WFB / Frank Pusch

Sadia Shakil wurde 1975 in Karachi/Pakistan geboren. Sie wurde von ihren Eltern liberal erzogen, durfte neugierig sein und Dinge ausprobieren. Das hat sie geprägt. Als erste weibliche Schülerin bekam sie vom Goethe-Institut in Karachi ein Stipendium für einen Deutschlandaufenthalt, so hat sie Deutschland kennengelernt. Später studierte sie Informatik und gründete 2010 zusammen mit ihrem Mann eines der ersten Cloudcomputing-Unternehmen in Deutschland – als viele noch gar nicht wussten, was eine Cloud überhaupt ist.

„Ich habe immer gerne und viel gelesen, wollte meinen Horizont erweitern und viel reisen“, sagt sie. „Die Bildungssprache in meiner Schule war Englisch. Als ich weitere Fremdsprachen lernen wollte, habe ich am Goethe Institut in Karachi einen sechsmonatigen Intensivkurs Deutsch belegt.“ Für den besten Absolventen gab es ein Stipendium für einen Deutschlandaufenthalt. Sie war die erste Frau, die den Kurs als Jahresbeste abschloss und das Stipendium bekam.

„Somit wurde mein Traum fürs Reisen wahr. Als das Goethe-Institut mich anrief und über das Stipendium informierte, habe ich sofort ‚Ja‘ gesagt.“ So kam Sadia Shakil 1995 erstmals nach Deutschland und landete in Bremen. Warum ausgerechnet Bremen? „Die Bibliothekarin am Goethe Institut in Karachi kam aus Bremen, ich kannte sie gut und sie hat mir Bremen empfohlen. So hatte ich bereits einen Bezug zur Stadt und habe mich hier von Anfang an wohl gefühlt. In den Bürgerpark und die Weser habe ich mich sofort verliebt. Am Goethe Institut waren wir Schüler aus verschiedensten Nationen von Dänemark bis Nepal – diese vielen internationalen Kontakte haben mir viel Spaß gemacht.“

Nach drei Monaten ging es zurück nach Karachi, aber für sie war klar, dass sie in Deutschland weiter studieren wollte. Neben ihrem Informatik-Studium hat sie das Angebot vom Goethe-Institut Karachi angenommen, ein Deutschlehrer-Ausbildungsdiplom zu machen. Im Zuge dieses Diploms war sie oft in Pune, Indien. 1998 ging sie nach München und machte dort ihren Diplomabschluss mit sehr guten Noten. „Über das Goethe Institut hatte ich nicht nur die Kontakte, sondern auch den kulturellen Background. Den hätte ich sonst nie bekommen. Ende der 90er Jahre war es politisch eine spannende Zeit in Deutschland mit dem Wechsel von Kohl zu Schröder.“ Nach ihrem Diplomabschluss ging sie erst zurück nach Karachi. „Da wurde mir klar, dass ich keine Deutschlehrerin am Goethe-Institut werden wollte. Ich wollte in Deutschland weiter studieren.“

Bild von Sadia Shakil
Sadia Shakil hat ihren Master of Science in Applied Computing an der Universität Lüneburg gemacht. © WFB/Frank Pusch

Von Lüneburg über Berlin nach Bremen

Die Universität Lüneburg war zu der Zeit einer der wenigen Standorte mit einem Internationalen Masterstudiengang Informatik. In dem Studiengang war sie eine von drei Frauen – die anderen zwei kamen aus China. Nach ihrem Abschluss ging sie nach Berlin und hat dort als Softwareentwicklerin in der eCommerce-Branche gearbeitet. „Wir waren ein junges Team, das war eine tolle Zeit“, erinnert sie sich. Bis zum Börsenkrach 2001. „Danach habe ich mich umorientiert. Und zum Glück kam ich zurück nach Bremen und habe hier in der Luft- und Raumfahrtbranche einen Arbeitsplatz gefunden.“

CeBeNetwork war ein Spin-off aus EADS (heute Airbus Group), damals einer der größten Anbieter von Ingenieursdienstleistungen für die europäische Luft- und Raumfahrt. „Airbus hat sich weiter entwickelt und wir sind mitgewachsen. In dem internationalem Umfeld konnte ich meine kulturellen Erfahrungen effizient einbringen.“ 2005 hat sie die Verantwortung für global verteilte Projekte übernommen.

Bei CeBeNetwork hat Sadia Shakil auch ihren Mann Arne Schulz kennen gelernt. Allerdings fühlten sich beide in dem stetig wachsenden Unternehmen auf Dauer nicht wohl. „Wir sind eher die Macher und wollen Projekte effektiv umsetzen. Nach der Übernahme von CeBeNetwork durch den süddeutschen Konzern Voith mussten wir uns zu viel mit internen Prozesse beschäftigen. Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Daher haben wir uns 2010 selbstständig gemacht und Axtrion gegründet.“

Bild von Sadia Shakil
Die Cloudunternehmerin braucht nur ihren Laptop, ihr Handy und eine stabile Internetverbindung. © WFB/Frank Pusch

Mit Cloud-Lösungen den deutschen Kunden weit voraus

„Wir wollten weg vom Konzern und zurück zu den KMU, wo der Handschlag noch zählt“, sagt Sadia Shakil, heute geschäftsführende Gesellschafterin von Axtrion. Das Unternehmen bietet digitale Beratung und innovative IT-Lösungen zur Optimierung von Geschäftsprozessen an. Schwerpunkt der Dienstleistungen betrifft die Themen Cloud Computing bzw. Industrie 4.0 mit dem Ziel der digitalen Transformation.

Heute ist das zumindest so, denn der Anfang war etwas holprig: „Wir kannten Cloud-Lösungen, hatten damit bereits gearbeitet und haben uns von Anfang an darauf fokussiert. Aber 2010 waren unsere Kunden in Deutschland noch nicht so weit. Sie haben unsere Lösungen noch nicht verstanden und auch die Technik war noch nicht so ausgereift wie heute.“ Amazon Web Service, Open-Xchange, Google Apps for Work: „Wir haben zunächst alles gemacht, was es im Bereich agiles Arbeiten gab, und dabei immer Cloud-Lösungen im Blick gehabt.“

2014 ging es dann richtig los, als die ausgereifte Microsoft Cloud auf den Markt kam. Seit 2016 ist Axtrion ein Microsoft Gold-Partner für Cloudlösungen. „Wir gehen in die Unternehmen und schauen uns die Prozesse an. Die Einführung der Cloud ist eine strategische Entscheidung, die direkten Einfluss auf die Firmenkultur hat. Daher arbeiten wir weniger mit den IT-Abteilungen, sondern immer mit der Geschäftsführung und den Inhabern zusammen, damit möglichst schnell Entscheidungen getroffen und Lösungen umgesetzt werden können“, sagt Sadia Shakil. „Durch unsere Erfahrung und unsere Herangehensweise verstehen wir die Kunden manchmal besser als ihre eigenen Mitarbeiter.“

Ein Ziel von Axtrion ist es, dass die Kunden standortunabhängig besser zusammen arbeiten und dabei sicher auf ihre Daten zugreifen können. „Unser Ziel ist die ganzheitliche Verbesserung der Geschäftsprozesse. Die Cloud-Lösungen sind da, wir optimieren sie für unsere Kunden und standardisieren dabei ihre Prozesse.“

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Sadia Shakil setzt sich für Frauen in MINT-Berufen ein. © WFB / Frank Pusch

Gelebte Flexibilität bei Axtrion

Axtrion hat seinen Sitz auf dem Bremer Teerhof und zehn Mitarbeiter, für dieses Jahr sind weitere Einstellungen geplant. Das Unternehmen lebt das Cloud-Prinzip vor: Die Mitarbeiter sind flexibel, arbeiten oft direkt beim Kunden oder im Homeoffice. „Physikalisch sehen wir uns nicht jeden Tag, aber trotzdem sehen und sprechen wir täglich online miteinander“, sagt Sadia Shakil. Es gibt keine Arbeitszeiterfassung. „Wir definieren Projekte und Ziele, die erfüllt werden müssen.“

Sadia Shakil liegt nicht nur der Ausbau von innovativen Informationstechnologien am Herzen, sondern auch das Thema Frauen in der Wirtschaft und insbesondere in MINT-Berufen. Sie ist unter anderem im Bundesvorstand des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) und Botschafterin der bundesweiten Initiative ‚MINT-Zukunft schaffen‘.


Unsere Reihe "Bremer Frauen in der IT":

In unserer Reihe sind bisher erschienen:


Informationen zum Digitalisierungsstandort Bremen sowie Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten finden Sie hier.

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Inis Ehrlich

Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa

Referentin für Digitalisierung und KI

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