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11.9.2017 - Janet Binder

Ritt auf dem Besen

Lebensqualität
Nur Fliegen ist schöner: Mit dem Besen über den Rasen

Quidditch wird in Deutschland immer populärer. Vor allem Studierende entdecken die skurrile Sportart für sich, die auf den Harry-Potter-Romanen basiert. In Bremen findet Anfang November ein wichtiges Turnier für die besten deutschen Teams statt. Es geht um die Auswahl für den European Quidditch Cup.

Vor eineinhalb Jahren Portkeys Bremen hat Jonas Becker mitgegründet, heute ist er der Trainer des Quidditch-Teams.
Vor eineinhalb Jahren Portkeys Bremen hat Jonas Becker mitgegründet, heute ist er der Trainer des Quidditch-Teams. © WFB/Jörg Sarbach

Oval abgestecktes Spielfeld

Wer zufällig auf das Training der Portkeys Bremen auf dem Stadtwerder stößt, muss unwillkürlich schmunzeln. Die sieben Spieler pro Mannschaft laufen mit einem Plastikstab zwischen den Beinen auf dem oval abgesteckten Spielfeld. Manchmal fällt der Stab runter, dann muss der Spieler zur Strafe zu einem der eigenen drei Tor-Ringe. Erst dann darf er oder sie wieder mitspielen.

Bundesweit gibt es 800 Spieler in 40 Teams

Was der Zuschauer auf dem Rasen des ATS Buntentor sieht, ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten: Quidditch – bekannt aus den Harry-Potter-Romanen der britischen Autorin Joanne K. Rowling. Bundesweit sind 800 weibliche und männliche Spieler in 40 Mannschaften registriert. „Anfang 2016 lagen wir noch bei 15 Teams“, sagt Juliane Schillinger vom Deutschen Quidditchbund, der 2015 gegründet wurde. Europaweit gibt es bis zu 300 Mannschaften, ebenfalls mit steigender Tendenz. Am 4. und 5. November treffen sich die 16 besten deutschen Teams in Bremen. Sie kämpfen um die Teilnahme am nächsten European Quidditch Cup (EQC).

Besen ohne Borsten

In der Zauberwelt von Harry Potter spielen die Hogwarts-Schüler Quidditch in der Luft, auf einem fliegenden Besen. In der realen Welt muss zwangsläufig auf zwei Beinen gerannt werden. Auf den Besen wird dennoch nicht verzichtet –aus Sicherheitsgründen ist er aber ohne Borsten. „Zugegeben, von außen betrachtet, sieht das mit dem Besen affig aus“, sagt Trainer Jonas Becker. „Aber er hat eine spielerische Bedeutung.“ Denn wenn der Stab nicht wäre, würden die Spieler den Quaffel genannten Ball, mit dem die Tore geschossen werden, mit beiden Händen festhalten. „Dann wäre es schwieriger für die Gegner, den Ball abzunehmen“, erklärt der 23-Jährige.

Quidditch
Quidditch – bekannt aus den Harry-Potter-Romanen wird als Sportart immer beliebter. Deutschlandweit sind 800 weibliche und männliche Spieler in 40 Mannschaften registriert. © WFB/Jörg Sarbach

Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby

Und schwieriger soll es nicht sein, denn das Spiel ist nicht nur hart, sondern auch sehr schnell: Quidditch ist eine Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby. Spieler werden ständig mit den Klatscher genannten Bällen abgeworfen, mit vollem Körpereinsatz gestoppt und zu Boden gebracht. „Das Spiel sieht für Außenstehende erst verwirrend aus“, räumt Jonas Becker ein. Kein Wunder: Vier Bälle sind im Einsatz, dazu kommt nach meist 17 Minuten der „Schnatz“; ein in eine Socke gesteckter Tennisball, am hinteren Hosenbund eines neutralen Spielers festgeklemmt. Wenn der Schnatz von einem „Seeker“ abgerissen wird, ist das Spiel beendet.

„Eine sehr anstrengende Sportart“

Jonas Becker weiß, dass das nicht nur skurril klingt, sondern auch so aussieht. Trotzdem: „Es ist eine sehr anstrengende Sportart“, betont er. Und eine ernst zu nehmende; die International Quidditch Association hat immerhin ein Regelwerk mit 200 Seiten herausgegeben. Und wenn Becker, der vor kurzem seinen Bachelor in Bionik gemacht hat, scherzhaft gefragt wird, ob seine Spieler beim Quidditch auch fliegen, antwortet er: „Wenn man richtig sprintet, 50 Prozent der Zeit.“ Die Spieler werden deshalb schon nach ein paar Minuten ausgetauscht, um sich kurz erholen zu können.

Quidditch-Spielzug
Quidditch vereint Elemente aus verschiedenen Sportarten. Es ist eine Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby – nur wird Quidditch mit einem Besen zwischen den Beinen gespielt. © WFB/Jörg Sarbach

Nicht jeder ist Harry-Potter-Fan

So wie gerade Joschi Wildenhain. Seit März ist der 25-Jährige beim Bremer Team dabei. Etwas außer Atem räumt er am Spielfeldrand mit einem Klischee auf: „Wir sind gar nicht alle Harry-Potter-Fans. Manche haben die Bücher noch nicht einmal gelesen.“ Das Spiel werde vor allem wegen seines Körperkontakts und des guten Sportgeistes geliebt. „Man kann im Spiel vollen Körpereinsatz zeigen, aber danach ist man sofort wieder freundlich und beglückwünscht einander.“ Gespielt wird immer in gemischt geschlechtlichen Teams. Mitmachen könne jeder, egal wie sportlich er oder sie ist. „Es gibt keinen Leistungsdruck“, betont Joschi Wildenhain. Die meisten sind Studierende, die Älteste im Bremer Team ist 29.

Quidditch im Auslandssemester in den USA kennengelernt

Die Portkeys Bremen hat Jonas Becker vor eineinhalb Jahren mitgegründet. Quidditch hatte er zuvor während eines Auslandssemesters in Philadelphia kennengelernt. In den USA ist Quidditch zwar auch immer noch eine Randsportart, es gibt aber immerhin zwei landesweite Ligen. 2005 hatten zwei amerikanische Studenten in Vermont die Idee, den Harry-Potter-Sport zum Leben zu erwecken. In den USA sind inzwischen knapp 200 Teams im Verband gemeldet. „Dazu kommen schätzungsweise nochmal etwa genauso viele, die unabhängig spielen“, sagt Juliane Schillinger vom Deutschen Quidditchbund.

Training ist für alle Interessierten offen

Zurück in Bremen wollte Jonas Becker weiter Quidditch spielen. Er trommelte ein paar Freunde zusammen. „Es war vom ersten Spiel an klar, dass es allen Spaß macht.“ Das Training zweimal die Woche ist weiterhin für alle Interessierten offen. Vor kurzem hat die Mannschaft professionelle Trikots bekommen, rechtzeitig für das Qualifizierungsturnier in der Hansestadt. Jonas Becker würde sich nicht als Harry-Potter-Fan bezeichnen, auch wenn er mit den Büchern als Grundschüler lesen gelernt hat. Er habe Quidditch für sich entdeckt, „weil es ein unglaublich dynamisches Spiel ist“. Beim Training der Portkeys Bremen auf dem Rasen vom ATS Buntentor bekommt der Zuschauer eine Ahnung davon. Obwohl Trainer, spielt Jonas Becker trotzdem mit – mit vollem Einsatz. Am Ende hat er einige blutige Kratzer an den Armen. Einen Zahnschutz tragen sowieso alle Sportler.

Quidditch: Trikot der Portkeys Bremen
Die neuen Trikots der Portkeys für das Qualifizierungsturnier in der Hansestadt. © WFB/Jörg Sarbach

„Quidditch wird in jedem Jahr anspruchsvoller“

Fast hätte Jonas Becker in diesem Jahr sein Können auch in der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Oslo zeigen können. Am Ende verpasste er dann doch den Sprung in den Kader. Juliane Schillinger ist aber überzeugt, dass er hochmotiviert sei, es bis zur WM 2018 endlich ganz an die Spitze zu schaffen. Jonas Becker ist sich da nicht ganz so sicher. „Es gibt immer mehr Spieler und Teams“, sagt er, „Quidditch wird in jedem Jahr anspruchsvoller.“

Mehr unter: http://deutscherquidditchbund.de/index.php/de/


Pressekontakt:

Jonas Becker, Portkeys Bremen, Tel.: 0157 32345379, E-Mail: jonas-becker@posteo.de


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Das Bildmaterial ist bei themengebundener Berichterstattung und unter Nennung des jeweils angegebenen Bildnachweises frei zum Abdruck.

Foto 1: Vor eineinhalb Jahren Portkeys Bremen hat Jonas Becker mitgegründet, heute ist er der Trainer des Quidditch-Teams. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 2: Quidditch – bekannt aus den Harry-Potter-Romanen wird als Sportart immer beliebter. Deutschlandweit sind 800 weibliche und männliche Spieler in 40 Mannschaften registriert. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 3: Quidditch vereint Elemente aus verschiedenen Sportarten. Es ist eine Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby – nur wird Quidditch mit einem Besen zwischen den Beinen gespielt. © WFB/Jörg Sarbach

Foto 4: Die neuen Trikots der Portkeys für das Qualifizierungsturnier in der Hansestadt. © WFB/Jörg Sarbach


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