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31.8.2017 - Nina Svensson

Getreideverkehrsanlage: Neuer Besitzer, neue Herausforderungen

Stadtentwicklung

J. MÜLLER AG aus Brake investiert in eine der größten Anlagen Europas

Getreidespeicher in Gröpelingen
Getreidespeicher in Gröpelingen © WFB/Frank Pusch

Das imposante Gebäude mit der roten Backsteinfassade ist ein Wahrzeichen der Bremer Hafenlandschaft. Die Getreideverkehrsanlage (GVA) im Stadtteil Gröpelingen wurde zum 1. Mai 2017 von der J. MÜLLER AG aus Brake übernommen. Die Unternehmensgruppe baut damit ihren Bremer Standort aus und kann dank der rund 240 Silozellen die wachsenden Anforderungen an eine separate Lagerung von Getreide, Biogetreide, Futtermitteln und Rohkaffee bestens erfüllen.

Wenn Geschäftsführer Jürgen Huntgeburth und Betriebsleiter Andreas Sattler durch die Getreideverkehrsanlage (GVA) gehen, dann spürt man geradezu ihre Begeisterung für das denkmalgeschützte Gebäude. Es ist 200 Meter lang, mehr als 40 Meter hoch, rund 100 Jahre alt – ein echtes Wahrzeichen der Bremer Hafenlandschaft und trotz notwendiger Sanierungsmaßnahmen ein attraktives Objekt für die J. MÜLLER AG.

 

Neuer Wind in der Getreideverkehrsanlage

Die Stadt Bremen hatte die GVA Anfang des Jahres meistbietend verkauft. Vorausgegangen war ein Ausschreibungsverfahren, das die WFB im Auftrag der Stadt umgesetzt hatte. Zentraler Baustein der Ausschreibung war, dass auch nach dem Verkauf hafenwirtschaftliche Aktivitäten in der GVA stattfinden. Im Oktober 2016 hat die J. MÜLLER AG den Zuschlag erhalten und zum 1. Mai 2017 die Anlage sowie nahezu alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom bisherigen Pächter Dieter Wandel übernommen.

Pro Monat legen im Durchschnitt fünf bis sechs Schiffe an, die meisten von ihnen sind Standardküstenmotorschiffe mit einer Länge zwischen 80 und 130 Metern
Pro Monat legen im Durchschnitt fünf bis sechs Schiffe an, die meisten von ihnen sind Standardküstenmotorschiffe mit einer Länge zwischen 80 und 130 Metern © WFB/Frank Pusch

Die Anlage steht auf einem rund 47.500 Quadratmeter großen Grundstück, hat rund 240 Silozellen, eine Gesamtkapazität von etwa 100.000 Tonnen gedeckten Lagerraums und eine 320 Meter lange Kaje. „Wir werden sukzessive insbesondere die Fördersysteme modernisieren und in die Sicherheit der Anlage investieren“, sagt Huntgeburth. Das Unternehmen plant vorerst mit Investitionen in Höhe von rund fünf Millionen Euro. Eine der ersten Maßnahmen ist der Bau einer zusätzlichen Fahrzeugwaage, um Wartezeiten für die LKW zu vermeiden.

 

Silokapazitäten fast komplett ausgelastet 

Die Silokapazitäten für Rohkaffee, Getreide und Futtermittel sind fast komplett ausgelastet. „Die Übergabe verlief für die Kunden reibungslos“, sagt Huntgeburth. Für ihn geht es jetzt darum, den Umschlag von zurzeit circa 150.000 Tonnen jährlich deutlich zu erhöhen. Das Potenzial von Kundenseite ist da. Es wird von einem Vertriebsteam aus Brake akquiriert und soll die bestehenden Kundenverbindungen ergänzen.

Über die Förderbänder der GVA gelangt das Getreide in nur wenigen Minuten vom Schiff in die vorgesehenen Silozellen.
Über die Förderbänder der GVA gelangt das Getreide in nur wenigen Minuten vom Schiff in die vorgesehenen Silozellen. © WFB/Frank Pusch

„Die GVA ist für uns eine ideale Erweiterung, da wir mit unseren Kapazitäten in Brake und Bremen bereits an unsere Grenzen stoßen“, sagt Huntgeburth. Die Unternehmensgruppe J. MÜLLER schlägt jährlich in Brake rund drei bis vier Millionen Tonnen Getreide und Futtermittel um. Das mittelständische Familienunternehmen ist eines der führenden Hafendienstleistungsunternehmen an der Unterweser. In Bremen ist J. MÜLLER seit vielen Jahren durch die J. MÜLLER Weser GmbH & Co. KG vertreten, die in der Cuxhavener Straße am Holzhafen einen Terminal für Rohkaffeelogistik und Futtermittelumschlag betreibt.

Heiko Schmidt arbeitet in der Steuerleitzentrale, dem Herzen der Getreideverkehrsanlage.
Heiko Schmidt arbeitet in der Steuerleitzentrale, dem Herzen der Getreideverkehrsanlage. © WFB/Frank Pusch

„Die Vielfalt von Getreide- und Futtermittelsorten ist durch die Thematik der genveränderten Organismen sowie den wachsenden Markt für Biogetreide erheblich größer geworden“, sagt Huntgeburth. „Diese Produkte müssen am Seehafen separat gelagert werden, bevor sie in den Verbrauch gelangen.“ Dazu sind die Silozellen bestens geeignet, deren Erstellung normalerweise viele Millionen Euro kosten würde.

Jürgen Huntgeburth, Geschäftsführer der J. MÜLLER Weser GmbH & Co. KG
Jürgen Huntgeburth, Geschäftsführer der J. MÜLLER Weser GmbH & Co. KG © WFB/Frank Pusch

Die Bremer Anlage ist ideal für uns, um unseren Kunden optimale Sortierungen anbieten und zudem die speziellen Lageranforderungen erfüllen zu können.

Jürgen Huntgeburth, Geschäftsführer der J. MÜLLER Weser GmbH & Co. KG

In der GVA sind zurzeit 27 Mitarbeiter beschäftigt, Huntgeburth und Sattler legen Wert darauf, dass erfahrene Kollegen Know-how und Erfahrung an die jüngeren weitergeben. „Unsere Anlage hat insgesamt rund 400 Motoren, dazu gibt es etwa 50 verschiedene Produktsorten, die auf unseren Förderbändern transportiert werden“, erzählt Sattler. „Da spielen die Erfahrung im Handling und die Produktkenntnis eine sehr große Rolle. Wenn wir den Umschlag steigern wollen, müssen auch die Mitarbeiter gut geschult und vorbereitet sein.“

Ein Gleisanschluss wäre ideal

Mehr Umschlag bedeutet auch mehr LKW-Verkehr. Da gäbe es allerdings noch eine Alternative. „Es wäre ideal, wenn wir den Gleisanschluss wieder aktivieren könnten“, sagt Huntgeburth. „Vor etwa 20 Jahren fuhren die Züge sogar noch direkt in das Silo hinein.“ Leider sei laut Huntgeburth ein Trafohäuschen für den ehemaligen Space Park quasi mitten auf die Schienen gebaut worden und blockiere nun den Gleisanschluss. Also bleibt es vorerst beim Transport ausschließlich per LKW und Schiff.

Im August 2017 wurden rund 19.000 Tonnen Getreide und Futtermittel von der Seeseite angeliefert.
Im August 2017 wurden rund 19.000 Tonnen Getreide und Futtermittel von der Seeseite angeliefert. © WFB/Frank Pusch

An der 320 Meter langen Kaimauer ist jedenfalls ausreichend Platz. Im Durchschnitt sind die ankommenden Schiffe maximal 120 Meter lang, bis zu 220 Metern Länge sei auch kein Problem. Huntgeburth hofft auf eine gute Nachbarschaft im Holzhafen: In Sichtweite auf der anderen Seite des Hafenbeckens wird zurzeit der Strandpark gebaut, der noch unter dem Namen „Weiche Kante“ läuft. „Wir wünschen uns, dass Naherholung und Industrie am Holzhafen im Einklang möglich sind, auch wenn künftig mehr Schiffe an unserem Kai anlegen.“


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