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15.7.2016 - Jann Raveling

Cybersecurity ist unbequem, aber unverzichtbar

Digitalisierung / Industrie 4.0
Im Gespräch mit Stefan Menge vom Bremer Security Forum

IT-Sicherheit bedeutet Schutz der eigenen Daten und Sicherheit vor Attacken
IT-Sicherheit bedeutet Schutz der eigenen Daten und Sicherheit vor Attacken © WFB/Stockphoto

Ein spektakulärer Fall ging 2015 durch das Netz: Eine kanadische Keksfabrik war Opfer einer Cyberattacke geworden. Das Unternehmen hatte die Gefahr unterschätzt. Die Ingenieure waren sich sicher, dass selbst im Falle eines erfolgreichen Angriffs kaum Schaden entstehen könne – eine gestoppte Produktion könne neu angefahren werden. Doch dann trat der Ernstfall ein. Hacker drangen ins System und brachten die SPS-Maschinensteuerung durcheinander. Folge: Die Produktion stoppte, Keksteig blieb in den Rohren und Maschinen stecken, wurde hart und konnte nicht mehr entfernt werden. Resultat: Die Rohre mussten ausgetauscht werden, der Schaden war nicht mehr abzuwenden.

Kein seltener Fall: In Deutschland wurde Ende 2014 ein Stahlwerk durch einen Cyberangriff stark beschädigt, Hochöfen konnten nicht mehr geregelt heruntergefahren werden. Angreifer gelangten über das Büronetz in das Unternehmen und konnten sich bis zur Produktionssteuerung vorarbeiten, wo sie Schaltungen manipulierten.


Einfallswege durch vernetzte Komponenten

Durch die zunehmende Digitalisierung wird es immer einfacher, von außen bis in das Herz eines produzierenden Unternehmens vorzudringen. „In der klassischen Automatisierungstechnik sind die einzelnen Ebenen der Produktionssteuerung, die Maschinensteuerung, das Produktionsleitsystem, ERP-Planungssysteme sowie die Büro-IT voneinander getrennt. Mit der Vernetzung durch Industrie 4.0-Prozesse lässt sich nun von überallher – auch vom Smartphone – auf das gesamte Produktionssystem bis zu den Sensoren zugreifen“, verdeutlicht Stefan Menge vom Freien Institut für IT-Sicherheit in Bremen das Problem. Das verspricht einerseits höhere Effizienz und größtmögliche Verfügbarkeit – öffnet aber auch neue Wege für Angreifer.

Stefan Menge
Stefan Menge © IFIT/Menge

Faktor Mensch einbeziehen

So auch für das Stahlwerk: Angreifer gelangten über klassische Phishing-Methoden in das Unternehmen – gefälschte E-Mails. Ein Klick genügte, um Zutritt zu gewähren. „Ist der Angreifer einmal im System, schützt keine Firewall mehr. Versierte Hacker können sich von einer Computersteuerung zur nächsten vorarbeiten und hinterlassen dabei kaum Spuren“, so Menge. Dabei werden Unternehmen ganz gezielt angegriffen, Schadsoftware passgenau geschrieben und Zielpersonen ausfindig gemacht, die besonders angreifbar sind. Social Engineering nennt sich das. Gegen sie hilft keine Firewall: Der liegen gelassene USB-Stick oder der falsche Haustechniker, der Zugang zum Serverraum möchte, sind nur einige Beispiele.


Mittelstand mit Nachholbedarf

Gerade mittelständische Unternehmen sind besonders häufig angreifbar. Denn deren Produktionsanlagen haben lange Lebensdauern, oftmals laufen sie zehn bis fünfzehn Jahre auf demselben Computersystem, das zuletzt hoffnungslos veraltet ist. Werden solche Systeme auch noch im Sinne von Industrie 4.0 fit gemacht - eng mit der restlichen Produktion vernetzt – potenzieren sich die Sicherheitslücken. „Es gibt heute im Netz Suchmaschinen, mit denen sich gezielt online zugängliche SPS-Maschinensteuerungen auffinden lassen“, verdeutlicht Menge die Gefahr. Zusätzlich gibt es kein ausreichendes Bewusstsein für das Gefahrenpotenzial. Experten der Produktions- und Automatisierungstechnik wissen häufig nicht genug über mögliche Einfallswege aus dem Internet, IT-Experten nicht genug über die besonderen Verfügbarkeitsbedürfnisse von Automatisierungsanlagen. Kein Wunder, dass IT-Sicherheit als größte Herausforderung bei der Umsetzung von Industrie 4.0 gesehen wird, so der Cyber Security Report 2015.


Imageverlust droht

Zudem ist das Thema häufig ein Tabu. „Niemand spricht offen darüber, wenn er Opfer einer Cyberattacke wurde“, erzählt Menge, es droht Imageverlust. Nicht zuletzt deshalb hat die Bundesregierung 2015 auch das IT-Sicherheitsgesetz auf den Weg gebracht, das kritische Infrastrukturen, wie Energie- oder Wasserversorger, zur Meldung von Cyberattacken verpflichtet. Aber auch innerhalb eines Unternehmens wird oftmals geschwiegen. „Risiken werden gerne verdrängt, einerseits aus der Mentalität ‚Bisher ist ja noch nichts passiert‘ heraus, andererseits, weil der richtige Zugang zum Thema fehlt“, so Menge.

Zu einer sicheren IT-Infrastruktur gehört der planerische Überblick über alle ausgehenden und eingehenden Verbindungen
Zu einer sicheren IT-Infrastruktur gehört der planerische Überblick über alle ausgehenden und eingehenden Verbindungen © IFIT

Risiken abwägen, sichere Strategie finden

IT-Sicherheit sei deshalb häufig Aktionismus, so der Sicherheitsexperte. Werde eine Lücke bekannt oder liege ein Angriff vor, versuche man zu retten, was noch zu retten ist. Dabei setzt eine gute Sicherheitsstrategie auf den sinnvollen Umgang mit Risiken: Diese müssten im Unternehmen identifiziert, bewertet und entsprechend behandelt werden. Der erste Schritt sollte sein, sich zunächst einen genauen Überblick über alle Komponenten zu machen: Welche IT-Strukturen gibt es wo im Unternehmen? Wer greift auf welche Informationen zu? Gibt es ungesicherte Netzzugänge, alte und nicht mehr genutzte Benutzerkonten? In einem zweiten Schritt kann dann über die richtige Sicherheitslösung nachgedacht werden.


Bremer Security Forum zur Sicherheit von Automatisierungsanlagen

„Eines ist klar“, sagt Menge, „IT-Sicherheit ist immer eine Investition – sowohl finanziell als auch in Ressourcen. Und sie ist häufig nicht komfortabel“. Zwar mag es beispielsweise bequem sein, auch vom privaten Smartphone auf die Produktion zuzugreifen, sicherer ist jedoch die Installation von zwei getrennten Betriebssystemen oder die Verwendung von mehreren Geräten. Diese und weitere Tipps und Hinweise sind auch Thema der BremSec Foren zur IT-Sicherheit, die das Freie Instituts für IT-Sicherheit IFIT in regelmäßigen Abständen veranstaltet. Die Bremer Security Foren sind seit 2004 Kommunikationsplattform für Sicherheitsexperten und –Interessierte in Bremen und laden zum Austausch und zur Weiterbildung. Weitere Infos zum IFIT und zu den kommen Foren auf: http://ifitev.de/

Mehr Infos zur Cybersecurity in unserem Guide: Zwölf Schritte auf dem Weg zu mehr IT-Sicherheit

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14.12.2016
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Start-ups
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Digitalisierung / Industrie 4.0
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Digitalisierung / Industrie 4.0
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Digitalisierung / Industrie 4.0
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Digitalisierung/Industrie 4.0
27.09.2016
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23.08.2016
Dieses 3D-Metalldruck-Werk stellt in Bremen Titan- und Aluminiumbauteile her

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Bewerbende und Unternehmen treffen sich heute online. Um im Wettbewerb um Fachkräfte aufzufallen, müssen sich Unternehmen einiges einfallen lassen. Und ihr eigenes Profil schärfen – so Personalexperte Robindro Ullah im Interview.

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02.08.2016
Mit diesen 12 Tipps schützen Sie Ihr Unternehmen und Ihre Daten vor Cyberangriffen!

Unternehmen schützen ihre Daten und IT-Systeme selten ausreichend vor Cyberattacken. Viele Manager wiegen sich in falscher Sicherheit. Es fehlt häufig eine gute Strategie. Mit diesen 12 Tipps sagen wir Ihnen, wie Sie Ihre IT- und Automatisierungstechnik sichern!

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Die SWMS Systemtechnik Ingenieurgesellschaft mbH verbindet Ingenieurskunst mit Informatik-Know-how und macht so Unternehmen fit für Industrie 4.0. Seit Anfang 2016 bringen die Oldenburger ihr Wissen mit einem neuen Büro auch am Industriestandort Bremen ein und verraten, wie aus Ideen neue Produktionsabläufe werden.

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Infografik: Mit dem Leitfaden Industrie 4.0 Digitalisierungsprojekte starten

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Erfolgsgeschichten
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Digitalisierung / Industrie 4.0
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Digitalisierung und Arbeit 4.0 – zwei Seiten einer Medaille

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Digitalisierung / Industrie 4.0
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Zum Flugzeugbau gehört viel Handarbeit. Trotzdem - oder gerade deshalb - arbeitet Airbus an der Digitalisierung, hier heißt es „Future Factory“. Und forscht an neuen Fertigungstechnologien wie dem 3-D-Druck. Keine Minute zu früh, so der Standortleiter von Airbus in Bremen, Dr. André Walter, im Interview.

Digitalisierung / Industrie 4.0
31.05.2016
Vom Händler zum Hersteller – mit Förderung und Beratung zu Industrie 4.0

Der Laborgroßhändler OMNILAB hat den Schritt zum Hersteller gewagt und revolutioniert mit einem Wasserdampfdestillierer den Laborgerätemarkt. Bei der Entwicklung wurde das Unternehmen mit Fördermitteln und Know-how der WFB unterstützt – ein Paradebeispiel dafür, wie Unternehmen von Förderprogrammen profitieren können.

Digitalisierung / Industrie 4.0
24.05.2016
Hand in Hand - so arbeiten Roboter und Menschen künftig zusammen

Robotern kommt in der industriellen Zukunft eine Schlüsselrolle zu: Neben der zunehmenden Automatisierung auch in Zusammenarbeit mit dem Menschen, um ihm schwierige und gesundheitsgefährdende Handgriffe abzunehmen. Am Robotics Innovation Center in Bremen haben Dr. Sebastian Bartsch und seine Kollegen den helfenden Gesellen in Form von Robotern neu erfunden.

Digitalisierung / Industrie 4.0
17.05.2016
Schlank, individuell, intelligent – das sind die Traummaße der Fabrik der Zukunft

Mit der Digitalisierung wandelt sich auch das Erscheinungsbild der Fabriken. Wer heute die digitale Produktion von morgen plant, muss den Materialfluss optimieren und die Komplexität verringern. Wie das geht, das verraten Dr. Jörn Fischer und Bernd Kidler von der GPS Planfabrik.

Digitalisierung / Industrie 4.0
10.05.2016
Wie ein Bremer Unternehmen Industrie 4.0 ins Reich der Mitte bringt

Die Bremer Technologieberater SALT AND PEPPER helfen einem Automobilzulieferer aus der nordchinesischen Region Jilin bei der digitalen Revolution. Und zeigen so, dass Industrie 4.0-Projekte auch mit kleinem Budget erfolgreich sein können.