+49 (0) 421 9600-10
14.8.2018 - Jann Raveling

Die mobile Werkstatt für Windparks

Windenergie
REETEC GmbH gründet ein Offshore-Servicezentrum für die Nordsee in Emden.

Blick in die Produktionshallen in Emden
Blick in die Produktionshallen in Emden © OBE

Auf rund 7.000 Betriebsstunden kommt eine Offshore-Windkraftanlage im Jahr. Eine hohe Belastung für das Material – für das Getriebe, den Generator, die Blattlager und die Rotorblätter. Werden sie nicht regelmäßig gewartet, kommt es zu Ausfällen. Und die werden schnell teuer. Ein Tag Stillstand kostet schnell zehntausend Euro oder mehr pro Anlage. In einem großen Windpark stoppt im Durchschnitt jeden Tag eine Anlage.

Diesen kostspieligen Stillstand wollen sich Betreiber nicht leisten. Sie wollen so schnell es geht den Regelbetrieb wiederherstellen. Reparaturmannschaften in den Park zu bringen, ist aber gar nicht so einfach. Das liegt insbesondere an der Wetterabhängigkeit: Die Fahrt über die Nordsee zu den Parks auf hoher See dauert mit dem Schiff mehrere Stunden – bei gutem Wetter. Nur an zwei von drei Tagen sind die Bedingungen in der Nordsee gut genug, dass Schiffe ihre Mannschaften sicher auf die Anlagen bringen können. Die Alternative in vielen Parks sind Hubschrauber, die jedoch sehr teuer sind.

Leben und arbeiten auf hoher See

Die Lösung bei Parks fernab der Küste heißt: Zeit sparen und auf hoher See bleiben. Bleibt das Reparaturteam in der Nordsee, kann es Zeitfenster schneller nutzen und spart sich Anfahrtszeiten. In größeren Windparks fahren meistens zwei Schiffe: ein Serviceschiff und ein Errichterschiff - wie etwa im Park BARD Offshore 1, rund 90 Kilometer vor der Küste. Auf ihnen leben Mechaniker, Elektriker und Servicekräfte. Sie sind zwei Wochen im Dauereinsatz, kehren dann in den Heimathafen zurück, um eine neue Mannschaft und neue Ersatzteile aufzunehmen. Neben Schlafplätzen und Kantinen gibt es an Bord in der Regel auch Büros, und Aufenthaltsräume zum Entspannen – ein Hotel an Bord.

Bremer Unternehmen expandiert an die ostfriesische Küste

Für die Wartung der Windturbinen im Park BO1 ist REETEC zuständig. Das Bremer Serviceunternehmen hat im Sommer 2017 das bis dahin zuständige Unternehmen, die Emder OWS Off-Shore Wind Solutions GmbH (OWS), übernommen. Sie wurde 2013 aus der Insolvenzmasse des Windparkanlagenherstellers BARD gegründet, um den Park BO1 instand zu halten. Mehr dazu in unserem Artikel „Die Windparkoptimierer von der Weser“. „Wir sind für den operativen Betrieb im Park zuständig.“, sagt Detlef Lindenau, Geschäftsführender Gesellschafter von REETEC. „Dank der Anlagen und Hallen im Emder Außenhafen haben wir große Kapazitäten. Hinzu kommen die 180 Fachkräfte vor Ort und auf See und der Zugriff auf ein Errichterschiff.“

400 Megawatt auf 60 Quadratkilometern: Der Park BO1 in der Nordsee
400 Megawatt auf 60 Quadratkilometern: Der Park BO1 in der Nordsee © OBE

Erstes unabhängiges Offshore-Servicezentrum in Emden

Und diesen Vorteil möchte Lindenau jetzt nutzen. Der 56-jährige ist Windkraftpionier – bereits 1996 gründete er REETEC. Das Unternehmen wuchs mit der Branche und ist heute international aufgestellt, beschäftigt insgesamt mehr als 350 Mitarbeiter. Jetzt wollen die Windkraftexperten rund um Lindenau dank des Offshore-Geschäfts weiter wachsen. „Wir werden das erste herstellerunabhängige Offshore-Servicezentrum Deutschlands“, sagt Lindenau selbstbewusst.

Seine Vision ähnelt einer freien Werkstätte im KFZ-Bereich. Statt zu einer Vertragswerkstatt zu gehen, die nur einen Autohersteller bedient, kann jeder die freie Werkstatt nutzen. Auf hohe See übertragen heißt das: Mit nur einem geeigneten Schiff – als mobile Werkstatt - können verschiedene Windparks, die alle mit ganz unterschiedlichen Anlagen ausgestattet sind, bedient werden. Denn in der Nordsee stehen Windräder verschiedener Hersteller – Siemens, Vestas, AREVA/Adwen, BARD, Senvion – direkt nebeneinander. Parkübergreifend zusammen zu arbeiten würde Wartungskosten erheblich senken. Das können Hersteller aber nicht leisten, denn für Konkurrenzanlagenbieten sie in der Regel keinen Service.

Win-win-win: Vorteile für alle

Und auch für Betreiber von Windparks hat das neue Servicezentrum Vorteile, so Lindenau. „Braucht jeder Windpark sein eigenes Serviceteam? Wir sagen: Nein! Wir können verschiedene Parks anfahren. Und sind in kürzester Zeit da“, so der Wind-Visionär.

Als herstellerunabhängiges Unternehmen bietet REETEC, wie eine freie Werkstatt, für verschiedene Anlagentypen seine Dienstleistungen an. Das senkt Wartungskosten, verkürzt die Stillstandzeiten erheblich und mindert die Anfahrtskosten.

Für die Anlagenhersteller, die in „ihren“ jeweiligen Parks bisher über Serviceverträge von Wartung und Instandhaltung profitieren, sieht Lindenau ebenfalls Vorteile durch sein neues Geschäftsmodell. „Die Offshore-Technologie machte riesige Fortschritte. Wir gehen davon aus, dass sich viele Hersteller nur ungern um die Instandhaltung von technisch veralteten Maschinen in bestehenden Parks kümmern wollen. Hier kommen wir ins Spiel“, spricht er über die Dienste des Servicezentrums. Ein externer Partner für die Altanlagen, damit sich Hersteller voll und ganz auf lukrative Neuinstallationen konzentrieren können.

Operativ aus Ostfriesland, Steuerung aus Bremen

Lindenau freut sich, mit seinem Konzept der internationalen Konkurrenz ein starkes Signal aus seiner Firmenzentrale in Bremen entgegenzusetzen, von wo aus die meisten Einsätze koordiniert werden sollen. „In der Offshore-Windkraft gibt es noch großes Optimierungspotenzial. Dieses wollen wir bedienen und unsere Aktivitäten ausbauen, mit starken Bremer Partnern“, so Lindenau.


Lesen Sie auch: Wem gehören Windparks in Deutschlands? Darauf haben wir die Antwort!


Näheres zur Windkraft gibt es bei Dieter Voß, Der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Abteilung Industrie, Innovation, Digitalisierung, 0421 361-32175, dieter.voss@wah.bremen.de

Windenergie
16.10.2018
Die Windenergie in Bremen auf einen Blick

Premium-Standort für On- und Offshore – im Land Bremen ist die Windkraft zu Hause. Wir zeigen, was das Land alles zu bieten hat, ob Fachkräfte, Standorte, Flächen oder Infrastruktur.

Windenergie
12.09.2018
Wie Bremen die Elektronik in der Windkraft zuverlässig macht

Offshore-Windkraftanlagen fallen häufiger aus, als sie eigentlich sollten. Die Leistungselektronik in den Anlagen hat daran einen wesentlichen Anteil. Ein Forschungsteam in Bremen geht der Sache auf den Grund - einen starken Verdacht haben sie bereits.

Maritime Wirtschaft und Logistik
05.09.2018
Vom Schraubenzieher bis zur Überlebenskiste

Rund 130.000 verschiedene Artikel hat die Bremer Kloska Group als Servicepartner und Systemlieferant in ihrem Sortiment. Damit versorgt sie nicht nur knapp 270 Firmen aus der Windenergiebranche, sondern auch die Schifffahrt sowie Handwerk und Baugewerbe.

Windenergie
28.08.2018
Bremer Forscher wollen Vereisung an Windkraftanlagen vorhersagen

Windenergieanlagen sind jedem Wetter ausgesetzt. Im tiefen Winter bildet sich Eis an Rotorblättern und Gondeln. Neben den Gefahren durch Eiswurf kosten vereiste und somit stillgelegte Anlagen die Betreiber viel Geld. Das wollen Bremer Forscher jetzt ändern.

Windenergie
22.08.2018
Wo der Wind sät und der Strom geerntet wird

Windstrom wird vor allem im Norden Deutschlands produziert. Die großen Verbraucher sitzen aber im Süden. Die Energie verlustarm dorthin zu leiten, ist bisher noch nicht möglich. Bremer Forscher wollen das ändern und stellen dazu die Strominfrastruktur Deutschlands auf den Kopf.

Windenergie
09.08.2018
Die Windparkoptimierer von der Weser

Der Windpark BARD Offshore 1 ist ein wahrer Pionier auf hoher See. Er hat seine Produktionsleistung kontinuierlich gesteigert und war 2017 mit einem Energieertrag von rund 1,5 TWh der produktionsstärkste deutsche Offshore-Windpark – auch dank zweier Bremer Unternehmen.

Windenergie
15.05.2018
Wem gehören Windkraftanlagen?

Ob auf See oder an Land – Windparks sind im Norden kaum zu übersehen. Aber wer steckt hinter deren Realisierung und gibt das Geld für die weißen Riesen? Die Antwort ist vielschichtig und zeigt: Viele Akteure sind in der Windkraft unterwegs.

Windenergie
06.12.2017
Wenn Windkraftanlagen in Rente gehen

Rotorblätter trotzen Wind und Wetter jahrzehntelang. Ihre Zähigkeit wird in der Entsorgung zum Problem: Sie verrotten kaum, ihre Verbrennung ist fast unmöglich. Die bremische neocomp GmbH hat ein bundesweit einmaliges Verfahren entwickelt, mit dem glasfaserverstärkte Kunststoffe umweltfreundlich recycelt werden.

Digitalisierung / Industrie 4.0
10.10.2017
Industriekletterer nun auch digital gesichert

Industriekletterer sind überall dort gefragt, wo es in die Höhe geht. Die Bremer Rope Access Solutions unternimmt nun auch digitale Höhenflüge: Durch die Bremer Beratungsförderung zur Digitalisierung konnte sich das Unternehmen Fördermittel für ein Digitalprojekt sichern. Zusammen mit den IT-Spezialisten von HEC heißt es nun: Auch digital ist alles sicher.

Windenergie
15.08.2017
Windenergiepionierin Irina Lucke: „Gemeinsam Höhen und Tiefen meistern!“

Irina Lucke ist seit Dezember 2016 Vorstandsvorsitzende der Windenergie-Agentur WAB e.V. Für ihre Amtszeit hat sich die Unternehmenschefin und Offshore-Pionierin klare Ziele gesetzt: Die Energiewende vorantreiben und Ausbauziele erhöhen. Wie sie das schaffen will, verrät sie in unserem Interview.

Windenergie
25.07.2017
Mit Schwingungsmessungen die Anlagenlaufzeit verlängern

Eine Windkraftanlage muss im Laufe ihres Lebens Wind und Wetter trotzen. Die hohen Belastungen können zu Schäden am Fundament führen, welche den Weiterbetrieb der Anlage gefährden. Um rechtzeitig gegenzusteuern, hat die bremische wpd windmanager GmbH & Co. KG ein Verfahren zur Schwingungsmessung entwickelt und bereits erfolgreich eingesetzt.

Internationales
20.07.2017
Offshore-Windenergie: Bremen goes East, Taiwan goes West

In 2025 soll rund 20 Prozent der in Taiwan benötigten Elektrizität aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Offshore-Windenergie. Auf der Suche nach kompetenter Unterstützung reiste eine taiwanesische Delegation daher nach Bremen und wurde überrascht, wie viele Parallelen es in der Entwicklung gibt – nur sind Bremen und Deutschland Taiwan um gut 15 Jahre voraus.

Neu in Bremen
15.06.2017
DEME: Fokus Offshore von Bremen aus

Hohe See, Merkur oder Borkum Riffgrund 2: GeoSea ist am Bau der größten Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee beteiligt. Projekte, die aus einer Partnerschaft mit Hochtief hervorgegangen sind und die die deutsche Tochter der belgischen DEME Gruppe aus gutem Grund von Bremen aus betreut.

Windenergie
24.05.2017
10 Windenergieunternehmen in Bremen – von hier weht der Wind!

Bremen ist Pionierland der Windenergie. Insgesamt 120 Unternehmen haben sich hier angesiedelt. Sie bilden die gesamte Produktionskette ab – von Planung und Finanzierung über die Produktion bis hin zu Services. Wir zeigen anhand von zehn Firmen, was die Windenergie in Bremen alles kann.

Windenergie
31.03.2017
Windrad selbst bauen – wie Windkraftanlagen von Horst Crome die Welt mit Windenergie versorgen

Professor Horst Crome ist einer der Pioniere der Windenergie. Tausende seiner KUKATE-Windenergieanlagen versorgen ländliche Gegenden in aller Welt mit Strom und Wasser. Mit seinen 72 Jahren denkt er noch lange nicht ans Aufhören – und hat viele Ideen für die Nutzung von Wasser, Wind und Sonne.

Windenergie
14.02.2017
Bergsteiger auf hoher See

Hauptsache schwindelfrei! Die meisten der Stahlbau- und Schweißspezialisten der mh² offshore GmbH aus Bremerhaven haben eine Zusatzausbildung als Industriekletterer. Sie sind zur Stelle, wenn es selbst an der Küste gewaltige Höhen zu überwinden gibt – zum Beispiel bei Arbeiten an Offshore-Windkraftanlagen.

Windenergie
31.01.2017
Wartungskosten in der Offshore-Windkraft senken mit preInO

Die Instandhaltung macht bis zu 25 Prozent der Gesamtkosten eines Offshore-Windparks aus. Das Forschungsprojekt preInO möchte diese Kosten nun reduzieren mittels Methoden künstlicher Intelligenz und automatischer Selbstorganisation. Wie Forscher aus Bremen die Offshore-Windenergie günstiger machen

Windenergie
10.01.2017
Förderprojekt in der Windenergie: Neues Flügel-Konzept reduziert Lasten

Dank neuem Rotorblattdesign zu leichteren und kostengünstigeren Windkraftanlagen: Wie ein Bremer Forschungsprojekt mithilfe der WFB und Förderung aus dem Programm für anwendungsnahe Umwelttechniken die Windenergiebranche revolutionieren will.

Digitalisierung / Industrie 4.0
13.09.2016
Zwischen Weltall, Wind und Welle: Kommunikation in Offshore-Windparks

Offshore-Windparks entstehen dutzende Kilometer vor der Küste. Dorthin reichen kein Handynetz und keine Internetverbindung. Das Projekt Com4Offshore will dies ändern und die Projektkommunikation vereinfachen. Dazu nutzt es Cloud- und Satellitendienste, um alle Beteiligten in Echtzeit zu vernetzen.

Windenergie
30.08.2016
Rotorblatt-Inspektion auf 6 Uhr

Mit einem kompakten Kamerasystem machen die Bremer Unternehmen REETEC und Gullyver die Inspektion von Offshore und Onshore-Windenergieanlagen effizienter. Kai Jäger und Sebastian Anders erklären, wie das funktioniert.

Windenergie
02.08.2016
BladeMaker - Hände für Fertigungsroboter kommen aus Bremen

Im Projekt BladeMaker arbeiten Wissenschaftler daran, die Fertigung von Rotorblättern für Windkraftanlagen zu automatisieren. Eine Forschungsgruppe am Bremer BIK übernimmt dabei die Entwicklung der Hände des Roboters.

Windenergie
28.06.2016
Monopiles vibrieren und nicht rammen – Tests zum Nachweis der Tragfähigkeit

Für den Betrieb von Windkraftanlagen ist es wesentlich, Tragfähigkeit und Lebensdauer der Bauteile zu kennen. Die Bremer Firma GEO-ENGINEERING hat ein Verfahren entwickelt, diese zu bestimmen. Im Gespräch erläutern Professor Tobias Mörz und Diplom-Ingenieur Benjamin Ossig die Neuartigkeit der Methode – und was sie außerdem erforschen.

Maritime Wirtschaft und Logistik
14.06.2016
Belieferung von Onshore-Windparks aus dem Neustädter Hafen

Der Umschlag von Stückgut über den Neustädter Hafen hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Dazu trägt auch die Energiewende bei: Insbesondere die Verladung von großen Bauteilen für Windparks sorgt dafür, dass in vielen Nächten Schwertransporte den Hafen verlassen. Dafür sorgen auch die verbesserten Rahmenbedingungen im Land Bremen.

Windenergie
03.05.2016
Offshore-Windenergie – was die Forschung leisten muss

„Digitalisierung bei Betrieb und Instandhaltung von Offshore-Windparks“ lautete die Überschrift der Innovationswerkstatt am 07. April 2016 im BITZ. Vertreter aus Industrie und Forschung trafen sich um gemeinsam an den Optimierungspotenzialen der Branche zu arbeiten.

Windenergie
18.04.2016
Windenergie-Start-up evoblade: Angewandte Forschung und Gründergene

Mit Luftströmen kennt Dr.-Ing. Frank Kortenstedde sich bestens aus. Innerhalb der Dissertation hat der 44-Jährige erste Ansätze für ein innovatives Strömungselement entwickelt, das mittlerweile Kern des Start-ups evoblade ist. Seit 2014 feilt er mit drei weiteren Mitstreitern an der Unternehmensidee. Im kommenden Jahr gehen die Ingenieure an den Markt.