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31.1.2018 - Jann Raveling

Vom Aufstehen und Ankommen – wie Dijana Nukic die Havengalerie eröffnete

Kreativwirtschaft
Galerie, Werbeagentur und Fotostudio: Die Havengalerie in Bremen-Vegesack
Dijana Nukic vor ihrem Fotostudio für Porträtaufnahmen
Dijana Nukic vor ihrem Fotostudio für Porträtaufnahmen © WFB/Raveling

Die Havengalerie in Bremen-Vegesack ist Galerie, Werbeagentur und Fotostudio zugleich. Gründerin Dijana Nukic hat sich mit dem Studio in einer ehemaligen Kneipe einen Traum erfüllt und teilt ihn nun mit allen Vegesackerinnen und Vegesackern.

„Ich liebe es, rumzuspinnen und auf neue Ideen zu kommen!“ – wer Dijana Nukic kennenlernt, glaubt es ihr aufs Wort. Ohne eine große Portion Spinnerei, Mut und Durchhaltevermögen hätte die quirlige Bremerin ihre Havengalerie in Vegesack nie eröffnen können. Alles beginnt ganz klassisch: Nach der Schule wird Nukic Bankfachangestellte in Hannover – “kreativ Arbeiten stand da ganz unten auf der Agenda”. Nicht so richtig glücklich mit ihrem Werdegang folgte sie kurze Zeit später dem Ruf eines ihrer Bankkunden und zog in die Schweiz. Sie landet dort im Marketing eines Medizinunternehmens. „Meine erste Aufgabe: eine 40-seitige Broschüre zu erstellen. Ich hatte aber keine Ahnung von Gestaltung, Typografie, Photoshop oder InDesign!“, erinnert sie sich.

Zwei Wochen lang vertieft sie sich in die Programme, bringt sich alles in Eigenregie bei – am Ende ist die Broschüre druckreif. Ihr Chef zeigte sich beeindruckt – und für Nukic öffnete sich eine ganz neue Welt: „Ab da wusste ich, was ich werden wollte!“

Plattes Land, leere Kassen

Mit Sehnsucht nach der norddeutschen Tiefebene und weitem Meer zog sie 2008 zurück an die Weser und machte sich als Grafikdesignerin in Vegesack selbstständig – inmitten der Finanzkrise. Eine mutige Entscheidung auf einem steinigen Weg. „Es war damals schwer als junge Selbstständige ohne Kundenstamm“, erzählt sie. Zwischenzeitlich gab sie ihre Wohnung auf und zog in ihr Büro, um Kosten zu sparen. „Für mich war klar, dass ich immer weitermachen wollte”, sagt Nukic heute.

Hartnäckig verfolgt sie ihren Weg. Allmählich kamen die Kunden – und blieben. Noch heute zehrt sie von den Erfahrungen aus dieser Zeit. „Ich habe meine Ängste kennengelernt und abgelegt, das war für mich wertvoll. Scheitern ist nicht schlimm, wichtig ist, wieder aufzustehen und sich zu fragen: Wie kann ich es besser machen?“, ist die 38-jährige überzeugt.

Auf zwei Ebenen sind die Kunstwerke in der Havengalerie zu bestaunen
Auf zwei Ebenen sind die Kunstwerke in der Havengalerie zu bestaunen © WFB/Raveling

„Man scheitert nur, wenn man nicht wieder aufsteht!“

Heute beschäftigt sie mit ihrer Werbeagentur „Kreative Fische“ in der Havengalerie eine Angestellte und zwei Freelancer und zählt über 100 kleine und mittelgroße Unternehmen zu ihren Kunden. Das Einstellen einer Arbeitskraft jagte ihr in den ersten Jahren noch großen Respekt ein. „Ich selbst konnte ja in mein Büro ziehen als es finanziell eng wurde, aber die Verantwortung für jemand anderen zu übernehmen, das war ein ganz anderes Kaliber“, schildert Nukic. Sie redet offen über ihre Ängste, trägt ihr Herz auf der Zunge. Ehrlichkeit, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen – Eigenschaften, die Kunden an ihr schätzen. Sie pflegt jahrelange Partnerschaften zu vielen von ihnen.

Um ihr Geschäft auf sichere Beine zu stellen, betreibt sie heute zusätzlich ein Fotostudio. Für Bildaufträge der umliegenden maritimen Industrie ist sie in ganz Europa unterwegs, um neue Yachten abzulichten. Ihre Werke haben es in renommierte Fachzeitschriften wie der „boat International“ und „Boote exklusiv“ gebracht. „Ich habe schon immer gern fotografiert und es erst jetzt durch die Havengalerie zum Teil meines Berufs gemacht. Man muss an guten Dingen festhalten und schlechte loslassen können“, so der ruhelose Kreativgeist.

Trio komplett: Werbeagentur, Fotostudio und Galerie in der „Havengalerie“

Und als ob das alles noch nicht genug wäre, eröffnete Nukic vor drei Jahren die Galerie für Komische Kunst und Karikaturen in der „Havengalerie“. Ihre Entstehung hängt eng mit dem Gebäude in der Alten Hafenstraße 27 nahe des Vegesacker Hafens zusammen. „Ich hatte mich vor einigen Jahren in die Immobilie verliebt. Das Haus war eine Kneipe, stand dann lange leer. Ich sah das Potenzial, mit den hohen Decken und der großen, offenen Fensterfront. Die Anmietung der Räume 2015 war ein wichtiger Schritt für mich und das Unternehmen“, rekapituliert die Gestalterin und Fotografin. Nach einer grundlegenden Renovierung war für sie klar: Das Gebäude ist zu schön, um es der Öffentlichkeit vorzuenthalten. „Als Fotografin kam mir da gleich eine Galerie in den Sinn.“

Bekannte deutsche Karikaturisten und komische Kunst sind der Schwerpunkt der Havengalerie
Bekannte deutsche Karikaturisten und komische Kunst sind der Schwerpunkt der Havengalerie © WFB/Raveling

Komische Kunst und Karikaturen in Vegesack

Gesagt, getan. Wenige Monate später öffnet sie die frisch getaufte "Havengalerie". Für ihre eigenen Fotografien schauten jedoch kaum Gäste vorbei. Daher kam ihr die Idee, Karikaturen auszustellen – prompt schrieb sie Til Mette an, den preisgekrönten Stern-Karikaturisten. Und der rief kurzerhand zurück. „Zwei Wochen später war alles unter Dach und Fach. Das konnte ich selbst kaum glauben! Til Mette!“, erinnert sie sich begeistert. Auch das ist Nukic: Gibt es eine Idee, wird sie mutig umgesetzt, vor großen Namen hat sie keine Scheu.

Es folgen Ausstellungen von Uli Stein, Ursus Wehrli und Tetsche. 2018 kommen Martin Perscheid und Marunde. Die großen Namen in der deutschen Karikaturistenszene, die zu Eröffnungen und Lesungen vor Ort sind. Die Besucherzahlen steigen seit zwei Jahren, Nukic schwärmt: „Manchmal geht samstags die Tür auf und nicht wieder zu! Mich freut das Interesse der Bremer. Cartoons sind Kunst, sie bringen Sachverhalte gekonnt und witzig auf den Punkt, das fasziniert mich ungemein“.

Mit ihren Aktivitäten will sie auch die Alte Hafenstraße am Vegesacker Hafen wiederbeleben. Keinen Steinwurf entfernt liegen zum Beispiel das Overbeck-Museum oder gleich mehrere Restaurants. Nukic liegt nicht nur an ihrer Galerie, für sie ist die Entwicklung des gesamten Areals wichtig, sie wünscht sich ein belebtes Vegesack. „Ich freue mich, dass die WFB so engagiert im Norden unterwegs ist, es ist wichtig, dass es ein gutes Konzept gibt“. Dazu trägt auch die Broschüre “Frische Briese, Grüne Wiese” bei, die Aktivitäten im Bremer Norden vorstellt, und für die Nukic fotografierte.

Langeweile? Ein Fremdwort in der Havengalerie

Bleibt nur eine Frage: Wie schafft Frau das alles? Nukic lacht. „Vergangenes Jahr habe ich 350 Tage gearbeitet. Die Galerie ist mein Hobby, darum kümmere ich mich samstags. Klar, manchmal entstehen Synergien zu meiner Agentur, aber hier geht es mir darum, einen Traum zu verwirklichen, diese Umgebung inspiriert mich“. Ihr Schreibtisch steht im offenen, lichtdurchfluteten Galerieraum, es gibt keine Trennung zwischen Agentur und Kunst. Für Besucher nimmt sie sich gerne Zeit. Und für ihre Hündin Adara – mit ihr geht es täglich eine Stunde in die Parks von Vegesack. Die einzige Auszeit, die sich Nukic regelmäßig gönnt.

Für die Zukunft hat die tatkräftige Gestalterin weitere Ausstellungen geplant und möchte die Räumlichkeiten ausbauen. Langweilig wird es Nukic in Vegesack so schnell nicht. Und wenn man mal ehrlich ist: Mit Langeweile könnte sie wohl auch gar nicht umgehen.


Die nächste Ausstellung in der Havengalerie ab dem 10.02.2018: Martin Perscheid.


Weitere Informationen zur Kreativwirtschaft und zu Unternehmensgründungen von Kreativen gibt es bei Ole Bast, Innovationsmanager, Freie Hansestadt Bremen, Tel.: 0421 9600 - 334, ole.bast@wah.bremen.de, mehr zu Bremen Nord bei Volker Ballhausen, Unternehmensservice und Vertrieb, Projektleiter Region Bremen Nord, 0421 9600-243, volker.ballhausen@wfb-bremen.de


Ansprechpartnerin für die Umsetzung des Freizeit- und Naherholungskonzepts Bremen-Nord: Projektkoordinatorin Elvira Krol, Telefon +49 (0) 421 6587-199, E-Mail: elvira.krol@wfb-bremen.de


Mehr über Bremen Nord auf unserem Portal: www.bremen.de/bremen-nord

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