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14.8.2017 - Berit Böhme

Bei den sieben Schwestern: „Ein kleines Paradies“

Lebensqualität
Birgittenkloster: Eine Oase im Herzen der Großstadt

Das kleine Birgittenkloster in Bremen ist ein Ruhepool inmitten der Großstadt. Die Übernachtungsgäste wissen die Ruhe und die zentrale Lage im Schnoor zu schätzen. Im Herbst feiert das Frauenkloster seinen 15. Geburtstag. Die Ursprünge des Ordens reichen aber mehrere hundert Jahre zurück.

Büste von Birgitta von Schweden. Sie gründete im 14. Jahrhundert den Orden.
Birgitta von Schweden gründete im 14. Jahrhundert den Orden. © Berit Böhme

Türen stehen den ganzen Tag offen

Schüchtern lugt ein Pärchen durch die Pforte. Schwester Giovanna lächelt ihm zu und deutet einladend auf den Innenhof. „Hier ist von morgens bis abends geöffnet“, sagt sie. Giovanna ist eine von sieben Bremer Birgittenschwestern. Ihr Kloster mitsamt Gästehaus und Kapelle liegt nur einen Steinwurf vom Roland und vom Rathaus entfernt im historischen Schnoorviertel.

Starke Ordensgründerin

Die Wurzeln des Birgittenordens liegen in Schweden und gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. „Birgitta war eine starke Frau, sie hat offen und deutlich Dinge angesprochen“, sagt Schwester Giovanna. Auch gegenüber Papst und Königen habe sie kein Blatt vor den Mund genommen. Der von ihr gegründete Erlöserorden verschwand im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation. Im 20. Jahrhundert war der Orden deshalb fast vergessen. Die Schwedin Elisabeth Hesselblad (1870-1957) machte es sich zur Aufgabe ihn wiederzubeleben. 1920 legte Hesselblad, die 2016 heiliggesprochen wurde, den Grundstein für einen neuen, moderneren Ordenszweig. Mittlerweile hat der Birgittenorden weltweit 55 Konvente, das Mutterhaus liegt in Rom.

Stundengebete und Meditation takten den Tag

Das Motto der Nonnen lautet „Amor meus Crucifixus est – Meine Liebe ist der Gekreuzigte.“ Stundengebete und Meditation takten den Tag der Schwestern. Sie leben aber nicht in strenger Klausur, sondern nach der uralten Maxime „Ora et labora – bete und arbeite“. „Je nach Standort haben wir verschiedene Aufgaben“, sagt die 40-jährige Mexikanerin Giovanna. In Indien beispielsweise betreiben die Ordensfrauen Kindergärten und Ausbildungszentren. Im 2002 gegründeten Kloster in Bremen widmen sie sich der Gastfreundschaft. Das Haus hat Einzelzimmer und Doppelzimmer für insgesamt 17 Gäste; von den Einnahmen leben die Schwestern. „Das ist ein schöner Dienst, den wir machen“, schwärmt Giovanna, die von Anfang an in Bremen dabei ist. Das orangefarbene Birgittenkloster war die erste Klostergründung seit der Reformation in der Hansestadt.

Schwester Giovanna ist bereits seit der Gründung des Klosters in Bremen.
Schwester Giovanna ist bereits seit der Gründung des Klosters in Bremen. © Berit Böhme

„Ein kleines Paradies“

Die auch aus Indien, Polen und Italien stammenden Ordensfrauen kümmern sich persönlich um die Gäste – und das macht für viele den Aufenthalt zu etwas Besonderem. Die Nonnen haben keine festen Aufgaben, sondern rotieren im 14-Tage-Rhythmus. Mal arbeiten sie in der Küche, mal richten sie die Zimmer oder haben Sakristeidienst. Konfessionelle Schranken gibt es nicht. „Wir nehmen alle Gäste auf, auch kleinere Gruppen“, sagt Giovanna. „Viele kommen mehrmals. Es gibt sogar Gäste, die ein, zwei Mal im Jahr kommen.“ So wie Erika Krumbholz, die mit ihren drei Freundinnen ein langes Wochenende an der Weser verbringt. „Die Schwestern sind nett. Man kommt in eine Ruhe“, sagt die Düsseldorferin. „Man geht durch dieses Tor, dann ist man von allem Weltlichen ab.“ Natürlich nicht ganz, ergänzt ihre Freundin und lacht: „Wir trinken abends auch unseren Wein. Es ist wie ein kleines, offenes Paradies“, schwärmen die Urlauberinnen.

Eine Weile innehalten

Zwischen dem Ordenseintritt und dem „Ewigen Gelübde“ vergehen Jahre. Giovanna trat mit 18 Jahren ein, nach Mexiko lernte sie Häuser in England, Italien und Polen kennen, heute leitet sie das Bremer Haus. Vielerorts leben die Schwestern zurückgezogener als an der Weser. „In Bremen ist es ein bisschen besonders, mitten in der Stadt“, sagt sie. „Hier ist es offen.“ Auch an diesem sonnigen Nachmittag schlendern Besucher durch den kleinen Klostergarten, plaudern mit einer zufällig vorbeikommenden Schwester oder halten in der Kapelle für eine Weile inne. Sprachbarrieren gibt es kaum. „Wir versuchen immer die Sprache von dort zu lernen, wo wir sind“, sagt Giovanna. „Und alle Schwestern können Italienisch.“ Denn jede Ordensfrau verbringt eine Weile im römischen Mutterhaus.

„Wir machen fast alles zusammen“

Nicht immer verläuft der Alltag reibungslos. „Wir leben in Gemeinschaft, machen fast alles zusammen“, sagt Giovanna. Da müssten sich die Frauen zuweilen zusammenraufen. „Das ist nicht immer so einfach, mit den verschiedenen Charakteren und Mentalitäten. Aber wenn man das richtig aufnimmt, dann ist das ein Reichtum. Von den Mitschwestern kann man viel lernen.“ Schön sei es, die Oster- und Weihnachtstraditionen der unterschiedlichen Nationen kennenzulernen. Rund um die Uhr leben die Frauen übrigens nicht im Kloster, ihnen stehen freie Tage und Heimaturlaub zu. Das schon von der Heiligen Birgitta eingeführte Habit legen sie in ihrer Freizeit aber nicht ab. Der graue Stoff ist je nach Jahreszeit leicht oder wärmend.

Schwester Michelle im Habit der Birgittenschwestern.
Schwester Michelle im Habit der Birgittenschwestern. © Berit Böhme

Bremer Architekt

Charakteristisch für die Birgittenschwestern ist der auffällige Kopfschmuck auf dem schwarzen Schleier – eine mit fünf roten Punkten bedeckte Leinenkrone. Das Weiß der Kopfbedeckung steht für Keuschheit, die Punkte für die „fünf Wunden Christi“. Die Krone fällt auch beim Betreten des Innenhofs ins Auge, in Form eines großen Glasfensters. Das Kloster entstand nach Plänen des Bremer Architekten Ulrich Tilgner. Er sorgte für helle Räume, warme Farben und schöne Ausblicke auf die Altstadt. Am Ende des kleinen, verwinkelten Klostergartens liegt die Kapelle. Der Tag beginnt dort mit dem Morgengebet um 6.15 Uhr und endet mit der Komplet um kurz vor 21 Uhr. Die meist auf deutsch abgehaltenen Andachten stehen Übernachtungsgästen und Besuchern gleichermaßen offen. Auch Erika Krumbholz und ihre Freundinnen nutzen das Angebot. „Jeden Morgen gehen wir in die Messe. Die Schwestern können sehr schön singen.“

Birgitten-Kloster im Bremer Schnoorviertel
Die Türen des Klosters stehen Besuchern von morgens bis abends offen. © Berit Böhme

Stets ein offenes Ohr

Schwester Giovanna fühlt sich wohl an der Weser. „Ich mag es in Bremen, hier kann man schöne Orte finden. Und alles was man braucht, ist in der Nähe.“ Die Bremer seien dem Kloster von Anfang an mit großem Interesse begegnet und hätten stets ein offenes Ohr für die Schwestern. Gleichzeitig schätzt auch sie – wie ihre Gäste – die Lage. „Es ist eine ruhige Ecke hier. Man merkt nicht, dass man in der Stadt ist.“


Die Kapelle ist täglich geöffnet. Das Gästehaus verfügt über sechs Doppel- und fünf Einzelzimmer. Das Kloster ist auch eine Station des „Mönchswegs“. Der Radfernweg startet am Bremer St. Petri Dom und endet auf Fehmarn.

Mehr Infos unter: www.birgitten-kloster.de

Kontakt: Schwester Giovanna, Birgitten-Kloster, Tel.: 0421 168740, E-Mail: info@birgitten-kloster.de


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Foto 1: Birgitta von Schweden gründete im 14. Jahrhundert den Orden. © Berit Böhme

Foto 2: Schwester Giovanna ist bereits seit der Gründung des Klosters in Bremen. © Berit Böhme

Foto 3: Schwester Michelle im Habit der Birgittenschwestern. © Berit Böhme

Foto 4: Die Türen des Klosters stehen Besuchern von morgens bis abends offen. © Berit Böhme


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