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17.9.2019 - Jann Raveling

Nachgezählt – die Bremer Logistik in Zahlen

Maritime Wirtschaft und Logistik
Statistik der Logistikwirtschaft und Häfen 2019
Immer was los in den Bremer Logistik - wie hier beim Containerumschlag
Immer was los in den Bremer Logistik - wie hier beim Containerumschlag © WFB/Ginter

Die Häfen und Logistikunternehmen in Bremen und Bremerhaven sind auch 2019 das Schwergewicht der Wirtschaft im Bundesland. Ein Blick in die Statistik.

Schiff rein, Schiff raus, Lkw rein, Lkw raus – tagein, tagaus. Betriebsam wie im Bienenstock geht es jeden Tag und jede Nacht in den Bremer Häfen und Logistikzentren zu. Wir haben einmal zusammengetragen, welche Waren jeden Tag umgeschlagen werden und wohin ihre Reise geht. Alle Zahlen gelten für das Jahr 2018.

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen und bremenports, sofern nicht anders angegeben.

Logistik Statistik
© WFB/Raveling

Die Import-/Exportstatistik Bremen

Zunächst der Überblick: Rund 40 Milliarden Euro an Waren werden jedes Jahr über Bremen und Bremerhaven im- und exportiert, nahezu gleichwertig im Verhältnis.

Im Export machen Pkw und Wohnmobile mit 9,8 Milliarden Euro den Großteil aus, danach folgen Luftfahrzeuge, Eisenerzeugnisse und Kaffee. Insgesamt verzeichnet die Exportstatistik Warenwerte von 20 Milliarden Euro. Sie haben einen Anteil von über 60 Prozent an der Bremer Wirtschaftsleistung – kein anderes Bundesland in Deutschland ist derart exportstark. Das zeigt, dass Bremen seinem Ruf als hanseatische Handelsmetropole auch heute noch nachkommt.

Bei den Importen führen Kraftfahrzeuge mit 3,1 Milliarden Euro an Warenwerten, danach folgen Luftfahrzeuge, Fahrzeugteile, Kaffee, Mineralöle und Fischerzeugnisse. Interessantes Detail: Mehr als 70 Prozent des importierten Kaffees wird direkt wieder exportiert. Bremen ist damit ein bedeutender internationaler Kaffeeumschlagplatz. In Bremen haben bedeutende Röstereien ihren Sitz, welche die importieren Bohnen vor dem Weiterversand veredeln. Bremen gilt auch als heimliche Kaffeehauptstadt Deutschlands.

Unser bedeutendster Handelspartner ist übrigens Frankreich, Unternehmen exportieren dorthin Waren im Wert von jährlich 2,7 Milliarden Euro. An zweiter Stelle stehen die USA, danach folgen China und das Vereinigte Königreich.

Logistik Statistik
© WFB/Raveling

Schifffahrts- und Hafenstatistik

Wer Logistik sagt, muss auch Hafen sagen. Das Bundesland verfügt nicht nur über einen Hafen – die Stadt Bremen besitzt fünf Häfen, Bremerhaven hat zwei weitere. In ihnen legen im Jahr 6.734 Seeschiffe an, weitere 8.301 ankommende und abgehende Binnenschiff-Bewegungen zählt die Statistik. Zusammengezählt ergibt sich ein Umschlag von 74 Millionen Tonnen an Gütern. Von ihnen kommen 56 Millionen Tonnen in Containern an bzw. gehen ab.

Ebenso wichtig wie das Containergeschäft ist der Automobilumschlag – Bremerhaven verfügt über den wohl größten Parkplatz Europas. Jedes Jahr werden hier 2,2 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen.

Weitere 8,5 Millionen Tonnen an Massengut kommen jährlich vor allem in den Stadtbremer Häfen an – das können Getreide, Kies oder Kohle für Kraftwerke und die Stahlproduktion von ArcelorMittal sein.

Ein Container kommt selten allein

5,5 Millionen TEU (Maßeinheit für ein Standard-Container-Äquivalent) werden in Bremerhaven und Bremen jedes Jahr umgeschlagen, das reicht für Platz Nummer 4 in Europa. Würde man alle Container übereinander stapeln, bräuchte man einen 13.200 Kilometer hohen Kran, um den letzten Container oben auf zu setzen.

Mehr als die Hälfte dieser Container werden im sogenannten Transshipment umgesetzt. Dabei dient Bremerhaven als ein Hub, Container werden von den großen Übersee-Schiffen entladen und auf kleinere Schiffe umgeladen, welche sie dann zu weiteren Häfen in Europa bringen.

Der Rest (2,57 Millionen TEU) gelangt über das Hinterland in die Bundesrepublik und nach Europa. Hinterlandanbindung heißt dabei dreierlei: Straße, Schiene und Binnenschiff. Hier spielen die fünf Bremer Logistikzentren allen voran des Güterverkehrszentrum Bremen (GVZ) eine besondere Rolle, denn in ihnen werden Container be-, ent- und verladen, auf neue Routen geschickt und gemanagt. Ein Beispiel dafür ist Roland Umschlag im Güterverkehrszentrum Bremen, das Unternehmen bringt Container oder gleich ganze LKW auf die Schiene.

Logistik Statistik
© WFB/Raveling

Unternehmen und Flächen

All diese Leistungen sind nur dank der 1.300 Unternehmen der maritime Wirtschaft und Logistik möglich – und der rund 40.000 Beschäftigten. Zählt man alle von diesen Wirtschaftsbranchen abhängigen Beschäftigten hinzu, ist sogar jeder Dritte Arbeitsplatz Bremens Teil der Hafen- und Logistik! Viele nationale und internationale Logistiker sitzen mit Hauptsitz oder Niederlassungen in Bremen, etwa die BLG Gruppe oder Kühne + Nagel.

Insgesamt 18.000 Lastkraftwagen sind in Bremen zugelassen, darunter 3.300 Zugmaschinen für Sattelzüge, die Waren innerhalb der Stadt, aber vor allem auch zu Destinationen im In- und Ausland transportieren. Allein die Sattelzüge würden aneinandergereiht rund 50 Kilometer Länge erreichen – von Bremen bis nach Oldenburg. Und über die Schiene gelangen im Land Bremen jährlich rund zehn Millionen Tonnen an Gütern nach Bremen, fünf Millionen Tonnen werden von Bremen aus auf den Weg gesandt.

Welche Bedeutung die Logistik für Bremen hat, zeigt auch ein Blick auf die Hallenflächen der Stadt. Bremen verfügt über 2,8 Millionen Quadratmeter Fläche an Logistikimmobilien, das sind 50 Prozent aller Fläche Nordwestdeutschlands.

GVZ Güterverkehrszentrum Bremen

Das Güterverkehrszentrum Bremen allein misst 1,5 Millionen Quadratmeter und verfügt damit über beinahe ebenso viele Logistikfläche wie ganz Düsseldorf. Es steht in Deutschland unangefochten an der Tabellenspitze. Seit 2020 steht es auch in Europa auf Platz 1 der Güterverkehrszentren. Ein geographischer Vorteil für hier ansässige Unternehmen ist unter anderem die ideale Lage zu den Seehäfen innerhalb des Nordens. Derzeit nutzen rund 150 Unternehmen mit ca. 8.000 Fachkräften das GVZ.

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Iris Geber

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