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10.1.2018 - Nina Svensson

Warum Bremen für Savannah so wichtig ist

Internationales

Interview mit Wirtschaftsförderern aus Bremen und Savannah

V.l.n.r.: Hugh „Trip“ Tollison und Craig Lesser von SEDA im Gespräch mit Andreas Gerber, Teamleiter Internationale Ansiedlung bei der WFB
Hugh „Trip“ Tollison (links) und Craig Lesser (Mitte) von SEDA im Gespräch mit Andreas Gerber (rechts), Teamleitet Internationale Ansiedlung bei der WFB. © WFB/Frank Pusch

Im November 2017 war eine US-Delegation aus Savannah zu Gast in Bremen. Sie besuchten mehrere Unternehmen und luden zu einem „Meet & Greet“ in den Industrie-Club ein, um den Wirtschaftsstandort an der Küste Georgias vorzustellen. Warum ihnen die Kontakte so wichtig sind und welche Chancen sie für die Zukunft sehen, erzählen Craig Lesser (World Trade Center Savannah), Hugh „Trip“ Tollison (SEDA, Wirtschaftsförderung Savannah) und Andreas Gerber (WFB Wirtschaftsförderung Bremen) im Interview.

Welche Voraussetzungen bringt die Region an der Küste Georgias mit, um für internationale Partner interessant zu sein?
Tollison: Savannah hat knapp 400.000 Einwohner und zählt mit zu den wichtigsten Häfen im Osten der USA. Fast 20 Prozent des Containerumschlags an der Ostküste werden über Savannah abgewickelt. Außerdem hat die Region eine gute Infrastruktur: Der Flughafen von Atlanta ist nur eine Flugstunde entfernt, und der Hafen bietet insbesondere Logistikunternehmen und dem produzierenden Gewerbe gute Voraussetzungen für einen Markteinstieg. Rund um den Flugzeughersteller Gulfstream hat sich ein dynamisches Zulieferer-Cluster gebildet. Häfen, Logistik, Luftfahrt – das sind die Bereiche, mit denen wir punkten können.

Das sind auch die Stärken Bremens. Reiner Zufall?
Lesser: Nein, diese Gemeinsamkeiten haben wir bewusst gesucht. Vor etwa fünf Jahren haben wir unsere globale Strategie neu ausgerichtet, um unsere regionale Wirtschaft durch Außenhandel und Kooperationen zu stärken. Wir haben auf der Suche nach Wirtschaftspartnern sehr umfangreich recherchiert und aus 100 Ländern zunächst fünf in die engere Wahl gezogen. Deutschland stand ganz oben auf der Liste. Dann haben wir unsere Recherchen vertieft und detaillierte Informationen gesammelt. Bremen und zwei weitere Standorte haben uns überzeugt und so haben wir uns 2013 ins Flugzeug gesetzt, um die Standorte zu besuchen und die Akteure kennen zu lernen. Denn wir sind überzeugt, dass wirtschaftliche Beziehungen und letztendlich Erfolge nur durch persönliche Kontakte entstehen.

Hugh „Trip“ Tollison (links im Bild) und Craig Lesser vor Fotowand
Häfen, Automotive, Luft- und Raumfahrt: Die Bildmotive an der Wand hätten nicht besser zum Interview mit den Wirtschaftsförderern Savannahs passen können: Hugh „Trip“ Tollison (links im Bild) und Craig Lesser. © WFB/Frank Pusch

Warum ist gerade Bremen so wichtig für Savannah?
Lesser: Mehrere Städte waren in der engeren Wahl, Bremen, Halle und München sind unsere Top 3. In Bremen hat einfach alles gepasst, wir wurden von Anfang an sehr offen von der WFB und der Handelskammer empfangen. Um den Außenhandel unserer Region zu stärken, ist ein Hafenstandort mit einer stetig wachsenden maritimen Wirtschaft und Logistik sowie einer funktionierenden Infrastruktur als Partner für uns ideal. Eine weitere wichtige Parallele ist die Luftfahrt: Bremen ist mit Airbus und den vielen hier ansässigen Zulieferern ähnlich aufgestellt wie Savannah mit Gulfstream. Warum also nicht die Akteure beider Standorte zusammenbringen und durch die Kooperationen die jeweilige Wirtschaft stärken?

Tollison: Unser Ziel ist natürlich auch, dass deutsche Unternehmen in unserer Region investieren und dadurch Arbeitsplätze schaffen. In den vergangenen fünf Jahren ist bereits viel passiert. Unser regionales Wirtschaftswachstum ist zurzeit das größte der USA, das wollen wir weiter ausbauen.

Wie kann denn der Standort Bremen davon profitieren, wenn Bremer Unternehmen in Savannah ansässig werden?
Gerber: Wir Wirtschaftsförderer kennen uns inzwischen schon seit mehreren Jahren, und ich schätze das gewachsene freundschaftliche Verhältnis. Savannah ist in jedem Fall ein guter Anknüpfungspunkt für Bremer Unternehmen, die in den USA aktiv werden wollen, denn Georgia liegt strategisch günstig im wirtschaftlich aufstrebenden Südosten der USA. Von einer Ansiedlung dort kann auch Bremen profitieren: Wenn jemand eine Niederlassung im Ausland eröffnet, bekommt der Hauptsitz im Allgemeinen auch mehr zu tun.

„Persönliche Kontakte sind wichtig. Wenn man eine gemeinsame Ebene gefunden hat, dann muss man nur zum Telefon greifen, um etwas auf die Beine zu stellen.“

Craig Lesser, World Trade Center Savannah

Es haben bereits mehrere Besuche auf beiden Seiten stattgefunden. Was sind nun die nächsten Schritte, um Kooperationen auf den Weg zu bringen?
Tollison: Wir nutzen diesen Besuch, um insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen auf Savannah aufmerksam zu machen und einzuladen: Das Savannah Gateway Regional Showcase bietet ausgewählten Bremer Unternehmen im April 2018 ein Business-Programm mit individuell organisierten Firmenbesuchen in der Region Savannah. Sämtliche Kosten außer der Anreise werden übernommen und die Termine vom World Trade Center Savannah koordiniert. Zeitgleich findet das Savannah Music Festival statt, Georgias größtes Musikfestival mit mehr als 500 Künstlern aus der ganzen Welt.

Sind Sie extra nach Bremen gekommen, um die Unternehmen nach Savannah einzuladen?
Lesser: Wenn man nur im Büro sitzen bleibt, dann passiert auch nichts. Wir sind davon überzeugt, dass globale Wirtschaftsverbindungen immer das Ergebnis von persönlichen Beziehungen sind. Dafür machen wir uns gerne auf den Weg und nutzen die Gelegenheit, Unternehmen in Bremen und Bremerhaven kennen zu lernen. Wir hoffen, dass wir die Beziehungen langfristig vertiefen können und sich deutsche Unternehmen bei uns ansiedeln.

Flaggen von Deutschland und Georgia am Revers
Zeichen einer deutsch-amerikanischen Freundschaft: Die Flaggen von Deutschland und Georgia am Revers. © WFB/Frank Pusch

Welche Faktoren am Standort Savannah könnten denn für Bremer Unternehmen ausschlaggebend sein, sich dort anzusiedeln?
Gerber: Wichtig sind im Prinzip die gleichen Faktoren wie hier auch: Infrastruktur, Wirtschaftscluster, das wissenschaftliche Umfeld, Flächen und Immobilien. Dazu kommen noch die soften Faktoren wie Lebensqualität, Wohnen, Kultur oder Freizeit, die die Entscheidung des Unternehmens beeinflussen.  Letztendlich entscheidet das Bauchgefühl mit – und darum ist es sicher hilfreich, wenn sich persönliche Kontakte durch gegenseitige Besuche bereits vorher gefestigt haben.

Vielen Dank für das Gespräch.


Unternehmen, die sich für eine Teilnahme am Savannah Gateway Regional Showcase interessieren, können sich unter www.savannahgatewayshowcase.com informieren und noch bis zum 1. Februar 2018 für eine Teilnahme bewerben.


Informationen über Bremeninvest, der internationalen Marke der WFB Wirtschaftsförderung Bremen, ihre Aktivitäten und Ansprechpartner finden Sie hier.


Ansprechpartner bei der WFB ist Andreas Gerber, Teamleiter Internationale Ansiedlungen, Telefon 0421 9600  123, andreas.gerber@wfb-bremen.de.


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