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27.7.2018 - Diana Bluhm

Fahrräder made in Bremen: Velo Lab produziert auf größerer Fläche

Internationales

Stathis Stasinopoulos verdreifacht seine Werkstattfläche am neuen Standort in Bremen-Nord

Stathis Stasinopoulos und Jap Kellner fahren auf dem Deich
Stathis Stasinopoulos und Jap Kellner freuen sich über den neuen Standort in Bremen-Nord © WFB/Anne Enderle

Sein erstes Fahrrad baute Stathis Stasinopoulos, um in Athen bequemer zur Arbeit und zurück nach Hause zu pendeln. Dass ihn diese Idee in die Selbstständigkeit nach Bremen bringen würde, ahnte er zu dem Zeitpunkt nicht. Wir haben ihn in seiner neuen Werkstatt im Bremer Norden besucht.

1.100 Kilometer: Das ist die Strecke, die Stasinopoulos in Athen pro Monat zurücklegte, um zwischen Wohnung und Arbeit zu pendeln. Ungefähr 25 Kilometer pro Wegstrecke mit dem Fahrrad und der Metro. Alles andere als einfach in Athen: Denn was für uns Bremer selbstverständlich ist, fehlte ihm an der Akropolis: gut ausgebaute Radwege. „In Griechenland fahren nur ein Prozent der Menschen mit dem Fahrrad. Entsprechend wenige Radwege gibt es“, erzählt der 41-Jährige. Weder das Rennrad, noch das Mountainbike eigneten sich für die Fahrten mit der Metro und durch die Stadt. Also entwickelte der Ingenieur sein eigenes Klapprad: das FP, kurz für Folding Project.

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Von Athen zog Stasinopoulos 2017 nach Bremen und gründete die Velo Lab GmbH © WFB/Anne Enderle

Von Athen in den Bremer Norden

Stasinopoulos war sich sicher, auch andere Menschen würden das FP in den Metropolen nützlich finden. Auf verschiedenen europäischen Fahrrad- und Outdoor-Messen präsentierte er das Klapprad und baute sein Netzwerk aus. Er begann verschiedene Modelle, wie das Lastenrad „Kàro“, zu produzieren und innerhalb Europas zu verkaufen. Dann verschlechterte sich die griechische Wirtschaftslage. 2015 sorgte eine Kapitalkontrolle dafür, dass es unmöglich wurde, Geld ins Ausland zu überweisen. Der Ingenieur konnte dadurch unter anderem keine Teile für die Fahrräder mehr importieren und keine Auslandsmessen buchen. Das zwang ihn dazu, sich nach einem neuen Standort umzusehen. Durch einen Fahrradhändler in Münster und einen Freund in Bremen lernte er den Nordwesten Deutschlands näher kennen. „Bremen ist eine hervorragende Stadt für Fahrradliebhaber. Außerdem kann man von hier aus die Märkte und Messen in Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Italien und Großbritannien bedienen“, begründet Stasinopoulos seine Entscheidung, an die Weser auszuwandern.

Gesagt, getan. So zog der Grieche im Juli 2017 mit seiner Frau und den drei Kindern in die Hansestadt. Kolja Umland, Projektleiter für internationale Ansiedlung bei Bremeninvest, der internationalen Marke der Wirtschaftsförderung Bremen, unterstütze ihn beim Gründen des Unternehmens und der Suche nach Räumlichkeiten. Für sein Start-up Velo Lab GmbH fand Stasinopoulos eine Werkstatt im damaligen Sirius Business Park in Bremen-Woltmershausen, der seit Mai 2018 zur Justus Grosse GmbH gehört. Bei den 50 Quadratmetern für Werkstatt, Büro und Lager stieß er schnell an seine Grenzen. „Ich habe einen Metallverarbeiter in Bremen-Burg, der für uns Prototypen hergestellt hat, gefragt, ob er weiß, wo geeignete Räume frei sind“, sagt der gelernte Maschinenbauingenieur. „Zufällig war im Gebäude direkt neben ihm etwas frei.“ Mit 160 Quadratmetern baut Stasinopoulos nun auf einer dreimal so großen Fläche wie bisher seine innovativen Bikes.

Velo Lab: Ein Zwei-Mann-Betrieb

Zwei Leute – das genügt, um sieben verschiedene Fahrradmodelle in Handarbeit herzustellen. Das sehen zumindest Stasinopoulos und sein Kollege Jap Kellner so. Den Tipp, sich bei Stasinopoulos nach einem Job zu erkundigen, bekam Kellner von seiner Schwägerin – die in Griechenland auf die gleiche Schule ging wie Stasinopoulos' Frau. Ein Glücksfall für beide Geschäftspartner. 

Kellner kümmert sich hauptsächlich um den Vertrieb und besucht Fahrradläden, die die Velo-Lab-Bikes verkaufen wollen. „Wir stellen unsere Fahrräder auch auf Messen, wie der DRAUSSEN in Bremen, der EUROBIKE in Friedrichshafen, der VELOHamburg, VELOBerlin oder auch in London und Utrecht, vor“, erzählt Kellner. „So können wir viele Leute auf uns und die Besonderheiten unserer Räder aufmerksam machen.“ Den Kontakt zum Fachhandel baut er gern persönlich auf und besucht Händler in ganz Deutschland, um sie für die Zweiräder zu gewinnen. Zurück in der Werkstatt setzt er sich auch gern an die Nähmaschine und fertigt Gurte für Kinder, die in den Lastenrädern sitzen, oder Regenschutzhüllen an.

Stathis Stasinopoulos und Jap Kellner in der Werkstatt
Stathis Stasinopoulos und Jap Kellner sind das Zwei-Mann-Team hinter Velo Lab © WFB/Anne Enderle

Ingenieur Stasinopoulos entwickelt neue Räder

Die Fahrräder von Velo Lab haben eines gemeinsam: Sie sind leicht. Denn die Rahmen sind aus Aluminium. Das bezieht Stasinopoulos über einen Großhandel in Bremen aus Griechenland. Das Zuschneiden, Lackieren und Schweißen macht der Ingenieur selbst. Zwei weitere Eigenschaften sind ihm bei seinen Bikes wichtig: der Fahrspaß und das Fahrgefühl. Besonders beim Lastenrad „Kàro“ macht sich das bemerkbar. „Durch die Lenkung mit Kabelzügen, kann das Vorderrad wie bei einem normalen Rad fast uneingeschränkt rotiert werden“, erklärt Stasinopoulos. „Und das Lastenrad fährt sich auch auf langen Strecken angenehm.“ Das Zubehör, wie Kisten und eine Bank für Kinder, fertigen die beiden auch an. Das Holz dafür kommt von Weltholz in Bremen.

Velo Lab Fahrräder
Ob Rennrad, Lastenrad oder Klapprad – Stasinopoulos hat viele Modelle entwickelt © WFB/Anne Enderle

Die Räder können Interessierte beim Händler Sønstebys in Peterswerder probefahren und kaufen. Der After-Sales-Service ist für Stasinopoulos und Kellner selbstverständlich. Nach vorheriger Anmeldung ist es auch möglich, die Werkstatt in Bremen-Burg zu besuchen.

Ein Kàro-Lastenrad dient zurzeit als Ausstellungsstück im Universum Science Museum in Bremen. Hier findet seit Ende Juni 2018 ein Jahr lang die Sonderausstellung „BIKE IT“ statt. Von Klein bis Groß können Besucherinnen und Besucher die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Zweiräder erfahren und selbst erleben.


Ihre Ansprechperson für internationale Ansiedlungen in Bremen ist Kolja Umland, Projektleiter Ansiedlung International, kolja.umland@wfb-bremen.de, Tel. +49 (0)421 9600 339.


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