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28.11.2019 - Jann Raveling

Briefe aus China: Ausgabe November 2019

Bremen Invest

Informationen und Wissen rund um Wirtschaft und Investitionen in China

Bremeninvest China-Expertin Wang Lu mit Nachrichten aus dem Reich der Mitte.

Es ist etwas ruhiger geworden um die Neue-Seidenstraße-Initiative „One Belt, one Road“. Aber auch wenn die großen Schlagzeilen fehlen, kleine gibt es. Und wie relevant sie für Unternehmen aus dem norddeutschen Raum sind, das zeigen wir in dieser Ausgabe.

Aus Shanghai berichtet Wang Lu, Direktorin des Bremeninvest-Büros, und gibt uns alle vier Monate einen Überblick über Trends, Chancen und neue Entwicklungen im Land. Wenn Sie diesen Länderbrief regelmäßig als Newsletter erhalten wollen, melden Sie sich gern hier an.

New Silkroad Network: Neue Wege erschließen
Die Mauer markierte die Grenzen Chinas - und den Beginn der Seidenstraßenroute außerhalb des Reichs
Die Mauer markierte die Grenzen Chinas - und den Beginn der Seidenstraßenroute außerhalb des Reichs

Die Neue-Seidenstraßen-Initiative (Belt and Road Initiative BRI) hat in den vergangenen Jahren weltweit für Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt. Neben massiven Investitionen in vielen Entwicklungsländern seitens der chinesischen Regierung zeigen sich auch in Europa ganz konkrete Auswirkungen, besonders im Warenverkehr.

In Bremen hat sich mit dem New Silkroad Network (NSRN) im September ein Netzwerk gegründet, dessen Ziel es ist, die mittelständischen Logistiker entlang der Seidenstraße zu verbinden, um gemeinsame Wirtschaftsbeziehungen zu etablieren und vom gestiegenen Verkehrsaufkommen zu profitieren. Es geht dem Netzwerk darum, Transparenz und Sichtbarkeit zu erhöhen und so Unternehmen Zugang zu neuen Märkten und neuen Geschäftspartnern zu ermöglichen. Denn gerade kleine Betriebe können sich kaum Auslandsdependancen leisten, um zum Beispiel in China Geschäfte zu tätigen oder Partner zu finden. Das Netzwerk verbindet nicht nur die Mitglieder, sondern bietet auch weitere Services im Bereich Kommunikation, wie zum Beispiel Übersetzungsdienste oder plant einen Zahlungsschutz für länderübergreifende Geschäfte.

Das Netzwerk steht Frachtmaklern, Zug-, Hafen- oder Lagerhausbetreibern, Frachtagenturen und Speditionen offen – der ganzen Bandbreite im Bereich der land- und seegestützten Logistik. Weitere Infos: https://www.newsilkroadnetwork.com

Bahnverkehr über die Seidenstraße als Alternative zum Schiff?
Der Zugverkehr auf der neuen Seidenstraße wird stark ausgebaut.

Im Zuge der BRI hat die chinesische Regierung in den vergangenen Jahren die Zugroute quer durch Asien nach Europa mit Investitionen stark ausgebaut. Die Zahl der Zugverkehre zwischen China und Europa wächst, über die in Nordeuropa endende Nordroute (welche über Russland und Kasachstan führt) um jährlich 60 bis 130 Prozent. Für die Route wird die erste Million TEU (Container-Äquivalente) an Transportvolumen für 2020 erwartet. Tatsächlich ist das Wachstum so stark, dass es im Verkehr zwischen Europa und Russland (z.B. an Verladebahnhöfen in Polen) zu Kapazitätsengpässen bei der Abfertigung und dem Wechsel der Fracht aufgrund unterschiedlicher Spurweiten kommt und somit alternative Routen etabliert werden. Mit einem weiteren starken Wachstum des Zugverkehrs ist in den kommenden Jahren zu rechnen, zusammen mit dem Anschluss weiterer Zwischen- und Endbahnhöfe (2018 zum Beispiel Amsterdam, Mannheim, Barcelona und Riga).

Für europäische Unternehmen erschließt sich dank dieser Entwicklung eine neue Transportroute, welche die Lücke zwischen dem Seeweg und dem Luftverkehr füllt. Größter Vorteil gegenüber dem Schiffsverkehr ist die deutlich schnellere Transitzeit von rund 15 bis 20 Tagen, während ein Schiff bis zu 35 Tage benötigt. Die genaue Zeit ist abhängig von den Zielbahnhöfen in China – zentralchinesische Provinzen sind schneller zu erreichen als die küstennahen. Im norddeutschen Raum enden die Züge hauptsächlich in Hamburg, beziehungsweise fahren über Hamburg weiter nach Duisburg, in Bremen haltende Züge aus China gibt es derzeit noch nicht.

Die Frachtkosten pendeln sich im Mittelfeld zwischen Schiff und Flugzeug ein, Kosten von durchschnittlich 1.500 bis 3.000 Euro pro 40-Fuß-Container sind zu erwarten. Züge verkehren je nach Zielterminal zwischen ein- und viermal wöchentlich ab Deutschland und bis zu siebenmal wöchentlich ab China.

Wie alle Investitionen der BRI wird auch die Etablierung der Frachtverkehrsrouten stark von der chinesischen Regierung gefördert. Die Subventionen in den Zugverkehr (derzeit bis zu 40 Prozent der Frachtkosten) werden in den kommenden Jahren jedoch zurückgehen laut Plänen der chinesischen Regierung, was wiederum eine Konsolidierung der Verkehrspläne und Erhöhung der Frachtraten nach sich ziehen könnte.

Provinz des Monats: Hubei
Hubei ist ein Zentrum der chinessichen Lebensmittel- sowie seit neuerem auch der Automobil- und Stahlindustrie.

In regelmäßiger Abfolge stellen wir Ihnen künftig die Provinzen Chinas im Kurzporträt vor, mit Schwerpunkt auf deren wirtschaftliche Entwicklung. Den Beginn macht Hubei. Die zentralchinesische Provinz mit ihren 58 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern – ungefähr so viele wie Italien – liegt am Lauf des Jangtsekiang. Der Fluss spielt entlang seiner 1.000 Kilometer Uferlänge eine wichtige Rolle in der Wirtschaft, die Provinz verfügt etwa über den zweitgrößten Binnenhafen Chinas. In der Stadt Yichang liegt mit dem Drei-Schluchten-Staudamm zudem das nach Leistung größte Kraftwerk der Welt.

Neben der Logistik ist Hubei schon seit Jahrhunderten ein wichtiges Zentrum für die Lebensmittelproduktion. Etwas neuer ist der Status als eines der Zentren der chinesischen Automobil- und Stahlindustrie. Bekannter Name ist hier Dongfeng Motor, einer der vier größten Fahrzeugproduzenten des Landes, der 2018 3,83 Millionen Pkws und Lkws produzierte. Zudem haben sich eine ganze Reihe an Zulieferern in der Provinz angesiedelt.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig findet sich im „Optik-Tal“ nahe der Provinzhauptstadt Wuhan. Hier hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein Fokus in der optoelektronischen Industrie herausgebildet, mit weiteren Schwerpunkten in der Biomedizin und im Energie- und Umweltsektor. Die „East Lake National Innovation Demonstration Zone“ wird auch als „Mini-Silicon-Valley“ betitelt, mit einer hohen Anzahl gut ausgebildeter Fachkräfte, die von den 42 Universitäten und Instituten des Gebiets strömen. Es gilt nach eigenen Angaben als Nummer zwei der chinesischen Innovationszonen, direkt hinter Peking.

Mehrere Freihandelszonen in Kerngebieten der Provinz (die Städte Wuhan, Yichang, Xiangyang) mit rund 120 Quadratkilometern Fläche sollen in Hubei den internationalen Handel erleichtern. Zudem erhofft sich die Provinz von der strategisch günstigen Lage entlang der Neuen Seidenstraße künftig Vorteile. Die Entwicklung der zentral- und westchinesischen Provinzen, welche deutlich ärmer und schlechter entwickelt sind als die küstennahen Provinzen, ist auch eines der Ziele der Seidenstraßen-Initiative.

Anreise: Wuhan Tianhe International Airport

Provinzhauptstadt: Wuhan, 7,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner

Leben in China: Großstadtsorgen wie im Westen?
Der wirtschaftliche Boom Chinas verändert die Lebensbedingungen in den Metropolen.

China hat eine unglaubliche Wachstumsstory hinter sich – eine Entwicklung, die sich auf den Lebensstandard der Menschen massiv ausgewirkt hat. Doch dieser gestaltet sich heute noch sehr unterschiedlich. Lebensstandards in der Stadt und auf dem Land unterscheiden sich stark, vor allem die bevölkerungsreichen Küstenregionen profitieren von den Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte. Zwischen Provinzen wie dem zentralchinesischen Qinghai und dem ostchinesischen Jiangsu liegen mehr als 300 Prozent Unterschied im Bruttoinlandsprodukt.

In Städten wie Peking wird der Unterschied in den Lebenshaltungskosten am deutlichsten: Die Stadt muss sich heute nicht mehr hinter westlichen Pendants verstecken. Mieten im Stadtkern für Zwei-Zimmer-Wohnungen kosten im Durchschnitt 800 bis 1.000 Euro, in den Randgebieten rund 500 Euro. Lebensmittelpreise liegen nur leicht unter denen in Deutschland, Kleidungspreise westlicher Marken liegen auf westlichem Niveau. Günstiger sind Mahlzeiten in Restaurants, öffentlicher Nahverkehr sowie Nebenkosten. Bei einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 1.400 Euro (bei gut Verdienenden wie Ingenieurinnen und Ingenieuren circa das Doppelte) wird klar, dass das Leben in den Innenstadtbereichen den besser situierten Chinesen vorbehalten ist – kaum anders als bei uns. Seit Jahren steigen die Lebenshaltungskosten in vielen Bereichen weiter an, vor allem im Bereich der Immobilien und bestimmter Lebensmittel, wie des Schweinefleischs. Ob die Abschwächung des Wachstums in China in den letzten Monaten eine Entspannung bringen wird, muss sich erst noch zeigen.

Bremen unterwegs: auf der China International Import Expo CIIE
Bremen präsentierte sich mit einem Stand auf der diesjährigen China International Import Expo.

Mit 3.800 teilnehmenden Unternehmen und mehr als 910.000 Besucherinnen und Besuchern ist die CIIE-Messe eine der größten Universalmessen rund um Konsum- wie auch B2B-Güter in China. Im November 2019 fand die zweite Ausgabe in Shanghai statt. Auch Bremen zeigte dort Präsenz und war auf dem Gemeinschaftsstand der Außenhandelskammer vertreten. Bei einem Empfang der deutschen Generalkonsularin, Matchmaking-Events und Standortpräsentationen konnten zahlreiche chinesische Unternehmen einen ersten Blick auf Bremen wagen und ihr Interesse für den Standort bekunden. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Linktipp: Chinesisches Cybersecuritygesetz und seine Auswirkungen auf deutsche Unternehmen

Im Juni hat die chinesische Regierung ihr Cyberscurity-Gesetz überarbeitet. Was das für europäische Unternehmen bedeutet, darüber hat das t3n-Magazin einen Artikel verfasst.

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