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19.7.2022 - Jann Raveling

14 Unternehmen aus dem 3D-Druck in Bremen

3D-Druck

Beispiele für Betriebe aus der additiven Fertigung in der Industrie

Mann mit 3D-Druck
Bremen ist ein Hotspot der 3D-Technologie © Materialise

3D-Drucker sind längst in der Industrie angekommen. Große Konzerne wie Airbus, aber auch kleine Manufakturen setzen auf die additive Fertigung. Eine Branchen-Übersicht mit Unternehmen aus der Hansestadt.

Bauteile aus dem 3D-Drucker ermöglichen es Unternehmen, schnell Prototypen zu bauen oder Objekte herzustellen, die sich mit anderen Herstellungsverfahren nicht realisieren lassen. Diese Werkstücke lassen sich hochgradig individualisieren (im Gegensatz zur Serienfertigung), oder sparen Kosten und Rohmaterial im Produktionsprozess.

Kein Wunder also, dass Unternehmen mit der noch relativ jungen Technologie experimentieren oder sie bereits im Alltag einsetzen. Bremen ist einer der europäischen Hotspots für den 3D-Druck. Hier sitzen Unternehmen und Forschungsinstitute, welche die Technologie entscheidend weiterentwickeln. Aber auch Firmen, die im Alltag ganz selbstverständlich mit dem 3D-Drucker arbeiten. Das enge Netzwerk und die kurzen Wege in Bremen helfen ihnen dabei, denn schnell bilden sich Verbünde aus Forschung und Industrie. Die Anwenderinnen und Anwender kennen und unterstützen sich gegenseitig und treffen sich regelmäßig im Branchennetzwerk Additive Manufacturing Nordwest.

Um sie zu fördern und mehr Aufmerksamkeit für sie zu schaffen, hat das Land Bremen den BRE3D-Award ausgelobt, der 2022 zum zweiten Mal im Forschungs- und Technologiezentrum ECOMAT vergeben wurde

3D-Druck-Unternehmen aus Bremen:

AMSIS - Ploshikhin
Dr. Vasily Ploshikhin ist Gründer des Bremer Start-ups AMSIS, das sich auf Software für die additive Fertigung konzentriert © BAB/Raveling
  1. Materialise GmbH 

    Die deutsche Tochtergesellschaft des belgischen 3D-Druck-Giganten betreibt in Bremen ein Technologiezentrum für den Metall-3D-Druck. Hier werden einerseits auf 30 Maschinen Bauteile für die Industrie in unterschiedlichen Metalllegierungen hergestellt, andererseits forschen die Ingenieurinnen und Ingenieure des Unternehmens an der Weiterentwicklung von Hardware und Software. Der Standort beschäftigt 120 Angestellte.

  2. AMSIS GmbH

    Das junge Unternehmen hat sich ganz auf 3D-Druck-Software konzentriert. Hervorgegangen aus der Universität Bremen, untersucht es im Technologiepark Bremen Mittel und Wege, den Metall-3D-Druck zu verbessern und die Grenzen der Technologie auszureizen. Die eigene GENESIS-Software erlaubt es zum Beispiel, Überhänge mit niedrigeren Winkeln als 45 Grad ohne Stützstrukturen zu drucken, was Kosten und Material spart.

  3. WeserCAD GmbH

    Computer Aided Design, kurz CAD, ist seit Jahrzehnten das Standardinstrument in der Konstruktion von Bauteilen oder ganzen Maschinen. Die Bremer WeserCAD GmbH ist eine Dienstleisterin für die Industrie im Bereich Maschinenbau und Architektur. Seit kurzem bietet sie mit dem „Fast replicate Service“ einen 3D-Druck-Service an, bei dem sie beschädigte oder nicht verfügbare Ersatzteile von Maschinen einscannt, digital nachbaut und dann ausdruckt. Das ermöglicht den schnellen Ersatz und verringert Standzeiten.

  4. 3DHB

    Im Bereich des Kunststoffdrucks bietet 3DHB Auftragsfertigungen, 3D-Scans, aber auch die Konstruktion und Entwicklung von Modellen. Die Services richten sich sowohl an Unternehmen als auch an Privatleute, die für ihr Hobby drucken oder sich Ersatzteile konstruieren wollen. Verschiedene Druckverfahren ermöglichen dabei Auflösungen zwischen 0,05 und 0,25 Millimetern.

  5. BEGO Bremer Goldschlägerei Wilh. Herbst GmbH & Co. KG

    Eines der führenden Unternehmen im Bereich der Zahn-Implantate ist die Bremer BEGO. Das Unternehmen fertigt unter anderem 3D-Druck-Systeme, die in Zahntechniklabore überall auf der Welt eingesetzt werden, um Kronen, Brücken oder andere medizinische Artikel zu produzieren. 2022 gewann BEGO den BRE3D-Award in der Kategorie „Einsatz neuer Werkstoffe/Prozesse“ für die Entwicklung von Photopolymeren für die Zahnmedizin – also Kunststoffen, die unter Lichtbestrahlung aushärten. Sie sind der Rohstoff, aus denen 3D-Drucker dann die Kronen drucken können.

  6. 3D Systems

    Aus dem us-amerikanischen South Carolina kommt 3D Systems, eines der führenden Unternehmen im Bereich des industriellen 3D-Drucks. Nach Bremen gelangte das Unternehmen 2021, als es das damalige Bremer Start-up Additive Works übernahm. Das Bremer Team beschäftigt sich auch weiterhin mit der simulationsbasierten Optimierung und Automatisierung von 3D-Druck-Prozessen. Integriert wurden sie dabei in die Tochtergesellschaft Oqton, unter der 3D Systems seine Softwareentwicklung zusammenfasst. 

Podcast Go Global
Podcast Go Global! zum 3D-Druck

Wo steht der 3D-Druck heute? Wie entwickelt sich die Industrie und wie profitieren andere Branchen vom 3D-Druck? Darüber sprechen Marcus Joppe von Materialise und Christoph Weiss von BEGO in der Folge 10 unseres Podcasts "Go Global!"

Folge 3D-Druck anhören

Unternehmen, die in der Praxis auf 3D-Druck setzen:

Ein Flugzeug-Bauteil aus dem 3D-Drucker.
Die Luftfahrtbranche kann von leichten und stabilen 3D-Druck-Bauteilen profitieren. © WFB
  1. Airbus-Gruppe

    Flugzeuge profitieren von der additiven Fertigung im besonderen Maße: Denn leichtere Bauteile sind eines der Hauptziele in der heutigen Flugzeugentwicklung. In Bremen forscht der Airbus-Konzern in vielen verschiedenen Sparten und Abteilungen an der 3D-Technologie. So konnte im Bereich des Kraftstoffsystems bei einem Bauteil das Gewicht um 35 Prozent reduziert werden, im Bereich der Auftriebssysteme sogar um 55 Prozent. Und auch in der Ausbildung kommt dem 3D-Druck eine Rolle zu: Azubis lernen in Bremen, mit der neuen Technologie umzugehen.

  2. Gestra AG

    Ob in der chemischen Industrie, Energieindustrie oder Fertigung – in vielen Industriebereichen wird Prozessdampf benötigt. Der Bremer Maschinenbauer Gestra entwickelt und fertigt Ventile, Regler und verschiedene Geräte und Armaturen für Rohrleitungen wie auch ganze Dampferzeugungssysteme. Den Metall-3D-Druck setzt das Unternehmen für spezielle Bauteile mit geringen Stückzahlen ein, bei denen durch den neuen Fertigungsprozess Gewicht und Kosten eingespart werden können.

  3. BSB Bremer Software- und Beratungs GmbH

    Schuhe, die für jeden Fuß individuell im 3D-Druck angefertigt werden – das ist ein Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit dem BIBA - Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH. Dabei arbeitet der IT-Dienstleister BSB daran, eine digitale Softwareplattform beizusteuern, die dank künstlicher Intelligenz die digitalen Schuhmodelle möglichst optimal an die jeweiligen Kundinnen und Kunden anpasst. Damit erweitert das Bremer Softwareunternehmen sein Know-how im Bereich des 3D-Drucks und der künstlichen Intelligenz.

  4. cellumation GmbH

    Die Logistik auf den Kopf stellen möchte cellumation. Das Unternehmen baut auf Rollen basierte Fördersysteme für die Logistik. Sie können Waren dynamisch in alle Richtungen bewegen, anstatt wie herkömmliche Förderbänder nur in eine Richtung. Für die Herstellung dieser Fördersysteme konstruierte das Unternehmen im 3D-Druckverfahren eine Spritzdüse, um Klebstoff passgenau auf ein Bauteil auftragen zu können. Auch im Unternehmensalltag kommt der 3D-Drucker immer wieder zum Einsatz – zum Beispiel, um Webcamhalter zu bauen, die passgenau auf Bildschirme passen.

  5. ArianeGroup GmbH

    In der Raumfahrt zählt jedes Gramm – daher eignet sich hier die additive Fertigung besonders, um leichte Bauteile herzustellen, die sich mit anderen Fertigungsarten nicht erzeugen lassen. Auch der Raketenbauer ArianeGroup nutzt in Bremen den Metall-3D-Druck, um Bauelemente zu verschlanken. Ein erster 3D-gedrucktes Bauteil flog bereits 2020 erfolgreich mit einer Ariane-5-Rakete ins All und konnte dabei 40 Prozent Gewicht gegenüber dem Vorgängerbauelement einsparen.

  6. Präwest Präzisionswerkstätten Dr.-Ing. Heinz-Rudolf Jung GmbH & Co. KG

    Turbinenschaufeln, Zylinderköpfe, Satellitentanks, Flügelteile – vor allem in der Luftfahrt, aber auch im Automobilbau ist Präwest aus Bremen zu Hause. Das Unternehmen fertigt Präzisionsbauteile bis ins Großformat – 15 Tonnen schwere Bauteile können die Bremer bearbeiten. Neben CNC-Fräsen, die hier standardmäßig zur Anwendung kommen, verfügt das Unternehmen auch über einen 3D-Drucker. Zudem engagiert es sich in Forschungsprojekten, welche die additive Fertigung im Flugzeugbau vorantreiben.

  7. OptoPrecision-Gruppe

    Drei Unternehmen vereinen sich unter der Bremer Maschinenbau-Gruppe und befassen sich vor allem mit dem Präzisionsbau. Sie konstruieren Kameras, die in heißen und staubigen Umgebungen funktionieren, mechanische und Ultraschall-Messtechnologien oder bieten hochpräzise Dienstleistungen in der Feinwerktechnik. Der 3D-Druck mit großvolumigen Maschinen ergänzt das Portfolio dort, wo herkömmliche Bearbeitungsverfahren scheitern. 

  8. OHB SE

    Auch der Bremer Raumfahrtkonzern OHB nutzt den 3D-Druck. So erhielt die Tochter OHB Systems den Auftrag der European Space Agency, einen Drucker zu bauen, der im Weltraum funktioniert. Er könnte künftig an Bord der Raumstation ISS oder in Mondkolonien eingesetzt werden, um vor Ort Ersatzteile herzustellen. Aber auch im Bereich des Satellitenbaus entwickelt das Unternehmen 3D-Lösungen, um – ähnlich wie bei der ArianeGroup – leichtere und gleichzeitig stabilere Strukturen zu bauen.  

Gemeinschaftsstand Formnext

Auf der führenden Messe zum Thema Additive Fertigung, der formnext, beteiligt sich Bremen im November 2022 mit einem Gemeinschaftsstand. Unternehmen, die am Gemeinschaftsstand teilnehmen wollen, können sich zudem bei nadine.reitz@wfb-bremen.de melden.

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