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6.6.2018 - Artikel aus der April 2018-Ausgabe der Logistics Pilot / Claudia Behrend

Ein exklusiver Club für die globale Logistik

Maritime Wirtschaft und Logistik

Bremer Spedition Alexander Global Logistics gründet eigene Firmenallianz und ist damit global erfolgreich

Große Apparateverladungen wie dieser Wärmetauscher gehören zum regelmäßigen Projektgeschäft von AGL.
Große Apparateverladungen wie dieser Wärmetauscher gehören zum regelmäßigen Projektgeschäft von AGL. © Claudia Behrend, AGL

Weil die Bremer Spedition Alexander Global Logistics in ihrem Geschäftsfeld Projektladung kein geeignetes Bündnis fand, entschloss sie sich, kurzerhand selbst eins zu gründen. Mit globalem Erfolg.

Warum sich Carsten Hellmers für das Projektladungsgeschäft interessiert, kann der gelernte Schifffahrtskaufmann gar nicht so genau erklären. „Für die Logistik und die maritime Wirtschaft habe ich mich schon immer begeistert“, sagt Hellmers, der zunächst für einen Linienagenten arbeitete, anschließend für die Reederei Bruno Bischoff tätig und dann Bremer Niederlassungsleiter für die Spedition Fr. Meyer’s Sohn war. „Als dort ein Generationswechsel anstand, haben fünf ehemalige Kollegen und ich uns mit vier Mitarbeitern selbstständig gemacht und 2006 Alexander Global Logistics (AGL) gegründet“, berichtet der Geschäftsführende Gesellschafter.

Im Fokus steht bei der Spedition die Logistik rund um Zellstoff und Papier, die etwa 50 Prozent des Umsatzes ausmacht. „Hier sind wir vor allem stark in der Supply Chain und kümmern uns außerdem um die weltweite Exportverladung für die Kunden großer Produzenten aus Nord- und Südamerika sowie aus Skandinavien“, so Hellmers. Die Palette der Dienstleistungen reicht dabei vom Wareneingang über die Lagerung bis zum Verschiffen, beispielsweise über Bremen und Bremerhaven. Ebenso gehören dazu die Verzollung, die Umladung und die Organisation des Vor- und Nachlaufs.

Zum Einsatz kommen dabei alle Verkehrsträger, neben dem Seeschiff also die Bahn, der Lkw und das Binnenschiff. Insgesamt wickelt AGL in diesem Segment rund 80.000 TEU pro Jahr im Export und mehr als eine Million Tonnen Forstprodukte im Import ab. Die beiden Geschäftsfelder General Cargo und Luftfracht tragen zusammen zehn Prozent zum Umsatz bei.

Kerngeschäftsfeld Projektladung

Auf das drei Jahre nach der Unternehmensgründung initiierte Projektladungsgeschäft entfallen 40 Prozent des Umsatzes. „Neben namhaften deutschen Industriekunden, darunter etlichen Multinationals, sind wir hier inzwischen sehr viel internationaler aufgestellt als noch vor einigen Jahren“, sagt Hellmers. „AGL macht mittlerweile immer mehr Crosstrade-Geschäfte, bei denen die Transportentscheidungen zwar in Europa getroffen werden, die Güter aber im Rahmen des Global Sourcings der Kunden, beispielsweise von China nach Brasilien oder von den USA nach Panama, transportiert werden.“

Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass AGL inzwischen mit neun eigenen Büros weltweit präsent ist. Im Iran wurden zuletzt zwei Großprojekte für die dortige petrochemische Industrie durchgeführt, gegenwärtig läuft ein weiteres im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien. „AGL gehört damit zu den wenigen Projektlogistikern, die das Iran-Geschäft beherrschen“, betont Hellmers. „Eine weitere Nische haben wir mit Turn-Key-Projekten aufgetan – schlüsselfertigen gebrauchten Industrieanlagen, wofür ebenfalls spezielles Know-how gefragt ist. Hier konnten wir allein im vorigen Jahr sechs umfangreiche Projekte erfolgreich abwickeln.“

Carsten Hellmers (links) ist Geschäftsführender Gesellschafter von AGL, sein Sohn Alexander führt die Project Logistics Alliance.
Carsten Hellmers (links) ist Geschäftsführender Gesellschafter von AGL, sein Sohn Alexander führt die Project Logistics Alliance. © Claudia Behrend, AGL

Gute Partner sind in der internationalen Logistik unverzichtbar

AGL kann als Mittelständler allerdings nicht überall eigene Büros unterhalten. Zudem war das Unternehmen mit seiner damaligen Mitgliedschaft in anderen Netzwerken nicht zufrieden. „Es gab dort immer mehr Unternehmen, die gar keine Projekterfahrung aufweisen konnten“, berichtet Hellmers. Alternativen für das Projektladungsgeschäft fand er allerdings auch nicht. Dann ging es schnell. „Im November 2016 hatten wir die Idee, selbst ein auf Projektladung spezialisiertes Netzwerk nach unseren Vorstellungen ins Leben zu rufen. Im Dezember haben wir dann bereits die Project Logistics Alliance (PL-Alliance) gegründet.“ Das Risiko war mit den Kosten ausschließlich für die IT-Infrastruktur überschaubar, zumal die PL-Alliance unter der Leitung von Hellmers Sohn Alexander separat gemanagt wird.

Strenge Auswahlverfahren

Nach 15 Monaten zählt das Netzwerk derzeit 130 Mitglieder in 90 Ländern. „Wichtiger als schnelles Wachstum ist uns allerdings die Qualität“, betont Alexander Hellmers, der inzwischen von drei Mitarbeitern unterstützt wird. „Im Gegensatz zu anderen Netzwerken muss sich ein potenzielles Member bei uns bewerben. Nur wer die entsprechende Projekterfahrung vorweisen kann, wird aufgenommen.“ So mussten bereits mehr als 80 Firmen abgelehnt werden. Zudem ist die Anzahl der Mitglieder auf zwei pro Land beschränkt. „Das Netzwerk lebt davon, wie engagiert die Mitglieder sind, nicht wie viele es sind“, so der CEO.

Dazu zählen auch mehrmals im Jahr persönliche Treffen wie am 28. und 29. Mai in Bremen. Wichtig ist ihm auch, dass in erster Linie mit der Logistik Geld verdient wird, nicht mit dem Netzwerk. Daher wurde die Mitgliedsgebühr deutlich niedriger als bei anderen Kooperationen angesetzt. „Unsere Mitglieder bekommen dafür Marketing und Mediaaktionen und profitieren von einem exklusiven Partnerprogramm“, erläutert Alexander Hellmers. Natürlich profitiert AGL auch selbst von dem weltweiten Netzwerk. So hat die Spedition kürzlich Kipper nach Sambia transportiert. „Die Abwicklung war nur mit der Allianz möglich“, freut sich Alexander Hellmers.

Herausforderung Personal

Auch wenn die Charterraten und insbesondere der Küstenmotorschiffsmarkt seit Dezember angezogen haben, gibt es in der Spedition weitere Herausforderungen. AGL bekommt, wie viele andere Unternehmen auch, den Fachkräftemangel immer stärker zu spüren. „Selbst Sachbearbeiter müssen wir mittlerweile über Headhunter suchen.“ Auch hier sind gute Ideen gefragt. Die Spedition setzt daher neben drei Auszubildenden pro Jahrgang unter anderem verstärkt auf Werkstudenten. „Da diese nicht voll eingebunden sind, haben sie oft einen guten Blick und erkennen eingefahrene Prozesse“, meint Carsten Hellmers. „Den Status-Quo infrage zu stellen, ist heute wichtiger denn je.“


Dieser Artikel stammt aus der April-Ausgabe des Magazins Logistics Pilot, herausgegeben von bremenports.

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