Meine Überseestadt, Teil 6: ein Quartier, viele Geschichten
ÜberseestadtMenschen und ihre Geschichten aus der Bremer Überseestadt
Die Überseestadt wird immer vielfältiger. Im sechsten Teil unserer Reihe “Meine Überseestadt” erzählen uns Menschen aus dem Quartier ihre Geschichten. Diesmal geht es um thailändische Wurzeln, Architektenträume und Yoga am Waller Sand.
Die anderen Teile aus "Meine Überseestadt"
Teil 1: Julia Sievers, Esmail Gök und Esther Joas
Teil 2: Timo-Noé Chitula, Watertuun, Natalia und Lars Grochla
Teil 3: Imme Gerke, Peter Stöcker, Selina Schlüsselburg
Teil 4: Heiner Heseler, Claudia Schreiber, Hans Drechsler
Teil 5: Svenja Weber, Maria und Nordbert Kaufhold, Ulrich Möllmann
Jumnean Paisong: Ein Stück Thailand in der Überseestadt
„Aufgewachsen bin ich im Nordosten Thailands. Weil meine Familie sehr arm war, musste ich im Alter von 15 Jahren von der Schule abgehen und mir einen Job suchen. Ich arbeitete sieben Tage die Woche, 18 Stunden am Tag. Meine Familie sah ich in dieser Zeit nur alle drei Monate. Das war richtig hart, aber ich hatte keine andere Möglichkeit.
Ich suchte mir dann nach und nach bessere Jobs, zum Beispiel am Fließband in einer Fleischbällchen-Fabrik. Außerdem machte ich eine Ausbildung zur Masseurin und arbeitete erst im Tourismusbüro und dann in einem Hotel. Dort lernte ich meinen damaligen Mann kennen, mit dem ich 2014 nach Bremen kam.
Auch hier in Deutschland habe ich mich hochgearbeitet: Angefangen habe ich als Aushilfe in einem Massagesalon. Dann bekam ich die Chance, einen eigenen Salon in Bremen-Horn neu aufzubauen und heute betreibe ich sogar einen zweiten Standort: Im Wannapha Salon in der Überseestadt bieten mein Team und ich traditionelle Thaimassagen und moderne Spa-Anwendungen an.
Als ich als junges Mädchen anfing zu arbeiten, schuftete ich rund um die Uhr und bekam dafür keine Wertschätzung. Heute ist das ganz anders. Ich bin mit dem ganzen Herzen dabei und die Arbeit macht mir großen Spaß, weil ich das Gefühl habe, dass die Menschen ihren Stress bei uns fallen lassen und uns vertrauen. Das macht mich sehr glücklich.“
Oliver Platz: Gespannt auf die Entwicklungen im Quartier
„Direkt nach dem Studium an der Universität Hannover gründete ich mit zwei Mitstudenten das Architekturbüro gruppeomp. Das war vor etwa 20 Jahren als die Baubranche in der Krise steckte und es für Architekten eigentlich nichts zu tun gab. Viele Absolventen wechselten in andere Bereiche. Wir drei aber sagten uns: Sei es drum, wir versuchen es trotzdem, wir wollen Architektur machen, Häuser bauen, Architekten sein.
Wir starteten mit einem Mini-Büro in Bremen und einem Standort in Rastede bei Oldenburg und fingen an zu arbeiten. Mit der Zeit wurden wir immer größer, fingen an Wettbewerbe zu gewinnen und eröffneten einen weiteren Standort in Hannover, der mittlerweile unser Standort mit den meisten Mitarbeitern ist. In Bremen zogen wir vom Viertel auf den Stadtwerder. Als uns auch dieses Büro zu klein wurde, machten wir uns vergangenes Jahr auf die Suche nach einem neuen Standort.
Dabei haben wir uns eigentlich sofort in die ehemalige Lkw-Zollabfertigung auf dem alten Zollamtsgelände in der Überseestadt verliebt. Das Gebäude ist großartig saniert, steht unter Denkmalschutz und ist wirklich ein Architektentraum. Im Mai 2022 sind wir hier eingezogen und ich freue mich jeden Tag, dass wir jetzt an einem so spannenden Ort sind. Am Europahafenkopf und der Überseeinsel entsteht gerade ein neues Stück Stadt und ich bin gespannt darauf, wie sich das Quartier weiterentwickelt.“
Julia Kothe: Yoga am Bremer Strand
„Meine Yoga-Ausbildung habe ich in Tulum, in Mexiko gemacht – und mein erstes eigenes Studio Yogalieben habe ich nun auch in der Nähe eines Strands eröffnet: dem Waller Sand.
Die meisten Menschen, die meine Kurse besuchen, kommen aus der Überseestadt. Sie erwartet hier ein helles und gemütliches Studio, das acht Plätze bietet. Überfüllte Kurse gibt es bei mir also nicht. Durch die kleine Gruppengröße entsteht eine schöne Dynamik: Die Nachbarn lernen sich hier kennen und unterhalten sich vor den Klassen. Das Studio ist also auch ein schöner Ort, um sich auszutauschen und neue Leute kennenzulernen.
Mir gefällt an der Arbeit in der Überseestadt besonders, dass sich vieles noch im Aufbau befindet. Gemeinsam mit anderen kann man das Quartier weiterentwickeln und ich freue mich, bei diesem Prozess dabei zu sein. Im Sommer werde ich dann auch wieder Outdoor-Klassen anbieten – zum Beispiel im Überseepark oder am Strandpark Waller Sand.“
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zum Interview„Alle im Quartier machen mit“
In der Überseestadt treffen Menschen unterschiedlichster Colour aufeinander. Der Quartierstreff „jetzt hier“ ist dabei eine wichtige Anlaufstelle, hier trifft und vernetzt sich die Nachbarschaft, organisiert Feste und kreiert neue Formate. „Die Überseestadt ist ein buntes, durchmischtes Viertel“, sagt die Quartiersbeauftragte Svenja Weber. Ob Sprachkurse, Pilates oder Kreatives: Mit der Durchmischung sind neue Angebote dazugekommen, die für viel Leben im Quartier sorgen.
Mehr erfahren auf der Webseite der ÜberseestadtpolisKEYNOTES: Zwischen Rendite und kollektiver Verantwortung entscheidet sich die Innenstadt von morgen
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