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2.7.2020 -

Briefe aus der Türkei: Ausgabe Juli 2020

Internationales
Wissen und Interessantes rund um die türkische Wirtschaft
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Wie geht die Türkei mit der Corona-Krise um? Und warum fließen beinahe zwei Milliarden Dollar aus dem Silicon Valley nach Istanbul?

Direkt aus der Seehafenstadt Izmir berichtet Erol Tüfekҫi, Direktor des dortigen Bremeninvest-Büros der Wirtschaftsförderung Bremen, und gibt uns alle vier Monate einen Überblick über Trends, Chancen und neue Entwicklungen im Land. Wenn Sie diesen Länderbrief regelmäßig als Newsletter erhalten wollen, melden Sie sich gern hier an.

Unsere Themen im Juni:

Welche Aufgaben Bremeninvest in der Türkei wahrnimmt

Über die Auslandsmarke Bremeninvest betreibt die Wirtschaftsförderung Bremen ein eigenes Büro in der Türkei. Genauer gesagt, in einer der dynamischsten Städte des Landes in Izmir. Unser Kollege vor Ort, Erol Tüfekci, hat in einer Videobotschaft einmal die Arbeit vor Ort zusammengefasst – vor bester Kulisse, der Skyline des modernen Stadtteils Bayrakli:

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Wie die Türkei durch die Coronakrise kommt

Nach den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der vergangenen Jahre (Währungskrisen und hohe Inflation) hatte die Türkei auf eine Erholung der Wirtschaft in 2020 gehofft. Und die anfänglichen Daten waren durchaus positiv, im ersten Quartal 2020 konnte das Land ein BIP-Wachstum von 4,5 Prozent melden.

Die Coronakrise könnte nun zu einem Einbruch bis zu einer Rezession führen. Zwar rechnet der türkische Finanzminister Berat Albayrak mit einer V-förmigen Erholung der Wirtschaft und damit einem weiteren Wirtschaftswachstum. Andere Quellen wie die Europäische Kommission und der Internationale Währungsfonds rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um fünf Prozent, bedingt durch eine schwache Nachfrage im Inlands- und Auslandgeschäft, niedrige Investitionen und einer schwächelnden Währung verbunden mit hoher Inflation.

Wie in anderen Ländern auch, hat die Türkei wirtschaftspolitische Maßnahmen aufgesetzt, etwa zinsgünstige Kredite, Aufschub von Zahlungen, Steuersenkungen, Erhöhung der Renten oder Kurzarbeit. Dazu kommen Sonderzölle und Importverbote, um die einheimische Produktion zu stärken.

Trotz dieser Schwierigkeiten bietet die Türkei nach wie vor Chancen für Unternehmen als Absatzmarkt und Produktionsstandort, dank einer guten geografischen Lage, ausgeprägter Industrie und eines großen Binnenmarkts. Im „Doing-Business 2020“-Ranking der Weltbank (Prä-Corona), das vergleicht, wie einfach es ist, in einem Land ein Geschäft aufzubauen, konnte sich die Türkei um zehn Plätze auf Rang 33 verbessern. Besonders der Verkehrssektor sowie die Erneuerbaren Energien bieten künftig Chancen. Die Windkraftindustrie ist einer der wachstumsstärksten Sektoren des Landes.

Tourismus und Corona – kommen die Reisenden zurück?

Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Industriezweigen in der Türkei und trägt rund zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Coronakrise hat dem Reisegeschäft einen Riegel vorgeschoben, Mitte März wurde der internationale Flugverkehr komplett eingestellt.

Jetzt hofft die Türkei auf eine schnelle Erholung. Viele touristische Ziele sind seit dem 1. Juni wieder geöffnet, Einreiseverbote wurden bereits am 11. Juni aufgehoben, am 1. Juli starteten die ersten Flugverbindungen wieder. Um für die eigene Sicherheit zu werben, hat die Türkei ein „Safe Tourism“-Zertifikat aufgelegt. Hotels und Gastronomen können sich dazu auditieren lassen, ausreichende Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus ergriffen zu haben. An der Auditierung sind deutsche Dienstleister wie verschiedene TÜV-Stellen beteiligt. Diese Maßnahme soll das Vertrauen in das Urlaubsland wieder erhöhen.

Ob so wenigstens ein Teil der 60 Millionen erwarteten Touristen ins Land holen können, bleibt abzuwarten. Ein Wiederaufflammen des Virus könnte zu einer schnellen Verschärfung der Corona-Regeln führen, bereits Mitte Juni mussten in einigen Provinzen Maskenpflichten wiedereingeführt werden. Eine ADAC-Umfrage in Deutschland im Mai kam zudem zu dem Ergebnis, dass rund ein Viertel der Befragten ihre Auslandsreisepläne verworfen haben.

Darüber hinaus gilt in Deutschland nach wie vor eine Einreisewarnung für die Türkei. Damit sind Reisen in die Türkei nicht verboten, das Auswärtige Amt warnt jedoch vor nicht notwendigen touristischen Reisen. Es bleibt eine große Unsicherheit und die Hoffnung auf einen starken Spätsommer und Frühherbst an den Sandstränden des Mittelmeeres.

Zynga kauft Peak für 1,8 Milliarden Dollar

Die türkische Digitalwirtschaft ist kaum bekannt außerhalb des Landes. Deshalb sorgte der Deal des amerikanischen Videospieleherstellers Zynga aus San Francisco für Aufsehen: Dieser kündigte Anfang Juni den Kauf des türkischen Start-ups Peak für 1,8 Milliarden Dollar an. Damit wird Peak, ebenfalls ein Spielehersteller, zum ersten türkischen „Einhorn“, ein Start-up mit einer Bewertung von mehr als 1 Milliarde Dollar.

Zynga hatte bereits 2019 das türkische Gaming-Start-up „Gram Games“ für 250 Millionen Dollar gekauft. Mit einem Medianalter von knapp über 30 Jahren ist die digitalaffine Zielgruppe im Land groß, fast die Hälfte der Türkinnen und Türken spielen mehr oder weniger regelmäßig. Und auch darüber hinaus hat der türkische Gaming- und IT-Sektor großes Wachstumspotenzial. Bereits 2018 kaufte der chinesische Onlineriese Alibaba das türkische Start-up Trendyol für 750 Millionen Dollar. In der Türkei liegt die Zahl der Internetnutzenden noch unter der in Deutschland, das Wachstum in Bereichen wie Gaming, E-Commerce oder auch Informationsdiensten ist seit Jahren ungebrochen stark.

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Clas Vögeding

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Erol Tüfekçi

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