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2.3.2020 - Gastbeitrag Sven Hermann/Kira Hess

Mit Improvisationstheater in die Zukunft sehen

Digitalisierung / Industrie 4.0
Neue Bremer New-Work-Formate wagen mehr Zukunft
Das Ensemble 12 Meter Hase beim “Future Work Improvisationstheater” im Tau, in der Bremer Weserburg.
Das Ensemble 12 Meter Hase beim “Future Work Improvisationstheater” im Tau, in der Bremer Weserburg. © ProLog Innovation

Die Zukunft selbst gestalten, sich ein konkretes Bild von ihr machen – in einer sich immer schneller verändernden Welt voller Unsicherheiten ist dies gleichermaßen schwieriger und wichtiger geworden. Was kann dabei helfen?

„Im Sog des Neuen, in einer zunehmend technisierten Welt, fehlt es vielen an einer Vision, wer sie sein wollen. Aber um die Zukunft zu gestalten, brauchen wir ein Bild davon und eine proaktive Haltung dazu. Hier bietet das Improvisationstheater einen reichen Fundus an Unterstützung“, sagt Sven Hermann, Gründer des Beratungsunternehmens ProLog Innovation GmbH. Er experimentiert als Innovationscoach mit ganz unterschiedlichen Techniken in seiner Weiterbildungsarbeit, darunter auch bewegenden und performativen Elementen.

Die Welt von morgen wird komplexer sein als die heutige. In den kommenden Jahren werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mental daher noch mal deutlich stärker gefordert sein, den Überblick zu behalten als heute. Zu diesem Urteil kommt auch das New Work Trendbook von Xing. Laut dieser Studie geht zudem jeder dritte Befragte davon aus, dass es seinen Job in den nächsten 15 Jahren in der jetzigen Form nicht mehr geben wird.

Mutig und kreativ für die Zukunft werden

„Welche neuen Jobs und Rollen werden zukünftig gefragt sein und wie sehen diese aus? Wenn Unternehmen ihre Zukunft aktiv mitgestalten wollen, müssen sie schon jetzt Visionen entwickeln und Ziele entwerfen, auf die sie hinarbeiten können. Zur Entwicklung dieser Fähigkeiten und Antworten nutzen wir gezielt Impro-Techniken. Wir erspielen uns mit den Teilnehmenden Schritt für Schritt die Zukunft ihrer Arbeitswelt“, erläutert Kira Hess, Mitglied in verschiedenen Impro-Ensembles und wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Lehrauftrag im Bereich Performance am Institut für Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft und Kunstpädagogik der Universität Bremen.

Hermann und Hess arbeiten gemeinsam an unterschiedlichen New-Work-Formaten, in denen die Zukunft von Berufen und Tätigkeiten im Fokus steht. New Work ist ein Begriff, der ein neues Verhältnis zwischen Arbeit und Arbeitnehmern beschreibt und im Zuge der Digitalisierung viel diskutiert wird.

Eines dieser Formate ist das „Future Work Improtheater“, dass sie zusammen mit dem Oldenburger Theaterensemble 12 Meter Hase entwickelt haben. In einem ersten Durchlauf in der Bremer Weserburg ging es vor ein paar Wochen darum, mit einer Gruppe Interessenten drei Jobs von Morgen zu entwickeln, Perspektiven für mehr Vereinbarkeit und weniger Arbeitszeit zu schaffen und die Bedeutung von künstlicher Intelligenz mitzudenken.

Nur Mut! In der richtigen Atmosphäre finden die Teilnehmenden Zugang zum Impro-Theater
Nur Mut! In der richtigen Atmosphäre finden die Teilnehmenden Zugang zum Impro-Theater © ProLog Innovation

Denken und Kreativität brauchen Bewegung

Warum eignet sich ein Theaterspiel so gut, um Antworten für die Herausforderungen der Zukunft zu suchen? Weniger sitzen, mehr körperliche Bewegung - unserem Gehirn fällt es leichter aktiv zu sein, wenn es durch Bewegung stimuliert wird.

Dies bestätigt auch Carolin Böttjer, Senior Projektmanagerin für Innovationen & Digitalisierungsprojekte bei der BLG LOGISTICS GROUP und Teilnehmerin des Future Work Improvisationstheaters. „Das erlebbare interaktive Impro-Spiel bietet einen viel anschaulicheren und inspirierenden Ansatz für die Gestaltung unserer Arbeitswelt, als ich das von anderen methodischen New Work Ansätzen kenne.“

New Work Performance auf der Veranstaltung "Neuwerk Premiere" im Theater Bremen 2019.
New Work Performance auf der Veranstaltung "Neuwerk Premiere" im Theater Bremen 2019. © ProLog Innovation

Einstieg spielerisch

Wir haben uns mit Kira Hess und Sven Hermann zu den Vorteilen des Improtheaters näher unterhalten. Sie sind überzeugt, dass sich Impro-Techniken und bewegende Elemente in sehr vielen Weiterbildungsformaten sinnvoll einsetzen lassen und damit noch zu wenig gearbeitet wird.

Kira, was macht das Improtheater als Lern- und Kreativmethode aus?

Hess: Das Improvisationstheater besteht aus unterschiedlichen Techniken, Spielregeln und insbesondere dem Lernen, seinen eigenen Impulsen zu folgen und mit anderen Menschen in Resonanz zu gehen. Improtheater macht nicht nur viel Spaß, sondern es trainiert die Spontanität, Kreativität, den Humor sowie kommunikative Fähigkeiten. Die Selbst- und Fremdwahrnehmung werden geschult und schaffen damit auch eine Auseinandersetzung mit vorhandenen Rollenbildern.

Sven, das klingt geradezu wie ein Weg zu New Work?

Hermann: Auf jeden Fall! Impro-Techniken helfen uns dabei agiler, empathischer und kooperativer zu werden. Uns positiv gegenüber Veränderungen aufzustellen, sie zu antizipieren und flexibel darauf zu reagieren. Auch in Stresssituationen bleiben wir handlungsfähig. Intuitives Arbeiten bedeutet nicht kopflos zu sein. Vielmehr hilft es eine Verknüpfung zu schaffen, welche zu mehr Authentizität und Autonomie im Handeln führt.

Wie baut ihr diese Techniken in eure Weiterbildungsformate ein?

Hermann: Ganz wesentlich geht es uns um mehr Bewegung in Qualifizierungs- und Innovationsprozessen. Das gezielte Einbauen performativer Elemente lockert auf, unterstützt das wichtige Zusammenspiel von Körper und Geist, schult unsere sogenannten Soft Skills und hilft uns, neue Rollen, Szenarien und Zukünfte mit Leben zu füllen. Diese Techniken lassen sich in verschiedenen Bereichen flexibel und individuell einsetzen.

Und Kira, muss ich für diese Techniken schauspielerisches Talent mitbringen?

Hess: Nein, auf keinen Fall. Die Arbeit mit Techniken aus dem Bereich des Improvisationstheaters dient dem Kennenlernen der eigenen Denk- und Handlungsmuster. Gezielte Übungen helfen, diese aufzubrechen, zu reflektieren und damit spielerisch umzugehen. Das Potenzial von Improvisationstheater wird dadurch deutlich, dass die Techniken vielseitig einsetzbar sind und dadurch über das szenische Spiel auf der Bühne hinausgehen.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bestimmt zunächst Berührungsängste mit dem Thema Theaterspielen – wie baut ihr Hemmungen ab?

Hess: Durch gezielte Aufwärmübungen wird eine sichere Atmosphäre geschaffen, die sowohl für die Gruppe als auch die einzelnen zuträglich ist. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen kennen zu lernen und diese äußern zu dürfen. Die Übungen und Techniken sind Angebote, die jede und jeder in seinem oder ihrem Tempo ausprobieren kann. Impro spielen berührt, inspiriert und kitzelt. Alle können ihr Potenzial entdecken. Entscheidend ist dabei die kreative Power des kleinen Wortes „Ja“.

Impro-Techniken für Fach- und Führungskräfte kennenlernen

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Bremen bietet im März ein erstes Kennenlernen und Ausprobieren der Impro-Techniken für Fach- und Führungskräfte an. Der Auftakt der Veranstaltungsreihe im WFBeta, dem Kreativlabor der Wirtschaftsförderung Bremen, richtet sich an die Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft sowie Logistik und maritime Wirtschaft.

Diese „Co-Creation Labs“ finden am 5. und 12. März, sowie am 19. und 26. März statt.
Mehr dazu https://kompetenzzentrum-bremen.digital/veranstaltungen/

Für Unternehmen und Organisation, die sich ihre Zukunft im Team erspielen wollen, bietet ProLog Innovation ein eigenes Format „Future Stage“. Wie gestalten wir die Arbeitswelt in 2030? Wie verändern sich unsere Kunden? Welche Technologien verändern unser Geschäftsmodell? Wie viele unserer Prozesse sind automatisiert und welche Aufgaben erledigen zukünftig Bots und KI für uns? Gemeinsam improvisieren und erspielen sich die Teilnehmenden in der Future Stage die Vision und Zukunft ihrer Arbeit von Morgen. Mehr Infos: https://prolog-innovation.com/blog/future-stage.html

Foto Dr. Yvonne Bauer SWAE Arbeit 4.0

Dr. Yvonne Bauer

Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa

Referentin für Arbeit 4.0 und Fachkräfte

T +49 (0)421 361 33036

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